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Neue Solidarität
Nr. 20, 19. Mai 2022

Hunger und Krieg bedrohen unser Überleben:
Wir brauchen Sofortmaßnahmen gegen die Krise

Von Alexander Hartmann

Angesichts der Kriegshysterie, die die westlichen Eliten ergriffen hat, sollte man eigentlich froh sein, wenn sich die Politiker auch einmal mit den realen Problemen der Menschheit befassen, wie der Krise der Energie- und Nahrungsmittelversorgung. Aber nicht nur in Deutschland setzt sich auch in diesem Bereich die Plan- und Verantwortungslosigkeit durch. So ist US-Präsident Bidens Besuch bei Arbeitern und Landwirten in Illinois ein treffendes Beispiel für den wirtschaftspolitischen Irrsinn, der in den Regierungseliten der USA und Europas vorherrscht. Dieser Irrsinn ist für die Welt nicht weniger bedrohlich als die Bestrebungen, Rußland durch den Krieg in der Ukraine zu schwächen, auch wenn sich dieser Krieg zu einem Atomkrieg auszuweiten droht.

Biden reiste am 11. Mai nach Chicago zu einem Treffen mit Mitgliedern der International Brotherhood of Electrical Workers (Gewerkschaft der Elektriker, IBEW) und nach Kankakee zu einem Treffen mit Landwirten. Bidens Botschaft zur Inflation lautet, das sei ausschließlich ein „Putinscher Preisanstieg“. Seine Antwort? „Produziert mehr.“ Die Elektrizitätswerke sollten z.B. „ein Netz von 500.000 Ladestationen“ für E-Autos aufbauen, um die CO₂-Emissionen zu reduzieren und Arbeitsplätze zu schaffen, Landwirte sollten die Ernte verdoppeln. Das dämpfe die Inflation und helfe, den „von Putin verursachten“ Hunger zu lindern.

Die Realität der Energieversorgung in den USA sieht jedoch so aus, daß die Grundlast-Stromerzeugung dank des „Green Reset“ und damit zusammenhängender Faktoren inzwischen so unzureichend ist, daß die regionalen Behörden für viele Teile des Landes Stromausfälle für den Sommer vorhersagen. Auch im Süden von Illinois wurde bereits vor Stromausfällen gewarnt – eine besondere Ironie, da es sich um ein Kohlebergbaugebiet handelt, aber so viele Kohlekraftwerke abgeschaltet wurden, daß selbst die verbliebenen Kernkraftwerke des Staates die Stromlücke nicht ausgleichen können. Vielleicht sollte jede der 500.000 Ladestationen über ein Solarpanel und ein eigenes Windrad verfügen?

In der Landwirtschaft sieht die Realität so aus, daß die Landwirte – vor allem die hochtechnisierten Familienbetriebe – von einer Hyperinflation bei den Betriebsmitteln und einer Verknappung von Düngemitteln, Pflanzenschutzmitteln, Ersatzteilen für ihre Maschinen und Dieselkraftstoff betroffen sind, ganz zu schweigen von dem Preisschock, den die Bauernfamilien in den Lebensmittelgeschäften und an der Zapfsäule erleben.

Die Landwirte haben im Vorfeld der diesjährigen Aussaat, die viel schwieriger war als sonst, verzweifelt Wege gefunden, weniger Dünger zu verwenden, bei Reparaturen zu improvisieren und andere Notfallmaßnahmen zu ergreifen. Inzwischen ist die Aussaat in Illinois und im Farmgürtel in vollem Gange.

Bidens Aufforderung, die Ernte „zu verdoppeln“, ist also blanker Hohn: Sie kommt viel zu spät, um jetzt noch irgendetwas zu bewirken, und außerdem fehlen den Landwirten die Mittel, sie umzusetzen. Biden tut auch nichts, um ihnen diese Mittel zu verschaffen – im Gegenteil, seine Rußland-Sanktionen haben wesentlich dazu beigetragen, die Lage zu verschärfen.

Dasselbe gilt für Bidens politische Gesinnungsgenossen in Europa: Sie alle sind so sehr damit beschäftigt, ihre „regelbasierte Weltordnung“ zu verteidigen, daß sie die reale Lage vollkommen aus dem Blick verlieren.

Globale Ernährungskrise

Tatsächlich ist schnelle Abhilfe dringend notwendig. Wie die jüngste zusammenfassende Weltkarte der Ernährungsunsicherheit zeigt, die am 4. Mai von den Vereinten Nationen und den mit ihnen zusammenarbeitenden Organisationen im Jahresbericht des Global Network Against Food Crises veröffentlicht wurde (siehe Abbildung), haben eine Milliarde Menschen weltweit keine ausreichende und gesicherte Nahrung. Davon befinden sich 193 Millionen in 53 Ländern in extremster Notlage: Ihnen droht der Hungertod. Hunderte Millionen weitere werden folgen, wenn gegen die Lage nichts unternommen wird.

© Global Network Against Food Crises - Quelle: FSIN, GRFC 2022
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Insgesamt 193 Millionen Menschen in 53 Staaten und Territorien gehen derzeit dem Hungertod entgegen.

Rußland ist die führende Nation unter den neun Weizenanbauregionen, auf die in den letzten Jahren mehr als 90% der über 200 Mio.t Weizen entfielen, die jedes Jahr im internationalen Handel oder in der Nahrungsmittelhilfe ausgetauscht wurden. Die von ihnen ausgeführte Tonnage entspricht 23% der gesamten jährlichen Weltweizenernte von rund 780 Mio. Tonnen. Auf Rußland allein entfielen in den Jahren 2020/2021 20% der jährlichen globalen Weizenexporte.

Diese Mengen liegen weit unter dem, was für eine gesicherte Ernährung aller Menschen erforderlich ist, unabhängig davon, welche Getreidearten und anderen Lebensmittel sie bevorzugen. Außerdem ist nicht einmal sicher, daß in diesem Jahr oder in den nächsten Erntezyklen die gleiche Menge von 780 Mio. Tonnen produziert werden kann.

Diese Unsicherheit ist eine Frage von Leben und Tod. Während im Jahr 2019 rund 800 Millionen Menschen keine verläßlichen und ausreichenden Nahrungsmittel zur Verfügung hatten, steht die Welt nun an der Schwelle von über einer Milliarde Menschen, die auf den Hunger zusteuern.

Was ist zu tun?

Was unternommen werden muß, hat die LaRouche-Organisation am 25. April in einer Erklärung1 dargelegt:

In diesem Zusammenhang ist es sinnvoll, Bidens leichtfertiges Gerede mit den Maßnahmen zu vergleichen, die die russische Regierung ergriffen hat, um die Nahrungsmittel-Produktion auszuweiten. Präsident Wladimir Putin hat am 11. Mai in seiner Rede bei einem Treffen mit führenden Wirtschaftsvertretern wichtige Punkte angesprochen.

Putin sagte, die Weltwirtschaftskrise sei „größtenteils durch die Sanktionen verursacht worden. Diejenigen, die sie ersonnen haben, gingen von kurzsichtigen, übertriebenen politischen Ambitionen und Russophobie aus, auf Kosten ihrer eigenen nationalen Interessen, ihrer eigenen Wirtschaft und des Wohlergehens ihrer Bevölkerung, wie vor allem die steigende Inflation in Europa zeigt“. In einigen Ländern liege die jährliche Inflationsrate bei fast 20%, in der Eurozone seien die Preise um durchschnittlich 11% gestiegen.

Dieser „Sanktionswahn“, so der russische Präsident, werde für die Menschen in der EU Folgen haben, „die nur schwer wieder rückgängig zu machen sein werden. Das gleiche gilt für die ärmsten Länder der Welt, die bereits von Hunger bedroht sind.“ Die Verantwortung dafür liege bei den westlichen Eliten, „die bereit sind, den Rest der Welt zu opfern, um ihre globale Vorherrschaft zu bewahren“.

Im Gegensatz dazu habe Rußland Lösungen gefunden, um „seine wirtschaftliche Souveränität, technologische und Ernährungssicherheit zu stärken.“ Nachdem „skrupellose Partner“ das Land verlassen hätten, seien einheimische Unternehmen in der Lage gewesen, diese Marktlücken zu füllen und beispielsweise Grundnahrungsmittel, Ausrüstungen für die Industrie- und für den Dienstleistungsbereich sowie Bau- und Landmaschinen zu liefern. Dadurch sei es gelungen, die Getreideproduktion auf Rekordhöhen zu steigern:

Rußland hat auch die Exportquoten für Mineral- und Stickstoffdünger angehoben, damit Produzenten in Indien und anderen Ländern ihre Produktion ausweiten können.

Das zeigt: Eine konzertierte internationale Anstrengung kann die globale Hungerkatastrophe abwenden. Wenn die richtigen Maßnahmen ergriffen werden, können wir unseren Weg aus Krieg und Hunger herausbauen und -produzieren. Lyndon LaRouches wissenschaftliche Prinzipien der physischen Ökonomie werden mehr denn je gebraucht. Schließen Sie sich der Mobilisierung des Schiller-Instituts an, um den Krieg zu beenden und mit der Zukunft weiterzumachen!


Anmerkung

1. „Weg mit der ,regelbasierten' NATO-Weltordnung! – Produziert Nahrungsmittel, um den Hunger zu bekämpfen, nicht Waffen, um den Krieg zu verlängern!”, siehe Neue Solidarität 18/2022).