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Von Helga Zepp-LaRouche
Bei der New Yorker Gedenkfeier für Lyndon LaRouche hielt Helga Zepp-LaRouche den folgenden Vortrag.
Dies ist ein einzigartiger Moment in unserem Leben, in dem wir uns hier zur Erinnerung und Ehre unseres geliebten Lyn versammeln.
Lyn hat das Leben der meisten von uns grundlegend verändert. Und wir können uns fragen: „Wo wäre ich ohne das unglaubliche Privileg, Lyn, den kreativsten Denker unserer Zeit, getroffen zu haben?“ Wenn man sich heute in unserer Gesellschaft umsieht, sind da so viele vergeudete Leben, Menschen, die in materieller Gier ertrinken und nach Geld, Objekten und Unterhaltung jagen. Einige sind darin sehr erfolgreich, sie verdienen viel Geld, aber ihre Seelen wurden schon längst von noch mehr Gier aufgefressen. Viele sind nicht so erfolgreich, sie können kaum über die Runden kommen.
Lyn öffnete den meisten von uns die Tür zur wahren Menschlichkeit, und in den unzähligen Gesprächen, die er mit Menschen führte, berührte er in der langen Zeit seines Lebens das Leben von Tausenden und Abertausenden von Menschen in den Vereinigten Staaten, in Europa, in Afrika, in Asien und Lateinamerika. Er veränderte tatsächlich das Leben und berührte sie zutiefst, in den meisten Ländern dieses Planeten, auf fünf Kontinenten. Lyn sprach mit vielen Gruppen und einzelnen jungen Menschen. Er konnte die Fischer Perus aufheitern, er erzählte den Schuhmachern Italiens von der Schuhherstellung. Er sprach mit italienischen Abgeordneten und Abgeordneten auf der ganzen Welt. Er lehrte Unternehmern die physische Ökonomie. Er sprach mit Gewerkschaftern, Lehrern, Gelehrten, den besten Musikern der Welt. Er öffnete vielen, vielen Menschen die Tür zur Wahrheit und zum Wissen. Und viele von ihnen sagten, daß Lyn mehr über ihr Fachgebiet wußte als sie, die Experten selbst, und daß er in der Lage war, die Richtung ihres Denkens zu ändern.
Lyns Leben ist ein Wunder. Er widersetzte sich allen Hindernissen, um seinen mächtigen Intellekt zu behaupten. Als junger Mensch fühlte er sich als „häßliches Entlein“, das nicht in die banale Umgebung paßte, die ihn umgab. Aber schon als junger Erwachsener hatte er die innere Kraft, jede intellektuelle Korruption zurückzuweisen.
Aber Lyn hat diesem Talent noch etwas hinzugefügt: Er besaß intellektuellen Fleiß und Strenge, wie sie für die meisten Menschen unvorstellbar sind. Er war wirklich ein wahrheitssuchender Mensch, ein universeller Denker, der fast alle relevanten grundlegenden Bereiche des Wissens eroberte und erweiterte: die Naturwissenschaften, die klassische Musik, die Poesie, die Geschichte. Der große Norbert Brainin sagte nach zwei Tagen sehr intensiver Diskussionen: „Dieser Mann weiß so viel mehr über Musik als ich!“ Dasselbe könnte man über Lyns Kenntnis der Geschichte sagen – der amerikanischen Geschichte, der Geschichte der Sowjetunion, Afrikas, der europäischen Philosophie. Und in all diesen Bereichen – und ich habe wahrscheinlich die Hälfte vergessen – hat er einzigartige Entdeckungen gemacht und qualitative Durchbrüche hinzugefügt.
Aus all diesem universellen Wissen entwickelte er seine eigene Wissenschaft der physischen Ökonomie, und viele herausragende Wissenschaftler in vielen Ländern haben anerkannt, daß seine Methode die profundeste auf dem Gebiet der Ökonomie als solcher war.
Lyns Motivation für seine Arbeit war – und ist – die Liebe zur Menschheit. Wenn er an einem Projekt arbeitete, arbeitete er 20 Stunden am Tag und produzierte zu seinen besten Zeiten 60 bis 80 Seiten mit Fußnoten, so daß die Redaktion nicht das geringste ändern mußte.
Er konnte den Gedanken nicht ertragen, daß das Potential von Menschen unterdrückt wird, etwa weil sie in Armut leben müssen. Er konnte sich mit der Armut in den Entwicklungsländern nicht abfinden, und er begann, das Empire zu hassen, weil es die Regierungsform ist, die den Menschen das antut. Aber er konnte auch die geistige Unterdrückung durch falsche Vorstellungen über die Gesetze des physikalischen Universums nicht ertragen, denn solche Fehler führen zur Selbstzerstörung von Kulturen und Zivilisationen. Ich habe nie jemanden gesehen oder gehört, der sich so sehr auf die notwendigen Veränderungen des Systems der Unterdrückung konzentrierte und darauf, es durch seine Vision einer menschlicheren und schöneren Welt zu ersetzen.
Diese Sichtweise ließ ihn schon sehr früh, in den 60er Jahren, die verheerende Gefahr durch die Rock-Sex-Gegenkultur erkennen. Und schauen Sie sich die Vereinigten Staaten heute an, was diese Kultur angeht. Wäre Lyn Präsident gewesen – und das hätte er sein können, denn er war im Wahlkampf 1984 und im Wahlkampf in Illinois 1986 auf bestem Wege dahin –, dann wäre das nie passiert. Ohne die Sabotage des neoliberalen und neokonservativen Establishments hätte er die Welt in Ordnung gebracht.
Denken Sie nur an die Veränderungen, die er bereits in Gang gesetzt hatte: die Entwicklung Lateinamerikas durch seine Zusammenarbeit mit López Portillo, die schöne Idee der Überwindung der Armut in Indien durch seine Zusammenarbeit mit Indira Gandhi an einem 40-Jahres-Entwicklungsplan für den Subkontinent. Er war im Begriff, die Militärblöcke NATO und Warschauer Pakt durch seine Konzeption der SDI zu überwinden, die Idee, die Geopolitik zu beenden und statt dessen mit der Idee einer geeinten Menschheit fortzufahren.
Denken Sie, was geschehen wäre, wenn man seine Vorstellung umgesetzt hätte, die Auswirkungen der SDI als Wissenschaftsmotor zu nutzen, um neue Technologien auf der Grundlage neuer physikalischer Prinzipien in die Entwicklungsländer zu bringen – ein gigantischer Technologietransfer, der diesen Ländern ermöglicht, auf die modernsten Produktionsweisen umzusteigen. Schon seit Jahrzehnten wäre die Armut in Afrika, Asien und den Vereinigten Staaten bekämpft worden. Wir hätten eine universelle Bildung für jedes Kind, bereits in der zweiten Generation, und ausgebildete Jugend im Entwicklungssektor. In den Vereinigten Staaten gäbe es eine öffentliche Debatte über die Themen, die Lyn in seiner schönen Rede 1988 auf der „Food for Peace“-Konferenz in Chicago angesprochen hat – die afrikanischen Wüsten in einen blühenden Garten zu verwandeln, um genügend Nahrung für die Weltbevölkerung zu produzieren. In den Vereinigten Staaten würde man nicht über Game of Thrones diskutieren, sondern über Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie und die Gesetze des Universums. Musiker würden über die Prinzipien der Motivführung in der Komposition in der Tradition der Komponisten von Bach bis Brahms diskutieren. Er hätte den Wissenschaftlern ein tiefes Verständnis für das Prinzip des Lebens vermittelt, so daß sie Lösungen gefunden und die meisten Krankheiten geheilt hätten.
Die Kreativität wäre der höchste Wert in der Gesellschaft, und alle würden die innere Freude einer neuen internationalen Renaissance erleben. Und wir, die wir mit Lyn zusammengearbeitet haben, hatten das Privileg, einen Vorgeschmack darauf zu bekommen, was es bedeutet, in der Welt der Ideen zu leben. Wenn Lyn Präsident geworden wäre, wäre dieser Renaissance-Geist überall in den Vereinigten Staaten und auf der ganzen Welt zur intellektuell hegemonialen Macht geworden. Die Vereinigten Staaten haben das große Glück, einen solchen Menschen mit einem so schönen Geist und einer so prophetischen Vision zu haben.
Lyn und ich hatten einmal ein Treffen mit einem Bischof von Rom, und er sagte: „Lyn ist ein Mann der Vorsehung.“ Ich stimme dem absolut zu, weil Lyns Leben und Lebenswerk absolut im Einklang mit dem Schöpfungsplan steht. Es ist eine Tragödie für das amerikanische Volk und die übrige Welt, daß die bösen Mächte der Gegenwart in der Lage waren, diese Bemühungen zumindest vorübergehend zu verhindern. Und ein Durchbruch für die ganze Menschheit wird mit Lyns Ideen verbunden sein.
Lyns Vision einer umfassend entwickelten Welt, die in Form der Weltlandbrücke Realität wird, wird jetzt umgesetzt: neuartige internationale Beziehungen zwischen Nationen, ein Dialog der klassischen Kulturen anstelle der Konfrontation und die Vision einer internationalen Zusammenarbeit zur Kolonialisierung des Mondes und einer gemeinsamen Marsmission. Seine Feinde – die die Feinde der Menschheit und des Glücks der Menschen sind –, mögen sich vielleicht kurzfristig durchsetzen. Aber sie werden schon von den Erinnyen gejagt. Sie mögen es vielleicht für kurze Zeit schaffen, ihre Verbrechen zu vertuschen, aber es existiert eine höhere Kraft des Naturrechts, die ihre Verbrechen ans Licht bringen wird.
Lyn dagegen hat sich das ewige Leben verdient. Sein Leben ist in der Gleichzeitigkeit der Ewigkeit. Sein Verstand und seine Ideen reichen über alle Orte und Zeiten hinweg. Lyn ist jetzt Teil einer Realität, wie sie in Raffaels Schule von Athen gezeigt wird: Er ist bei Sokrates und Platon, bei Konfuzius, Kepler, Leibniz, Bach, Beethoven, Einstein und Wernadskij und den besten Köpfen aller Zeiten und aller Kulturen.
Du bist unsterblich, geliebter Lyn!