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Zur Zeit ist der Plan für eine ausländische Militärintervention in Venezuela auf Eis gelegt. Das liegt nicht etwa daran, daß die neokonservative Kabale innerhalb der Trump-Administration, die sich an das alte geopolitische Paradigma klammert, diesen Gedanken aufgegeben hätte. Es gelang ihnen aber nicht, die notwendige Unterstützung der iberoamerikanischen und europäischen Regierungen für diese verrückte Strategie zu gewinnen. Den jetzigen Plan beschrieb Eric Farnsworth, Vizepräsident des Council of the Americas/Americas Society, einer Einflußorganisation der Rockefeller-Familie, in einem Artikel in The National Interest am 25. Februar so: Um Präsident Nicolás Maduro zu stürzen, will man Venezuela „zerquetschen, so wie es die großen Anakondas tun, die in den Gewässern Venezuelas leben“.
Wie der US-Sonderbeauftragte für Venezuela und vorbestrafte Iran-Contra-Verbrecher Elliot Abrams in einer Anhörung am 7. März erklärte, wird mehr diplomatischer und wirtschaftlicher Druck durch mehr Sanktionen ausgeübt. Dieser zielt u.a. gegen ausländische Banken, die der Regierung Maduro helfen könnten, staatliche Vermögenswerte zu „verstecken“, und man will „in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft die Bankkonten des Regimes auf der ganzen Welt einfrieren“. Und der durchgedrehte republikanische Senator Marco Rubio kündigte an, für Venezuela werde „in den nächsten Wochen eine Leidensperiode beginnen, wie sie keine Nation unserer Hemisphäre jemals in der modernen Geschichte erlebt hat“.
Das ist eine wirtschaftliche Kriegserklärung. Um 17 Uhr am selben Tag, dem 7. März, gab es in Venezuela einen massiven Stromausfall, der fast das ganze Land von 30 Millionen Einwohnern traf – mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Sabotage. 30 Stunden später folgte ein zweiter Blackout. Kommunikationsminister Jorge Rodríguez klagte an, der Ausfall sei auf einen ausgeklügelten technischen und Cyberangriff auf den riesigen Guri-Staudamm im Bundesstaat Bolívar zurückzuführen, der 73% des Stroms im Land liefert. Zusätzlich zu den ohnehin schon schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen haben die beiden Stromausfälle das Land lahmgelegt: Schulen und Geschäfte sind geschlossen, Transport ist wegen Brennstoffmangel unmöglich, das Telekommunikationssystem funktioniert nicht mehr. Durch den Stromausfall starben viele Menschen in Krankenhäusern, und in der Bevölkerung herrscht Panik und Verzweiflung.
Dieselben Leute, die über Maduros Menschenrechtsverletzungen Zeter und Mordio schreien und „Demokratie“ fordern, um die leidende Bevölkerung vor der „Tyrannei“ zu retten, haben keine Skrupel, möglichst viele Menschen zu töten, um ihren Regimewechsel zu erreichen. In dieser zunehmend gefährlichen Lage ist jedoch unklar, wo Präsident Trump steht. In den letzten Wochen sagte er wenig dazu, allerdings hat er in einer Rede in Miami am 18. Februar den Regimewechselplan öffentlich unterstützt, und Abrams, Vizepräsident Pence und Außenminister Pompeo behaupten alle, es sei die Politik des Präsidenten.
Präsident Maduro hat darauf hingewiesen, daß Trumps Politik möglicherweise nicht dieselbe ist wie die der Neocons um ihn herum, und hat vorgeschlagen, daß sich beide persönlich treffen, um Bereiche zu finden, in denen sie sich einig sind. In diesem Zusammenhang ist es aufschlußreich, daß die venezolanische Nachrichtenagentur Telesur am 1. März ein halbstündiges Videointerview mit dem EIR-Iberoamerika-Redakteur Dennis Small geführt hat; er konzentrierte sich darin auf die beiden widerstreitenden Paradigmen der heutigen Welt und auf den erbitterten Machtkampf in Washington darum, welchem der beiden Paradigmen sich die USA anschließen werden. Es war deutlich zu spüren, daß Venezuela EIR als Kanal nutzen möchte, um ein Treffen der Präsidenten Trump und Maduro zu fördern. (Das englischsprachige Interview finden Sie hier: https://videos.telesurenglish.net/video/767406/interviews-from-washington- dc-767406/)
eir