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* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Neue Solidarität
Nr. 27, 7. Juli 2010

Ein Volk verdient nur die Regierung, die es duldet

„Ich stimme vollkommen mit Ihnen überein. Aber hier in Deutschland, das können Sie vergessen, das schaffen Sie niemals!“, oder - womit Helga ins Schwarze traf, worauf das Publikum mit Beifall reagierte - „Uns Deutschen liegt die Impotenz in den Knochen.“ Doch allen, die jetzt schmunzeln, sei gesagt: Solche Ausreden lassen wir nicht mehr gelten!

Denn ein großer Teil der Bevölkerung ist sehr wohl bereit, mit der uns traditionellen Duldsamkeit zu brechen. Der Massenstreik hat Deutschland längst erreicht und läutet nun eine neue Phase ein, da die Menschen verstehen, daß wir nicht länger über die Fehler der „Reichen, Mächtigen“ und derer „da oben“ lamentieren können, sondern selbst zur Tat schreiten müssen, wenn uns die Zukunft der Nation und der kommenden Generationen teuer ist. Ein Volk verdient nur die Regierung, die es duldet, und wir haben dem kleinen Kreis der Finanzelite viel zu lange tatenlos zugesehen.

In diesem Geiste erlebten wir die Bürger in den letzten Wochen auf der Straße und bei der Konferenz. Diejenigen, die schon früher über uns gehört oder gelesen hatten, entschließen sich nun, zu handeln, und werden Mitglied, unterstützen unsere Aktionen mit Spenden und holen sich Rat, wie sie auch ihren Bekanntenkreis mobilisieren können.

Wir kontaktierten viele Vertreter sozialer Einrichtungen, Institutionen und Banken, und diese waren offener denn je, unsere Ideen kennenzulernen und die Alternativen zu der heute praktizierten brutalen Sparpolitik zu diskutieren. Hier zeigt sich auch das politische Vakuum in der Parteienlandschaft, denn was in der öffentlichen Medien- und Politikerdebatte fehlt, sind funktionierende Lösungen und eine Perspektive für die kommenden 100 Jahre. Das merken vor allem junge Leute, die zahlreich auf der Konferenz vertreten waren und generell aktiv werden und Verantwortung übernehmen, weil sie zum ersten Mal seit langer Zeit inspiriert wurden.

Wie etwa durch Rainer Apels Vortrag „Von Köln zum Mars“, der davon handelte, wie man künftig mit nur zwei Zwischenstopps - mit dem Transrapid zum naheliegenden Weltraumbahnhof, weiter zum Mond und von da aus mit einem kernfusionsgetriebenem Fahrzeug zum Mars - schnell und sicher zum Mars reisen können wird. Dies sei verbunden mit der Industrialisierung und infrastrukturellen Erschließung von Mond und Mars, wofür Deutschland eine Pionierrolle bei der Entwicklung von Maschinen für das Bergbauwesen auf anderen Planeten tragen sollte. Eine weitere Herausforderung sei die Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung im All für die dort permanent stationierten erst Hunderte, dann Tausende, später Millionen von Forschern und Entwicklern, wobei man nur ahnen kann, welche Durchbrüche auf der Erde durch die Erforschung der Weltraum-Agrikultur und -Medizin erzielt werden können.

Hier wurde deutlich, was die eigentliche Aufgabe der Menschheit ist; nämlich die Erforschung von Naturgesetzen und physikalischen Prinzipien, nach denen unser Universum geschaffen ist; deren Umsetzung in die Kunst und Industrie und somit die ständige Verbesserung der Lebensqualität und des geistigen Potentials der Bevölkerung. Dies sind Charakteristiken einer menschlichen Gesellschaft, im Gegensatz zu der banalen Akkumulation von Papier, das wir „Geld“ nennen.

Besondere Dynamik der Geschichte

Aufgrund der vielen Fragen und der daraus entstehenden dynamischen Diskussion verzichteten die Teilnehmer kurzerhand auf die Pause. Einstimmigkeit herrschte, als Frau Zepp-LaRouche das heutige Finanzsystem, sowie die Unterhaltungskultur als satanisch bezeichnete, und zwar nicht im religiösen Sinne, sondern weil es gegen den Fortschritt der Menschheit und die Ausbildung des kognitiven Potentials der Menschen gerichtet ist.

Von großer Brisanz war daher die Frage nach dem „wie“: Wie können wir die Menschen aus der heutigen „Brot und Spiele“-Gesellschaft retten?

Hier mußte unsere Bundesvorsitzende weiter ausholen und einen Blick auf die Geschichte nehmen. In Zeiten großer Krisen und Umbrüche kommt die treibende Kraft der Geschichte ans Tageslicht, eine Dynamik, die auf alle Menschen wirkt; auch wenn die meisten diesen Prozeß nicht verstehen, werden doch alle davon ergriffen. Wenn die Ungerechtigkeit das Maß übersteigt und die Grenze erreicht ist, wo die Duldsamkeit noch Tugend heißt, dann wachen die Menschen aus ihrem Winterschlaf auf und fordern ihre unveräußerlichen Rechte ein. Dann geht es den Menschen um weit mehr als nur um die Lösung ihrer eigenen Probleme, nein, dann geht es ums Ganze. Die Menschen sind bereit, sich mit höheren Ideen über die Menschheit auseinanderzusetzen und diese konsequent einzufordern.

Diese Dynamik ist es, die den Lauf der Geschichte prägt und uns auch in Deutschland im Blute steckt. Nichts anderes hat damals einfache 20jährige Bauernsöhne veranlaßt, in die Befreiungskriege gegen Napoleon zu ziehen, bewaffnet mit einer mächtigeren Waffe als alle Tyrannenregime der Welt: mit der Idee von Einigkeit, von Recht und Freiheit sowie den Gedichten Schillers an der Brust, die sie von Charlotte Schiller bekamen. Ebenso erging es den Aktivisten der Weißen Rose, die, bewegt von den höchsten Ideen über die Menschheit von Plato, Schiller und Bach, den Mut zum Widerstand fanden. Eine gelungene Revolution liegt erst 20 Jahre zurück, als es nicht mehr um „die da oben“ ging, sondern um die Bürger, die ihr Naturrecht auf Gerechtigkeit und Selbstbestimmung einforderten. Diese kulturelle Entwicklung liegt tief im Bewußtsein der Menschen verankert, und jene ist es, die heute zutage tritt.

Jetzt liegt es an uns und Ihnen allen, wie wir diesen historischen Moment nutzen. Die Mobilisierung hat längst begonnen, um die aufbegehrenden Bürger mit den höchsten Ideen des Menschenbildes als schöpferisches Wesen im Universum zu versorgen und den bevorstehenden Umbruch in die richtige Richtung zu lenken. Den Teilnehmern wurde klar, daß die Veränderung nicht durch Tricks und Kompromisse, sondern nur durch eine kulturelle Renaissance im Denken erreicht werden kann. Die meisten verließen die Konferenz nicht ohne einen großen Stapel Flugblätter und DVDs, um selbst ein Multiplikator der Ideen zu sein und die Medienkontrolle zu durchbrechen; viele wollen nun selbst Veranstaltungen organisieren. Dies ist ein weiterer Schritt, um eine breite Debatte über Lösungen, eine gerechte Weltwirtschaftsordnung und die Rolle des Menschen im Universum zu entfachen.

Eugenia Fix