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Neue Solidarität
Nr. 7, 14. Februar 2019

Viele Diabetiker in den USA sterben, weil Insulin zu teuer ist

In einem Artikel unter dem Titel „Leben, Tod und Insulin“, der am 13. Januar im Washington Post Magazine erschien, dokumentiert Tiffany Stanley, daß die gestiegenen Insulinpreise viele Diabetiker in den USA das Leben kosten.

Sie erzählt die Geschichte von Alec, einem jungen Mann in Minnesota, der im Alter von 20 Jahren mit Diabetes Typ 1 diagnostiziert wurde. Bei Typ 1 produziert der Körper wenig oder kein Insulin, Typ 2 ist die Form, bei der der Körper gegen die Auswirkungen von Insulin immun ist. Nicht alle Typ-2-Diabetiker nehmen Insulin ein, aber alle Typ-1-Diabetiker.

Solange er bei seiner Mutter mitversichert war, zahlte Alec 200-300 Dollar im Monat für seine Diabetesbehandlung. Als er 26 Jahre alt wurde, mußte er sich selbst versichern, weil die Versicherung der Mutter nach den Regeln der unter Präsident Obama beschlossenen Gesundheitsreform („Obamacare“) für seine Versorgung nicht mehr aufkam. Die Behandlung bei demselben Arzt kostete nun 450 US-Dollar im Monat, hinzu kam ein jährlicher Selbstbehalt von über 7000 US-Dollar, und das Insulin kostete ihn mehr als 1000 Dollar im Monat.

Der früher niedrigere Insulinpreis ist in die Höhe gesprungen, sodaß viele Patienten nun gezwungen sind, ihre Insulinzufuhr zu rationieren und so mit dem eigenen Leben zu spielen. Die bekannte Spendenwebseite „Go Fund Me“ ist voller individueller Spendenaufrufe, damit Diabetiker Insulin kaufen können.

Insulin wird seit fast einem Jahrhundert zur Behandlung von Diabetes eingesetzt, seit kanadische Forscher 1921 das Hormon in einem Labor isolierten. Vor dieser Entdeckung war die heute als Typ 1 bezeichnete Diabetes tödlich. Die Forscher, die die Diabetestherapie revolutionierten, erhielten dafür den Nobelpreis. Sie verkauften ihr Patent für den symbolischen Preis von drei Dollar an die Universität von Toronto. In einem altruistischen Akt wollten sie ihre Entdeckung der ganzen Menschheit schenken, erklärte der Historiker Michael Bliss 2016 der Washington Post.

1923 stellte das US-Pharmaunternehmen Eli Lilly erstmals ausreichend Insulin für Diabetiker in ganz Nordamerika her. Jahrzehntelang verbesserten die Hersteller die Rezepturen, indem sie zunächst tierische Bestandteile verwendeten, später aus Bakterien und rekombinierter DNA menschliches Insulin produzierten. In den 90er Jahren kamen Insulinanaloga heraus, diese Kunststoffe ahmen die körpereigene Insulinproduktion besser nach.

Doch im letzten Jahrzehnt hat sich der Insulinpreis verdreifacht. Ein Fläschchen der verbreiteten Marke „Lantus“ kostete bei der Einführung 2001 noch 35$, das gleiche Fläschchen kostet jetzt 275$. Und viele Diabetiker benötigen jeden Monat mehrere Ampullen.

Im November veröffentlichte ein Ausschuß des US-Kongresses einen Bericht über Insulin, in dem gefordert wird, daß der Gesetzgeber mehr Transparenz vorschreibt, damit die Preise sinken. Im vergangenen Juni forderte die American Medical Association (AMA) die Regierung auf, die Insulinpreise und den Wettbewerb auf dem Markt zu überwachen und gegebenenfalls Maßnahmen zu ergreifen.

Unterdessen entstehen für einen wachsenden Teil der mehr als sieben Millionen Diabetiker in den USA, die Insulin nehmen müssen, enorme Kosten. Wie Kasia Lipska vom Diabeteszentrum der Universität Yale betont, ist es längerfristig viel teurer, wenn die Patienten nicht ausreichend Insulin zu sich nehmen, da dies zu Erblindung, Herzkrankheiten, Nierenversagen und anderen schweren Erkrankungen führt. Lipska und ihre Kollegen in Yale stellten fest, daß jeder vierte Diabetiker angab, aufgrund der hohen Kosten sein Insulin zu rationieren. Dies tat auch Alec in Minnesota im ersten Monat nach seinem 26. Geburtstag, als er die Versicherung der Mutter verlor, und er starb.

agg