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Neue Solidarität
Nr. 49, 6. Dezember 2018

Wir brauchen ein Crashprogramm zur Entwicklung der Kernfusion!

Von Bruce Director

Der folgende Artikel von Joel DeJean, einem Elektroingenieur mit Erfahrungen in der Rüstungsindustrie und langjährigem Mitstreiter von Lyndon LaRouche, liefert einen wichtigen Überblick über drei neue Ansätze zur Entwicklung kompakter Kernfusionsreaktoren. Wenn man an den gegenwärtigen und zukünftigen Zustand der Weltwirtschaft denkt, mit dem immer deutlicher sichtbaren Potential für ein neues System wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen anstelle der „Globalisierung“ (ein Euphemismus für das heutige Britische Finanzempire), und die aktuellen staatlichen und privaten Initiativen zur Entwicklung der Kernfusion vor diesem Hintergrund betrachtet, dann zeigt DeJeans Artikel das Offensichtliche: Es ist höchste Zeit für eine internationale Kooperation von Regierungen und Privatunternehmen in einem umfassenden Crashprogramm, um die Kernfusion schon in naher Zukunft kommerziell nutzbar zu machen und in Betrieb zu nehmen.

Die kontrollierte Kernfusion ist keine „Option“

Daß die Nutzung der kontrollierten Kernfusion die Weltwirtschaft revolutionieren würde, ist allgemein anerkannt. Aber nur wenige verstehen, daß sie eine absolute Notwendigkeit ist. Viele politische Entscheidungsträger, Ökonomen, Wissenschaftler und die breite Öffentlichkeit meinen, es zwar wäre „ganz nett“, wenn man die Kernfusion nutzen könnte, aber auf absehbare Zeit wäre eine Kombination der bestehenden Energietechnologien (vor allem fossile Energieträger und Kernspaltung) für das globale Wirtschaftswachstum noch ausreichend. (Auf die zweifelhaften Argumente für Technologien mit niedrigen Energiedichten wie Wind und Solar wollen wir hier nicht näher eingehen.)

Das mag richtig sein, wenn man es ausschließlich vom Standpunkt der notwendigen Energieproduktion betrachtet, dennoch wird bei dieser Argumentation der entscheidende Punkt übersehen. Eine starke Ausweitung der Nutzung fossiler Brennstoffe und der Kerntechnik – besonders der jüngsten technischen Innovationen in diesen Bereichen – ist sicherlich dringend notwendig, und sie mag auch bis auf weiteres ausreichen. Kurzfristig kann man mit einer solchen verstärkten Nutzung existierender Technologien wahrscheinlich den aktuellen Stand der Wirtschaft aufrechterhalten, ja sogar die anstehende gewaltige Ausweitung der Weltwirtschaft mit Chinas Belt & Road Initiative und den Plänen für eine schnelle Industrialisierung der asiatischen, afrikanischen und amerikanischen Nationen tragen. Aber früher oder später brauchen wir die Kraft der Kernfusion. Wir müssen sie nutzen, aus Gründen, die mit der menschlichen Natur zusammenhängen.

Lyndon LaRouche weist schon lange auf diese Bedeutung der Kernfusion hin und hat sie zu einem Kernpunkt seiner „Vier Gesetze“ gemacht.1

Wie DeJean in der Einleitung zu seinem Artikel schreibt, ist die Kernfusion ein grundlegender physikalischer Prozeß, der im Universum weit verbreitet ist. Wie er betont, konnte die Menschheit bis vor 66 Jahren ausschließlich die Nebenwirkungen der kosmischen Fusionskraft nutzen. Mit der Zündung der ersten Wasserstoffbombe begann der Mensch, dieses fundamentale Naturprinzip bewußt zu steuern und zu nutzen. Es wurden viele Möglichkeiten vorgeschlagen, diese semikontrollierte, explosive Kraft der Kernfusion für friedliche Zwecke zu nutzen. So schlug beispielsweise Dr. Edward Teller die „Operation Pflugschar“ vor: die Nutzung der Explosionen von Wasserstoffbomben für große Grabungsprojekte, wie etwa für den – immer noch nicht realisierten – Krakanal in Thailand. Unterirdische Explosionen von Wasserstoffbomben sollten auch dazu genutzt werden, Elektrizitätsgeneratoren zu betreiben. Ist die Kraft der Kernfusion einmal völlig beherrscht, so eröffnet dies der wirtschaftlichen Entwicklung der Menschheit eine Fülle neuer Möglichkeiten.

Was uns die Kernfusion lehren kann

Aber noch wichtiger ist, welche Wirkung die Bemühungen um dieses Ziel und schließlich ihr Erfolg auf die schöpferischen Kräfte der Menschheit haben werden. Das Verständnis der grundlegenden physikalischen Prozesse, die bei der vollständig kontrollierten Kernfusion zusammenwirken, ist die vielleicht größte wissenschaftliche Herausforderung, mit der die Menschheit bisher konfrontiert war. Es erfordert eine völlige Neukonzeption unseres Verständnisses der fundamentalen Prinzipien des physischen Universums, die das bestehende Sammelsurium physikalischer Theorien aus den letzten hundert Jahren ablöst und unser Verständnis von Mensch und Natur auf eine neue Ebene hebt. Es würde den Rahmen dieser Einführung sprengen, auf diese Herausforderung ausführlicher einzugehen, aber sie berührt die fundamentalen Fragen der Wissenschaft, die insbesondere von Max Planck, Albert Einstein, Wladimir Wernadskij und vor allem von Lyndon LaRouche angesprochen wurden.

Diese Geschichte läßt sich, etwas verkürzt, folgendermaßen zusammenfassen:

Leider gingen diese Durchbrüche im wissenschaftlichen Verständnis mit in vieler Hinsicht verheerenden Verschlechterungen der Lage der Menschen einher, das 20. Jahrhundert war von ungeheuren Zerstörungen und Verlusten geprägt. Eine Folge davon – oder in gewissem Sinne eine Ursache davon – waren wissenschaftliche Theorien wie die Quantenmechanik, die den Pessimismus ihrer Zeit widerspiegeln. Die Fortschritte bei der technischen Anwendung dieser wissenschaftlichen Prinzipien gab es nicht wegen, sondern trotz der vorherrschenden Wissenschaftstheorien.

Wernadskijs Forschungen zeigten, daß man ein neues Verständnis der Unterteilung zwischen abiotischen, biotischen und noetischen Prozessen braucht, das die Transformation und Wechselwirkungen zwischen diesen drei scheinbar voneinander unabhängigen Bereichen berücksichtigt. Die Entwicklung dieser Prozesse auf der Erde zeigt eine zunehmende Herrschaft des lebenden Bereichs über den abiotischen und eine zunehmende Herrschaft der noetischen Prozesse (der menschlichen Erkenntnis) über die beiden anderen Bereiche.

LaRouche erkannte in seiner Wissenschaft, der physikalischen Ökonomie, daß ein noch höherer, vierter Bereich existiert, nämlich die menschlichen Interaktionen zwischen und über Generationen hinweg, welche die schöpferische Macht des Menschen über sich selbst und über die Natur steigern – ein höheres wirkendes und herrschendes Prinzip im Universum.

In dem Maße, wie die Menschheit ihre bewußte Beherrschung der Prozesse auf der Erde und darüber hinaus ausweitet, wachsen auch die schöpferischen Kräfte der einzelnen Menschen und der Menschheit insgesamt.

Die Kombination aus der Arbeit daran, die Kernfusion vollkommen beherrschbar und nutzbar zu machen, und einer internationalen Anstrengung zur Ausdehnung der menschlichen Wirtschaftaktivität von der Erde auf den Mond und darüber hinaus ist eine einzigartige Grundlage, um diese Weiterentwicklung der Menschheit zu fördern. Wenn die Menschheit bei diesen Bemühungen zusammenarbeitet, wird sie ihre Fähigkeit vergrößern, unsere kreative Macht in und über das Universum zu verstehen und zu meistern. Ein neues Verständnis der Physik wird sich entwickeln.

Internationale Kooperation

Ein grundlegender Durchbruch auf dieser Ebene ist vielleicht – auch wenn er unvermeidlich ist – nicht unbedingt notwendig, um einen vollständig kontrollierten Fusionsreaktor zu entwickeln, aber ohne ein Crashprogramm zur Entwicklung der kontrollierten Kernfusion wird es ihn nicht geben. Es ist daher für die Menschheit geboten, alle verfügbaren intellektuellen und materiellen Ressourcen aufzubieten, um mit der gleichen Intensität und Leidenschaft an diese großartige Aufgabe heranzugehen wie etwa die Vereinigten Staaten in den 1960er Jahren an das Projekt, einen Menschen zum Mond und sicher wieder zurück zu bringen. Aber die Aufgabe, die Kernfusion zu beherrschen, ist noch weit größer, sie läßt sich durch internationale Bemühungen meistern. Ihr Ausgangspunkt muß das von Lyndon LaRouche vorgeschlagene Vier-Mächte-Abkommen zwischen den Vereinigten Staaten, Rußland, China und Indien sein, dem sich dann die übrigen Nationen mit ihren wissenschaftlichen Kapazitäten anschließen sollten. Die finanziellen Beschränkungen, die bisher die Fusionsforschung hemmen, müssen durchbrochen und entsprechende Verpflichtungen eingegangen werden.

Diese Bemühung wird ein entscheidendes Element dabei sein, neuartige Beziehungen zwischen den Nationen aufzubauen, wie es jetzt möglich ist. Noch wichtiger ist es jedoch, ein neues Menschenbild zu entwickeln. Wie Lyndon LaRouche in seinem „Vierten Gesetz“ sagt: „Der entscheidende Unterschied zwischen dem Menschen und allen niederen Lebensformen zeigt sich in der Praxis darin, daß der Mensch über die Mittel verfügt, die konkreten positiven Ziele und Bedürfnisse des menschlichen Individuums und des sozialen Lebens immer weiter zu vervollkommnen.“


Anmerkung

1. Lyndon H. LaRouche jr., „Vier neue Gesetze, um die USA zu retten, Keine Option, sondern unmittelbare Notwendigkeit“, Neue Solidarität 25/2014.