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Neue Solidarität
Nr. 38, 22. September 2022

Möge LaRouches Andenken ewig leben!

Von Sergej Glasjew

Grußbotschaft des russischen Wirtschaftswissenschaftlers Sergej Glasjew, Minister für Integration und Makroökonomie in der Eurasischen Wirtschaftskommission, dem Exekutivorgan der Eurasischen Wirtschaftsunion, zu Lyndon LaRouches 100. Geburtstag.

In diesem Jahr feiern fortschrittliche Menschen auf der ganzen Welt den 100. Jahrestag der Geburt des brillanten Denkers und – ich würde nicht zögern zu sagen – Propheten unserer Zeit, Lyndon LaRouche. Leider können wir uns nicht mehr mit ihm unterhalten, und es ist schade, daß er den Tag nicht mehr erlebt hat, an dem seine Warnungen vor dem Zusammenbruch des Weltfinanzsystems in Erfüllung gingen.

Schon vor 30 Jahren, vielleicht sogar noch früher, machte Lyndon LaRouche darauf aufmerksam, daß das Aufblähen von Finanzblasen, von Derivatblasen, und die Schaffung von Finanzpyramidensystemen unweigerlich zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems führen würden. Und er schlug vor, rechtzeitig Maßnahmen zu ergreifen, um diesen Zusammenbruch abzuwenden.

Hätten die Staats- und Regierungschefs der Welt auf die Stimme von Lyndon LaRouche gehört, hätten wir vielleicht die sozialen Verwerfungen vermeiden können, mit denen wir heute infolge des Zusammenbruchs des Weltfinanz- und Wirtschaftssystems konfrontiert sind, das auf der unbegrenzten Emission von Dollars und anderer westlicher Reservewährungen beruht.

Diese Finanzblasen werden nicht kleiner. Wir haben gesehen, daß Versuche, sie zu beheben, in der Aufblähung neuer Blasen enden. Selbst der Crash von 2008, bei dem zig Billionen Dollar an Ersparnissen der Menschen, einschließlich der Rentenfonds, vernichtet wurden, hat nicht verhindert, daß sich die Finanzblasen durch die unbegrenzte Emission von Weltreservewährungen mit Hilfe der sogenannten quantitativen Lockerung erneut aufblähen.

Lyndon LaRouche schlug einen gegenseitigen Schuldenerlaß unter Beachtung des Prinzips von Fairneß und Effektivität vor.

Was wir jetzt sehen, ist, daß sich die Emittenten von Weltreservewährungen einfach weigern, ihrer Verantwortung nachzukommen. Es war vorhersehbar, daß, wenn die Länder, die den Weg des Aufpumpens von Finanzblasen eingeschlagen und ihr Monopol auf das Emissionsrecht einer Weltwährung mißbraucht haben, in eine Situation geraten, in der das Ausmaß dieser Finanzpyramiden die Fähigkeit des Landes, sie zu bedienen, bei weitem übersteigt, unweigerlich die Frage auftauchen würde, wie man diese Schulden verwerfen kann. Einfach vor der ganzen Welt den Bankrott erklären oder einen anderen Weg wählen, um sich seiner Verpflichtungen zu entledigen – sie zu verwerfen?

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien, die Europäische Union und Japan haben diesen zweiten Weg gewählt. Sie haben Rußlands Devisenreserven einseitig beschlagnahmt und blockiert. Das bedeutet, daß sie sich weigern, ihre Verpflichtungen gegenüber Rußland zu erfüllen.

Rußland hat diesen Ländern einen Kredit in Höhe von mehr als vierhundert Milliarden Dollar gewährt – das ist die staatliche Komponente und die eigenen Devisenreserven der Regierung – und weitere rund eine Billion Dollar, die privaten Parteien gehören, befinden sich in den Ländern der westlichen Emittenten von Weltreservewährungen.

Der Versuch, diese Gelder zu blockieren, bedeutet im Grunde einen Zahlungsausfall, aber einen Ausfall dessen, was man einem seiner Gläubiger schuldet. In der Vergangenheit nannte man dies Piraterie oder Raub.

Natürlich können diese außergewöhnlichen Maßnahmen, die völlig gegen internationales Recht verstoßen und jede denkbare Regel des Anstands sowie die Standards der Welthandelsorganisation und des Internationalen Währungsfonds verletzen, vor Gericht angefochten werden. Aber zum einen würde dies mit der staatlichen Entscheidung des Emittentenlandes kollidieren, welche die eines Piraten oder eines Räubers sein kann, wie wir gerade erleben.

Andererseits wird ihr Vorgehen das System nicht retten, denn selbst wenn die USA und ihre europäischen Verbündeten sich weigern, ihre Verpflichtungen gegenüber Rußland zu erfüllen, ist das nur ein kleiner Prozentsatz der finanziellen Verpflichtungen, die die Emittenten der Weltreservewährung gegenüber der gesamten Welt und ihren eigenen Binnenmärkten haben.

Die Welt stürzt also ins Chaos, und zwar genau nach dem Szenario, dem Negativszenario, von dem Lyndon LaRouche in seinen Prognosen vor 30 oder 40 Jahren sprach.

Damals schlug er vor, daß die Länder, die die Weltreservewährung emittieren – anstatt Finanzblasen aufzupumpen – zusammen mit ihren Partnern und anderen Ländern in den Aufbau einer globalen Infrastruktur investieren sollten, was die Kosten des Handels senken, die Effizienz der internationalen Wirtschaftsbeziehungen erhöhen und insgesamt zur Verbesserung der weltweiten Konnektivität beitragen würde. Er betrachtete die Globalisierung als einen Prozeß der Ausweitung der Zusammenarbeit zwischen den Ländern und nicht als Versuch einiger Länder, andere auszubeuten.

LaRouche kritisierte die liberale Globalisierung, die heute zum Zusammenbruch des Weltfinanzsystems führt. Er schlug ein anderes Globalisierungsmodell vor, das auf den Prinzipien der physischen Ökonomie beruht: insbesondere das berühmte Projekt, das er und seine Frau Helga Zepp-LaRouche in die internationale Diskussion eingebracht haben – die sogenannte Eurasische Brücke.

Dies ist ein großartiges und interessantes Projekt, das nun nach vielen Jahren durch die chinesische „Belt and Road“ Initiative, die wir durch eine Verbindung mit der Eurasischen Wirtschaftsunion unterstützen, in die Tat umgesetzt wird.

Lyndon LaRouche blickte Jahrzehnte voraus. Er warnte die USA und ihre Partner vor dem unvermeidlichen Zusammenbruch ihrer finanziellen Expansionspolitik, bei der die Interessen der Spekulanten das nationale Interesse und die Entwicklung der Wirtschaft in den Hintergrund drängen.

Die globalen Spekulanten und die Weltoligarchie, die die monetäre Emission der Weltwährungen ausnutzen, haßten LaRouche dafür sehr. Er wurde verfolgt und mußte ins Gefängnis gehen. Er kandidierte mehrmals für das Amt des US-Präsidenten, und wenn Lyndon LaRouche zum Präsidenten gewählt worden wäre, würde sich die Welt heute stabil entwickeln. Es gäbe nicht das wachsende Chaos, es gäbe nicht die weltweiten Kriege und Provokationen, die die globale Oligarchie betreibt, um ihre Schulden zu tilgen.

Es gibt ein russisches Sprichwort: „Krieg schreibt alles ab.“ Um seine Schulden gegenüber Rußland und Europa zu tilgen, hat Washington den Krieg in der Ukraine provoziert und verschärft die Konfrontation weiter. Die Dinge haben einen Punkt erreicht, an dem Washingtons Einflußagenten ein Atomkraftwerk beschießen, um den Konflikt anzuheizen und die Grundlage für einen Zusammenstoß zwischen Rußland und der gesamten NATO zu schaffen: Eine NATO-Aggression gegen Rußland.

Der gegenwärtige albtraumhafte Moment mit dem Zusammenbruch des gesamten internationalen Rechtssystem und der internationalen Zusammenarbeit, dem Zusammenbruch des Finanzsystems, hätte vermieden werden können, wenn die Demokratische Partei LaRouche vor vielen Jahren als Präsidentschaftskandidaten unterstützt hätte. Aber leider kennt die Geschichte den Konjunktiv nicht. Oder, wie wir zu sagen pflegen: Niemand ist ein Prophet im eigenen Land.

LaRouches Stimme wurde sehr wohl gehört. Wir erinnern uns an ihn. In praktisch allen großen Ländern der Welt, die sich heute erfolgreich entwickeln – vor allem in Indien und China – gibt es Anhänger von LaRouche. Sie haben seine Gedanken und Ideen genutzt, um ihre Wirtschaftswunder zu realisieren. Es sind die Prinzipien der physikalischen Ökonomie, für die LaRouche eintrat, die heute dem chinesischen Wirtschaftswunder zugrunde liegen und die auch in den Grundlagen der indischen Wirtschaftsentwicklungspolitik enthalten sind. Die Anhänger von LaRouche in diesen Ländern üben einen fruchtbaren, sehr positiven und konstruktiven Einfluß auf die Gestaltung der Wirtschaftspolitik in diesen führenden Nationen des neuen Weltwirtschaftsparadigmas aus.

Wir sollten das schöpferische Vermächtnis von Lyndon LaRouche nicht vergessen, das die Verflechtung der heutigen Ereignissen mit ihren Wurzeln vor vielen Jahrhunderten verdeutlicht. Ich war immer beeindruckt von Lyndon LaRouches enormer Gelehrsamkeit. Er sah die parasitäre globale Oligarchie von ihren Ursprüngen her und zeichnete nach, wie diese oligarchischen Familien zunächst in Venedig vom Handel parasitierten. Dann siedelten sie sich in Holland an und bauten dort durch internationalen Handel und globale Spekulationen ihre Finanzmacht weiter aus, dann siedelten sie nach England um und übernahmen danach die Kontrolle über das politische System der Vereinigten Staaten.

Lyndon LaRouche sah die gesamte Weltgeschichte durch das Prisma des Kampfes zwischen dem Guten – den nationalen Interessen, dem Interesse an der Verbesserung des Allgemeinwohls – und den Kräften des Bösen – der Weltfinanzoligarchie, die die Entwicklung der Länder behindert, die danach strebt, spekulative Superprofite aus dem Handel und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu ziehen, und die die ganze Welt täuscht, indem sie Spekulationsblasen aufbläst und ihre Machtpositionen in den Ländern mißbraucht, in denen sie das politische System beherrscht. Wir sehen, wie die heutige US-Finanzoligarchie einen hybriden Weltkrieg entfesselt, bis hin zur Gefahr einer nuklearen Katastrophe, um ihre globale Hegemonie aufrechtzuerhalten.

Lyndon LaRouches Warnungen bewahrheiten sich. Es ist wichtig, daß diese Warnungen nicht abstrakt waren. Sie sind nicht einfach Linien auf einem Diagramm. Ich erinnere mich an die berühmte [Dreifach-]Kurve, in der er die wachsende Kluft zwischen der Größe der [realen] Weltwirtschaft und der Größe des Weltfinanzsystems aufzeigte. Er war der erste, der auf dieses Mißverhältnis hinwies, das vor 30 Jahren noch nicht so groß war; es hätte noch überwunden werden können, indem die überschüssigen Finanzaggregate in den realen Sektor – in reale Investitionsprojekte – umgewandelt worden wären. Heute ist das ein gigantischer Abgrund. Es ist heute unmöglich, Billionen von Dollar an Finanzblasen in Investitionen in den realen Sektor der Wirtschaft umzuwandeln. Dafür gibt es einfach keine Mechanismen. Nichts wurde geschaffen, weil die parasitäre Finanzoligarchie, die LaRouche haßte, die immer versuchte, ihm den Mund zu stopfen, ihn verfolgte und versuchte, ihn hinter Schloß und Riegel zu halten, schließlich ein Monopol auf die politische Macht in den Vereinigten Staaten erwarb.

Und heute nutzt sie ihren politischen Einfluß in Washington, um alle Länder der Welt zu zwingen, ihrem Willen zu gehorchen. Sie beherrscht weiterhin die Welt und übt ihre Hegemonie aus, um Superprofite aus Spekulationsgeschäften zu ziehen.

Lyndon LaRouche hat recht behalten. Heute stützen wir uns auf seine Arbeit, seine Schriften, wenn wir Vorschläge für einen sehr schnellen Übergang zu einem neuen Weltwirtschaftsparadigma machen. Wir nennen es ein integriertes Weltwirtschaftsmodell, in dem das Finanzkapital den Aufgaben der Wirtschaftsentwicklung untergeordnet wird und in dem die Prinzipien der physikalischen Ökonomie zur Geltung kommen werden. Wie wir sehen können, haben die Länder, die diesen Weg gehen, Erfolg.

Es besteht kein Zweifel, daß die herrschende amerikanische Finanzoligarchie den hybriden Weltkrieg, den sie gegen die gesamte Menschheit angezettelt hat, verliert. Es ist nur bedauerlich, daß der Preis, der dafür gezahlt werden muß, sehr hoch sein wird. Dazu gehören auch die Menschenleben, die durch den Krieg, den die amerikanische und europäische Finanzoligarchie gegen Rußland auf dem Territorium der Ukraine organisiert hat, verlorengehen. Wir müssen alle unsere Kräfte bündeln, um dieses Übel zu bekämpfen, und das kreative Vermächtnis von Lyndon LaRouche hilft dabei. Möge sein Andenken ewig leben.