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Neue Solidarität
Nr. 11-12, 12. März 2026

Eine Weltbürger-Bewegung gegen die globalen Konflikte

Krisenforum. EIR veranstaltete am 2. März ein Onlineforum mit Experten aus aller Welt zur zunehmenden Eskalation der globalen Krise.

EIR veranstaltete am 2. März ein Onlineforum unter dem Titel „Epstein und die grenzenlose Verkommenheit der ,Eliten‘: Wir brauchen dringend eine kulturelle Renaissance!“ Das Forum behandelte viele Aspekte der sich schnell entfaltenden globale Krise, doch im Mittelpunkt stand der Weg zu ihrer Überwindung. In einem lebhaften Dialog präsentierten Experten aus aller Welt in zwei Vortragsrunden – zu den Themen „Auf dem Weg zum Weltuntergang?“ und „Der Mensch ist eine kreative Gattung“ – ihre Standpunkte und Vorschläge.

Helga Zepp-LaRouche, die das Forum einberufen hatte, rief „alle Bürger guten Willens auf, sofort zu handeln und ihre Regierungen und Parlamente in allen Ländern der Welt aufzufordern, alle militärischen Aktionen sofort einzustellen und zur Diplomatie zurückzukehren“. Sie betonte: „Wir treffen uns in einem Moment, der wahrscheinlich der schwerwiegendste in der Weltgeschichte ist. Es ist sehr wahrscheinlich, daß der Dritte Weltkrieg bereits begonnen hat.“ Durch den Angriffskrieg der USA gegen den Iran sei die Welt in eine Eskalationsspirale geraten, die in kurzer Zeit zu einem globalen Atomkrieg führen könne.

Das Pentagon habe noch kurz zuvor dem US-Kongreß mitgeteilt, es gebe keine Anzeichen dafür, daß der Iran die USA zuerst angreifen wolle, es handle sich also um einen Angriffskrieg. Zudem hätten die USA und Israel gezielt den Staatschef Ajatollah Chamenei ermordet, das geistige Oberhaupt von etwa 200 Millionen Schiiten. Die Folgen seien unkalkulierbar.

„Wir stehen daher vor einer Bewährungsprobe für die Menschheit: Haben wir die moralische Stärke zu überleben? Wir müssen die dringende Notwendigkeit einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch bringen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten berücksichtigt... Fordern wir die Vereinigten Staaten und alle anderen Länder nachdrücklich auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren und verantwortlich zu handeln, denn unsere Existenz als Menschheit steht auf dem Spiel.“ (Den Text des Vortrags von Frau Zepp-LaRouche finden Sie auf den Seiten 1-2.)

Angriff auf den Iran: ein strategischer Fehler

Mehrere Redner der beiden Diskussionsrunden wiesen darauf hin, daß das Vorgehen der USA und Israels nicht nur moralisch und rechtlich verwerflich, sondern auch ein strategischer Fehler sei. Beatriz Bissio, außerordentliche Professorin im Postgraduiertenprogramm für Vergleichende Geschichte an der Bundesuniversität von Rio de Janeiro kritisierte, die USA und Israel hätten den diplomatischen Dialog als Vorwand genutzt, ihre wahren Ziele zu verschleiern – einen militärischen Angriff auf den Iran mit dem Ziel eines Regimewechsels, in der Hoffnung, das iranische Volk werde die Gelegenheit nutzen, auf die Straße zu gehen und das Regime zu stürzen. „Was für eine Verkennung der Realität! Was für eine schlechte Analyse und was für eine offensichtliche Böswilligkeit. Nur eine tiefe Unkenntnis dessen, was der islamische Glaube bedeutet, was dieser Glaube beinhaltet, dazu der Glaube an die Lügen, die sie selbst verbreiten und die die westliche Presse verbreitet, bis sie sie schließlich selbst glauben. Nur eine so gewaltige Unkenntnis konnte zu der Vorstellung führen, ein Enthauptungsschlag mit der Tötung von Ali Chamenei werde den Weg für die Forderungen der Bevölkerung nach einem Regimewechsel ebnen.“

Ding Yifan vom Institut für Globale Governance und Entwicklung der Renmin-Universität in Beijing betonte: „Die Trump-Regierung kann leicht einen Krieg anfangen, aber es wird für sie sehr schwer werden, diesen Krieg zu beenden.“ Denn der Krieg werde sich hinziehen, aber die Vereinigten Staaten und Israel seien nicht darauf vorbereitet, einen langen Krieg im Nahen Osten zu führen. Strategisch gesehen sei das ein großer Fehler, der die amerikanische Wirtschaft in eine langfristige Krise führen werde. Die Folgen dieser politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen würden immer deutlicher zutage treten.

Dennis Kucinich, ehemaliger Kongreßabgeordneter und mehrfacher Präsidentschaftsbewerber in der Demokratischen Partei, sieht im amerikanisch-israelischen Vorgehen gegen den Iran „einen weiteren Ausdruck einer seit langem bestehenden kolonialistischen Denkweise, die nun mit einer Art Größenwahn einhergeht, von dem einige unserer Führer in den Vereinigten Staaten besessen sind“. Es handle sich um einen „klaren Verstoß gegen Artikel I, Abschnitt 8 der US-Verfassung, der vorschreibt, daß der Kongreß alle derartigen militärischen Maßnahmen, insbesondere Kriegserklärungen oder Kriegshandlungen, genehmigen muß“. Sobald ein Krieg beginnt, gebe es in der Regel keine Kontrolle mehr, und das sehe man bereits. „Deshalb müssen wir hier in den Vereinigten Staaten darauf bestehen, daß der Kongreß Maßnahmen ergreift... Das amerikanische Volk muß aktiv werden und fordern, daß es seine Regierung zurückerobert.“

Eine Krise des Charakters der politischen Führung

Andere Redner befaßten sich mit dem Problem des moralischen Charakters der Staatsführungen. Maria de los Angeles Huerta, ehemalige Abgeordnete des mexikanischen Kongresses, stellte die „brennende Frage: Welchen Zusammenhang könnte es geben zwischen einer privaten Insel in der Karibik, auf der Teenager gefoltert und vergewaltigt wurden, und den Raketen, die jetzt ganze Städte im Nahen Osten ins Visier nehmen?“ Sie beantwortete dies selbst: „ Auf den ersten Blick keine. Aber wenn wir genauer hinschauen, erkennen wir, daß der rote Faden derselbe ist: eine Elite, die das Recht beansprucht, alles zu besitzen – Körper, Territorien, Leben. Besitzer von Geld, Besitzer von Gesetzen und Besitzer von Schweigen... Wir sehen dieselben Netzwerke mit erweiterten und aufgedeckten ,Geschäften der Macht‘... Die Eliten, die sich berechtigt fühlen, über die Körper anderer Menschen zu verfügen, fühlen sich auch berechtigt, über die Territorien anderer Menschen zu verfügen.“

Kwame Amuah, Sicherheitsexperte und Techno-Unternehmer aus Südafrika, sprach über „den Niedergang wahrer Führung... Ich denke, eine der größten Herausforderungen, vor denen wir derzeit stehen, ist die Unfähigkeit des Menschen, eine Art von Führung zu entwickeln, die das Wesen der Menschheit versteht. Wir alle sind in diesem Universum, um Gottes Werk auf Erden zu vollbringen, und Gottes Werk auf Erden manifestiert sich in verschiedenen Bereichen. Einer davon ist Frieden auf Erden, Brüderlichkeit und Schwesternschaft. Und ich glaube, sobald wir dies erkennen, beginnt der Mensch durch unsere Führung zu erkennen, daß Probleme wie Krieg, Gewalt und Unmoral allmählich abnehmen werden... Wenn es einen moralischen Kompaß gibt, der alle Führung untermauert, glaube ich nicht, daß unsere Welt an einen Punkt gelangen wird, an dem wir kurz vor einem weiteren Krieg stehen – einem weiteren Weltkrieg, wenn die Lage außer Kontrolle gerät.“

Pater Harry Bury, seit 70 Jahren katholischer Priester und lebenslanger Friedensaktivist, kritisierte das Vorgehen der USA und Israels, aber auch des Iran: „Selbstverteidigung durch Gewalt funktioniert nicht, das zeigt uns die Geschichte... Wir müssen unsere Denkweise ändern. Wir müssen daran glauben, daß Gott uns die Intelligenz und die Kreativität, sowohl intellektuell als auch emotional, gegeben hat, um eine Umgebung zu schaffen, in der es keine Gewalt mehr gibt.“ Bestrafung funktioniere nicht. „Was funktioniert, ist gewaltfreies Handeln.“

Dialog der Kulturen ist notwendig

Mehrere Redner betonten: Um die Konflikte zu überwinden, brauchen wir einen Dialog der Zivilisationen. Zhang Weiwei, Professor für Internationale Beziehungen und Direktor des China-Instituts der Fudan-Universität in Shanghai, verwies auf die zahlreichen Krisen und Konflikte auf der Welt. „Diese Ereignisse sind die unvermeidliche Folge mehrerer miteinander verbundener Ursachen, wie der Entfremdung der Macht vom Volk auf nationaler wie internationaler Ebene, der Praxis des Rechts des Stärkeren und der Logik, daß Macht Recht sei, sowie der weit verbreiteten moralischen Verkommenheit vieler westlicher Eliten. Ich denke, sie offenbaren auch einige tiefgreifende strukturelle Widersprüche innerhalb des westlichen politischen Systems.“

Um diese mißliche Lage zu überwinden, „müssen wir dringend eine kulturelle Renaissance fordern, wie sie Madame Helga LaRouche seit vielen Jahren befürwortet... Es ist höchste Zeit, daß wir die Weisheit unserer verschiedenen Zivilisationen nutzen und teilen, um die Grundwerte unserer Gesellschaft neu zu gestalten... Wir schöpfen aus der Stärke verschiedener Zivilisationen, fördern den kulturellen Austausch und das gegenseitige Lernen und nutzen die Kraft der Kultur, um die anhaltende Entfremdung der Macht von ihrem Volk zu beenden.“

Zhang forderte: „Wir müssen das internationale Rechtssystem, das sich auf die Charta der Vereinten Nationen stützt, entschlossen aufrechterhalten. Möge also eine weltweite kulturelle Renaissance den Weg erleuchten für die eine Menschheit – für unsere Menschheit.“

B.R. Deepak, ehemaliger Direktor des Zentrums für China- und Südostasienstudien der Nehru-Universität in Neu-Delhi, berichtete als Beispiel für die Bedeutung des interkulturellen Dialogs vom kulturellen Austausch zwischen Indien und China in den letzten zwei Jahrtausenden. „Im Gegensatz zu der pessimistischen Vision, die Samuel P. Huntington in seiner bekannten These vom Kampf der Kulturen vertritt, zeigt die Geschichte, daß Zivilisationen nicht zwangsläufig gewaltsam aufeinanderprallen, sondern oft durch Dialog, Austausch und gegenseitiges Lernen miteinander interagieren.“

Eine neue Sicherheitsarchitektur

Mehrere Redner sprachen über die notwendige neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur als Grundlage für einen wirklichen Frieden. Richard Falk, emeritierter Professor für Völkerrecht in Princeton/USA und ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für Menschenrechte in den besetzten palästinensischen Gebieten, verglich die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts mit der jüngsten Entwicklung der Konflikte und betonte:

Helga Zepp-LaRouche griff diese Überlegungen in ihrem Schlußwort auf:

Es müsse eine Diskussion über diese Vorschläge geben:

(Den Videomitschnitt des Forums finden Sie auf der Internetseite des Schiller-Instituts.)

Alexander Hartmann

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