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Neue Solidarität
Nr. 3, 21. Januar 2021

Ganz Europa leidet unter der deutschen „Energiewende“

Die Unsicherheit über die künftige Energieversorgung Deutschlands als führender europäischer Industrienation, insbesondere nach dem vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie bis Ende 2022, gibt Anlaß zur Sorge in der gesamten Europäischen Union.

Im Jahr 2020 sanken in Deutschland die Treibhausgasemissionen um 15% – aber nicht wegen des Ausbaus der erneuerbaren Energien, sondern wegen der Aussetzungen von Industrieproduktion infolge der COVID-Pandemie, wie Fabian Hein von der Agora Energiewende erklärte. 2020 war die Gesamtleistung von Solar- und Windenergie mit 183 TWh erstmals größer als Kohle, Öl und Gas zusammen mit 178 TWh. Aber dies reichte nicht einmal aus, um den stark reduzierten Bedarf unter den Lockdown-Bedingungen zu decken.

So mußte Deutschland 2020 nicht nur seine Stromexporte um 11,6% kürzen, sondern zusätzlich die Importe aus den Nachbarländern um 38,8% (!) erhöhen, um den Ausfall zu kompensieren. In Zahlen ausgedrückt stiegen die Importe von 24,2 TWh 2019 auf 33,6 TWh 2020. Und dieser Trend wird sich sicherlich noch verschärfen, wenn wie geplant Anfang 2022 drei der verbleibenden sechs Atomreaktoren abgeschaltet werden.

Als Frankreich im letzten Sommer einmal nicht mehr genügend Strom nach Deutschland (den größten Importeur von französischem Atomstrom) liefern konnte, war es gezwungen, selbst Strom aus Spanien zu importieren, und dieses mußte sich wiederum an Marokko wenden, um über ein Unterwasserkabel Strom aus Nordafrika zu erhalten. Dies zeigt, daß die europäische Energieversorgungskette für die innereuropäischen Ex- und Importe irgendwann an Grenzen stößt, wenn es darum geht, die deutsche Industrie am Laufen zu halten.

Am 8. Januar stand das europäische Verbundnetz erneut kurz vor dem Zusammenbruch, als es in Siebenbürgen in Rumänien einen regionalen Stromausfall gab, während in Frankreich gerade 13 Kernkraftwerke nicht am Netz waren. In der Folge kam es innerhalb von 14 Sekunden zu einem Frequenzabfall von 50,027 auf 49,742 Hertz. Südosteuropa wurde vom übrigen Verbundnetz abgetrennt, gleichzeitig wurden Großverbraucher in Italien und Frankreich vom Netz abgeschnitten, um das Defizit auszugleichen; Österreich ließ Stand-by-Kraftwerke hochfahren, sodaß ein großflächiger Totalausfall gerade noch vermieden wurde. Es war der größte Frequenzeinbruch seit November 2006, der damals zu einem großflächigen Blackout in Westeuropa führte, in dem die Stromversorgung für 10 Millionen Menschen ausfiel.

Christian Seyfert, Geschäftsführer des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft e.V. (VIK), erklärte als Reaktion auf den Zwischenfall: „Der Vorfall vom Freitag ist leider nicht der erste seiner Art, aber er muß uns allen eine Warnung sein, das Thema Netzstabilität und Versorgungssicherheit nicht aus dem Blick zu verlieren. Deutschland kann nicht davon ausgehen, daß wir schon irgendwie aus dem europäischen Ausland versorgt werden, sollte es bei uns nicht ausreichend Strom geben... Das ,Prinzip Hoffnung’ reicht nicht aus. Eine preiswerte, klimafreundliche, aber eben auch sichere Stromversorgung ist gerade für im internationalen Wettbewerb stehende Industrieunternehmen ein entscheidender Standortfaktor“, betonte Seyfert. Sei diese sichere Versorgung zweifelhaft, schade das dem Wirtschaftsstandort Deutschland.

eir