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Neue Solidarität
Nr. 3, 16. Januar 2020

Wirtschafts-Nachrichten

Goldman Sachs spekuliert mit staatlich versicherten Einlagen

Als Reaktion auf den Finanzkrach 2008 gestattete die US-Notenbank einer der größten Spekulationsmaschinen der Welt – Goldman Sachs - die Gründung einer Geschäftsbanktochter, die durch die staatliche Einlagensicherung geschützt ist: Goldman Sachs Bank USA. Im dritten Quartal 2019 war die Bank Berichten zufolge mit Einlagengeldern in gigantische Spekulationen an den Derivatmärkten verwickelt – sie verlor 1,24 Mrd.$ im Handel mit Zinsswaps und gewann 1,14 Mrd.$ beim Zocken mit Devisenderivaten.

Die Bank konnte im Laufe eines Jahrzehnts fast 150 Mrd.$ an Einlagen an sich ziehen, ein Zehntel bis Fünfzehntel des Umfangs der größten Wall-Street-Riesen. Aber mit dieser Einlagenbasis riskiert Goldman Sachs Bank USA nach Angaben der staatlichen Aufsichtsbehörde OCC 49 Bio.$ (!) an Derivaten. Ihr Risikowert allein auf den Derivatmärkten beträgt fast eine Billion Dollar – die Gesamteinlagen betragen nur ein Sechstel davon und das Eigenkapital nur ein Vierzigstel.

Gleichzeitig sank 2019 der Gesamtbetrag der Bankkredite an US-Unternehmen („Gewerbe- und Industriekredite“) um 4%, wobei die größten Banken den größten Rückgang verzeichneten, da die Kapitalinvestitionen der Unternehmen stagnierten. Stattdessen gingen die Unternehmen, wenn sie konnten, an die Märkte für Ramschanleihen, die Emissionen von Ramschanleihen stiegen 2019 um 60% an.

Diese skrupellose Zockerei wurde am 26. Dezember von Pam und Russ Martens in der Internetkolumne Wall Street on Parade aufgedeckt (https://wallstreetonparade.com/2019/12/goldman-sachs-federally-insured-bank-loses-1-2-billion-in-interest-rate-derivative-bets/). Sie erinnern an die Untersuchungskommission über die Ursachen des Crashs 2008 und zitieren deren Vorsitzenden, Phil Angelides, aus einer Anhörung vom 30. Juni 2010 über die Rolle von Derivaten in der Finanzkrise: „Als sich die Finanzkrise im Herbst 2008 zuspitzte, wußte niemand, welche Derivat-Verbindlichkeiten die andern Jungs hatten. Unsere freien Märkte funktionieren, wenn die Teilnehmer über gute Informationen verfügen. Als Klarheit am wichtigsten war, flogen die Wall Street und Washington im Blindflug... Im Juni 2008 hatte Goldmans Derivatebestand einen erstaunlichen Nominalwert von 53 Billionen Dollar.“

Dann hörten die Banken wegen des „Gegenparteirisikos“ damit auf, einander Kredite zu gewähren, und die Federal Reserve begann, überall hin „Liquiditätskredite“ zu vergeben.

Der einzige Unterschied zu heute ist, daß Goldman zum Zocken eine staatlich versicherte Einlagenbank gründen durfte. Dieses Verhalten widerspricht nicht nur dem alten Glass-Steagall-Gesetz, sondern auch Abschnitt 23A des Federal-Reserve-Gesetz von 2013, der es einer Bank-Holdinggesellschaft verbietet, Wertpapiere „minderer Qualität“ – d.h. spekulative oder illiquide Papiere – in den Büchern einer staatlich versicherten Tochter zu führen.

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Die grüne Blase, oder wie man mit dem Klimawandel ein Vermögen macht

Als der Generalsekretär der Vereinten Nationen einen neuen Sondergesandten für Klimaschutz und Finanzen suchte, hätte man meinen können, er würde jemanden mit wissenschaftlicher Kompetenz auswählen. Aber nein, er entschied sich für einen Banker, nämlich den scheidenden Gouverneur der Bank von England, Mark Carney, der seine Karriere bei Goldman Sachs begann und sein ganzes Leben in der Finanzbranche verbracht hat. (Fairerweise muß man Antonio Gutteres zugestehen, daß schon Carneys Vorgänger ein Finanzier war, Michael Bloomberg, der ein Vermögen mit Finanzdienstleistungen machte.)

Carney tritt am 31. Januar sein neues Amt an, im Vorfeld davon gab er am 30. Dezember ein Interview in der Sendung Today des Senders BBC Radio 4, mit niemand anderem als der Klima-Ikone Greta Thunberg als Gastredakteurin. Carney bezeichnete bei dieser Gelegenheit die Klimakrise als eine „Tragödie am Horizont“ und forderte Investoren, Rentenkassen und andere auf, nicht mehr in Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe zu investieren. Anderenfalls würden viele ihrer Vermögenswerte bald wertlos, warnte er.

Einer der Geierfonds, der die Botschaft verstanden hat, ist Goldman Sachs. Firmenchef David Solomon kündigte einen Plan an, aus der Kohlenwasserstoff-Wirtschaft auszusteigen und in den nächsten zehn Jahren 750 Mrd.$ in den „Klima-Übergang“ zu investieren – vorausgesetzt, die Regierungen garantieren hohe Profite. In einem Gastkommentar in der Financial Times vom 15. Dezember schlug er vor: „Regierungen müssen einen Preis auf die Kosten von Kohlenstoff setzen, sei es durch Emissionsrechtehandel, eine Kohlenstoffsteuer oder andere Mittel.“ Zudem wird Goldman Sachs künftig die Finanzierung von Ölbohrungen oder Exploration in der Arktis einstellen und nirgendwo auf der Welt in neue Kohleminen investieren.

Carney meinte, noch mehr extreme Wetterereignisse seien unvermeidlich – er erwähnte aber nicht, daß das wahrscheinlichste „Extremereignis“ in naher Zukunft der Zusammenbruch des westlichen Finanzsystems sein wird! Andererseits ist es genau das, was er und andere Finanziers mit einer neuen, „grünen“ Finanzblase vermeiden wollen.