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Neue Solidarität
Nr. 37, 9. September 2015

Eine neue Ära für die Menschheit, in der wir wahrhaft menschlich werden

Von Helga Zepp-LaRouche

Den folgenden Vortrag verfaßte Helga Zepp-LaRouche für die Internationale Akademische Seidenstraßen-Konferenz 2015 in Gyeongju/Südkorea zum Thema „Seidenstraßenstudien als eigenständige Forschungsdisziplin aufbauen“. Er wurde dort im Rahmen der Vortragsrunde über „Die Zukunftsvision der Seidenstraße“ verlesen.

Wenn wir über die Zukunftsvision der Neuen Seidenstraße sprechen, sollten wir dies nicht nur als Synonym für eine neue, gerechte Weltwirtschaftsordnung betrachten - insbesondere als die Basis einer Friedensordnung für das 21. Jahrhundert auf der Grundlage ganz anderer wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Prinzipien als das alte System der Globalisierung -, sondern auch als ein neues Paradigma in Bezug auf das Selbstverständnis der menschlichen Gattung, als der einzigen bisher bekannten schöpferischen Gattung im Universum.

Bezüglich des ersten Aspekts, dem neuen Wirtschaftssystem, wurden bei den jüngsten Gipfeltreffen der BRICS (Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika) und der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) gewaltige Fortschritte erzielt. Bei diesen Treffen wurde die Integration der Eurasischen Wirtschaftsunion und des Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße sowie des Verkehrsnetzes der SCO vereinbart. In Verbindung mit einem neuen Bankensystem - wie der AIIB, der NDB, der SCO-Bank, der SAARC-Bank, dem Fonds für die Neue Seidenstraße und Maritime Seidenstraße und dem Notfall-Reserve-Arrangement (Contingent Reserve Arrangement, CRA), die alle dazu dienen, in die Realwirtschaft zu investieren und Spekulation abzuwehren - ist eine völlig neue Wirtschafts- und Finanzordnung im Entstehen, die hinsichtlich der menschlichen und natürlichen Ressourcen und Potentiale die Lokomotive der Weltwirtschaft darstellt.

Sowohl Präsident Putin als auch Präsident Xi Jinping haben hervorgehoben, daß die BRICS zwar eine eigene Organisation, aber für eine Zusammenarbeit mit allen anderen Nationen offen sind - die Vereinigten Staaten und die Länder Europas und Asiens eingeschlossen. Präsident Xi Jinping bezeichnet dies als eine umfassende „Win-Win-Politik“, in der alle beteiligten Nationen gegenseitig voneinander profitieren werden. Präsident Putin hat diese Offenheit bekräftigt.

Deshalb ist das Konzept der Neuen Seidenstraße heute die wichtigste strategische Initiative, weil sie als einzige verfügbare Strategie auf dem Tisch liegt, um die Geopolitik, die den beiden Weltkriegen des 20. Jahrhunderts zugrunde lag, zu überwinden. An die Stelle der Vorstellung, Nationen oder eine Gruppe von Nationen hätten legitime geopolitische Interessen, die sie zu Gegnern der anderen machen, muß die Vorstellung treten, daß eine höhere Ebene der Vernunft existiert, auf der sich die historischen, ethnischen oder sonstigen Konflikte auflösen. So muß sich die Menschheit zum erstenmal in ihrer Geschichte durch die gemeinsamen Ziele der menschlichen Gattung definieren.

Das ist keine Vision für irgendeine ferne Zukunft, sondern die unverzichtbare Grundlage für eine unmittelbare Intervention in die heutige strategische Lage. Denn es besteht die akute Gefahr eines Zusammenbruchs des transatlantischen Finanzsystems, der noch weit gefährlicher wäre als der von Lehman Brothers und AIG im September 2008, und im unmittelbaren Zusammenhang damit die Gefahr der Eskalation der Konfrontation zwischen der NATO, Rußland und China, die in einen globalen thermonuklearen Krieg führt.

„Die Uhr für einen Zusammenbruch der globalen Märkte steht auf eine Minute vor Mitternacht, während die Zentralbanken die Kontrolle verlieren“, lautete eine Überschrift in der britischen Tageszeitung Daily Telegraph vom 18. August, und das ist symptomatisch für die allgemeine Erkenntnis unter Finanzanalysten, daß heute alle Kennzeichen der Lage vor dem Crash vom September 2008 wieder vorhanden sind. Aber die „systemrelevanten“ Banken sind heute im Schnitt 40% größer als damals, ihre Derivatrisiken sind rund 80% größer, und der „Werkzeugkasten“ der Zentralbanken ist leer, weil die Zinsen bereits mehr oder weniger auf null gesenkt wurden und schon seit Jahren „quantitative Lockerung“ betrieben wird, ohne daß die Realwirtschaft wieder in Gang gekommen wäre.

Dieser bevorstehende Systemkollaps des transatlantischen Finanzsystems ist die Grundlage der akuten Gefahr, daß der Westen jetzt tatsächlich in die vieldiskutierte „Thukydides-Falle“ tappt - aus den gleichen geopolitischen Gründen, die die Autoren der Doktrin der Geopolitik, Mackinder und Milner, schon vor dem Ersten Weltkrieg beschrieben haben. Der gleiche Impuls treibt auch sehr stark diejenigen an, die heute in ihrem Wunschdenken Rußland als „bloße Regionalmacht“ bezeichnen, was angesichts der modernisierten strategischen Kernwaffen Rußlands lächerlich ist, oder diejenigen, die Chinas Aufstieg sehen und meinen, ihn eindämmen zu müssen.

Das European Leadership Network (ELN), eine Denkfabrik, der ehemalige europäische und russische Verteidigungsminister angehören, hat soeben die dringende Warnung veröffentlicht, daß die gegenwärtig laufenden Militärmanöver der NATO und Rußlands einen Krieg in Europa wahrscheinlicher machen. Rußland bereite sich auf einen Krieg gegen die NATO vor und die NATO bereite sich auf eine Konfrontation mit Rußland vor, heißt es in ihrer Studie. Aber ein solcher Krieg würde nicht auf Europa begrenzt bleiben, es liegt in der Natur der Kernwaffen, daß ihr Einsatz einen thermonuklearen Weltkrieg nach sich zieht, der aller Wahrscheinlichkeit nach mit der Vernichtung der menschlichen Gattung enden würde.

Abbildungen: EIR
Abb. 1: Die 370seitige Studie „The New Silk Road Becomes the World Land Bridge“ („Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“) beschreibt die Infrastrukturkorridore der Weltlandbrücke [rechts]

Abb 2: Die Entwicklungs- korridore der Weltlandbrücke [unten]
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Abbildung: UIC
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Abb 3: Insbesondere Südwestasien, das durch den „Krieg gegen den Terror“ ins Chaos gestürzt wurde, braucht eine Entwicklungsperspektive
Abbildungen: EIR
Abb. 4: Wir brauchen einen „Krieg gegen die Wüsten“ durch die Erschließung großer Wasservorkommen [oben]
Abb. 5: Nur etwa ein Zehntel der aus den Weltmeeren verdunsteten Wassermenge gelangt als Niederschlag auf die Landmasse der Kontinente. Mit modernen Techniken wie z.B. Ionisierung der Atmosphäre kann dieser Anteil und damit die zur Verfügung stehende Wassermenge deutlich erhöht werden [rechts]

Um das zu verhindern, ist es dringend notwendig, die Perspektive der Neuen Seidenstraße noch energischer als Strategie zur Kriegsvermeidung auf die Tagesordnung zu setzen.

Das Schiller-Institut veröffentlichte im letzten Jahr eine 370seitige wissenschaftliche Studie mit dem Titel The New Silk Road Becomes the World Land Bridge („Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“, siehe Abbildung 1), in der eine infrastrukturelle Integration aller Kontinente durch ein umfassendes Netz von Schnellbahnen, Autobahnen, Wasserstraßen, Tunnels und Brücken als Arterien für Entwicklungskorridore dargestellt ist (Abbildung 2). Dieser umfassende Plan für den Wiederaufbau der Weltwirtschaft brächte allen beteiligten Ländern enorme Vorteile, und alle Teile der Erde könnten an dieser „Win-win-Perspektive“ teilhaben.

Mit dieser Herangehensweise kann man den landeingeschlossenen Gebieten der Erde die gleichen Vorteile verschaffen, die bisher nur Gebiete auszeichnen, die an Ozeanen oder Flüssen liegen. Diese Infrastruktur schafft nicht nur die Voraussetzungen für den Aufbau von Industrie und Landwirtschaft, sondern mehr noch für die Steigerung der Produktivität der jeweiligen Bevölkerung. Je weiter die Erschließung bisher unentwickelter Gebiete voranschreitet und je intensiver die Industrialisierung wird, desto wichtiger werden Geschwindigkeit und Vernetzung des Verkehrs, so daß die Vorteile schneller Bahnsysteme über Land gegenüber dem billigeren Schiffstransport wirksamer werden. In Industriezentren mit einer hochdifferenzierten Arbeitsteilung und komplexen Verarbeitungsprozessen ist Zeit ein entscheidender Faktor, man will Rohstoffe nicht viele Wochen lang über die Ozeane transportieren, wo man sie nicht nutzen kann.

Ein großes Gebiet auf der Erde, wo dringend eine Lösung gefunden werden muß, sind offensichtlich Südwestasien (Abbildung 3) und große Teile Nord- und Zentralafrikas. Diese große Region wurde durch mit Lügen begründete Kriege fast völlig zerstört, und der sogenannte „Krieg gegen den Terror“ hat mit jeder Bombe, jeder Drohne und jedem Mord weitere Terroristen erzeugt. Wenn die gesamte Region vom Kaukasus über den Persischen Golf zum Arabischen Meer und von Afghanistan bis zum Mittelmeer und den gerade erwähnten Teilen Afrikas, die buchstäblich in die Steinzeit zurückgebombt wurden, nicht länger ein Brutgrund für immer barbarischere Formen des Terrorismus sein soll, dann brauchen wir eine wirkliche Entwicklungsperspektive.

Derzeit bricht in Südwestasien, Zentral- und Nordafrika eine Flüchtlingskrise aus in einem Ausmaß, wie man es seit der Fluchtwelle von Ost- nach Westeuropa am Ende des Zweiten Weltkrieges nicht mehr erlebt hat. Damals flohen 12 Millionen Menschen. Heute sind nach Angaben der UN 60 Millionen Menschen auf der Flucht, die meisten sind in armen, völlig überlasteten Nachbarstaaten untergekommen, und ein großer Teil von ihnen versucht, irgendwie nach Europa zu gelangen. Auch dort sind viele Gemeinden bereits überlastet, und soziale Explosionen und ausländerfeindliche Reaktionen bedrohen schon kurzfristig die Stabilität der Gesellschaft.

Insbesondere im Licht der jüngsten Enthüllungen des früheren Direktors des US-Militärgeheimdienstes DIA, General Michael Flynn, über die Entstehung von ISIS muß dringend eine Analyse der Ursachen der Flüchtlingskrise durchgeführt werden. Aber dann muß man auch eine grundlegende Lösung für das Problem anbieten.

Schon 2012 haben wir bei einer Konferenz des Schiller-Instituts in Frankfurt einen umfassenden Plan für die Entwicklung dieser gesamten Region vorgelegt. Nur wenn alle großen Nachbarn, nämlich Rußland, China, Indien, Pakistan, Iran, Ägypten - und hoffentlich auch einige europäische Nationen wie Deutschland, Frankreich und Italien und hoffentlich auch die Vereinigten Staaten - sich darauf einigen, die Entwicklungsperspektive der Neuen Seidenstraße gemeinsam mit den BRICS auf Südwestasien und Afrika auszuweiten, nur dann besteht die Möglichkeit, daß die Vision einer besseren Zukunft insbesondere die jungen Männer überzeugen wird, daß es besser ist, zu studieren, um Wissenschaftler oder Ingenieur zu werden, und eine Familie zu gründen, als sich den immer neuen Dschihadistengruppen anzuschließen. Die Perspektive einer höheren Ebene der Vernunft ist der einzige Weg, wie tief verwurzelte und erbitterte Feindschaften zwischen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen überwunden werden können.

Wir brauchen ein integriertes Entwicklungsprogramm, unter anderem einen „Krieg gegen die Wüsten“ durch die Entwicklung gewaltiger neuer Wasservorkommen, Infrastruktur, Industrie, Landwirtschaft, neuer „kluger“ Städte und Zentren der Wissenschaft und Forschung. Wenn alle Länder, die heute durch den von dieser Region ausgehenden Terrorismus bedroht sind, bei dieser Entwicklung zusammenarbeiten, dann kann die Gefahr überwunden werden. Und statt Verstärkung der Abwehrmaßnahmen mit Frontex und Kanonenbooten gegen den Strom von Hunderttausenden, möglicherweise Millionen Flüchtlingen, die vor Krieg, Hunger und Krankheiten fliehen und dabei ein 50%iges Risiko eingehen, bei der Fahrt über das Mittelmeer zu sterben - wäre es nicht viel sinnvoller, diese Regionen zu entwickeln, weil die Menschen ja lieber in ihren Heimatländern bleiben, als in eine schrecklich unsichere Zukunft zu gehen? Wir müssen uns entscheiden, wo dieser Teil der Welt in 50 oder 100 Jahren sein soll: in einem elenden, finsteren Zeitalter, oder in einer modernen Zeit mit einem anständigen Lebensstandard für alle?

Aufgrund des Klimawandels, den vor allem solare und galaktische Einflüsse auf den Planeten Erde bewirken, verbreitert sich der Wüstengürtel, der sich von der Atlantikküste Afrikas über die Sahara und den Sahel, die Arabische Halbinsel und den Nahen und Mittleren Osten bis China erstreckt, ganz ähnlich wie die Wüsten im Südwesten der Vereinigten Staaten und Teilen Süd- und Mittelamerikas (Abbildung 4). Die offensichtliche Antwort auf das Problem ist, große Mengen Süßwasser zu erzeugen, mit verschiedenen Methoden, wie der Entsalzung großer Mengen Meerwasser mit Kernenergie, kontinentalen Wasserumleitungs- und -regulierungsprojekten, Wettermodifizierung und Ionisierung der Luftfeuchtigkeit in der Atmosphäre.

In mehreren Ländern werden Anlagen zur Ionisierung der Atmosphäre erfolgreich benutzt, um die Niederschläge zu vermehren und auf diese Weise auf die damit zusammenhängenden Wetterprozesse einzuwirken (Abbildung 5). Die Anwendung dieser Methode, die die Prozesse nachahmt, die sich auch auf natürliche Weise in unserem Sonnensystem und unserer Galaxis vollziehen, wird seit mehr als drei Jahrzehnten erfolgreich getestet. Mit einer internationalen Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung dieser Technik könnte man die Ausbreitung der Wüsten in den erwähnten Regionen der Welt auf völlig neue Art und Weise bekämpfen: durch die Regulierung der Wasservorkommen in der Atmosphäre!

Gemeinsame Weltraumforschung und Raumfahrt gehören zu den wichtigsten Bereichen, die in Zukunft gemeinsame Ziele der Menschheit darstellen werden. Sie werden zu revolutionären und notwendigen Einsichten in das Sonnensystem und die Galaxis führen. Sie sind von existentieller Bedeutung, um die Menschheit vor Gefahren aus dem Weltraum, etwa durch Asteroiden, Meteoriden und Kometen, zu schützen, und sie werden unverzichtbar sein, um praktisch unbegrenzte neue Ressourcen zu erschließen, z.B. durch den Abbau von Helium-3 auf dem Mond als Brennstoff für eine zukünftige Kernfusionswirtschaft auf der Erde. Wenn man bedenkt, welchen enormen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt die Menschheit gemacht hat, dann ist offensichtlich, daß die Raumfahrt derzeit noch in ihren ersten Babyschuhen steckt.

Beim jüngsten Gipfeltreffen der Jugendminister der BRICS-Staaten am 8.-9. Juli im russischen Kasan unterzeichneten die Teilnehmer laut einer Meldung auf der russischen BRICS-Internetseite eine Absichtserklärung, die die BRICS-Nationen aufruft, eine gemeinsame Weltraumstation aufzubauen, ein Netzwerk von Forschungsinstituten zu gründen, Technologieparks zu schaffen und Wissenschaftsausstellungen zu organisieren. In der Erklärung heißt es, die Zusammenarbeit in einer Weltraumstation zur Erforschung des äußeren Weltraums und die Durchführung bemannter Missionen könnten zu einem Symbol einer neuen Weltordnung werden, die auf den Werten der BRICS beruht.


Abb. 6: Konfuzius-Denkmal in China. Das Paradigma der Neuen Seidenstraße ermöglicht es, daß alle Kulturen ihre besten Errungenschaften miteinander teilen
Abb. 7: Im neuen Paradigma der Seidenstraße wird die Schöpferkraft der Vernunft, die in der Vergangenheit nur wenige Individuen wie z.B. Albert Einstein auszeichnete, zur normalen Weltanschauung werden

Wenn die Erweiterung des Konzepts der Neuen Seidenstraße zur Weltlandbrücke die Ära des Infrastrukturaufbaus auf der Erde vollendet, so bedeutet die Ausdehnung der Neuen Seidenstraße auf den Weltraum ein Verständnis unseres Planeten als Teil unserer Galaxis, und dies wird uns in die Lage versetzen, die galaktischen Prozesse, deren Teil wir sind, besser zu verstehen.

Die Schönheit unserer Welt liegt darin, daß es in ihr viele reiche Kulturen gibt, die zur Universalgeschichte der menschlichen Gattung beigetragen haben. Die antike Seidenstraße diente nicht nur dem Austausch von Waren, wie Seide, Porzellan, Glas und Gewürzen, sondern sie ermöglichte auch den Austausch der fortgeschrittensten Technik jener Zeit, was zu einer Steigerung des Lebensstandards in allen beteiligten Ländern führte. Damit einher ging ein Austausch von Kulturen, Philosophien und neuen Ideen, der die Menschheit voranbrachte.

Die Neue Seidenstraße wird es möglich machen, daß alle Kulturen des Planeten ihre besten und edelsten Ausdrücke zu den Bereichen der klassischen Musik, der Poesie, der bildenden Künste, der Philosophie und der Wissenschaften beitragen können. Es wird einen Austausch der höchsten Phasen jeder Kultur und Zivilisation geben, junge und alte Menschen werden die klassische griechische Periode studieren, den Konfuzianismus, die Gupta-Periode, die Ära der Abbasiden, die andalusische Renaissance, die Joseon- [oder Chosun-] Periode, die goldene Renaissance Italiens und die deutsche Klassik, um nur einige zu nennen (Abbildung 6). Indem man das Beste aus allen Kulturen kennenlernt, wird sich ein tiefes Verständnis, ja eine Liebe zu den anderen Kulturen entwickeln, und auf diese Weise wird an die Stelle von Vorurteilen, Chauvinismus und Rückständigkeit der Geist der neuen Renaissance treten, welcher auf der Kenntnis der alten Kulturen aufbauen und deren Reichtum durch die Schaffung neuer Werke in allen Bereichen der Kunst vergrößern und bereichern wird.

Die Neue Seidenstraße wird ein völlig neues Paradigma der Menschheit eröffnen, eines, in dem die Qualität, die den Menschen von allen anderen Gattungen unterscheidet, nämlich die schöpferische Kraft der Vernunft, zur normalen Weltsicht werden wird. Was in der vergangenen Geschichte nur einige wenige außergewöhnliche Individuen auszeichnete, die großen Entdecker, Wissenschaftler, Komponisten und Poeten, das wird für immer mehr Menschen zum natürlichen Zustand werden, insbesondere, wenn jedes Kind Zugang zu einer universellen Bildung erhält, die diese Schätze in den Mittelpunkt stellt (Abbildung 7). Diese neue Renaissance wird die Theorie des russischen Wissenschaftlers Wladimir Wernadskij demonstrieren, daß in der Entwicklung des Universums die Noosphäre die Biosphäre immer mehr beeinflussen und beherrschen wird. Die Menschheit wird ihre Identität als wahrhaft schöpferische Gattung entwickeln.

Wir haben also als Menschheit die wichtigste Wegscheide unserer gesamten Geschichte erreicht: Entweder können wir unsere Angelegenheiten bewußt auf der Grundlage des neuen Paradigmas organisieren, welches die Neue Seidenstraße verkörpert, und bewußt eine neue Ära in der Geschichte der Menschheit einleiten - oder wir werden vielleicht das Schicksal der Dinosaurier erleiden.

Ich hoffe sehr, daß diese Konferenz und das Zentrum zum Studium der Seidenstraße in diesem Bestreben der ganzen Welt ein starkes Signal geben wird.

Vielen Dank.