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Neue Solidarität
Nr. 27, 7. Juli 2010

Der Arbeitsmarkt in Deutschland wird immer lichter

Nicht genug, daß das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft bis 2014 ein Fehlen von 220.000 Ingenieuren (vor allem in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) voraussagt, das zur Bundesagentur für Arbeit gehörende Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) legt in einer Studie noch nach und gibt zu, daß die Hartz4-Reform unter Rot-Grün, speziell was die Leiharbeit betrifft, doch keine Brücke für Langzeitarbeitslose ist, wieder in einen regulären Job eingegliedert zu werden, sondern maximal nur ein Steg für Arbeitnehmer, die gerade erst ihren Job verloren haben.

Was man nie wollte - Tagelöhner bzw. das Prinzip „hire and fire“ -, dem hat man damit eine Tür geöffnet. In der Öffentlichkeit und gerade bei SPD-Politikern ging es immer nur um „flexiblere Arbeitnehmer“, man wolle denjenigen Menschen, die schon länger arbeitslos sind oder in der Vergangenheit unregelmäßig beschäftigt waren, helfen, wieder besser in den regulären Arbeitsmarkt zurück zu kommen. Schöne Worte - aber leider nur eine Verdrehung der Tatsachen.

Geholfen hat es nur den Arbeitgebern, die nicht mehr langfristig planen wollen und eher auf den kurzfristigen Profit aus sind, und natürlich Herrn Clement selbst, der die Reform als Bundeswirtschaftsminister 2003 übernommen hat und heute u.a. bei dem weltweit größten Leiharbeit-Unternehmen Adecco eine schöne Stelle hat.

Zwar sind laut dem IAB 2010 nur 2% aller Beschäftigten in Deutschland als Leiharbeiter tätig, aber immerhin sind das 750.000 Menschen. Ein Beispiel, in welchem Maße Arbeitgeber so etwas nutzen, sieht man bei BMW in Leipzig: dort sind 30% der Beschäftigten Leiharbeiter.

Leiharbeiter dürfen sich hier in Deutschland wie Arbeiter niederer Klasse fühlen. Sie verdienen für die gleiche Arbeit 20-25% weniger, müssen sehr oft andere (minderwertige) Arbeitskleidung tragen, bezahlen mehr in der Betriebskantine und dürfen sehr oft nicht auf dem Betriebsparkplatz parken. Es gibt noch mehr Unterschiede, und die bringen sehr oft die Festangestellten dazu, ihre Arbeitsplätze mit aller Kraft zu verteidigen - wer als Leiharbeiter schon mal in einem Betrieb war, weiß, daß man sehr oft nicht gern gesehen ist.

Die größte Anzahl der Leiharbeiter sind Menschen, die vorher nur unregelmäßig arbeiteten. Im Schnitt, sagt der Bericht des IAB, haben nur 13% die Chance, wieder in den regulären Arbeitsmarkt eingegliedert zu werden; 42% rutschen in die Langzeitarbeitslosigkeit.

Die Bundesagentur für Arbeit sagt, daß wir - wenn es keine weitere Krise gibt - im August unter 2 Millionen Arbeitslose haben werden. Eine andere Studie der IAB besagt aber, daß es ungefähr 2 Millionen Langzeitarbeitslose gibt. Und was ist eigentlich mit denen, die aus der Arbeitslosenstatistik herausgenommen wurden? Und die Eurokrise, bzw. Finanz- und Wirtschaftskrise, ist, wenn man sich die Finanzwelt anschaut, nicht nur nicht vorbei, sondern dabei, in neue Tiefen abzugleiten.

Wir brauchen endlich eine Reorganisation des Finanzsystems nach dem Glass-Steagall-Standard und eine Ankurbelung der Wirtschaft durch Großprojekte. Was wir dafür zuallererst brauchen, ist das Denken, das der Chef von Thyssen/Krupp in einem Interview mit der WAZ ganz richtig beschrieb: „Es wird in dem Maße schwieriger, indem die Meisten Menschen in gesichertem Wohlstand leben und sich wenig Gedanken darüber machen, woher dieser Wohlstand kommt und wie er bewahrt wird. Ja, die Akzeptanz für Großprojekte schwindet. Da ist Aufklärung erforderlich.“

eir