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Neue Solidarität
Nr. 22, 30. Mai 2012

Zum Gedenken an Dietrich Fischer-Dieskau

(28.5.1925 - 18.5.2012)

In diesem Monat verstarb der weltbekannte Bariton Dietrich Fischer-Dieskau im Alter von 86 Jahren. Aus diesem Anlaß drucken wir im folgenden noch einmal ein Interview ab, das Fischer-Dieskau 1996 der Kulturzeitschrift Ibykus gab. Im Mittelpunkt stehen dort Franz Schubert und seine Lieder, aber davon ausgehend werden auch grundsätzliche Gedanken über Lied, Musik und Poesie entwickelt.

Dietrich Fischer-Dieskau war einer der letzten Vertreter einer großen Sängergeneration, die in den Nachkriegsjahrzehnten als Lieder- wie als Opern- und Oratorienkünstler für zeitlose Schönheit stehen (Hermann Prey, Jahrgang 1929, Fritz Wunderlich, Jahrgang 1930, u.a.). Er war ein herausragender Liedinterpret. Das besondere ist hier vielleicht die Kombination aus intellektueller Arbeit - der Beschäftigung mit der Dichtung, mit den Komponisten und ihrem Umfeld, was er auch in viele Aufsätze und Bücher faßte - und dem Erfüllen der Musik mit der richtigen Emotion. Eines der Resultate davon ist, daß Fischer-Dieskau den Text der Lieder immer klar und betont wiedergibt, dabei aber stets in der Gesangsstimme den „Belcanto“-Klang und das Legato beibehält.

Fischer-Dieskau, der als junger Sänger nach dem Krieg von dem großen Dirigenten Wilhelm Furtwängler gefördert wurde, war musikalisch vielseitig, stand jedoch klar in der klassischen Tradition. So kritisierte er vor einigen Jahren in einem Interview die Verfälschungen auf den Opernbühnen durch das Regietheater: „Ich halte es für ein Manko, daß die Regisseure sich andauernd erdreisten, den Zeitrahmen der Handlung zu verschieben.“ Sie „erkennen nicht, daß die Voraussetzung für eine richtige Wiedergabe im historischen Teil der Oper liegt“. Mit der „Aktualisierung“ würden sich „die Opernhäuser selbst einen Strick um den Hals legen. Sie stellen die Stücke nicht mehr so dar, wie sie gemeint sind. Es herrscht das Primat der Originalität, nicht der historischen Verantwortung.“

Ein Nachruf auf einen Sänger sollte aber eigentlich nicht aus gedruckten Worten bestehen, sondern aus klingender Musik! Glücklicherweise existieren von Dietrich Fischer-Dieskau - von Musikfreunden auch liebevoll „Fi-Di“ genannt - Audio- und Videoaufnahmen in Hülle und Fülle. Sein größtes Projekt war die Aufnahme (annähernd) aller Schubert-Lieder, das sind viele hundert, und Stücke wie Schuberts außergewöhnlichen Zyklus Die Winterreise hat er im Lauf der Jahrzehnte etliche Male aufgenommen. Als er aus Altersgründen keine Konzerte mehr geben konnte, widmete sich Fischer-Dieskau Textlesungen und dem Unterricht junger Künstler, auch davon gibt es sehr interessante Aufnahmen.

Für die Zukunft der klassischen Musik werden alle diese Schallplatten, CDs und Videos eine unerschöpfliche Schatzkiste bleiben. Um den Titel unseres Ibykus-Interviews abzuwandeln: „Es gibt kein Lied mit Dietrich Fischer-Dieskau, aus dem man nicht etwas lernen kann.“ 

wh