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Neue Solidarität
Nr. 34, 20. August 2014

Obama: Infrastruktur in Afrika? Ohne mich!

Lawrence Freeman verteilte auf dem USA-Afrika-Gipfel vom 4.-6. August in Washington die folgende Erklärung als Flugblatt.

In ihrer Rede vor dem Atlantikrat am 31. Juli in Washington machte die für Afrika zuständige US-Staatssekretärin Linda Thomas-Greenfield deutlich, daß die Vereinigten Staaten grundsätzlich keine Infrastruktur in Afrika bauen werden. Sie sagte, der Zweck von Präsident Obamas USA-Afrika-Gipfel sei der, Amerikas seit 50 Jahren bestehende Partnerschaft und Freundschaft mit Afrika zu bekräftigen, aber nicht, Milliarden zu verteilen. Wenn andere Länder wollten, könnten die zwar Infrastruktur aufbauen, aber die Afrikaner sollten in ihren Beziehungen zu anderen Wirtschaftsmächten lieber vorsichtig sein.

Afrika hat von allen Kontinenten das größte Infrastrukturdefizit pro Kopf und pro Quadratkilometer, und ohne Infrastruktur wird es dort keine wirtschaftliche Entwicklung geben. Die Ausbreitung des tödlichen Ebola-Virus ist an sich schon ein Zeichen dafür, daß in Afrika keine angemessenen Volkswirtschaften aufgebaut wurden. Der Ausbruch von Ebola in Westafrika wird möglicherweise das Hauptthema des Afrikagipfels sein müssen. Die Stromversorgung ist entscheidend und unverzichtbar für die Entwicklung eines jeden Landes, und gerade deshalb ist Präsident Obamas Vorzeigeprogramm „Power Africa“ ein gewaltiger Schwindel.

Afrika braucht Elektrifizierung

Da 550 bis 600 Millionen Afrikaner, die südlich der Sahara leben, keinen Stromanschluß haben - also mehr als die Hälfte der Bevölkerung buchstäblich im Dunkeln sitzt -, ist das Programm, das Präsident Obamas persönliche „Handschrift“ in der Afrikapolitik zeigen soll, „Power Africa“ [für eine angebliche Verdoppelung der Stromversorgung in Afrika] entweder reiner Betrug, ein grausamer Scherz oder erfunden von Leuten, die nicht addieren und dividieren können. Die Initiative sieht vor, im Laufe von fünf Jahren zusätzliche 8-10.000 MW Stromerzeugung zu schaffen, verteilt über mehrere Länder - Nigeria, Liberia, Ghana, Tansania, Äthiopien und Kenia -, und damit 20 Millionen Verbraucher mehr zu versorgen. Das ist alles andere als eine Verdoppelung. Gegenwärtig haben 400-450 Millionen Menschen in Schwarzafrika einen Stromanschluß, jedoch in Watt pro Kopf gerechnet nur sehr wenig Strom. Dennoch sprach Obama in seinen Reden in Südafrika 2013 zweimal von der „Verdoppelung“, und seine Regierung hat das seither oft wiederholt.

Afrika südlich der Sahara ist der Erdteil mit der geringsten Stromerzeugung auf der Welt und mit der niedrigsten Wattmenge pro Kopf. Insgesamt werden weltweit ca. 5200 GW, d.h. 5200 Mrd. Watt Strom erzeugt. Davon verbraucht Schwarzafrika etwa 70 GW, d.h. 70 Mrd. Watt, das ist ein Anteil von ganzen 1,5%. Ist es da ein Wunder, wenn vom „dunklen Kontinent“ die Rede ist? Selbst wenn man Obamas Programm alle fünf Jahre verdoppeln oder verdreifachen würde, säße Afrika noch im Finstern. Ein Blogger hat ausgerechnet, daß bei gleichmäßiger Verteilung von Afrikas Stromverbrauch, jeder Afrikaner eine Glühbirne dreieinhalb Stunden täglich leuchten lassen könnte, sonst nichts - und daß Obamas Programm diese Zeit bloß um 18 Minuten verlängern würde.

Nehmen wir Nigeria als Beispiel. Nigeria erzeugt im besten Fall 4000 MW Strom, nicht eingerechnet noch einige tausend MW, die Haushalte mit kleinen Dieselmotoren teuer selbst erzeugen, was am allgemeinen Energiemangel nichts ändert. Bei 177 Mio. Einwohnern und maximal 4000 MW Strom ergibt das für jeden Nigerianer durchschnittlich 25 W Energie, andere Schätzungen ergaben sogar nur 12 W. Damit Nigeria ein vergleichbares Niveau erreicht wie die Vereinigten Staaten mit 1400 W Energieverbrauch pro Kopf, worauf es ein Recht hätte, dann bräuchte Nigeria 248.000 MW oder 248 GW - ungefähr das 60fache der gegenwärtigen Stromerzeugung. Und man rechnet damit, daß Nigerias Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren auf 250 Millionen anwachsen wird, was bedeutet, daß man noch mehr Strom braucht. Obamas „Afrika-Nicht-Strom-Programm“ wird, falls es jemals realisiert wird, Nigeria in fünf Jahren ganze 2000 MW liefern.

Damit eine Milliarde Menschen in Schwarzafrika einen amerikanischen Lebensstandard genießen können, bräuchte man 1.400.000 MW oder 1400 GW Strom. Das ist nur mit Kernkraft möglich, weil sie am effizientesten, kostengünstigsten und im Energiefluß am dichtesten ist. Darum ist es für ganz Afrika eine begeisternde Aussicht, daß Südafrika entschieden hat, sechs Kernkraftwerke mit 9600 MW Strom zu bauen. Südafrika, das schon jetzt auf dem Kontinent die höchste Stromerzeugung pro Kopf hat, wird damit genausoviel Stromerzeugung schaffen wie Obamas gesamtes Programm, und die wird bedeutend produktiver sein als Solarenergie und Windparks. Dabei spielt es keine Rolle, ob letztere erneuerbar sind: Sie sind zu ineffizient, ihre Energieflußdichte ist zu gering, um eine moderne Agrar- und Industriewirtschaft zu versorgen. Rußland verhandelt mit Südafrika bereits über den Bau und die kostengünstige Finanzierung dieser Reaktoren.

Mit Kernkraft und später dann Kernfusion wird Afrika genug Energieflußdichte haben, um Verkehrsmittel und Pumpen zur Bewässerung zu betreiben, neue Kanäle zu graben und Kernkraftwerke zu bauen, die mit ihrer Energie und ihrem heißen Dampf ideal zur Meerwasserentsalzung geeignet sind. Warum sollte man nicht einen zweiten Nil mit entsalztem Wasser schaffen? Wir wissen, daß Ägypten und das Horn von Afrika das brauchen. Mit einem solchen Programm auf der Grundlage hoher Energieflußdichten können die Menschen in Afrika aus ihren beklagenswerten Lebensbedingungen mit dem Mangel an Energie, Nahrung, Trinkwasser und Kanalisation endlich befreit werden.

Nicht überraschend befinden sich von den 72 Kernkraftwerken, die zur Zeit auf der Welt gebaut werden, nicht weniger als 47 - beinahe zwei Drittel - in den BRICS-Ländern (Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika), und China steht dabei weltweit beim Reaktorbau an der Spitze.

China sucht jetzt auf dem Mond nach den Vorkommen an Helium-3, einem idealen Brennstoff für die Kernfusion, und eines Tages wird dadurch die Menschheit auf die nächste Stufe notwendiger Energieentwicklung aufsteigen.

Lawrence Freeman, Leiter des Afrika-Ressorts von Executive Intelligence Review