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Bislang haben die Zentralbanken das bankrotte Finanzsystem durch beispiellose Mengen billigen Geldes und den direkten Kauf von Vermögenswerten von Banken, Hedgefonds und Zombie-Unternehmen über Wasser gehalten. Dabei ist „billiges Geld“ ein Euphemismus: In Wirklichkeit ist Zentralbankgeld nicht nur umsonst, die Schuldner werden für die Kreditaufnahme sogar noch belohnt! Das ist z.B. bei der langfristigen Finanzierung durch die EZB der Fall, bei der die Banken eine Belohnung von 0,5% oder 1% auf das geliehene Geld erhalten, je nachdem, wie sie es verwenden. Bloomberg hat errechnet, daß es derzeit weltweit etwa 14,3 Bio. $ Schulden mit negativen Renditen für Investoren gibt - und wahrscheinlich noch einmal so viel, wenn man die Inflationsrate berücksichtigt.
Dies ist eine beispiellose Situation, aus der es keinen Ausweg gibt. Um die globalen Vermögenswerte zu erhalten, müssen die Zentralbanken trotz der Gefahren die Liquidität erhöhen. So hat laut Economist eine Diskussion darüber begonnen, wie beispielsweise die EZB tiefer in die negativen Zinssätze einsteigen könnte, solange diese Zinssätze für Kredite an Banken (TLTRO) von den Einlagenzinsen abgekoppelt werden - die sollen nicht weiter sinken, damit Einleger nicht Bargeld horten. Tatsächlich liegt die theoretische Grenze für negative Zinssätze dort, wo Einleger sie nicht mehr hinnehmen.
Um den Economist zu zitieren: „Es gibt keine technische Untergrenze für den TLTRO-Satz..., er kann auf -5%, -10% oder noch weiter fallen. Niedrigere Zinssätze könnten der Inflation, die lange unterdrückt war, den nötigen Anstoß geben. In der Zwischenzeit könnte die Zentralbank anfangen, ihren Einlagenzinssatz zu erhöhen, was Kritiker in Deutschland und anderswo zufriedenstellen würde, die sich Sorgen über die Folgen negativer Zinssätze für die Sparer machen.“
Man bedenke: Ein Zinssatz von -10% bedeutet, daß eine Bank, die eine Milliarde Euro Kredit aufnimmt, sofort 100 Millionen als Gewinn verbuchen kann. Faktisch ist das ein Schuldenschnitt für das Finanzsystem. Auffälligerweise schätzen einige Analysten, daß Aktien um 10% überbewertet sind. Die Investmentfirma Stifel sagt in einem Bericht einen Börsencrash voraus, der „großes Leid“ verursachen werde, und macht die Federal Reserve dafür verantwortlich. Der S&P-500-Index sei um 5-10% überbewertet, und die Blase wachse dank der niedrigen Zinssätze und der Liquiditätszufuhr, die beide auf die Fed zurückzuführen sind.
Auch wenn die Schätzungen von Stifel konservativ sind, ist es eine Tatsache, daß jede Blase früher oder später platzt. Wenn die Zentralbanken beschließen, tiefer in Negativzinsen einzusteigen, um die Blase zu retten, wird das nicht funktionieren. Trotz des kostenlosen Zentralbankgeldes sinken Bankaktien bereits in Erwartung der Ausfälle von Firmenkrediten. Und der massive Anstieg der Staatsverschuldung, angefangen bei US-Schatzanleihen, wird tendenziell die Anleiherenditen nach oben treiben und sich auf die Zigbillionen Dollar an Zinsderivatwetten der Banken auswirken, was zum Ausfall einer der großen Banken oder ihrer Gegenparteien führen kann.
Der einzige Ausweg ist die Wiedereinführung der Glass-Steagall-Bankentrennung, die den Geschäftsbanken verbieten würde, mit risikoreichen, spekulativen Investmentbanken zu fusionieren.
Angesichts eines zunehmend feindseligen globalen Umfelds und möglicher Boykotte auf dem internationalen Markt verlagert China seine Wirtschaftsentwicklungspolitik auf die Produktion für den inländischen Verbrauchermarkt. Ein wesentlicher Aspekt ist dabei das Verkehrsnetz in dem riesigen Land. So wurde für die Bahn ein Neubauprogramm ausgearbeitet, das bis 2035 insgesamt 200.000 km neue Schienenstrecken vorsieht, davon etwa 70.000 km für Hochgeschwindigkeitszüge - das Doppelte der derzeit 35.000 km. Alle Städte mit mehr als 200.000 Einwohnern werden durch herkömmliche Bahnen miteinander verbunden, alle Städte über 500.000 Einwohner durch Hochgeschwindigkeitszüge.
China arbeitet auch an der nächsten Generation der Magnetschwebebahn, die bis zu 600 km/h schnell fahren soll. Dies wurde nach dem erfolgreichen ersten Probelauf eines Fahrzeugs auf einer Teststrecke der Tonji-Universität in Shanghai am 21. Juni angekündigt. Der Zug fuhr noch nicht mit der Höchstgeschwindigkeit von 600 km/h, aber es wurden verschiedene wichtige Eigenschaften getestet. Für 2021 wurde der Bau von Prototypen genehmigt, und für die Zukunft sind bis zu neun neue Magnetbahnlinien geplant. Sie sollen die Lücke zwischen der Hochgeschwindigkeitsbahn und dem Flugzeug schließen.
Wie China Daily am 13. August meldete, investierte China allein in der ersten Jahreshälfte 2020 insgesamt 207 Mrd. $ in Eisenbahn-, Autobahn-, Wasserstraßen- und Zivilluftfahrt-Infrastruktur, davon 46,9 Mrd. $ in Eisenbahnen. Damit sind die Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur 5-10mal höher als in jedem anderen Land der Erde!
Die Finanzierung der Bahn und anderer wesentlicher Infrastruktur erfolgt auf zwei Wegen gezielter Kreditvergabe. Einerseits vergeben die vier größten staatlichen Geschäftsbanken - Industrial & Commercial Bank of China, Bank of China, Agricultural Bank of China sowie China Construction Bank - umfangreiche Kredite direkt an die chinesische Eisenbahngesellschaft, an die China Railway Rolling Stock Corporation (CRRC), die die Eisenbahnausrüstung baut, usw. Dies wird von den drei „politischen Banken“ Chinas überwacht. Außerdem kaufen die Zentralregierung und die lokalen Regierungen Anleihen, die von der China Railway Corporation (CRRC) usw. ausgegeben werden. Auf diese Weise kann China fast sofort gezielten Kredit für den Bau von Magnetbahn- und Schnellbahnprojekten einsetzen, sobald diese ausgearbeitet sind. Leider sind solche Methoden heute weder in der Europäischen Union noch in den Vereinigten Staaten möglich.