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Krisenforum. EIR veranstaltete am 2. März ein Onlineforum mit Experten aus aller Welt zur zunehmenden Eskalation der globalen Krise.
EIR veranstaltete am 2. März ein Onlineforum unter dem Titel „Epstein und die grenzenlose Verkommenheit der ,Eliten‘: Wir brauchen dringend eine kulturelle Renaissance!“ Das Forum behandelte viele Aspekte der sich schnell entfaltenden globale Krise, doch im Mittelpunkt stand der Weg zu ihrer Überwindung. In einem lebhaften Dialog präsentierten Experten aus aller Welt in zwei Vortragsrunden – zu den Themen „Auf dem Weg zum Weltuntergang?“ und „Der Mensch ist eine kreative Gattung“ – ihre Standpunkte und Vorschläge.
Helga Zepp-LaRouche, die das Forum einberufen hatte, rief „alle Bürger guten Willens auf, sofort zu handeln und ihre Regierungen und Parlamente in allen Ländern der Welt aufzufordern, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen und zur Diplomatie zurückzukehren“. Sie betonte: „Wir treffen uns in einem Moment, der wahrscheinlich der schwerwiegendste in der Weltgeschichte ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat.“ Durch den Angriffskrieg der USA gegen den Iran sei die Welt in eine Eskalationsspirale geraten, die in kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg führen könne.
Das Pentagon habe noch kurz zuvor dem US-Kongreß mitgeteilt, es gebe keine Anzeichen dafür, daß der Iran die USA zuerst angreifen wolle, es handle sich also um einen Angriffskrieg. Zudem hätten die USA und Israel gezielt den Staatschef Ajatollah Chamenei ermordet, das geistige Oberhaupt von etwa 200 Millionen Schiiten. Die Folgen seien unkalkulierbar.
„Wir stehen daher vor einer Bewährungsprobe für die Menschheit: Haben wir die moralische Stärke zu überleben? Wir müssen die dringende Notwendigkeit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigt... Fordern wir die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und verantwortlich zu handeln, denn unsere Existenz als Menschheit steht auf dem Spiel.“ (Den Text des Vortrags von Frau Zepp-LaRouche finden Sie auf den Seiten 1-2.)
Mehrere Redner der beiden Diskussionsrunden wiesen darauf hin, daß das Vorgehen der USA und Israels nicht nur moralisch und rechtlich verwerflich, sondern auch ein strategischer Fehler sei. Beatriz Bissio, außerordentliche Professorin im Postgraduiertenprogramm für Vergleichende Geschichte an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro kritisierte, die USA und Israel hätten den diplomatischen Dialog als Vorwand genutzt, ihre wahren Ziele zu verschleiern – einen militärischen Angriff auf den Iran mit dem Ziel eines Regimewechsels, in der Hoffnung, das iranische Volk werde die Gelegenheit nutzen, auf die Straße zu gehen und das Regime zu stürzen. „Was für eine Verkennung der Realität! Was für eine schlechte Analyse und was für eine offensichtliche Böswilligkeit. Nur eine tiefe Unkenntnis dessen, was der islamische Glaube bedeutet, was dieser Glaube beinhaltet, dazu der Glaube an die Lügen, die sie selbst verbreiten und die die westliche Presse verbreitet, bis sie sie schließlich selbst glauben. Nur eine so gewaltige Unkenntnis konnte zu der Vorstellung führen, ein Enthauptungsschlag mit der Tötung von Ali Chamenei werde den Weg für die Forderungen der Bevölkerung nach einem Regimewechsel ebnen.“
Ding Yifan vom Institut für Globale Governance und Entwicklung der Renmin-Universität in Beijing betonte: „Die Trump-Regierung kann leicht einen Krieg anfangen, aber es wird für sie sehr schwer werden, diesen Krieg zu beenden.“ Denn der Krieg werde sich hinziehen, aber die Vereinigten Staaten und Israel seien nicht darauf vorbereitet, einen langen Krieg im Nahen Osten zu führen. Strategisch gesehen sei das ein großer Fehler, der die amerikanische Wirtschaft in eine langfristige Krise führen werde. Die Folgen dieser politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen würden immer deutlicher zutage treten.
Dennis Kucinich, ehemaliger Kongreßabgeordneter und mehrfacher Präsidentschaftsbewerber in der Demokratischen Partei, sieht im amerikanisch-israelischen Vorgehen gegen den Iran „einen weiteren Ausdruck einer seit langem bestehenden kolonialistischen Denkweise, die nun mit einer Art Größenwahn einhergeht, von dem einige unserer Führer in den Vereinigten Staaten besessen sind“. Es handle sich um einen „klaren Verstoß gegen Artikel I, Abschnitt 8 der US-Verfassung, der vorschreibt, daß der Kongreß alle derartigen militärischen Maßnahmen, insbesondere Kriegserklärungen oder Kriegshandlungen, genehmigen muß“. Sobald ein Krieg beginnt, gebe es in der Regel keine Kontrolle mehr, und das sehe man bereits. „Deshalb müssen wir hier in den Vereinigten Staaten darauf bestehen, daß der Kongreß Maßnahmen ergreift... Das amerikanische Volk muß aktiv werden und fordern, daß es seine Regierung zurückerobert.“
Andere Redner befaßten sich mit dem Problem des moralischen Charakters der Staatsführungen. Maria de los Angeles Huerta, ehemalige Abgeordnete des mexikanischen Kongresses, stellte die „brennende Frage: Welchen Zusammenhang könnte es geben zwischen einer privaten Insel in der Karibik, auf der Teenager gefoltert und vergewaltigt wurden, und den Raketen, die jetzt ganze Städte im Nahen Osten ins Visier nehmen?“ Sie beantwortete dies selbst: „ Auf den ersten Blick keine. Aber wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, daß der rote Faden derselbe ist: eine Elite, die das Recht beansprucht, alles zu besitzen – Körper, Territorien, Leben. Besitzer von Geld, Besitzer von Gesetzen und Besitzer von Schweigen... Wir sehen dieselben Netzwerke mit erweiterten und aufgedeckten ,Geschäften der Macht‘... Die Eliten, die sich berechtigt fühlen, über die Körper anderer Menschen zu verfügen, fühlen sich auch berechtigt, über die Territorien anderer Menschen zu verfügen.“
Kwame Amuah, Sicherheitsexperte und Techno-Unternehmer aus Südafrika, sprach über „den Niedergang wahrer Führung... Ich denke, eine der größten Herausforderungen, vor denen wir derzeit stehen, ist die Unfähigkeit des Menschen, eine Art von Führung zu entwickeln, die das Wesen der Menschheit versteht. Wir alle sind in diesem Universum, um Gottes Werk auf Erden zu vollbringen, und Gottes Werk auf Erden manifestiert sich in verschiedenen Bereichen. Einer davon ist Frieden auf Erden, Brüderlichkeit und Schwesternschaft. Und ich glaube, sobald wir dies erkennen, beginnt der Mensch durch unsere Führung zu erkennen, daß Probleme wie Krieg, Gewalt und Unmoral allmählich abnehmen werden... Wenn es einen moralischen Kompaß gibt, der alle Führung untermauert, glaube ich nicht, daß unsere Welt an einen Punkt gelangen wird, an dem wir kurz vor einem weiteren Krieg stehen – einem weiteren Weltkrieg, wenn die Lage außer Kontrolle gerät.“
Pater Harry Bury, seit 70 Jahren katholischer Priester und lebenslanger Friedensaktivist, kritisierte das Vorgehen der USA und Israels, aber auch des Iran: „Selbstverteidigung durch Gewalt funktioniert nicht, das zeigt uns die Geschichte... Wir müssen unsere Denkweise ändern. Wir müssen daran glauben, daß Gott uns die Intelligenz und die Kreativität, sowohl intellektuell als auch emotional, gegeben hat, um eine Umgebung zu schaffen, in der es keine Gewalt mehr gibt.“ Bestrafung funktioniere nicht. „Was funktioniert, ist gewaltfreies Handeln.“
Mehrere Redner betonten: Um die Konflikte zu überwinden, brauchen wir einen Dialog der Zivilisationen. Zhang Weiwei, Professor für Internationale Beziehungen und Direktor des China-Instituts der Fudan-Universität in Shanghai, verwies auf die zahlreichen Krisen und Konflikte auf der Welt. „Diese Ereignisse sind die unvermeidliche Folge mehrerer miteinander verbundener Ursachen, wie der Entfremdung der Macht vom Volk auf nationaler wie internationaler Ebene, der Praxis des Rechts des Stärkeren und der Logik, daß Macht Recht sei, sowie der weit verbreiteten moralischen Verkommenheit vieler westlicher Eliten. Ich denke, sie offenbaren auch einige tiefgreifende strukturelle Widersprüche innerhalb des westlichen politischen Systems.“
Um diese mißliche Lage zu überwinden, „müssen wir dringend eine kulturelle Renaissance fordern, wie sie Madame Helga LaRouche seit vielen Jahren befürwortet... Es ist höchste Zeit, daß wir die Weisheit unserer verschiedenen Zivilisationen nutzen und teilen, um die Grundwerte unserer Gesellschaft neu zu gestalten... Wir schöpfen aus der Stärke verschiedener Zivilisationen, fördern den kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen und nutzen die Kraft der Kultur, um die anhaltende Entfremdung der Macht von ihrem Volk zu beenden.“
Zhang forderte: „Wir müssen das internationale Rechtssystem, das sich auf die Charta der Vereinten Nationen stützt, entschlossen aufrechterhalten. Möge also eine weltweite kulturelle Renaissance den Weg erleuchten für die eine Menschheit – für unsere Menschheit.“
B.R. Deepak, ehemaliger Direktor des Zentrums für China- und Südostasienstudien der Nehru-Universität in Neu-Delhi, berichtete als Beispiel für die Bedeutung des interkulturellen Dialogs vom kulturellen Austausch zwischen Indien und China in den letzten zwei Jahrtausenden. „Im Gegensatz zu der pessimistischen Vision, die Samuel P. Huntington in seiner bekannten These vom Kampf der Kulturen vertritt, zeigt die Geschichte, daß Zivilisationen nicht zwangsläufig gewaltsam aufeinanderprallen, sondern oft durch Dialog, Austausch und gegenseitiges Lernen miteinander interagieren.“
Mehrere Redner sprachen über die notwendige neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur als Grundlage für einen wirklichen Frieden. Richard Falk, emeritierter Professor für Völkerrecht in Princeton/USA und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in den besetzten palästinensischen Gebieten, verglich die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts mit der jüngsten Entwicklung der Konflikte und betonte:
„Ich halte es für äußerst wichtig zu verstehen, daß der Erste und Zweite Weltkrieg im wesentlichen regionale Kriege innerhalb des Westens waren. Sie werden als Weltkriege bezeichnet, weil der Westen den Rest der Welt kontrollierte oder dominierte. Was uns der Iran und Israels völkermordähnliche Behandlung der Palästinenser vor Augen führen, ist dieses neue Phänomen des Krieges zwischen Zivilisationen.“ Wenn Ajatollah Chamenei, der im Iran als Vertreter Gottes, als etwas zutiefst Spirituelles angesehen wurde, das Ziel einer gezielten Ermordung wird, treffe das den Kern dessen, worum es bei einem solchen Krieg der Zivilisationen gehe.
Die UNO sei als Institution nicht darauf ausgerichtet, Frieden zu schaffen. „Diese Architektur der Sicherheit und friedlichen Entwicklung war im Grunde genommen die konkrete institutionelle Verkörperung einer von den Siegern des Krieges geprägten Zukunftsvision.“
Um eine alternative Architektur zu schaffen, „müssen wir meiner Meinung nach zunächst einmal von China lernen, damit das kein Traum bleibt, sondern zu einem politischen Projekt wird... Wir können von China viel darüber lernen, wie wichtig es ist, auf militärische Macht als Grundlage für Wohlstand und Sicherheit zu verzichten. Und solange wir das nicht lernen, bezweifle ich sehr, daß es einen Weg geben wird, diese Vision einer anderen Friedens- und Entwicklungsarchitektur in ein politisches Projekt zu verwandeln, das eine Chance auf Verwirklichung hat.“
Helga Zepp-LaRouche griff diese Überlegungen in ihrem Schlußwort auf:
„Obwohl die Probleme, mit denen wir konfrontiert sind, zweifellos riesig sind, ist die Lage nicht hoffnungslos. Es gibt Ansätze, auf denen wir aufbauen können. Einerseits geht es darum, eine globale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur für alle Länder der Welt zu schaffen, und zwar durch den Aufbau einer weltweiten Bewegung von Weltbürgern. Ich möchte insbesondere Professor Falk danken, weil er sagte, daß das nur eine Vision bleiben wird, wenn es keinen realistischen Ansatz gibt, wie diese neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur erreicht werden kann. Er sagte auch, daß wir von China lernen müssen.
Beide Aussagen weisen in die Richtung, in der meiner Meinung nach die Lösung liegt. Und zwar hat Präsident Xi Jinping in den letzten Jahren vier globale Initiativen ins Leben gerufen, zuletzt die Global Governance Initiative, die – wenn man den Text liest, was ich getan habe – einen ganz konkreten Vorschlag für einen Rahmen enthält, wie eine solche globale Governance-Architektur geschaffen werden kann, die alle einbezieht.“
Es müsse eine Diskussion über diese Vorschläge geben:
„Was braucht man dafür? Was können wir aus dem Westfälischen Frieden lernen? Warum haben die Kriegsparteien beschlossen, 150 Jahre Religionskrieg zu beenden, was hat sie dazu gebracht, sich zusammenzusetzen? Wie sind sie vorgegangen? Wie haben sie vier Jahre lang die Verhandlungen organisiert? Heute brauchen wir nicht so viel Zeit, aber sie brauchten vier Jahre, von 1644 bis 1648, um den Westfälischen Frieden zu schließen, der zur Grundlage des Völkerrechts wurde.
Lassen Sie uns nun wirklich eine solche Diskussion führen, denn je mehr Menschen und Institutionen ernsthaft darüber diskutieren, was notwendig ist, desto größer ist die Chance, daß wir die Regierungen dazu bewegen können, sich dieser Sache anzunehmen...
Zweitens stimme ich den Ausführungen der Kongreßabgeordneten Huerta voll und ganz zu... Wir müssen unbedingt ein aktives Netzwerk globaler Weltbürger aufbauen. Sie hat viele Untergruppen genannt – die Anwälte, die Parlamentarier, andere Gruppen –, aber wir brauchen viel mehr Aktivisten. Denn das Schiller-Institut ist äußerst aktiv..., aber wir sind immer noch durch die Anzahl unserer Mitglieder begrenzt und können nur begrenzt viel tun. Bitte schließen Sie sich uns an und helfen Sie, uns so zu vernetzen, wie es die Abgeordnete Huerta gesagt hat.“
(Den Videomitschnitt des Forums finden Sie auf der Internetseite des Schiller-Instituts.)
Alexander Hartmann
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