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Neue Solidarität
Nr. 15, 13. April 2017

EZB verschleiert zweimal Derivatkatastrophe der Deutschen Bank

Die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Einheitlicher Bankenaufsichtsmechanismus (SSM) wurden dabei erwischt, daß sie zweimal hintereinander verschleierten, auf welcher Derivat-Zeitbombe die Deutsche Bank sitzt (wie sicherlich auch andere europäische Megabanken), wodurch ein Kollaps des gesamten Bankensystems droht. Die italienische Finanzzeitung Il Sole 24 Ore deckte am 17. März auf, daß der SSM 2014 und erneut 2016 die Level-3-Derivatgeschäfte der Deutschen Bank bewußt nicht prüfte, weil es 1. zu lange dauern würde und 2. der SSM fachlich dazu nicht kompetent ist.

(„Level 3“-Wertpapiere haben keinen Preis, weil es für sie keinen Markt gibt. Sie sind so toxisch, daß Geschäfte mit ihnen „nur auf gutem Glauben basieren“, wie ein Bankexperte EIR sagte. Faktisch ist ihr Wert null, dennoch dürfen die Banken sie nach eigenen Rechenmodellen bewerten. So gab die Deutsche Bank Ende 2015 den Wert ihres Level-3-Giftmülls mit 31 Mrd. € an!)

Die italienische Zeitung berichtet über die Prüfung 2014: „Der SSM wie auch seine Berater vom Beratungsunternehmen Oliver Wyman hatten bewußt entschieden, Level-3-Papiere nicht zu bewerten. Il Sole erfuhr, daß der Kopf des Oliver-Wyman-Teams, Ian Shipley, dazu erklärte, es sei nicht möglich, hochstrukturierte Finanzprodukte zu zertifizieren, weil sowohl den Zentralbanken als auch Beratern wie Oliver Wyman die Fachkompetenz dazu fehle.“

Shipley habe betont: „...die einzigen, die bei Derivaten Modelle anwenden könnten, die es einem ermöglichen, Bilanzwerte zu belegen, sind amerikanische Investmentbanken, von Goldman Sachs bis Morgan Stanley, die diese Produkte selbst erfunden und sie den europäischen Banken verkauft hatten. Sie einzubeziehen bedeutete einen potentiellen Interessenkonflikt.“

Wie EIR damals berichtete, hatte die SSM-Chefin Danièle Nouy in einer Anhörung im Europaparlament am 3. November 2014 gesagt, ihre Behörde könne die Level-3-Papiere aus „Zeitmangel“ nicht prüfen.

Heute behauptet der SSM, er verfüge über das nötige Fachwissen, aber von Il Sole befragte Experten bestreiten das. Das sei auch der Grund, warum das Prüferteam der EZB bei der Deutschen Bank ohne den Auftrag entsendet wurde, den Wert der Derivate zu schätzen.

Die Zeitung verweist namentlich auf Stuart Lewis, der seit 1996 in der Deutschen Bank Chef der Risikobewertung ist. „Il Sole 24 Ore hat weiterhin herausgefunden, daß Bill Broeksmit, ein Mitarbeiter der Deutschen Bank, der Experte für Risikomanagement war und einhellig als Mensch mit hohen moralischen Grundsätzen galt, Zweifel über Lewis geäußert hatte. Am 26. Januar 2014, inmitten einer Periode, als gegen die Bank mehrere Untersuchungen liefen, nahm Broeksmit sich das Leben. In einer E-Mail an einen Freund schrieb Broeksmit vor seinem Tod: ,Stuarts Hintergrund ist Kreditrisiko. Er ist nicht besonders gewandt im Modellrisiko.’ Trotzdem gibt ihm die Deutsche Bank seit 2012 die Aufgabe, das größte Risiko zu überwachen, das sie hat, das Modellrisiko.“

Danièle Nouy schrieb Il Sole eine lange Antwort, bestritt darin jedoch dem Autor Claudio Gatti zufolge keine der Fakten aus dem Artikel.

eir