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Von Prof. Richard Falk
Die folgende Rede hielt Prof. Richard Falk am 2. März 2026 beim EIR-Online-Krisenforum „Epstein und die grenzenlose Verderbtheit der ‚Eliten‘: Wir brauchen dringend eine kulturelle Renaissance!“ Falk ist emeritierter Professor für Völkerrecht an der Princeton University und war UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in den seit 1967 besetzten palästinensischen Gebieten (2008-14). Der Text wurde leicht bearbeitet und aus dem Englischen übersetzt.
Es ist mir eine große Ehre, an dieser Konferenz des Schiller-Instituts teilzunehmen. Ich hatte Gelegenheit, die Vorträge von Panel 1 zu hören, und ich denke, das waren außerordentlich gehaltvolle Diskussionen darüber, wie beunruhigend die gegenwärtige Weltkrise ist und wie sie tatsächlich die gesamte Spezies, das Schicksal der Menschheit, in einer Weise gefährdet, die noch nie zuvor so anschaulich thematisiert wurde. Ich halte es für einen brillanten Schachzug, die Enthüllungen um [Jeffrey] Epstein als eine Art Metapher dafür heranzuziehen, wie Krieg, Gewalt und Korruption die Zeitgeschichte prägen.
Diese Dinge sind zutiefst beunruhigend, aber auch Teil einer notwendigen Diagnose dessen, was sich ändern muß, wenn eine positive Reaktion hervorgebracht und umgesetzt werden soll. Und ich möchte meine Ausführungen mit einigen Klarstellungen zu den zugrundeliegenden diagnostischen Fragen beginnen.
Ich stimme der von Helga Zepp-LaRouche so klar dargelegten Idee voll und ganz zu, daß wir eine neue Architektur für Frieden und Entwicklung als Grundlage für einen tragfähigen Rahmen globaler Governance brauchen, der auf Gerechtigkeit für alle basiert; und daß die Vorstellung, es gäbe in der Geschichte nur Gewinner und Verlierer, in einen Rahmen der internationalen Beziehungen umgewandelt werden muß, der darauf abzielt, alle politischen Akteure zu Gewinnern zu machen und ihren Völkern Nutzen zu bringen.
Ich halte es für äußerst wichtig, zu verstehen, daß der Erste und der Zweite Weltkrieg im wesentlichen regionale Kriege innerhalb des Westens waren. Sie werden als Weltkriege bezeichnet, weil der Westen den Rest der Welt beherrschte. Was uns der Krieg gegen den Iran und Israels völkermörderisches Vorgehen gegen die Palästinenser vor Augen führen, ist das neue Phänomen des Krieges zwischen Zivilisationen.
Israel bildet den westlichen Brückenkopf in der islamischen Welt, und wie mehrere Redner heute Vormittag angedeutet haben, wird Huntingtons Idee vom „Kampf der Kulturen“ nun auf sehr bedrohliche Weise in die Tat umgesetzt. Das Bedrohliche zeigt sich darin, daß die Vereinigten Staaten und Israel mit ihrem Vorgehen gegen die grundlegendsten Elemente eines humanen, rechtsorientierten Ansatzes in den Beziehungen souveräner Staaten verstoßen.
Ich möchte besonders die gezielte Ermordung von Ajatollah Chamenei hervorheben, dem Obersten Führer der Islamischen Republik Iran, weil hier die Vorstellung zum Tragen kommt, daß eine Person, die als Vertreter Gottes, etwas zutiefst Spirituellem, angesehen wird, das Ziel einer gezielten Ermordung sein soll. Das trifft den Kern dessen, worum es bei einem Krieg zwischen Zivilisationen geht.
Das ist anders als der regionale Krieg innerhalb des Westens, der erst in Bezug auf Deutschland geführt wurde und dann zum Kalten Krieg wurde, aber immer ein innerwestlicher Kampf war – mit Ausstrahlung auf den Rest der Welt, doch die Antagonisten in beiden Weltkriegen waren Teil der westlichen Zivilisation.
Dies hier ist etwas Neues, denn es läßt eine Ära des Krieges zwischen Zivilisationen ahnen. Und der Besuch von Modi [dem indischen Ministerpräsidenten bei Ministerpräsident Netanjahu in Israel am 26.2., zwei Tage vor dem Krieg], auf den gerade angespielt wurde, ist eine weitere Dimension davon. Denn ein hinduistischer Regierungschef Indiens freundet sich mit einem massenmörderischen westlichen Regierungschef an, um das mit der Unterdrückung von Muslimen in Indien und noch extremer in Kaschmir zu verknüpfen.
Das ist eine weitere Dimension des Krieges zwischen den Zivilisationen, die äußerst beunruhigend und bedrückend ist. Ich habe mein Leben der Förderung eines völkerrechtlichen Rahmens für die Außenpolitik gewidmet, in erster Linie für mein eigenes Land, die Vereinigten Staaten, und allgemeiner für die Welt, aber ich habe mir keine Illusionen gemacht, daß eine solche Vision einer friedlichen Welt von den außenpolitischen Eliten geteilt wurde, weder in den USA noch in den anderen mächtigen Ländern. Es gibt viel Wunschdenken darüber, wozu die UNO gegründet wurde.
Im Grunde genommen verlieh diese Architektur der Sicherheit und friedlichen Entwicklung einer von den Siegermächten geprägten Zukunftsvision eine konkrete institutionelle Gestalt. Das war keine Institution, die darauf ausgelegt war, Frieden zu schaffen, denn das wäre unsinnig gewesen – den mächtigsten und gefährlichsten Ländern nicht nur die Kontrolle über die Entscheidungsgewalt im UN-Sicherheitsrat zu geben, sondern auch über die Durchsetzung der Urteile des Internationalen Gerichtshofs und des Internationalen Strafgerichtshofs sowie die Befugnis, die UN-Charta zu ändern. Es war die Idee der Siegermächte, die Kontrolle über Krieg und Frieden letztlich in den Händen der Sieger des Zweiten Weltkriegs zu belassen. Und das bedeutete, daß der Geopolitik Vorrang eingeräumt wurde, und das Recht, das für den Rest der Welt gelten sollte, war dem untergeordnet.
Dieses Denken, das unter den außenpolitischen Eliten der Welt immer noch weithin vorherrscht, gab es auch bei den Kriegsverbrecherprozessen in Nürnberg und Tokio, wo nur die Verbrechen der Verlierer untersucht und unter die Lupe genommen, aber die Verbrechen der Sieger ignoriert wurden. Infolgedessen wurde trotz der Greuel von Hiroshima und Nagasaki den Atomwaffen eine vorläufige Legitimität verliehen.
Dies wiederholt sich im sogenannten „Trump-Plan“ zur Beendigung des israelisch-palästinensischen Konflikts, indem Völkermord belohnt und die Opfer bestraft werden. Das ist eine andere Art zu sagen, daß es auf den Ausdruck militärischer Dominanz ankommt, nicht darauf, was den Menschen nützt oder im Einklang mit den verkörperten Prinzipien der Gerechtigkeit steht.
Wir müssen uns also von der Illusion befreien, es gäbe etwas Positives, das wir in der gegenwärtigen Krisensituation reproduzieren sollten. Das gleiche gilt für die Behauptung der Vereinigten Staaten, sie hätten sich „von der Vision der Gründerväter entfernt“. Das ist zwar sicherlich wahr, aber dabei wird übersehen, daß die Gründerväter für die Völkermordpolitik gegen die Ureinwohner des Landes verantwortlich waren, das sie besiedelten und besetzten. Sie waren Siedlerkolonialisten.
Zudem waren viele Gründerväter und frühe Präsidenten Sklavenhalter. Die Sklaverei war Teil der von Anfang an illusorischen Behauptung, Amerika sei die große Ausnahme – was auch immer es tat, irgendwie könne es nichts falsch machen. Diese Täuschung ist in der Populärkultur des Landes immer noch sehr verbreitet, und wir müssen das wirklich hinter uns lassen, wenn wir diese neue Architektur erreichen wollen, die wir so dringend brauchen.
Ein Aspekt davon ist das Gruppendenken in der außenpolitischen Elite, verkörpert durch Henry Kissingers Sicht von Recht und Moral, die auf einer dogmatischen Akzeptanz des „politischen Realismus“ beruht, der in der Geschichte der Menschheit stets als Deckmantel für militärisches Handeln dient. Diese Sichtweise wird in den inneren Zirkeln der maßgeblichen Länder der Welt immer noch kaum angefochten, vielleicht teilweise mit Ausnahme Chinas.
Wir können lernen. Einer der ersten Schritte, um die alternative Architektur zu erreichen, damit sie nicht nur ein Traum, sondern ein politisches Projekt wird, besteht meiner Meinung nach darin, von China zu lernen.
Wir müssen China nicht kopieren. Sie haben ihre eigenen internen Mängel, aber wir können von China viel darüber lernen, wie wichtig es ist, auf militärische Macht als Grundlage für Wohlstand und Sicherheit zu verzichten. Und solange wir das nicht lernen, bezweifle ich sehr, daß es einen Weg geben wird, diese Vision einer anderen Friedens- und Entwicklungsarchitektur in ein politisches Projekt zu verwandeln, das eine Chance auf Verwirklichung hat.
Die einzige Alternative ist die Kraft des Volkes, sich zu erheben und das Falsche in Frage zu stellen. Allerdings erfordert das meiner Meinung nach mehr Zeit, als die Menschheit hat, um diese grundlegenden Verwerfungen zu überwinden.
Abschließend möchte ich sagen, daß wir uns von falschen Vorstellungen, was möglich ist, lösen müssen, um einen Übergang zu diesem alternativen Friedens- und Entwicklungsrahmen zu schaffen. Solange es kein politisches Projekt ist, sondern nur eine Vision friedens- und gerechtigkeitsorientierter Visionäre bleibt, wird es ein unerfüllter Traum bleiben. Vielen Dank.
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