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Neue Solidarität
Nr. 17, 29. April 2021

Ein Aufruf zum Handeln

Von Jacques Cheminade

Jacques Cheminade, dreimaliger Präsidentschaftskandidat in Frankreich und Vorsitzender von Solidarité et Progrès, hielt im dritten Abschnitt der Internetkonferenz des Schiller-Instituts den folgenden Vortrag. Zwischenüberschriften wurden hinzugefügt.

Wir sind an einem dieser Momente der Geschichte angelangt, an dem die menschliche Überlebensfähigkeit auf dem Spiel steht. Nachdem wir die Redner der vorangegangenen drei Panels gehört haben, kann dies niemand mehr leugnen. Es ist ein Moment der Tragödie, weil sich die wichtigsten politischen Führer der Welt, zumindest in unserer westlichen Welt, nicht mehr verpflichtet fühlen, sich um andere zu kümmern, für den Vorteil anderer zu sorgen, wie es im Westfälischen Frieden von 1648 definiert wurde – ein Schlüssel, um Frieden unter den Nationen zu schaffen. Wir selbst würden zu tragischen Helden werden, wenn wir uns der selbstzerstörerischen Dynamik unserer Gesellschaften beugen und uns mehr um unser eigenes Schicksal kümmern als um das Gemeinwohl der Menschheit.

Was ich mit einem „Aufruf zum Handeln“ meine, ist nicht, den Menschen zu sagen, was sie zu tun haben – was sicherlich absurd wäre –, sondern durch meinen Beitrag über das, was zu tun ist, ein Gefühl für die gemeinsame Verpflichtung von uns allen hier zu vermitteln. Noch sind wir keine zahlenmäßig große Kraft, aber wir sind das Hauptpotential für die kommende Welt, weil wir dem Gemeinwohl verpflichtet sind, dem „allgemeinen Wohl von uns und unserer Nachkommenschaft“. Als Mitglieder oder Freunde des Schiller-Instituts, von vielfältiger geographischer und intellektueller Herkunft, setzen wir uns für das Zusammentreffen der Gegensätze (coincidentia oppositorum) ein, für ein immer wieder erneuertes höheres Ziel im moralischen, politischen, wirtschaftlichen und ästhetischen Sinne, um aus allem, was unsere Beiträge inspiriert hat, eine Einheit zu schaffen. Wir weigern uns, Hamlets zu werden, die selbstsüchtig besessen von einer Kultur des Todes sind.

Die Kultur des Todes

Wir haben heute weniger Ausreden, auf einem akademischen und existentialistischen Niveau zu bleiben wie unsere Vorgänger vor dem Zweiten Weltkrieg. Hören wir uns an, was Leo Alexander, Sachverständiger des Nürnberger Tribunals, damals über die politischen Sünden des Handelns und Unterlassens zu sagen hatte:

Seien wir ehrlich, wir haben weniger Ausreden. Schon Lyndon LaRouche warnte uns in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, daß die heutigen verbrecherischen Taten in ihren Auswirkungen potentiell um ein Vielfaches schlimmer seien als die von Adolf Hitler.

Manche haben das als Provokation oder Metapher aufgefaßt, aber was seither in der Welt passiert, bestätigt diese Aussage voll und ganz. Wir stehen nicht nur vor „kleinen Anfängen“. Während Menschen verhungern, während Länder wie Jemen und Syrien gefoltert werden, während der größte Teil der Welt ohne ein anständiges Gesundheitswesen zur Bekämpfung von Pandemien dasteht, wenden sich unsere Staatsführer ab oder, schlimmer noch, beteiligen sich an den Verbrechen. Unsere Vorredner haben dies besser ausgedrückt, als ich es könnte. Die Erniedrigung des anderen ist zum gängigen barbarischen Verhalten geworden. Der finanzielle „Große Sprung nach hinten“ in den Fängen einer grünen Finanzdiktatur ist zur Politik des Westens geworden, die, wenn sie durchgesetzt wird, aufgrund der fehlenden physischen wirtschaftlichen Entwicklung unweigerlich zu einer Politik führt, die man höflich als Bevölkerungsreduktion und weniger höflich als Massenmorde bezeichnet. In den Vereinigten Staaten wurde in wenigen Monaten mehr Staatsgeld ausgegeben als in zwei Jahrhunderten der amerikanischen Geschichte. Und Japan, Westeuropa und Lateinamerika gehen in die gleiche Richtung, geben Geld an die Geldverwalter, aber nicht an produktive Investitionen.

Das Ergebnis ist, daß die gegenwärtige Produktion und die zu erwartende wirtschaftliche Produktion in der Zukunft nicht einmal mehr in der Lage sind, das gegenwärtige Niveau der Weltbevölkerung aufrechtzuerhalten. Hier handelt es sich nicht um einen technischen Fehler, sondern um die vorsätzlich zerstörerische Politik einer Oligarchie zur Erhaltung ihrer Macht gegen die Interessen der anderen.

Solch ein bösartiges Verhalten führt zum Krieg. Joe Biden, der Präsident der Vereinigten Staaten, hat es gewagt, den Präsidenten Rußlands einen „Mörder“ zu nennen. Während Putin das mit einem ironischen Lächeln hinnimmt, wurde der russische Botschafter in Washington nach Rußland zurückgerufen, und Dmitrij Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, erklärte: „Ich kann nur Freud zitieren: Nichts im Leben ist so teuer wie Krankheit und Dummheit.“

Zur gleichen Zeit kündigten die USA an, „Mini-Kernwaffen“ zu stationieren und damit die Schwelle für einen Atomkrieg zu senken. Die NATO führt ihre Militärübungen „Defender 2021“ in der Nähe der russischen Grenzen durch, und Jens Stoltenberg, der NATO-Generalsekretär, fordert eine „Globale NATO“, die bis nach Asien ausgedehnt werden soll, während die britische Regierung dem aggressiven Traum von einem „Globalen Britannien“ nachrennt.

Noch schlimmer ist, wie wir alle wissen, die westliche Politik gegenüber China. Außenminister Anthony Blinken, Verteidigungsminister Lloyd Austin und die gesamte Biden-Administration rufen offen zu kollektiven Vorbereitungen für militärische Konfrontationen mit China auf.

Vom Projekt für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert aus der Cheney-Ära über das Dokument zur Nationalen Verteidigungsstrategie von 2018 bis hin zur aktuellen vorläufigen Sicherheitsstrategie (Interim National Security Strategic Guidance) und dem von Präsident Biden unterzeichneten Brief zum rechtlichen und politischen Rahmen für den Einsatz militärischer Gewalt durch die Vereinigten Staaten und damit zusammenhängende nationale Sicherheitsoperationen – überall herrscht derselbe kriegslüsterne Ton vor, garniert mit einigen scheinheiligen Verweisen auf „Demokratie“ und „Schutzverantwortung“.

Wir sagen natürlich „Nein“ zu all diesen Drohungen. Die Auflösung der NATO, um all diesen imperialen Bedrohungen ein Ende zu setzen, ist zwingend notwendig geworden. Ein Gesprächskreis der französischen Streitkräfte, bestehend aus hohen pensionierten Generälen, hat dazu aufgerufen, „den verrückten Zug der NATO zu stoppen“, bevor es zu spät ist. Aber es ist natürlich noch viel mehr nötig. 

Helga Zepp LaRouche fordert:

Kultureller Optimismus

Ich habe ähnliche Vorschläge für mein Land, Frankreich, gemacht. Zu oft höre ich Leute sagen: „Die Voraussetzungen sind nicht gegeben“, „Es ist zu schön, um wahr zu sein“, und sogar: „Ich glaube, die Menschen sind nicht so gut, wie Sie glauben.“ Das ist der moralische Verfall der Bevölkerung in unserer westlichen Welt. Konfrontiert mit den permanenten Lügen ihrer Führung haben sie allzu oft den Glauben an das Gute verloren.

Um diesen Kulturpessimismus zu bekämpfen, rufe ich zum Handeln auf. Unser viertes Panel wird das Engagement von Ärzten, Landwirten und anderen zeigen, die sich an vorderster Front für das menschliche Leben einsetzen; sie präsentieren ihre Beweise dafür, daß das Gute verwirklicht werden könnte und sollte, daß eine bessere Welt möglich ist, basierend auf einer moralischen Verpflichtung und modernen Produktions- und Transportmitteln, um Plattformen für die menschliche Entwicklung zu bauen. Die drei gerade laufenden Mars-Missionen drücken diesen kulturellen Optimismus aus, den wir alle brauchen, um eine Welt der Entdecker jenseits der Grenzen des bekannten Universums aufzubauen, und dies sowohl physisch als auch geistig und in einem wirklichen Sinne spirituell.

Denjenigen unter Ihnen, die es noch nicht gelesen haben, rate ich dringend, Lyndon LaRouches Buch Die kommenden 50 Jahre: Dialog der Kulturen Eurasiens zu lesen, und wer es bereits gelesen hat, sollte es noch einmal tun, jeweils mit der Absicht, das Potential Ihres Engagements besser zu erforschen, um mehr Vertrauen in die eigenen Kräfte zu gewinnen.

Der Kampf um die Zukunft ist keine Lektion, die man lernt und befolgt, sondern ein Aufruf zur Kreativität in unseren Köpfen und zum Handeln im Namen der Gerechtigkeit. Ich möchte an Platons erstes Buch von Der Staat erinnern, wo er Glaukon, Polemarchus und Thrasymakus dazu anleitet, zu erforschen, was Gerechtigkeit ist. Er zeigt ihnen, daß Gerechtigkeit weder bedeutet, sich der öffentlichen Meinung zu unterwerfen und Vorteile zu erwarten, noch seinen Freunden zu dienen und seinen Feinden zu schaden, noch den Vorteil des Stärkeren zu suchen. Sokrates betont: „Die Liebe für Ruhm und Geld gilt als etwas Schändliches, und das zu Recht“, und er fährt fort: „Macht ist eine notwendige Aufgabe, nicht den eigenen Vorteil zu suchen, sondern den Vorteil der Regierten und vor allem der Schwächsten unter ihnen.“

Dafür müssen wir uns mobilisieren. Die Schwierigkeit beginnt, wenn wir uns die heutige Situation anschauen: Westliche Mächte teilen die Welt in zwei Kategorien ein, Freunde und Feinde. Ohne Sinn für das Gemeinwohl infizieren sie die öffentliche Meinung in diesem Sinn und verfolgen das Teile-und-Herrsche-Prinzip zur Kontrolle der Bevölkerung. Dies führt „logischerweise“ in die Welt des Trasymachus und des Alkibiades, d.h. zu Herrschaft durch Gewalt und Krieg jeder gegen jeden.

Unser Aufruf zum Handeln ist daher ein Aufruf, die Denkweise unserer Mitbürger zu ändern und so zu handeln, daß es nicht nur möglich ist, sondern am meisten Spaß macht, denn es macht Spaß, das Gute zu tun. Um uns gegenseitig zu organisieren, müssen wir also rücksichtslos sein, weil wir von jedem von uns das Beste erwarten. Mit einem solchen Engagement hat Gandhi die Unabhängigkeit Indiens und Martin Luther King das Ende der Rassentrennung erreicht.

Der Sieg ist also nicht nur möglich, sondern notwendig. Gehen wir, als ein uns selbst auferlegtes Ziel, viel weiter als Gandhi und Martin (und wir können andere Beispiele finden), nicht um sie in diesem und jenem nachzuahmen, sondern um ihre Träume zu erfüllen. Laßt uns viele Träume wahr werden lassen und die Trommel der Geschichte schlagen, aber diesmal, wie im ersten Panel gesagt wurde, mit der besten aller möglichen Musiken, um eine Harmonie der Interessen entlang einer Weltlandbrücke zu erreichen.