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Neue Solidarität
Nr. 40, 30. September 2015

Eine neue Ära der Menschheit, in der wir alle wahrhaft menschlich werden

Von Helga Zepp-LaRouche

Helga Zepp-LaRouche schloß die Runde der Eingangsvorträge bei der New Yorker Versammlung am 12. September mit der folgenden Rede ab. Sie wurde aus dem Englischen übersetzt.

Vielen Dank. Vielen Dank, Herr Senator, hallo Lyn!

Als der Senator seine Bemerkungen machte, erinnerte ich mich daran, daß wir, als der Irakkrieg begann, an demselben Tag eine Konferenz hatten. Und wir waren wirklich entsetzt. Wir wußten damals sogar schon, daß er auf Lügen beruhte. EIR hatte ein halbes Jahr zuvor einen Bericht produziert, in dem wir vorhergesagt hatten, daß sie - die Kombination Bush-Cheney-Blair - diesen Krieg führen würden. Und wir hatten versucht, davor zu warnen, denn es gab dort keine Massenvernichtungswaffen, es war ausgeschlossen, daß Saddam Hussein innerhalb von 45 Minuten jede Stadt der Welt [mit Massenvernichtungswaffen] erreichen konnte. Wir wußten also, daß das eine Lüge war, und wir haben diesen EIR-Bericht veröffentlicht und wir verteilten viele Flugblätter in aller Welt.

In Deutschland führte das zu einer Situation, wo Gerhard Schröder im August, kurz bevor der Krieg ausbrach, plötzlich eine Kehrtwende vollzog und sagte, daß Deutschland sich an diesem Krieg nicht beteiligen werde. Und das hatte einen sehr wichtigen Einfluß, der Jacques Chirac veranlaßte, ebenfalls nicht in diese Richtung zu gehen.

Deshalb waren wir so entsetzt, als der Krieg begann. Ich hielt eine Rede bei dieser Konferenz und gerade eben habe ich mich daran erinnert, was ich damals sagte: „Wissen diese Leute nicht, daß es ein höheres Recht gibt, das dieses Unrecht rächen wird?“ Ich erinnerte an Friedrich Schillers Gedicht Ibykus; ich sagte: „Habt ihr nicht gelernt, daß, wenn man ein Verbrechen begeht, es so etwas wie die Erinnyen [Furien] gibt, die Rachegöttinnen, die euch dann verfolgen?“ Und ich denke, das ist genau das, was wir jetzt sehen. Denn auf diesen Krieg folgte ein weiterer. Es gab den Irakkrieg. Schon davor gab es den Afghanistankrieg, der ebenfalls auf Lügen beruhte, denn wenn man betrachtet, was tatsächlich am 11. September [2001] geschah, dann hätte man sich nicht auf den Artikel 5 der NATO berufen dürfen. Dann kam die Ermordung Gaddafis. Schauen Sie sich an, wie all diese Länder heute aussehen! Dann kam der Versuch, Assad zu stürzen. Man kann noch den Jemen nennen. Man kann noch Palästina nennen. Die ganze Region von Afghanistan bis Nordafrika ist ein Alptraum.

Und infolgedessen und wegen einer Reihe gelinde gesagt dubioser Schritte der Regierung Obama zur Unterstützung erst der Mudschaheddin, dann von Al-Kaida, dann von Al-Nusra, dann von ISIS, haben wir nun eine Lage, wo die größte Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg ausgebrochen ist. Täglich kommen Zehntausende, vor allem aus Syrien, aber auch aus dem Irak, aus Afghanistan und anderen vom Krieg zerstörten Regionen, und das übersteigt nun die Kapazitäten. Auf den griechischen Inseln treffen täglich 10.000, 20.000 Flüchtlinge ein, und diese griechischen Inseln sind arm. Deshalb haben die dortigen Behörden keine Nahrungsmittel, sie haben kein Wasser, keine Medikamente.

Die Menschen versuchen nun, ans griechische Festland zu gelangen, und von dort versuchen sie, nach Makedonien zu gelangen, das vor Flüchtlingen schon aus allen Nähten platzt. Die Menschen versuchen, weiter nach Ungarn zu gelangen, und Ungarn wurde mit Stacheldraht eingezäunt. Sie alle kennen diese ganz schrecklichen Bilder von kleinen Kindern zwischen Polizei, die Tränengas einsetzt, und Flüchtlingen, die versuchen, diese Stacheldrahtzäune zu durchbrechen. Was da geschieht, ist ein Zusammenbruch der Zivilisation, noch über das hinaus, was in der Ukraine und anderswo geschieht. Daher gibt es nun eine Welle von Elend und Flüchtlingen.

Kehrtwende in Deutschland

Aber es ist auch etwas Positives geschehen. Man wird wohl später noch sehen, was da alles ins Spiel kam, doch auf jeden Fall gab es in der deutschen Politik eine plötzliche Wende. Frau Merkel, die, wie ich zugebe, nicht meine Lieblingspolitikerin ist, hat auf einen Impuls in der deutschen Bevölkerung reagiert.

Bis vor kurzem lebten die Deutschen noch in einer Seifenblase der Unwirklichkeit, sie verhielten sich genau wie die Amerikaner, sie sagten: „Man kann ja doch nichts machen.“ Sie fühlten sich viel zu ohnmächtig, um irgendetwas zu ändern. Tatsächlich war das noch vor einigen Jahren nicht die typische amerikanische Haltung, aber in jüngster Zeit wurden die Amerikaner und die Deutschen ziemlich ähnlich in ihrem Pessimismus und auch in ihrer Gleichgültigkeit, daß sie sich für all das nicht interessieren.

Aber plötzlich - plötzlich! - erkannten die Leute, daß diese Menschen, die vor dem Krieg fliehen, Hilfe brauchen. Deshalb gab es eine Welle der Liebe, der Nächstenliebe. Die Menschen strömten zu Tausenden zu den Hauptbahnhöfen der verschiedenen Städte und brachten Kleidung, brachten Nahrungsmittel, brachten das Lebensnotwendige. Und ich denke, das war es, was Merkel dazu veranlaßte, zu sagen: Moment mal, die Mehrheit geht in diese Richtung, und ich kann mich nur an der Macht halten, wenn ich mich dieser Mehrheit anschließe. Und als echte Politikerin ergriff sie die Initiative.

Es spielten sicherlich noch andere Faktoren eine Rolle, denn in jüngster Zeit gab es viele, viele Leute in Europa, die davor warnten, daß wir am Rande des Dritten Weltkriegs stehen. Da war Helmut Schmidt, der inzwischen 95 Jahre alt ist. Gorbatschow - der ist in Rußland nicht beliebt, aber die Deutschen lieben „Gorby“ - warnte dreimal hintereinander, daß wir vor dem Dritten Weltkrieg stehen. Der Duma-Sprecher Naryschkin sagte, wenn es zum Dritten Weltkrieg komme, werde dies der letzte Krieg der Menschheit sein, weil niemand ihn überleben würde. Das European Leadership Network, eine Denkfabrik ehemaliger Verteidigungsminister und Militärexperten, hat in den letzten sechs Wochen drei Papiere veröffentlicht, in denen sie sagen, daß wir auf einen Nuklearkrieg zusteuern. Im ersten Papier hieß es: „Die NATO bereitet einen Krieg gegen Rußland vor, und Rußland bereitet einen Krieg gegen die NATO vor“, und deshalb brauche man dringend neue Regeln für einen Dialog, für die Kommunikation, die es nicht mehr gab, und sie forderten dringend, daß ein solcher Verhaltenskodex geschaffen werden müsse.

Nun, der einfache Bürger auf der Straße kennt nicht alle die Gründe - die Geopolitik, die dahinter steht, die Tatsache, daß das transatlantische Finanzsystem vor einem Zusammenbruch steht, der noch viel größer sein wird als der von 2008 -, aber die Menschen haben sich in den letzten Wochen überall in Europa verändert. Wir haben in vielen Ländern Informationsstände und bekommen deshalb einen guten Einblick in die Stimmungslage in der Bevölkerung, und ich denke, entscheidend war die Kombination mit der Eurokrise. Die Menschen wissen, daß wenn es zu einem ungeordneten [Euro-]Ausstieg Griechenlands kommt, sofort ein Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems folgen kann.

Die Menschen waren also gefangen zwischen der Angst vor einem Weltkrieg, der Sorge über die wirtschaftliche Sicherheit, weil der Euro kollabiert, und dann natürlich zu alledem noch die Flüchtlingskrise. Ich denke, das dämmerte ihnen, und plötzlich platzte diese Seifenblase, in der sich die Menschen die ganze Zeit über befanden, und sie erkannten: „Moment mal, diese Zivilisation steht kurz davor, vor die Wand zu fahren, und wir müssen uns ändern.“ Und das führte dazu, daß die Menschen ihre Herzen öffneten und auf die Flüchtlingskrise reagierten. Aus meiner Sicht war der letzte vergleichbare Ausdruck eines Volkswillens der Mauerfall, mit den friedlichen Demonstrationen, den Montagsdemonstrationen in Ostdeutschland, damals noch die DDR, die die Mauer zu Fall brachten. Und die gegenwärtige Stimmung in der Bevölkerung ist von derselben Qualität.

Naturrecht

Nun, damit geht noch etwas anderes einher, und das ist das, was ich vorhin mit den „Erinnyen“ meinte, der Idee in diesem wunderbaren Gedicht von Friedrich Schiller, Die Kraniche des Ibykus, das Sie alle lesen sollten, wenn Sie nach Hause kommen (wir haben auch ein Buch veröffentlicht, in dem es [ins Englische] übersetzt ist): daß es eine höhere Macht gibt, daß man nicht ständig Verbrechen begehen kann. Gott ist kein alter Mann mit einem Bart, der immer dann, wenn jemand seinen Nachbarn ausraubt, gleich Blitze schleudert und die Menschen niederstreckt, so ist es nicht. Aber es gibt etwas, was man das Naturrecht nennt. Die Chinesen nennen es „das Mandat des Himmels“, und in allen großen Kulturen gibt es diese Idee, daß eine höhere Gesetzmäßigkeit existiert, die der Mensch nicht ständig mißachten darf. Und ich denke, daß wir zum jetzigen Zeitpunkt gerade einen solchen Augenblick erleben, wo ein großes Verbrechen viele, viele Völker in aller Welt wachrüttelt, es ist ein Moment der Wende, und wir dürfen diesen Moment auf keinen Fall verpassen.

Denn mit der Flüchtlingskrise geht auch einher, daß die Menschen plötzlich fragen: Moment mal, wo kommen diese Flüchtlinge eigentlich her? Schuld sind die Kriege der Vereinigten Staaten im Nahen Osten und ihre Unterstützung für die terroristischen Organisationen, um legitime souveräne Regierungen zu stürzen und Regimewechsel zu machen.

Man muß sicher kein Freund von Saddam Hussein sein oder von Assad oder von Gaddafi, aber was ist die Realität? ... Wo ist denn die Demokratie in Amerika? Wo ist die Demokratie in Europa? [Applaus.] Diese Leute wurden als Diktatoren bezeichnet, und man muß sie nicht mögen. Ich habe für keinen von ihnen besondere Sympathien, aber wenn man sich anschaut, wie sie ihre Länder regiert haben - der Irak hatte unter Saddam Hussein eine funktionierende Infrastruktur, ein funktionierendes Hochschulwesen, Frauen konnten studieren. Schauen Sie sich Libyen an: Gaddafi war am Aufbau der Infrastruktur nicht nur in Libyen beteiligt, sondern auch im übrigen Afrika. Es war ein funktionierendes Land. Syrien war, bevor all das kam, ein Land, in dem es eine gut funktionierende Zusammenarbeit aller Religionen gab, die im Frieden miteinander lebten - Christen, Muslime verschiedener Richtungen, andere.

Und jetzt? Schauen Sie sich an, was jetzt geschieht! Wahabitische Salafisten versuchen, die Erinnerung der Menschheit an ihre Kulturgüter auszulöschen. Die Bombardierung des Museums von Bagdad hatte keinerlei militärische Rechtfertigung. General Schwarzkopf, der versprochen hatte, den Irak in die Steinzeit zurückzubombardieren, hat ziemlich gute Arbeit geleistet, dieses Versprechen zu erfüllen. Schauen Sie sich an, was kürzlich mit der antiken Stadt Palmyra geschah - sie wurde dem Erdboden gleichgemacht. Diese Menschen versuchen, das kulturelle Gedächtnis, die Universalgeschichte auszulöschen.

Sage mir also keiner, diese Kriege hätten irgendetwas Gutes gebracht. Die Lage ist so, daß selbst einige frühere amerikanische Diplomaten in öffentlichen Reden erklären, daß die Politik von Cheney und Bush bis Obama ohne Unterbrechung selbst aus der engen Sicht amerikanischer Interessen ein vollkommener Fehlschlag war, weil immer noch der gleiche Apparat der Neokonservativen die Regierung steuert. Aus der engen amerikanischen Sicht mit dem Ziel, den amerikanischen Einfluß in der Region zu stärken, war alles ein totaler Fehlschlag. Warum also gibt es in den Vereinigten Staaten keine Bewegung, die sagt: „Diese Politik ist gescheitert und wir müssen sie korrigieren“?

Win-win-Kooperation

Nun aber zur optimistischen Seite. Ich war sehr froh, daß der Senator [Gravel] China so gelobt hat, denn das ist ein anderes Modell der Zusammenarbeit zwischen den Nationen. China hat nicht nur die Idee der konfuzianischen Ökonomie entwickelt. Es ist eine Meritokratie. Es ist vielleicht immer noch ein wenig kommunistisch, aber ich denke, das kann man wirklich vernachlässigen, denn in dem, was die chinesische Regierung heute tut, ist das konfuzianische Element viel stärker: die Betonung der Bildung, die Betonung der Meisterschaft, der Vortrefflichkeit der jungen Menschen, die besten Köpfe nach vorne bringen, so vielen Menschen wie möglich die bestmögliche Bildung geben. Und sie bieten ein Modell der Zusammenarbeit auf der Grundlage des gegenseitigen Gewinns („Win-win“) an, der Souveränität, des Respekts für die anderen Gesellschaftssysteme. Sie haben auch den Vereinigten Staaten eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe angeboten - warum also dieses Angebot nicht annehmen?

Die BRICS-Staaten [Brasilien, Rußland, Indien, China, Südafrika] haben ein ganz alternatives Wirtschaftsmodell entwickelt, mit Großprojekten zur Überwindung der Unterentwicklung, und sie machen stetige Fortschritte. Gerade eben hat China eine große Konferenz mit den Staatsführungen der arabischen Welt veranstaltet. Als ich das gelesen habe, war ich sehr froh, denn wie will man sonst dem Nahen Osten Frieden bringen?

Nach allem, was ich weiß, wird Präsident Putin vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Rede halten, in der er eine internationale Koalition für den Kampf gegen den Terrorismus und andere Formen des Extremismus fordern und anbieten wird. Und ich weiß, daß beispielsweise Deutschland schon jetzt ein Flankenmanöver unterstützt, das Rußland soeben machte. Die Russen haben Truppen nach Syrien verlegt, weil sie nicht wollen, daß die letzte weltliche Regierung in der Region gestürzt wird.

Das hat die amerikanische Regierung vollkommen überrascht. Sie sagten: „Warum haben wir das nicht kommen sehen?“ Die CIA sagte: „O, das ist uns entgangen.“ Wofür ist die NSA eigentlich gut, wenn sie alle ausspähen, aber nicht einmal so etwas bemerken?

Nun haben wir eine Situation, in der Deutschland bereits den russischen Schritt in Syrien unterstützt hat. Präsident Hollande unterstützt es. Selbst die Briten sind gezwungen, ihre Sichtweise anzupassen. Wenn Putin also eine Rede vor den Vereinten Nationen hält und sagt, wir brauchen eine internationale Koalition gegen den Terrorismus, und die Vereinigten Staaten wären dann das einzige Land, das dagegen ist, dann sähen sie wirklich sehr schlecht aus. Ich hoffe also, daß sie die verbleibenden Tage nutzen, um sich dafür zu entscheiden, sich dieser Koalition anzuschließen.

Denn wir müssen nicht nur diesem Terrorismus ein Ende setzen, wir müssen der Wurzel des Terrorismus ein Ende setzen - und das ist die Armut. Der einzige Weg, wie man im Nahen Osten wieder Frieden herstellen kann, ist das BRICS-Konzept einer „Win-win“-Zusammenarbeit aller beteiligten Länder und die Neue Seidenstraße: die Idee, die antike Seidenstraße mit modernen Mitteln, moderner Technik, moderner Infrastruktur wieder aufzubauen und sie zur „Weltlandbrücke“ zu erweitern.

Wir von EIR und dem Schiller-Institut haben eine 370seitige Studie mit dem Titel „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“ veröffentlicht. Die Idee, das Konzept dabei ist in gewissem Sinne ein Wirtschaftswunder, wie es die Vereinigten Staaten schon mehrfach geschafft haben, mit Lincoln, mit Franklin Roosevelt, mit Kennedy, oder wie es Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg schaffte oder wie es China heute macht, wo China in den letzten 30 Jahren entwickelt hat, wofür anderen große Nationen 200 Jahre gebraucht haben!

Und China bietet nun dieses chinesische Wirtschaftswunder als Modell der wirtschaftlichen Entwicklung für alle Länder an, die daran teilhaben wollen. Das macht recht schöne Fortschritte: Lateinamerika ist bereits Teil davon, Afrika ist sehr interessiert daran. Der ägyptische Präsident Al-Sisi hat soeben den Neuen Suezkanal fertiggestellt - in nur einem Jahr! Und das ist Teil der chinesischen Maritimen Seidenstraße.

Deshalb war ich sehr froh, als ich las, daß die Chinesen gerade eine Konferenz mit arabischen Staatsführern veranstaltet haben und diese sehr gut auf diese Idee der wirtschaftlichen Entwicklung des Nahen Ostens reagierten. Denn das ist das, was wir 2012 vorgeschlagen haben, als wir sagten, daß wir eine Lösung brauchen, bei der Rußland, China, Indien, Iran, Ägypten und hoffentlich auch Deutschland, Italien, Frankreich und die Vereinigten Staaten alle zusammenarbeiten, um den Nahen Osten wirtschaftlich zu entwickeln. Man muß vor allem den jungen Menschen eine Perspektive geben, so daß sie studieren wollen, um eine Familie gründen zu können, statt sich den Dschihadisten anzuschließen. Wir müssen ihnen etwas anbieten, damit sie anfangen, uns zu lieben, anstatt uns zu hassen. Der einzige Weg, wie wir jemals hier herauskommen werden, ist doch der, den Haß zu stoppen! Stoppt diese Zerstörung! Stoppt die Drohnen! Mit jeder Drohne, die einen Terroristen tötet, schaffen wir 50 neue Terroristen! Haben wir denn gar nichts daraus gelernt?

Wir müssen also weg von dieser Politik der Zerstörung, der Militarisierung, die keinem dient außer einer Handvoll von Milliardären.

Zukunft für die USA

Und schauen Sie sich die Vereinigten Staaten an: Sie verfallen! Hat jemand in letzter Zeit einmal versucht, mit dem Auto von New York nach Washington zu fahren? Ihre Chance, nicht in einem Schlagloch zu landen, ist kleiner, als den Nobelpreis zu gewinnen! [Lachen.] Na, das ist kein guter Vergleich. Aber wenn Sie mit dem Zug fahren: Wie viele Meilen Hochgeschwindigkeitsbahnen wurden in den Vereinigten Staaten im letzten Jahrzehnt gebaut? Keine einzige! Null. Wie viele hat China gebaut? Ich glaube, es sind bisher etwa 18.000.

Ich hatte das Glück, von Beijing nach Shanghai mit einem der neuen Schnellzüge chinesischer Bauart zu fahren, sie fahren bis zu 310 km/h, und man kann sein Wasserglas nehmen und bis zum Rand füllen und es läuft kein Tropfen über, weil sie so ruhig, schnell und leise fahren - leiser als hier dieser Raum! [Lachen.]

Gravel: Siemens hat diese Technologie gebaut, ist das nicht die Magnetbahn?

Zepp-LaRouche: Nein, der Zug, in dem ich gefahren bin, war eine in China hergestellte Technologie. Ich spreche hier nicht von der Magnetbahn, es war eine andere Schnellbahn.

Warum schaffen wir nicht eine Bewegung in den Vereinigten Staaten, die sagt: Warum sollen die Vereinigten Staaten sich nicht der Seidenstraße und der Weltlandbrücke anschließen, anstatt all diese Investitionen für die Rüstung zu verschwenden (die gar nicht mehr so großartig ist; wissen Sie, daß die Chinesen auch da gerade am Überholen sind)? Warum können wir nicht Infrastruktur in den Vereinigten Staaten aufbauen, Hochgeschwindigkeitsbahnen bauen, die die Ostküste verbinden, die obsoleten alten Flugzeuge durch Magnetbahnen und andere Schnellbahnen ersetzen? Und die Vereinigten Staaten wieder aufbauen? Baut ein paar neue Städte! Die Chinesen bauen eine neue Stadt nach der anderen. Warum können die Vereinigten Staaten nicht ein Dutzend neue Städte im mittleren Teil bauen, östlich der Rocky Mountains? Das ist eine ziemlich wenig, ziemlich unterbevölkerte Region. Und wir müssen etwas tun, um die Dürren und die Wüsten zu bekämpfen. Wir können neue Wassersysteme schaffen, etwa mit Ionisierung des Wassers über den Ozeanen, um die Dürre in Texas und in Kalifornien zu bekämpfen. Bauen wir einfach neue Städte! Neue Wissenschaftsstädte, schöne Städte! Ich bin dafür, eine schöne Stadt in den Vereinigten Staaten zu bauen! [Applaus.]

Renaissance-Bewegung

Was wir wirklich brauchen, ist eine Renaissance-Bewegung. Modi, der Premierminister von Indien, fordert eine Massenbewegung für Entwicklung, und ich denke, daß ist es, was wir auch in den Vereinigten Staaten brauchen. Denn wir müssen das Gefühl schaffen, daß es eine Chance gibt, die Lage herumzureißen. China geht voran und bietet eine Win-win-Kooperation an. In Deutschland wächst schon die Zahl derer, die sagen: „Moment mal, für uns wäre es viel profitabler, an der Seidenstraße mitzuarbeiten, als uns durch Sanktionen, die uns selbst mehr schaden als Rußland, in Kriege gegen Rußland hineinziehen zu lassen.“

Rußland kann sich nach China wenden, nach Indien, es orientiert sich neu. Aber Deutschland wird verlieren - etwa die deutschen Maschinenexporte, Anlagen, deren Bau manchmal fünf Jahre dauert! Das ist nichts, was man einfach so heraushaut wie Popcorn, das sind Dinge, die brauchen eine Planung, Entwicklung, Ausrüstung für bestimmte Zwecke, Und wenn die Sanktionen das einmal ruiniert haben, dann verliert man den Markt, und man verliert ihn für immer. Und das ist es, was die deutsche Industrie jetzt fürchtet, wenn die Sanktionen aufrechterhalten werden. Dann gehen für die Wirtschaft extrem wichtige Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland verloren.

Das gleiche denken die Menschen in Frankreich, in Italien. Es gibt also im Moment eine Strömung für die Beendigung der Sanktionen. Aber die Frage ist offensichtlich, ob die Menschen den Mut haben werden, sich den Vereinigten Staaten zu widersetzen? Denn darauf läuft es letztendlich hinaus.

Nun, was ich hier eigentlich tue, ist: Ich fordere Sie auf, noch aktiver zu werden als sie es bisher schon sind. Es kommt die Vollversammlung der Vereinten Nationen, und ich habe dafür einen Appell verfaßt. Und meiner Meinung nach - und Lyn [LaRouche] sagte dasselbe - ist es vielleicht wirklich die letzte Chance für die Menschheit, den Kurs zu ändern. Eine außerordentliche Zahl politischer Führer wird kommen - Xi Jinping wird kommen, Putin wird kommen, der Papst, andere wichtige Leute werden kommen, und wir werden in New York und in den Vereinigten Staaten eine Atmosphäre schaffen, wo man sagt: „Genug ist genug! Wir wollen, daß die Vereinigten Staaten sich den anderen Ländern anschließen, um die Welt aufzubauen und Schluß machen mit diesen Kriegen auf der Grundlage von Lügen und der Unterstützung von Terroristen, einer Gruppe nach der anderen!“

Ich denke, wir können genug Menschen in Bewegung bringen, die sagen: Es ist endlich an der Zeit, daß Amerika wieder eine Republik wird und nicht länger versucht, ein Empire zu sein, mit einer unipolaren Welt auf der Grundlage der Doktrin des „Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert“. Denn das ist eigentlich die Politik, die hier noch am Werk ist - daß die Vereinigten Staaten nicht zulassen wollen, daß ein Land oder eine Gruppe von Ländern aufsteigt und überlegen oder auch nur gleichrangig wird. Diese Politik muß aufhören! Die Vereinigten Staaten müssen akzeptieren, daß sie nicht mehr die einzige Supermacht sind.

Niemand will den Vereinigten Staaten eine Rolle verweigern, sie sollen sehr wohl ihre Rolle haben. Aber sie sollen, wie es John Quincy Adams sagte, Teil der Nationen sein. Ich habe nichts dagegen, wenn die Vereinigten Staaten der primus inter pares sein wollen, der erste unter Gleichrangigen, das ist in Ordnung! Aber sie sind nicht die einzigen, und das muß ganz klar als Botschaft vermittelt werden.

Dies ist wirklich ein Moment, an dem alles vom subjektiven Faktor abhängt. Denn objektiv gesehen sind alle Elemente für eine Wende vorhanden. Und man muß sich darüber im klaren sein, daß es oft Zeiten gibt, wo man nichts ändern kann, weil die Strukturen festzementiert sind. Dann schaut es so aus, als könne man wirklich nicht viel tun, weil es Bündnisse gibt, Prozesse, Verträge, und sich nichts bewegt. Aber dann kommt von Zeit zu Zeit, was ich „Sternstunden der Menschheit“ nenne. 1989 war ein solcher Moment, als die Mauer fiel, und die deutsche Wiedervereinigung war das Resultat davon. Das war eine Sternstunde der Menschheit.

Und ich weiß, daß wir uns jetzt in einer solchen Periode befinden. Es ist noch nicht wie im November 1989, es ist erst wie im Oktober 1989. Man kann es schon kommen sehen, und es kommt wie eine Welle, in der sich die Kräfte der Zerstörung beschleunigen, aber auch die Kräfte des Aufbaus und des Guten sind in Bewegung.

Und alles wird von den Amerikanern abhängen. Denn wenn Amerika sich dieser weltweiten Bewegung für Entwicklung anschließt, dann kann alles gelöst werden.

Werden Sie also bitte diesem Moment der Geschichte gerecht!