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Neue Solidarität
Nr. 49, 9. Dezember 2021

COVID, Afrika und das Versagen der Weltgemeinschaft

Weltweit macht die neue COVID-Variante Omicron Schlagzeilen. Allein in der Nacht vom 30. November auf den 1. Dezember wurde sie der WHO in neun weiteren Ländern gemeldet, so daß sich die Gesamtzahl auf 23 erhöhte. In alphabetischer Reihenfolge: Australien, Belgien, Botswana, Brasilien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Hongkong, Israel, Italien, Japan, Kanada, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Österreich, Portugal, Saudi-Arabien, Schweden, Spanien, Südafrika, Tschechien und Vereinigtes Königreich. Auch in den USA wurde ein erster Fall bei einem Patienten in Kalifornien festgestellt, in einer Pressemitteilung der Seuchenbekämpfungsbehörde CDC vom 1. Dezember heißt es: „Bei der Person handelte es sich um einen Reisenden, der am 22. November 2021 aus Südafrika zurückkehrte. Die Person hatte leichte Symptome, die sich bessern, und ist seit dem positiven Test in Selbstquarantäne. Alle engen Kontaktpersonen wurden kontaktiert und negativ getestet.“

Eine Einstellung des Flugverkehrs, wie sie westliche Länder gegenüber dem südlichen Afrika beschlossen haben, kann zwar die Ausbreitung der Variante verlangsamen, sie aber nicht ausrotten. Das Nationale Gesundheitsinstitut der Niederlande stellte fest, daß der Omicron-Stamm spätestens am 19. November im Land war – fünf Tage, bevor die Wissenschaftler in Südafrika die Variante erstmals identifizierten. Die ersten Anzeichen deuten darauf hin, daß die Variante zwar ziemlich ansteckend, aber nicht besonders virulent ist. Die Leiterin der südafrikanischen Ärztekammer, Dr. Angelique Coetzee, die zuerst den Verdacht auf eine neue Variante äußerte, stellte am 18. November fest, daß die Patienten – überwiegend junge Männer – andere Symptome aufwiesen als bei der Delta-Variante (kein Geruchs- oder Geschmacksverlust, dafür starke Muskelschmerzen und Müdigkeit). Bisher verlaufen die Fälle eher mild, was jedoch damit zusammenhängen kann, daß sich die Variante offenbar besonders unter jungen Menschen verbreitet.

Neue Virusvarianten entstehen am ehesten in Gebieten mit einer hohen Virusaktivität, die zu mehr Mutationen führt. Der Ursprung der Omicron-Variante ist noch nicht geklärt, aber sie wirft ein Licht auf ein Problem, das die Welt bisher kaum in Angriff genommen hat: Nur 7% der afrikanischen Bevölkerung sind geimpft, was auch die Impfprogramme in wohlhabenderen Ländern untergraben kann.

Das ursprüngliche Ziel, bis zum Jahresende 20% der erwachsenen Bevölkerung Afrikas zu impfen, wurde bereits vor Monaten aufgegeben, so begrenzt es auch war. Im Juli setzte man sich dann das Ziel, dies höchstens um 30% zu unterschreiten – also mindestens 14% der Erwachsenen zu impfen. Aber so wie die Dinge jetzt stehen, wird auch das nicht passieren. Jüngste Berechnungen des IWF zeigen, daß bis Mitte November nur 13% der von der internationalen Impfinitiative COVAX bestellten Impfstoffe und 12% der versprochenen Spenden geliefert wurden. Außerdem sind nur sehr wenige davon mRNA-Impfstoffe mit der besten Wirksamkeit. Laut einer gemeinsamen Erklärung der Afrikanischen Union, der WHO und der Impfallianz GAVI vom 29. November „wurden die meisten Spenden bisher ad hoc, ohne Vorankündigung und mit kurzer Haltbarkeitsdauer bereitgestellt“.

Aber das ist nicht das Schlimmste. Selbst wenn alle Zusagen eingehalten und die Impfstoffe geliefert würden, hätte das Virus immer noch gut lachen. Denn Tatsache ist, daß die medizinische Infrastruktur massiv unterfinanziert ist. Die Geschäftsführerin von COVAX, Aurelia Nguyen, sagte, das eigentliche Problem bestehe darin, sicherzustellen, daß „die Bedingungen vor Ort stimmen, damit die Dosen verabreicht werden können“. Ähnlich sagte Dr. Angela Wakhweya, Direktorin für gesundheitliche Chancengleichheit und Rechte bei der Hilfsorganisation CARE: COVAX „schafft es nicht, die Impfstoffe von der Rollbahn des Flughafens in die Arme der Menschen zu bringen“. In den hoffnungslos unterfinanzierten nationalen Gesundheitssystemen fehlt es an Spritzen und anderer Ausrüstung, und weite Gebiete haben überhaupt keinen Zugang zu Krankenhäusern und Kliniken. Damit ist die Entstehung neuer Varianten fast schon garantiert.

dms