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Neue Solidarität
Nr. 48, 26. November 2020

„Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht“

Von Helga Zepp-LaRouche

Der größte Schock in der letzten Woche war es für mich, als ich einige der großen US-Fernsehsender sah, als Trump eine Pressekonferenz gab, und die Chefs mehrerer Fernsehsender die Übertragung der Rede des amerikanischen Präsidenten abbrachen, indem sie sagten: „Wir stimmen nicht mit dem überein, was er sagt, er bringt jetzt fake news, und deshalb übertragen wir die Rede des Präsidenten der Vereinigten Staaten nicht weiter.“ Und das kam von mehreren Fernsehsendern gleichzeitig!

Das ist ein ungeheuerlicher Skandal. Es wäre sogar dann ein Skandal, wenn dies in einer Bananenrepublik geschähe, denn es wäre immer noch eine Verletzung der Souveränität dieses Landes. Aber daß dies mit dem angeblich mächtigsten Mann im mächtigsten Land der Erde gemacht wird – allein diese Tatsache sollte meiner Meinung nach die Menschen aufrütteln, daß wir es hier mit einer Diktatur zu tun haben. Es droht die Gefahr des völligen Verlusts der Freiheit.

Ebenso aufschlußreich finde ich es, daß sofort, nachdem die Medien Biden zum Sieger erklärt hatten – nicht das Wahlmännerkollegium, sondern die Medien –, alle Atlantiker in Europa und anderswo gesagt haben: „O, wir gratulieren Biden sofort. Wie schön, daß das ganze alte System wieder da ist.“ Von der Leyen, Merkel, Steinmeier, Röttgen – alle diese Leute, völlig eingefleischte Atlantiker, gratulierten Biden. Dagegen sagten die sogenannten „autokratischen“ Regierungen: „Nein, wir müssen abwarten, was der legale und demokratische Prozeß in den Vereinigten Staaten bringen wird, und wir werden Biden nicht gratulieren, solange das nicht geklärt ist.“ Und das waren solche „Autokraten“ wie Putin, die chinesische Regierung, die Präsidenten von Mexiko und Bolivien. Vielleicht sind also die ganzen Behauptungen, wer für Demokratie und Transparenz steht, nicht das, was die Menschen glauben sollten.

Nun, ich glaube, wir sind historisch gesehen an einem Punkt der Entscheidung angelangt. Und wenn Sie darüber nachdenken, was in der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung steht, dann glaube ich, daß wir genau an diesem Punkt angelangt sind, ich möchte Ihnen dazu nur einen Satz aus dieser Erklärung vorlesen:

„Wenn aber eine lange Reihe von Mißhandlungen und Anmaßungen, die immer dasselbe Ziel verfolgen, einen Plan erkennen läßt, sie absolutem Despotismus zu unterwerfen, so ist es ihr Recht, ja ihre Pflicht, eine solche Regierung abzusetzen und neue Wächter für ihre zukünftige Sicherheit zu bestellen.“

Das ist das Prinzip, auf dem die Vereinigten Staaten als junge Republik basierten, und das ist auch eine Idee, die Friedrich Schiller verwendet, dessen Geburtstag wir heute [am 10. November] feiern. Und deshalb zitiere ich es auch, denn er ist der Dichter der Freiheit, und vieles, was er geschrieben hat, waren im Grunde strategische Studien darüber, wie man mit solchen Situationen, wie wir sie jetzt erleben, umgehen sollte.

Er schrieb ein ganzes Drama, in dem er sich sehr deutlich auf diesen Kampf der amerikanischen Revolution und die Unabhängigkeitserklärung bezog, und das war sein sehr gefeiertes und weltweit populäres Drama Wilhelm Tell, das bekanntlich in der Schweiz spielt. Und auch dort stellt sich die Frage: Wird das Schweizer Volk die Tyrannei der Habsburger hinnehmen oder wird es diese Tyrannei abschütteln?

Wenn man den berühmten Rütlischwur mit der Unabhängigkeitserklärung vergleicht, sieht man, wie dieselben Ideen Schiller inspiriert haben. Er schreibt dort:

Nun war Schiller offensichtlich sehr vorsichtig mit der letzten Szene dieses Dramas, um sicherzustellen, daß die Menschen aus diesem Stück nicht das Recht herauslesen, Terrorismus oder Gewalt zu begehen – er ist sehr, sehr vorsichtig. Wenn Sie also dieses Drama lesen, wozu ich Sie ermutigen möchte, dann lesen Sie bitte auch die letzte Szene, denn es gab Aufführungen, bei denen das weggelassen wurde, und dann haben die Leute das als eine Ermutigung zur Gewalt auf der Straße aufgefaßt, was von Schiller ausdrücklich nicht gemeint ist.

Aber ansonsten denke ich, daß wir den Ideen der Unabhängigkeitserklärung folgen sollten und daß ein Punkt erreicht ist, an dem es genug ist und das Unrecht ein Ende haben muß. Und Friedrich Schillers Idee „Nein, eine Grenze hat Tyrannenmacht“ ist die Botschaft, die jeder in der nächsten Zeit in sich tragen sollte.

Und ich denke, wir brauchen eine internationale Mobilisierung, denn der Ausgang dieses Kampfes ist nicht nur eine amerikanische Frage. Wie Kirk Wiebe eingangs sagte, und ich glaube, Dennis Speed hat es gesagt, und auch Herr Jatras: Wenn dieser Kampf verloren geht, wird meiner Meinung nach die ganze Welt unter einer Diktatur stehen, und ich glaube auch, das Biden-Team, das kommen würde, steht für Krieg. Und es gibt die patriotischeren Kräfte in Europa, die das sagen. Willy Wimmer ist einer von ihnen, aber auch verschiedene Leute von rechts und von links, die denkenden Menschen, haben klar gesagt, daß die ganze Konfrontation gegen Rußland und China, die ganze Ausdehnung der NATO in den Indopazifik, die Umzingelung Rußlands und Chinas, die mit Bush und Cheney und Obama schon früher stattgefunden hat, uns wahrscheinlich wirklich in eine Katastrophe führen würde.

Es steht also alles auf dem Spiel, und deshalb denke ich, daß wir uns die Worte der Unabhängigkeitserklärung und Friedrich Schillers zu Herzen nehmen sollten.