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Neue Solidarität
Nr. 43, 21. Oktober 2009

Grafische Tricks und faktische Wahrheit

Seit Monaten verbreiten Präsident Obama und seine Regierung die Behauptung, fast ein Drittel der Ausgaben der staatlichen Krankenversicherung Medicare seien „unnötig“, und sie berufen sich dazu auf Studien des Dartmouth Instituts für Gesundheitspolitik und klinische Praxis. Nun haben führende Mitarbeiter dieses Instituts aber selbst faktisch nachgewiesen, daß diese Behauptung im wesentlichen unwahr ist.

Die falsche Argumentation verlief im wesentlichen so: Wenn man die Medicare-Zahlungen in allen Teilen des Landes auf das Niveau zusammenstreicht, wie es in anderen Landesteilen mit weniger Ausgaben herrscht, könne man ca. 30% der Kosten im Gesundheitswesen einsparen.

Bild: Dartmouth Institute/Elliot Fisher
Mit dieser Grafik „erklärt” das Dartmouth Institute, warum (angeblich unnötige) 30% der Gesundheitsausgaben in den USA eingespart werden könnten. Um ein realistisches Bild zu erhalten, müßten jedoch alle fünf Balken um die durchschnittlichen Gesundheitsausgaben in dem Fünftel der Regionen den geringsten Ausgaben (also um ca. 6.600 $) verlängert werden. Dann würde offensichtlich, daß der angeblich „einsparbare“ Anteil unter 10% liegt.

Diese Unwahrheit wurde nun durch einen Artikel im New England Journal of Medicine vom 24. September 2009 widerlegt. Der Artikel mit der Überschrift „Die Realitätsverweigerung überwinden: Die hohen Kosten im Gesundheitswesen der Vereinigten Staaten“ bezieht sich auf eine Studie der Dartmouth-Gruppe, an der führend ein gewisser Dr. med. Elliot Fisher beteiligt war. Auch wenn die Autoren selbst den Schluß nicht ziehen, belegen die in diesem Artikel angeführten Zahlen, daß die angeblich ungerechtfertigten regionalen Unterschiede bei den Gesundheitsausgaben sich keineswegs, wie bisher behauptet, auf mehr als 30%, sondern auf nicht einmal ein Zehntel, nämlich auf 9,5% belaufen.

Die Mitarbeiter der Wennberg-Dartmouth-Gruppe, auf die sich die Regierung bezieht, nennen als Grund für die Diskrepanz zwischen den Gebieten mit den höchsten und den niedrigsten Medicare-Ausgaben pro Kopf der Bevölkerung „ungerechtfertigte regionale Ungleichgewichte“, womit sie unberechtigte überhöhte Ausgaben meinen. Zur Bekräftigung dieser Behauptung gebrauchen sie eine List mit einem Diagramm, das gezielt einen falschen Eindruck erweckt. Dieses entscheidende Diagramm zu dem Artikel zeigt angeblich „den Anteil höherer regionaler Medicare-Ausgaben, die sich auf rassische Unterschiede, Einkommensunterschiede, gesundheitliche und regionale Umstände zurückführen lassen“ (siehe nebenstehende Abbildung).

Für das Diagramm unterteilten die Autoren die in der Studie untersuchten Gebiete in fünf Territorien mit gleicher Bevölkerungszahl und ordneten sie nach den jeweils anfallenden jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben der Medicare-Versicherung. Das Diagramm vermittelt den visuellen Eindruck, das am höchsten aufragende Fünftel (als Balken dargestellt) sei um ein Vielfaches höher als das niedrigste, und der höchste der fünf Balken wird zum größten Teil als unnötige Aufwendung zur Gesundheitsfürsorge bezeichnet. Tatsächlich zeigt das Diagramm aber gar nicht alle fünf Gebiete, sondern nur die Gebiete 2-5, und bei ihnen nur den Unterschied zu den Ausgaben im ersten, nicht dargestellten Fünftel.

Warum ist das erste Fünftel nicht dargestellt? Vielleicht deswegen, weil seine Darstellung den visuellen Eindruck der Grafik völlig verändern und so zeigen würde, daß die regionalen Unterschiede nur 9,5 % der Gesamtkosten ausmachen, und nicht den viel höheren Prozentsatz, den dieses der Studie entnommene Diagramm unterstellt.

Die vier gezeigten Balken stehen für ungefähr 500 $, 800 $, 1.500 $ und 3.300 $. Wenn der höchste Balken 50% der Höhe des ersten Fünftels beträgt, wie es der Autor angibt, dann muß das erste Fünftel $ 6.600 betragen. Also sind die wirklichen Höhen der fünf Teile 6.600 $,  7.100 $, 7.400 $,  8.100 $ und  9.900 $. Die Gesamtsumme der fünf Balken beträgt dann $39.100. Jeder der vier Balken in der Grafik ist unterteilt in Kosten aufgrund der Rasse, der gesundheitlichen Umstände, des Einkommens und einen letzten Anteil, der als regionale Faktoren bezeichnet wird. Und diese regionalen Faktoren sind diejenigen, die in dem Artikel als überflüssige Gesundheitsausgaben bezeichnet werden. Bei genauer Betrachtung stehen diese „regionalen Faktoren“ in den Balken für höchstens 100 $, 500 $, 800 $ und  2.300 $, insgesamt 3.700 $. Das sind aber 9,5% von 39.100 $, und nicht 30%!

            Dr. med. Ned Rosinsky