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Neue Solidarität
Nr. 6, 8. Februar 2018

„Der Krieg im Jemen könnte sehr schnell beendet werden“

Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim sprach mit Ulf Sandmark vom schwedischen Schiller-Institut über die Lage im Jemen.

„Die größte potentielle Gefahr ist nun eine neuerliche saudische Strategie, kampferprobte ISIS-Söldner aus Syrien und dem Irak in den Jemen zu verlegen“, warnt Ulf Sandmark in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Tasnim. „Es sollte einen internationalen Aufschrei gegen den fortgesetzten Einsatz dieser ISIS-Verbrecher geben, die man wegen ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht stellen und einsperren sollte.“

Sandmark ist ein schwedischer Ökonom und Menschenrechtsaktivist, und seit langem Mitstreiter des amerikanischen Politikers Lyndon H. LaRouche. Er ist Vorstandsmitglied des Schiller-Instituts in Schweden und der Stockholmer Korrespondent des Executive Intelligence Review (EIR). Als Kind lebte Sandmark mit seiner Familie drei Jahre lang in Addis Abeba, später engagierte er sich seit seinem Studium an der Stockholm School of Economics für die Entwicklung der Dritten Welt. Er hat zahlreiche Artikel und Vorschläge für Entwicklungsprogramme verfaßt, darunter auch (zusammen mit Hussein Askary) „Das Phönix-Projekt: Syrien neu erschaffen – Diskussionspunkte für den Wiederaufbau Syriens“ (Neue Solidarität 44/2015), das beschreibt, wie sich das große Potential für Syriens Wiederaufbau durch die Einbindung des Landes in die Neue Seidenstraße realisieren läßt. In seinen 20 Jahren als Vorsitzender der Anti-Drogen-Koalition in Schweden hat er darüber geschrieben, wie man die Rauschgift-Banken und ihre narkoterroristischen Banden zerschlagen kann. Er hielt auch zahlreiche Vorträge vor internationalen Konferenzen, darunter eine zweitägige Konferenz in London im vergangenen Jahr zur „Unterstützung des jemenitischen Volkes gegen den anglo-amerikanisch-saudischen imperialen Krieg“.

Es folgt der Text des Interviews, das im Original auf Englisch geführt wurde.

* * *

Sandmark: UNICEF und andere Einrichtungen schlagen Alarm, aber es liegt bei den Regierungen, Entscheidungen zu treffen, und im UN-Sicherheitsrat werden die Nationen durch strategische Drohungen zum Schweigen gebracht. Für China besteht die existentielle Gefahr, von Öllieferungen aus der Golfregion abgeschnitten zu werden. Auch für Rußland gibt es strategische Gefahren, es muß Vorbereitungen für das Überleben eines möglichen Nuklearkriegs treffen und gleichzeitig einen Staatsbankrott wegen niedriger Ölpreise verhindern. Die westeuropäischen Mächte werden mit der von den Briten geschürten Hysterie eines neuen Kalten Krieges erpreßt. Der begrenzte Spielraum, den Rußland in Syrien sorgfältig und klug nutzt, ist am Persischen Golf nicht vorhanden. Das ermöglicht es der saudisch geführten Koalition, der ja auch westliche Mächte angehören, in der Kriegführung diese Taktik zu verfolgen, zu versuchen, den Willen der patriotischen Kräfte im Jemen zu brechen, indem sie diese grausame Hunger- und Gesundheitskrise für die Zivilbevölkerung erzeugen.

Sandmark: Das Regime in Riad war seit seiner Einsetzung als britische Maharadschas, um die Region zu beherrschen, noch nie eigenständig. Der Krieg ist Teil der britischen Strategie, Indien, China und Japan mit Strangulation zu drohen, indem die Energieversorgung aus der Golfregion destabilisiert wird. Nun, da die Kriege im Irak und in Syrien vor ihrem Ende stehen, werden neue Spannungen erzeugt, indem die Briten immer neue Krisen schüren, die zum Teil darauf abzielen, den amerikanischen Präsidenten zu einem Krieg gegen den Iran zu verleiten. Die alte britische Politik, den Iran zu schwächen und zu zerstören, ist jetzt ein zweckmäßiger Teil des kurzfristigen britischen Ziels, Trumps Präsidentschaft kaputtzumachen und die USA in Gegnerschaft zu Rußland und China zu halten. Trump würde es als Präsident nicht überleben, wenn er einen weiteren amerikanischen Krieg in Asien anfängt, nachdem er versprochen hatte, alle diese Kriege zu beenden. Das Britische Empire in seiner heutigen Form würde es nicht überleben, wenn es das stabile und positive Verhältnis zwischen den USA, Rußland und China gibt, das Trump herzustellen versprochen hat.

Sandmark: Die saudisch geführte Koalition kann den Krieg gegen die patriotischen jemenitischen Barfußsoldaten immer noch nicht gewinnen, weil es auf Söldner setzt, die nur Kanonenfutter sind. Die größte potentielle Gefahr ist nun eine neuerliche saudische Strategie, kampferprobte ISIS-Söldner aus Syrien und dem Irak nach Jemen zu verlegen. Es sollte einen internationalen Aufschrei gegen den fortgesetzten Einsatz dieser ISIS-Verbrecher geben, diese sollte man wegen ihrer Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor Gericht stellen und einsperren.

Sandmark: Wenn der Krieg endet, hat Jemen eine glänzende Zukunft vor sich, weil China zusammen mit 70 anderen Ländern die Wirtschaftsgürtel-Initiative (BRI) gestartet hat, die verspricht, die Armut auf der Welt zu beenden. Es ist das Gegenstück zu Chinas erfolgreicher Strategie im Inland, 700 Millionen Chinesen aus der Armut herauszuholen. Zu der BRI-Strategie gehört, alle Wohnungen auf der Welt mit Strom zu versorgen und alle Regionen durch moderne Eisenbahnnetze zu verbinden.

Die Vision der BRI ist auch der Kern einer Strategie für den Jemen, den Krieg zu beenden. Der Jemen kann schon jetzt versuchen, internationale Bündnisse für seinen Schutz und für den Aufbau der BRI in der Region zu schließen. Auch wenn es viel Zeit braucht, bis eine solche Strategie sich konkret in Gebäuden und Infrastruktur umsetzt, kann sie schon jetzt politische Bündnisse mit wichtigen Mächten sowie einheimischen Fraktionen schmieden, die stark genug sein könnten, um den Krieg schon sehr bald zu beenden.

Eine dringend notwendige Entscheidung der jemenitischen Regierung sollte sein, eine dauerhafte nationale Verpflichtung zum Schutz der Maritimen Seidenstraße einzugehen und zu helfen, die Piraterie zu beenden. Beispielsweise könnte die illegale mörderische Blockade gegen den Jemen als Nebenprodukt einer massiven internationalen Friedensmission zur See zur Beendigung der Piraterie im Golf von Oman und im Roten Meer beendet werden. Da diese Blockade eine illegale Umsetzung der UN-Resolution 2216 ist, gibt es viele mögliche Manöver, um sie zu umgehen und zu beenden.