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Neue Solidarität
Nr. 11, 18. März 2021

Greensill-Capital-Pleite ist eine Warnung an Kleinanleger

Die Insolvenz der Finanzgruppe Greensill zeigt, daß sich in der Finanzwelt seit der Krise von 2008 nichts geändert hat: Ehemalige Geschäftsbanken werden benutzt, um das Geld der Einleger in hochriskante Anlagen zu kanalisieren, ähnlich wie bei der „Subprime“-Blase der minderwertigen Hypothekenpapiere, die vor zwölf Jahren die globale Finanzkrise auslöste. Die Dimensionen von Greensill sind zwar relativ klein, doch sollte man den potentiellen Schneeballeffekt nicht unterschätzen. Derzeit richtet sich die Aufmerksamkeit auf GFG Alliance, den Stahl- und Aluminiumkonzern des indisch-britischen Magnaten Rajneev Gupta.

Greensill Capital in London, zur Greensill-Holding im australischen Sydney gehörend, wurde 2011 von Lex Greensill gegründet und ist auf die Finanzierung von Firmenlieferketten (Supply-Chain-Finance) spezialisiert. 2014 übernahm Greensill Capital die Nordfinanz Bank in Bremen und nutzte sie als Kapitalquelle, um ihre Tätigkeit auszuweiten. Über Online-Plattformen wie „Weltsparen“ und „Zinspilot“ wurden Tausende von Kleinanlegern mit dem Versprechen hoher Renditen angelockt und investierten ihr Geld in verbriefte Lieferketten-Forderungen. Die Bilanz der vorher kleinen Bremer Bank weitete sich explosionsartig aus.

Die Probleme begannen im vergangenen Jahr, als der Versicherer von Greensill Capital, Tokio Marine, die Kreditversicherung nicht verlängerte und die deutsche Finanzaufsicht BaFin das Ausmaß der Forderungen in der Bilanz der Greensill Bank beanstandete. Es handelt sich um zukünftige Zahlungen eines Kunden (in dem Fall GFG), die in kleineren Paketen als RPAs (Receivable Purchase Agreements) verbrieft und mit einem Abschlag an einen Dritten verkauft werden.

Am 1. März fror die Credit Suisse rund 10 Mrd.$ im gemeinsamen Investmentfonds mit Greensill ein. Ein anderer Schweizer Fonds, GAM, zog sich ebenfalls aus seinem gemeinsamen Fonds im Wert von 700 Mio.$ zurück. Es war nur eine Frage von Tagen, bis die BaFin entschied, die Bank zu schließen und den Zu- und Abfluß von Geldern zu unterbinden.

Am 8. März beantragte Greensill Capital in London Insolvenzschutz. Der zweitgrößte US-Beteiligungsfonds Apollo verhandelt nun über die Übernahme eines Teils der Vermögenswerte. Ein Drittel des Engagements von Greensill Capital entfiel auf die GSG Alliance Gruppe, und das Gupta-Familienimperium ist auf der Suche nach neuen Finanzquellen. Übrigens verhandelte GSG noch bis vor wenigen Tagen über eine mögliche Übernahme des deutschen Stahlriesen Thyssen-Krupp; das Geschäft scheiterte schließlich.

Berechnungen zufolge besitzen Kleinanleger etwa 1 Mrd. der 3,3 Mrd.€ Verbindlichkeiten der Bank. Diese Anleger werden durch die deutsche Einlagensicherung bis zu 100.000 € geschützt. Das gilt jedoch nicht für viele Kommunen, die Konten bei der Bank hatten und denen nun die Insolvenz droht.

Der Fall Greensill ist nur die Spitze des Eisbergs. In einer Welt der Negativzinsen werden Millionen Einleger über ihre Bank oder digitale Plattformen – man denke an GameStop – in höher verzinste Anlagen gelockt und stecken ihr Geld in hoch-riskante Papiere. Wenn die globale Blase platzt, werden die Regierungen erneut erpreßt werden: Entweder retten sie die Kasinowirtschaft, oder die Einleger und Unternehmen verlieren ihr Geld. Es gibt eine Alternative, aber sie erfordert eine strikte Bankentrennung.

eir