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Neue Solidarität
Nr. 9, 27. Februar 2020

Quo vadis Industrienation Deutschland?

Von Gerd W. Marks

Gerd Marks ist Industrieberater aus Hessen mit jahrzehntelangen Erfahrungen in der Papier- und Kunststoffindustrie, im Maschinenbau, der Automation und Effizienzsteigerung. Beim Frankfurter Parteitag der Bürgerrechtsbewegung Solidarität am 2.2. 2020 hielt er den folgenden Vortrag.

Klimaabsolutismus und Klima-Alarmismus beherrschen derzeit in Deutschland die Politik und die öffentlichen Debatten. Die aktuelle „Klimadebatte“ von Politik, Klimaaktivisten, NGOs, Wissenschaftlern und Finanzoligarchie, die mit Begriffen wie „Klimanotstand und Ökozid“ agieren, stößt auf immer mehr Befremden und Ablehnung. Die negativen Folgen für Gesellschaft, Wirtschaft, Beschäftigung, Einkommen, Freiheit und Demokratie werden bewußter wahrgenommen, bei gleichzeitigem Vertrauensschwund in die Politik. Wir stehen heute am Scheideweg in der Energie-, Wirtschafts- und Industriepolitik!

Kanzlerin Merkel hat in Davos nun die totale Transformation verkündet: Die Welt müsse gemeinsam handeln, aber jedes Land dazu seinen Beitrag leisten. Deutschland habe sich daher entschieden, bis 2022 aus der Kernenergie auszusteigen und bis spätestens 2038 auch aus der Kohleverstromung, wenn möglich schon bis 2035. Es bedeutet, keine Treibhausgase mehr auszustoßen und nicht vermeidbare Emissionen auszugleichen. Das seien Transformationen von gigantischem historischem Ausmaß. Im Grunde müsse die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren verlassen werden.

Diese Politik ist das Gegenteil dessen, was Merkel im Amtseid geschworen hat!

Die BIG FIVE dieser desaströsen Transformationen sind bereits eingeleitet worden: 1. New Green Deal, 2. Taxonomie, 3. Umbau Energiewirtschaft, 4. Kreislaufwirtschaft, 5. Staatliche Strom- und Rohstoff-Mangel-Wirtschaft

Diese FIVE verbinden sich zu einem komplexen System, das durch eine technische und gesellschaftliche Transformation eine gewaltige Zersetzung der Industrie, des Mittelstandes, der Mobilität, der Beschäftigung und der Eigentumsrechte auslösen wird. Alle großen Schlüsselindustrien wie Stahl-, Alu-, Chemie-, Autoindustrie und Maschinenbau sind bereits jetzt durch „Ökologische Klimavorgaben“ davon betroffen. Der Rückgang der Nettoinvestitionen und die Verlagerung von Produktionsbetrieben ins Ausland sind auf die politisch verursachte Standortverschlechterung mit Regulierungen, hohen Steuern und Stromkosten zurückzuführen.

New Green Deal = Green Fiasko. Mit dem Green Deal plant die EU ein Investitions- und Regulierungsprogramm, das „Klimaneutralität“ bringen soll, tatsächlich aber in die absolute Planwirtschaft mit Mangel-Management führen wird, mit Umweltbürokratie, Kontrolle und Steuerung für Unternehmen und Bürger.

Taxonomie = Diskriminierung von Industriebranchen. Im Pariser Klimaabkommen wurde im Artikel 2 vereinbart: „Um die Klimaziele erreichen zu können, müssen die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaveränderungen widerstandsfähigen Entwicklung.“

Die Lenkung von Investitionen nur in „grüne Technologie“ ist für die Industrienationen wie Deutschland eine ruinöse Strategie, die die physische Realwirtschaft in den Fundamenten erschüttern wird.

Energiewirtschaft = Leben und Wirtschaften nach Wetterlage? Die eingeleitete Umstellung der Strom- und Energieversorgung auf ausschließlich volatile „Erneuerbare“ führt zur Destabilisierung des Stromnetzes, zu noch höheren Stromkosten, zu Strommangel mit realem Risiko für Blackout! Für unsere Hochtechnologiegesellschaft ist aber die absolute Stromversorgungssicherheit existentiell.

Für den Ersatz von Atom- und Kohlestrom müßten rund 80.000 Windanlagen (WEA) plus Speicher installiert werden, und für ein Viertel des PKW-Bestandes als Elektro-Auto nochmals 25.000 WEA. Dies wäre die größte Natur- und Landschaftszerstörung mit gigantischem Rohstoffverbrauch aller Zeiten. Für Elektro-PKW müßten rund 100.000 ha Wald geopfert und 75 Mio. t Stahlbeton für Fundamente verbaut werden!

Das Gesetz zur „Digitalisierung der Energiewende“ sieht die Vernetzung aller Stromanschlüsse zur Kontrolle und Steuerung des Stromverbrauchs vor, um Stromrationierungen (Lastabwurf) durchführen zu können.

Stromerzeugung nach Wetterlage – nach Angebot – soll in der neuen Mangelwirtschaft intelligent gemanagt werden. Dann ist die Versorgung für 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr mit konstanter Spannung an jeder Steckdose nicht mehr gewährleistet. Zudem steigt der Strombedarf vieler Sektoren und mit weiterer Digitalisierung.

Industrieanlagen mit hohem Stromverbrauch, z.B. der aluminiumverarbeitenden Industrie, die nur bei viel Wind Aluminium produzieren sollen und für den Ausfall mit Steuergeldern entschädigt werden, sind bereits Opfer. Eine Umstellung der Stahlproduktion von Koks auf CO2-armen Wasserstoff würde nahezu die gesamte Stromerzeugung von „Ökostrom“ – Wind, Solar, Abfälle – auffressen. Vernunft ist das nicht!

Kreislaufwirtschaft = Mangelwirtschaft. Die „Kreislaufwirtschaft“ ist inhaltlich mißverständlich definiert und läßt viele Auslegungen der Politik zu.

Der Begriff „Kreislaufwirtschaft“ kann nicht mit neuen Methoden und Technologien des Recyclings verbunden bzw. beschrieben werden. Der Begriff „Circular Economy“ geht weit über die stoffliche Wiederverwertung und Aufbereitung hinaus und wird Bestandteil der „Großen Transformation“, wie sie vom WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) beschrieben wird. Die Produkt- und Materialflüsse sollen sich nach der Definition immer im Kreis bewegen und die „Rückstände“ sollen als „neue Rohstoffe“ für weitere Anwendungen und Produkte genutzt werden. Der Abbau und die Nutzung von Ressourcen soll die Ausnahme sein. Der EU-Aktionsplan zur Kreislaufwirtschaft will alle verfügbaren Mittel nutzen, um die Wirtschaft umzuformen. Dies bedeutet einen grundlegenden Wandel in der Funktionsweise der Wirtschaft. Die sichere Verfügbarkeit von Rohstoffen und Zulieferteilen aller Art, wie sie heute auch bei langen Lieferketten und Logistiksystemen gewährleistet ist, wird es in der „Kreislaufwirtschaft“ nicht mehr geben können!

Das Recycling ist bei vielen Produkten zur Nutzung von Sekundärrohstoffen in Deutschland etabliert, aber in anderen EU-Ländern kaum gegeben und wird auch nie 1:1 umgesetzt werden können. Die Wertstoffe wie Altpapier, bestimmte K-Stoffe, Metalle, Glas und Schrott werden zu einem großen Teil recycelt und für die Produktion genutzt. Die hohen Stromkosten und die nicht planbaren Vorgaben der Politik haben bisher weitere Investitionen verhindert.

Die latente Planungs-Unsicherheit, die Veränderung und Gefährdung der Produktqualität, Strommangel und hohe Stromkosten drücken die Produktivität und gefährden die Existenz, besonders wenn die Verfügbarkeit von Primärrohstoffen nicht garantiert ist und fast ausschließlich Sekundärstoffe eingesetzt werden müssen.

So denkt der EU-Kommissar für Umwelt über ein generelles Verbot von Kunststoffverpackungen in der EU nach, die außer in Deutschland in der EU bis 2030 deponiert werden dürfen. Ein Ersatz führt aber zu höheren Energiekosten, Umbau von Produktionsketten und gefährdet die Lebensmittelsicherheit.

Die Politik macht Glauben, daß mit diesem Geschäftsmodel bzw. Konzept der Wohlstand aller auch für die Zukunft gesichert wird. Wohlstand wird dann aber neu definiert und auf Grundbedürfnisse reduziert.

Diese „Kreislaufwirtschaft“ mit „Dekarbonisierung“ und „Stromzuteilung“ bedeutet das Ende der aktuellen Industriestruktur und unserer Lebensweise!

Eine „Kreislaufwirtschaft“ erfordert ein „Umweltkontrollsystem“ und „Umweltbürokratie“, welche auch bereits in Vorbereitung sind, sowie in allen Betrieben eine exakte intensive „Materialbuchhaltung“, Energieverbrauchskennzeichnung, Indikatorsysteme, Grenzwerte aller Art, Normungsverfahren, Standards, Meldepflichten u.a. steuern dann alle Bereiche der Wirtschaft.

Rohstoffe und Ressourcen für effektive wertschöpfende Produktion

Dies bedingt offene Märkte zum Schutz der inneren Wettbewerbsordnung und für unilateralen Freihandel, den es in der EU nicht gibt. Für eine wettbewerbsstarke Produktion ist die sichere Versorgung mit Energie und Rohstoffen wie Zulieferteile existentiell. Die komplexe Lieferkette darf nicht durch politische Beschränkungen und Vorgaben gestört werden. Die marktgetriebenen Innovationen und neue Technologien dienen der Wohlstandsverbesserung national und global.

Der Bedarf an Investitionsgütern und moderner Infrastruktur kann in einer limitierten Kreislauf-, Strom- und Energiewirtschaft nicht mehr gedeckt werden.

Welche Finanzmittel noch in die Realwirtschaft fließen, die nicht als Green Economy gelten, welche Industrien in Deutschland und in der EU noch überleben werden und ob Deutschland noch ein Exportland bleibt, kann wohl bald erlebt werden.

Auch die Bildung und Ausbildung wird sich verändern, denn in einer Mangelwirtschaft werden viele Berufe nicht mehr gebraucht und das Einkommen wird wohl auf ein geringeres Niveau absinken.

Produktions- und Strom-Mangel-Management. Gegen den Klimawandel anzugehen, ist erklärtes Ziel der Bundesregierung! Unsere Zukunft soll auf einem Energiesystem auf Basis erneuerbarer volatiler Energiequellen gestaltet werden.

Das BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) fördert es deshalb in einem Großprogramm Generation 2030, Industrieprozesse flexibel mit Energie zu versorgen und die Sektoren Wärme und Verkehr im System flexibel zu beschränken und zu verbinden.

Die politisch gesteuerte und staatlich finanzierte Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnologie (WGP) soll den Industriebetrieben zeigen, wie und wann produziert wird. „Mit flexibler Fertigung“ sollen Betriebe genötigt werden, ihren Strombedarf mit dem bekanntermaßen schwankenden Angebot erneuerbarer Energien zu synchronisieren. Hierzu wird von der professoralen WGP gefordert, gesetzliche Vorgaben für die vorrangige Nutzung erneuerbarer Energie zu erlassen, um eine „umweltgerechtere“ Produktion zu schaffen und für einen schnellen Transfer der „flexiblen Produktion“ zu sorgen.

Die Aussagen der Professoren in der WGP spiegeln sich durch die Politik und sollen ein seriöses Image vermitteln und die wahren Ziele und Auswirkungen der Klimapolitik verschleiern:

„Green Deal kann Produktionstechnik in Pole Position bringen.“

„Wir können in der industriellen Kreislaufwirtschaft internationaler Vorreiter werden.“

„Um CO2-Emissionen zu reduzieren, müssen wir nicht zuletzt die Nutzungsdauer der Produkte verlängern.“ Damit wird der Konsum zwar reduziert, doch dürfen hier nicht unnötige Ängste geschürt werden.

„Weniger Konsum ist nicht gleichbedeutend mit dem Untergang zahlloser Unternehmen und niedrigem Wohlstand.“

Im Klartext: Die Politik schreibt vor, wie lange ein Produkt benutzt werden darf – das ist Zuteilung!

Wettbewerbsfähigkeit, Preisgestaltung und Kunden-Lieferanten-Verkettungen werden durch diese politischen Eingriffe zerstört, und die Verbraucherpreise werden durch höhere Produktionskosten steigen.

Die Freiheit des Unternehmers wird durch gesetzte „Klimaziele“ stark beschränkt und die Produktion dem Primat der Politik unterstellt!

Das Produktivkapital bleibt vielleicht noch in Privathand, denn bei dieser Politik steht regulatorisch die Emissionsvermeidung mit einer Ressourcen-Material-Energie-Mangelwirtschaft im Mittelpunkt.

Der richtige Weg in die Zukunft

Ohne Produktionstechnologie würde kein Gegenstand unseres täglichen Lebens existieren – wir nennen das „Physische Ökonomie“. Eine fortschrittliche Industrienation steht für Wohlergehen, d.h. Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit, für Fortschritt für Wohlstand und Prosperität. Denken mit Wissen, Innovation, Kreativität und Produktivität sind die Treiber für Prosperität der physischen Wirtschaft. Dies ist in einer globalisierten Welt, die sich durch technologischen Fortschritt im Wettbewerb entwickelt, eine wesentliche Kraft.

Strom ist Lebensstoff der Wirtschaft und der Gesellschaft. Wir brauchen eine evolutionäre Änderung der Energie- und Stromerzeugung, die höheren Lebensstandard, wirtschaftliche Prosperität und Innovationskultur bringt, statt Verbote, Verzicht, Belastungen und Beschränkung von Komfort, Mobilität und stetige Erhöhung der Strompreise.

Deshalb ist der Einsatz von Energiequellen mit hoher Energieflußdichte und hohem EROI (Erntefaktor) und geringem Flächen- und Naturverbrauch unverzichtbar. Moderne Kerntechnologie der IV. Generation gibt es in vielen Reaktordesigns, die inhärent sicher arbeiten und um den Faktor 99 weniger Abfall erzeugen als die noch bestehenden, und den Atommüll, der nur zu 1% genutzt worden ist, in 99% Energie umwandeln können.

Die hohe Energiedichte von Uran zeigt der Vergleich mit Kohle und Windkraft deutlich:

Ein Güterwaggon Kohle hat den gleichen Energieinhalt wie ein Stück Uran von der Größe der Radiergummispitze eines Bleistifts. Für ein Kernkraftwerk mit 8 GW Leistung (der Verbrauch Bayerns) – z.B.. Kariwa in Japan – müßten 7000 Windanlagen installiert werden, deren Erzeugung aber mit einer Spannbreite von 0,4% bis 78% der Nennlast schwankt.

Die Welt braucht Space Shuttle statt Pferdekutsche. Die Erzeugung von reichlich, kostengünstiger und zudem CO2-freier Nutzenergie mit Kern- und Fusions-Technologie ist die Lösung und der nächste Schritt in der Energie- und Technologie-Entwicklungsstufe für Deutschland und global.

Dies ermöglicht neue Mobilitätsformen, moderne Infrastruktur, Neue Energie- und Werkstoffe für emissionsfreie Flugzeug-, Auto- und Schiffsantriebe, Raumfahrttechnologie sowie Beteiligung an globalen Infrastrukturprojekten wie Neue Wasserwirtschaft und „Neue Seidenstraße“.

Ökonomische Prosperität ist kein Märchen. Ohne Wirtschaftswachstum kann es keinen wirksamen Umweltschutz und keinen Fortschritt geben. Den braucht es aber, um unseren heutigen Wohlstand mindestens zu erhalten, die Lebensqualität zu steigern, die sozialen Sicherungssysteme und die Altersvorsorge nachhaltig, sicher und fair finanzieren zu können.

Nur mit reiner Umverteilung und Verzicht statt nachhaltigem Wertschöpfungs-Wachstum ist ein ökologischer und ökonomischer Interessenausgleich auch zwischen Jung und Alt nicht zu erreichen.

Bei dieser desaströsen „Klima-Wirtschaftspolitik“ wäre die jüngere Generation dann die Leidtragende. Um den heutigen und zukünftigen Generationen auf unserer Erde eine lebenswerte Zukunft zu sichern, müssen fast 8 Milliarden Menschen mit Nahrung, Strom, Wasser und Medikamenten, Gütern und Infrastruktur versorgt werden. Ein Schrumpfkurs der Weltwirtschaft durch Verzicht und Strommangel ist menschenverachtend. Deshalb sollte Deutschland den Weg in eine destruktive Mangelwirtschaft verlassen, auch um zur Entwicklung von Schwellenländern beizutragen.

Wenn die Wirtschaft deutlich schrumpft, werden Millionen in Deutschland und in der EU dies mit aller Härte zu spüren bekommen.

Ökonomische und ökologische Prosperität zu erhalten, muß Inhalt von intelligenter Politik sein.