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Neue Solidarität
Nr. 19, 6. Mai 2015

Wirtschafts-Nachrichten

Chinas Realwirtschaft überholt die USA

Professor Hu Angang von der renommierten Tsinghua-Universität in Beijing verteidigt nachdrücklich Chinas System gezielter öffentlicher Kreditvergabe und staatlicher Unternehmen. In einem Artikel in der Mai-Juni-Ausgabe der Zeitschrift Foreign Affairs der Washingtoner Denkfabrik Council on Foreign Relations (CFR) widerlegt er westliche Kommentatoren, die von einem Scheitern und unausweichlichem Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft sprechen.

Diese Kommentatoren begründen dies mit Vergleichen zwischen der chinesischen und der US-Wirtschaft anhand verschiedener finanzieller Maßstäbe. Im Gegensatz dazu zieht Prof. Hu realwirtschaftliche Parameter heran. Er schreibt: „Die beste Methode, um diese beiden Volkswirtschaften objektiv zu vergleichen, ist die Stromerzeugung, weil sie real und quantifizierbar ist. Sie folgt auch eng der Modernisierung: Schließlich kann man ohne Strom bzw. ohne viel Strom keine Fabriken betreiben oder Wolkenkratzer bauen.“

Er führt aus: „Im Jahr 1900 erzeugte China 0,01% der Strommenge der USA. Diese Zahl stieg 1950 auf 1,2% und 2000 auf 34%, und 2011 hat China die USA überholt.“ Eine Grafik zu dem Artikel zeigt die Entwicklung der Stromerzeugung beider Länder von 1980 bis 2012 und die Überkreuzung der Linien 2011.

Hu führt noch weitere nützliche Statistiken an: Die Lebenserwartung liege in China inzwischen bei 76, in den USA bei 79 Jahren; das Bildungsniveau sei vergleichbar, und die Einkommensschere ist jetzt in China kleiner als in den USA. China habe im 12. Fünfjahresplan für 2011-15 etwa 7% Wachstum vorgesehen, so Hu, und es habe fünf seiner wesentlichen Ziele erreicht:

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Chinas Bankensystem hat Bankentrennung und wenig Derivate

Kürzlich wurden wir auf einen hochinteressanten Bericht über die Debatte um Bankentrennung in China aufmerksam gemacht. Der Bericht aus dem Jahr 2010 stammt vom früheren Vizechef der People’s Bank of China, Yi Gang, und erschien als viertes Kapitel eines Buches mit dem Titel „Die chinesische Wirtschaft transformieren“.

In diesem Kapitel „Die inhärente Logik der Bankenreform Chinas“ schreibt Yi: „In der Anfangsphase der Reform und Öffnung [1991-92] übernahm China das gemischte Geschäftsmodell [d.h. das Universalbankenmodell], unter dem eine Geschäftsbank (China Communications Bank) Broker-Versicherungsgeschäfte tätigen durfte. Inmitten wirtschaftlicher Überhitzung und finanziellem Chaos Ende Juni 1993 ... sahen die politisch Verantwortlichen die Schuld teilweise beim gemischten Geschäftsmodell und entschieden, auf die Erfahrung der USA mit der Trennung von Geschäftsbank- und Investmentgeschäft zurückzugreifen.“

Yi beschreibt dann die Bank- und Wertpapiergesetze, die daraufhin beschlossen wurden, und merkt an: „China setzte offiziell auf den Kurs, Geschäfts- und Investmentbanking zu trennen, und schrieb Geschäftsbanken vor, sich von ihren Wertpapierfirmen und Investmentunternehmen zu trennen.“

In dem Kapitel beschreibt Yi weiter, wie ein Jahrzehnt später wieder über diese Frage diskutiert wurde, als Ökonomen (darunter er selbst!) für die „Universalbanken“ plädierten. Doch der transatlantische Finanzkrach 2007-08 besiegelte die Angelegenheit erneut zugunsten des Glass-Steagall-Prinzips.

Darüber hinaus wird in einem neueren Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) über chinesische Banken betont, daß Derivate weiterhin nur einen kleinen Anteil der Geschäfte von Chinas Geschäftsbanken ausmachen - im Gegensatz zu den westlichen „systemrelevanten“ Großbanken. Chinas Derivatmarkt entspricht laut der BIZ nur 0,33% des Weltmarkts. Gemessen an Chinas Anteil am Wirtschaftsprodukt der Welt ist sein Bankensektor offensichtlich bei Derivaten sehr vorsichtig.

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Chinas Freihandels-Korridore sorgen für starkes Wirtschaftswachstum in Asien

Ein Artikel in der Establishment Post aus Indonesien vom 20. April zeigt, wie Freihandelsabkommen und Vereinbarungen zur Vermeidung von Doppelbesteuerung in den letzten fünf Jahren den Handel in den ASEAN-Staaten, Indien und Südasien stark gefördert haben. Der wichtigste Motor dieses wachsenden Handels ist China mit seiner riesigen Volkswirtschaft und Bevölkerung, mit dem Potential einer wachsenden Mittelschicht, die bis 2020 auf mehr als 600 Millionen Menschen anwachsen soll.

Dabei wächst der Handel zwischen China und den übrigen ASEAN-Staaten in beide Richtungen. War China früher lediglich ein Konkurrent auf den Exportmärkten, so wandelt es sich nun zunehmend zu einem der wichtigsten Absatzmärkte der ASEAN-Staaten. Die ASEAN-Mitglieder selbst spielen auch eine immer wichtigere Rolle als Exportmarkt für China. Darüber hinaus wurden Länder wie Indonesien, die Philippinen, Malaysia, Thailand und Vietnam mit ihrer großen Zahl an Arbeitskräften für chinesische Unternehmen interessant als Produktionsstandorte. Das gleiche gilt für Indien, das derzeit selbst einen demographischen Wandel durchlebt und das als einziges anderes Land über eine ähnliche große Zahl von Arbeitskräften verfügt wie China.

Man erwartet, daß Chinas Freihandelskorridore in unmittelbarer Zukunft weiter wachsen werden. Die Establishment Post schätzt, daß der bilaterale Handel zwischen China und den ASEAN-Staaten insgesamt bis 2020 auf eine Billion Dollar zunehmen wird, wobei Indien mit 250 Mrd. $ und Vietnam mit 150 Mrd. $ als Vorreiter genannt werden.

Ein wichtiger Faktor bei dem schnellen Wachstum sind die Vereinbarungen über Freihandel und Vermeidung von Doppelbesteuerung, die China mit diesen Nationen geschlossen hat. Investoren aus diesen Ländern profitieren von den Abkommen nicht nur, indem sie an den zu entrichtenden Export- und Importzöllen sparen. Die Abkommen bieten auch Steuerentlastungen für international tätige Unternehmen, indem Bereiche ausgewiesen werden, in denen zeitweise aus dem Ausland entsandte Arbeitskräfte steuerfrei bleiben, dazu kommen Nachlässe bei der Einkommenssteuer.