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Neue Solidarität
Nr. 21-22, 21. Mai 2026

Papst Leos Botschaft an Afrika und die Welt

Afrika soll eine Vorreiterrolle bei der Schaffung einer gerechten Weltordnung übernehmen

Von Gretchen Small

© Edgar Beltrán / The Pillar/cc 4.0
© White House Photo/Molly Riley
  Papst Leo XIV. sagte, er fürchte US-Präsident Donald Trump nicht.

Die westlichen Medien konzentrierten sich auf die hysterische Reaktion der Regie­rung von US-Präsident Donald Trump – angefangen mit dem Präsidenten selbst und seinem Vizepräsidenten – auf Papst Leos Mobilisierung der katholischen Kirche weltweit gegen die kriegerische Drohung mit der „Auslöschung einer ganzen Zivilisation“. Doch der Botschaft von Papst Leos Missionsreise vom 13. bis 23. April nach Afrika, dem heutigen Konti­nent der Hoffnung, schenkten sie nur sehr wenig Aufmerksamkeit.

Der Papst prangerte während der gesamten Reise weiter den Krieg und nach der Weltherrschaft strebende „Despoten und Tyrannen“ an. Wie weltweit anerkannt wurde, verkörperte er moralische Autorität mit seiner entschiedenen Erklärung, daß er Präsident Trump und dessen Regierung „nicht fürchtet“ und kein Interesse an einer Debatte mit ihnen hat, weil seine Aufgabe darin bestehe, das Evangelium zu predigen. Auf der letzten Etappe seiner Reise, in Äquatorialguinea, wiederholte er die Formulierungen, die Trumps Zorn zuerst hervorgerufen hatten, und verurteilte diejenigen, die im Namen Gottes Krieg führen:1

Die meisten Vertreter des arroganten westlichen Establishments und seiner Medien beachten kaum, welchen enormen Beitrag der Papst zu der großen Aufgabe leistet, die vor der Menschheit liegt: anstelle des barbarischen, oligarchischen Systems der Finanzimperialisten eine Gesellschaft zu schaffen, die in den Augen des Schöpfers dem Menschen wirklich gerecht wird.

Der Papst bereiste vier Länder Afrikas – Algerien, Kamerun, Angola und Äquatorialguinea – als „Pilger des Friedens und der Einheit“, als „Hirte“ und „Diener des Dialogs, der Brüderlichkeit und des Friedens“. Ob bei Treffen mit Regierungsvertretern und Diplomaten, in Predigten in zahlreichen großen Messen, in Ansprachen vor Professoren und Studenten, bei Begegnungen mit Jugendlichen, in Ansprachen vor religiösen Führern oder bei Besuchen der Großen Moschee von Algier, in Altenheimen, einem Waisenhaus, einer psychiatrischen Klinik oder einem Gefängnis: immer bemühte er sich, alle und ganz insbesondere die jungen Menschen dazu zu inspirieren, Verantwortung zu übernehmen und „aktive Akteure des Wandels“ zu werden, um „eine Zukunft des Friedens und der Versöhnung“ zu verwirklichen, „in der die Würde jedes Menschen geachtet und seine Grundrechte garantiert werden“.

Mit derselben Dringlichkeit, mit der er zur Beendigung der Kriege aufrief, betonte Papst Leo während seiner gesamten Reise, daß „die Zeit gekommen ist, heute, nicht morgen, jetzt und nicht in der Zukunft“, daß Gesellschaften und Volkswirtschaften sich von Moral leiten lassen und dem Gemeinwohl ihrer Völker dienen. Wiederholt verurteilte er die Ausbeutung der Ressourcen des Kontinents durch reiche, spekulative Interessen – ausländische wie inländische – und lobte die jungen Menschen Afrikas als „Freude und Hoffnung“, als „eine tiefgreifende und stärkende Kraft“, durch die Afrika zu den Veränderungen beitragen kann, die in dieser „außergewöhnlichen Zeit großer Erneuerung“ weltweit möglich sind. So riet er: „Despoten und Tyrannen des Körpers und des Geistes wollen die Seelen passiv machen und die Leidenschaften öde, zur Trägheit neigend, fügsam und der Macht unterworfen... Von dieser Entfremdung befreit uns die wahre Freude.“

In allen Ländern ermutigte Leo die Menschen, darauf zu vertrauen, daß Afrika in der Welt eine große Rolle zu spielen hat, gerade wegen seiner jungen Bevölkerung und deren Wunsch nach Veränderung. „Afrika kann einen wesentlichen Beitrag dazu leisten, die allzu engen Horizonte einer Menschheit zu erweitern, der es schwerfällt zu hoffen“, sagte er vor Studenten und Professoren an der Katholischen Universität Zentralafrikas in Kameruns Hauptstadt Yaoundé.

„Vielleicht ist genau dies heute der größte Hunger: Es gibt einen Hunger nach Zukunft, aber nach einer Zukunft, die von Hoffnung erfüllt ist, die eine neue Gerechtigkeit hervorbringen kann, die Früchte des Friedens und der Geschwisterlichkeit tragen kann“, so seine Worte in der Predigt während einer Messe in der Kathedrale der Unbefleckten Empfängnis in Mongomo in Äquatorialguinea. Auch hier betonte er: „Und es handelt sich nicht um eine unbekannte Zukunft, auf die wir passiv warten müssen, sondern um eine Zukunft, die gerade wir gerufen sind, mit Gottes Gnade aufzubauen.“

In seiner Ansprache an Regierungsmitglieder, Vertreter der Zivilgesellschaft und das diplomatische Korps in Angola brachte Papst Leo auf wunderschöne Weise zum Ausdruck, wie Afrika beim Aufbau dieser Welt eine Vorreiterrolle übernehmen kann:

LaRouche: Kein Land ist dazu verdammt, arm zu sein

© EIRNS/Catalina Lopez
Lyndon LaRouche spricht auf einer Konferenz zum 20. Jahrestag der päpstlichen Enzyklika Populorum Progressio in Perus Hauptstadt Lima am 3. und 4. April 1987. Auf dem Banner vor dem Podium steht: „Entwicklung ist der neue Name des Friedens – Papst Paul VI.“

Die gleiche Sichtweise auf die Zukunft der afrikanischen Nationen, die Papst Leo XIV. zum Ausdruck brachte, hatte auch der US-amerikanische Staatsmann Lyn­don LaRouche (1922-2019), der Gründer von EIR. In einer Rede vor einem voll­besetzten Saal mit 450 Zuhörern in Lima in Peru am 4. April 1987, auf einer vom Schiller-Institut und der St. Augustine School veranstalteten Konferenz zum 20. Jahrestag der Enzyklika Populorum Pro­gressio von Papst Paul VI., betonte LaRouche: „Der gesamte Entwicklungs­sektor ist in ähnlicher Weise [wie Afrika] bedroht, sofern nicht bald die notwen­digen Maßnahmen ergriffen werden.“

Er forderte seine Zuhörer heraus: „Wir müssen den Kampf für eine solche gerechte Wirtschaftsordnung gewinnen, und wir müssen ihn jetzt gewinnen... Akzeptieren Sie niemals die Vorstellung, daß manche Länder reich und andere Länder arm sind.“

Er betonte insbesondere, die Menschheit müsse sich den Herausforderungen der Raumfahrt stellen: „Betrachten Sie sich niemals als Menschen aus einem armen Land! Ich habe Sie gebeten, Ihren Blick zu den Sternen zu richten, um mit Stolz und Zuversicht zu sehen, wozu Ihr Geist Sie befähigen kann. Ihr Traum von den Sternen ist das Potential Ihrer Nation; das Potential Ihrer Nation ist ihre zukünftige Realität.“

LaRouche riet der Staatsführung Perus und ganz besonders der Jugend des Landes: „Akzeptiert niemals den Anblick menschlichen Elends; menschliches Elend ist unnötig! Akzeptiert niemals die Vorstellung, daß die Welt Gefahr läuft, ,überbevölkert' zu werden – außer durch zu viele Krankheiten und Malthusianer.“

Afrika, der Kontinent der Hoffnung

Auf dem Flug zu seiner ersten Station, Algerien, erklärte Papst Leo den Reportern, er hätte Afrika gerne zur ersten Reise seines Pontifikats gemacht – ein Wunsch, der aus logistischen Gründen nicht Erfüllung ging. Daß er einem Besuch in Afrika in dieser Weise Priorität einräumt, ist an sich schon eine Stellungnahme gegen die rassistische westliche Sicht auf Afrika, wie sie die Neokonservativen oder Bonzen wie Josep Borrell vertreten, die in Afrika das Zentrum des armen „Dschungels“ sehen, der den angeblichen „Garten“ im Westen bedroht.

Jedes der vier Länder, die Leo besuchte, hat seine ganz eigenen Besonderheiten. Die Reise begann in Algerien, einer ehemaligen französischen Kolonie, heute eine Nation mit 48 Millionen Einwohnern, von denen 98–99 % Muslime sind. Die Amtssprachen sind Arabisch und Tamazight (Berbersprache), in einigen Kreisen wird noch Französisch gesprochen. Dank staatlicher Förderprogramme hat Algerien eine der niedrigsten Armutsraten in Afrika.

Der Papst entschied sich nach eigenen Angaben aus zwei Gründen für einen Besuch in Algerien, obwohl dort höchstens etwa 10.000 Katholiken leben: Erstens nimmt Algerien als Geburtsort des heiligen Augustinus einen besonderen Platz in seinem Herzen ein. Der Papst war von 2001-13 als Generalprior Leiter des weltweiten Augustinerordens und bezeichnet sich selbst als „geistigen Sohn des heiligen Augustinus“. Ebenso wichtig ist jedoch, daß er seinen Besuch als „wunderbare Gelegenheit“ sah, weiter Brücken zu bauen und den Dialog mit dem muslimischen Glauben zu fördern.

Von dort flog er weiter nach Kamerun, einem Land mit rund 30 Millionen Einwohnern, von denen 40% unter 14 Jahre alt sind. Der Katholizismus ist die größte Religion, Protestanten, Muslime und andere Religionen machen aber mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Hier sind Französisch und Englisch die vorherrschenden Sprachen, aber die nördlichen und südwestlichen Landesteile wurden durch einen anglophonen Sezessionskonflikt verwüstet. Mehr als 35% aller Kameruner leben unterhalb der offiziellen Armutsgrenze.

Der Papst brachte eine Botschaft der Hoffnung mit, auch wenn er bei seinen zahlreichen Begegnungen anerkannte, mit welchem Leid und Schwierigkeiten die Menschen konfrontiert sind. „Es ist mir eine große Freude, hier in Kamerun zu sein, das wegen des Reichtums seiner Landschaften, Kulturen, Sprachen und Traditionen oft als ,Afrika im Kleinen‘ bezeichnet wird“, sagte er vor Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und diplomatischem Corps. „Diese Vielfalt ist keine Schwäche, sondern ein Schatz. Sie ist ein Versprechen der Brüderlichkeit und ein solides Fundament für den Aufbau eines dauerhaften Friedens.“

In Angola, mit seinen überwiegend portugiesischsprachigen 38 Millionen Einwohnern, leben trotz eines großen Reichtums an Öl und Diamanten mehr als 30% in extremer Armut. Fast 40% sind Katholiken, was den Katholizismus zur vorherrschenden Religion des Landes macht. Fast die Hälfte (47%) der Bevölkerung ist unter 15 Jahre alt, was Angola zu einem der jüngsten Länder der Welt macht. Hier besuchte der Papst während seines dreitägigen Aufenthalts drei Städte sowie den Wallfahrtsort Mama Muxima bei Luanda.

Seine letzte Station war Äquatorialguinea, eine Nation mit knapp zwei Millionen Einwohnern und das einzige überwiegend spanischsprachige Land auf dem Kontinent, in dem mehr als 70% als Katholiken gelten. Hier sind etwa 37% unter 14 Jahre alt, und mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt trotz des Ölreichtums des Landes unterhalb der Armutsgrenze.

Gerechtigkeit und der Frieden der Religionen

Gerechtigkeit entspringt der Erkenntnis „des Ebenbildes Gottes in den anderen“. Diese Aussage des Papstes in seiner Ansprache an Vertreter von Regierung, Zivilgesellschaft und diplomatischem Korps in Algerien war ein Thema, das sich durch seinen gesamten Afrika-Besuch zog. „Wir sind Brüder und Schwestern, weil wir denselben Vater im Himmel haben“, sagte er bei dem Treffen. „In einer Welt voller Konflikte und Mißverständnisse wollen wir einander begegnen und versuchen, einander zu verstehen, in der Erkenntnis, daß wir alle eine einzige Familie sind!“ Er betonte, „dieses einfache Bewußtsein“, daß wir alle eine Familie sind, mit demselben Vater im Himmel, sei „der Schlüssel, um viele verschlossene Türen zu öffnen“.

© Askelaadden/cc
Die Große Moschee von Algier.

Papst Leo erhielt vom Rektor der Moschee, Mohamed Mamoun Al Qasimi, eine persönliche Führung durch die Große Moschee von Algier (Djamaâ El-Djazaïr). Er widmete einige Momente dem stillen Gebet und schrieb eine Friedensbotschaft in arabischer und franzö­sischer Sprache in das Goldene Buch der Moschee. Als Antwort auf Qasimis Begrüßung wiederholte Papst Leo:

Er traf sich auch mit der algerischen katholischen Gemeinde in der Basilika Unserer Lieben Frau von Algier, einer wunderschönen Kirche, in der eine prächtige Statue einer schwarzen Madonna steht und in der seit mehr als einem Jahrhundert sowohl Christen als auch Mus­lime zum Gebet zusammenkommen. In der Apsis sind in Mosaik die Worte geschrieben: „Unsere Liebe Frau von Afrika, bitte für uns und für die Muslime.“

Leo beschrieb die Basilika als Zeichen des Wunsches nach Frieden und Einheit. „Sie ist ein Symbol für eine Kirche aus lebendigen Steinen, in der unter dem Mantel Unserer Lieben Frau von Afrika Gemeinschaft zwischen Christen und Muslimen entsteht.“

Zur Bedeutung seines Besuchs in der Großen Moschee erklärte der Papst kurz vor der Abreise aus Algerien gegenüber Reportern: „Wir haben unterschiedliche Glaubensüberzeugungen; wir haben unterschiedliche Formen der Gottesverehrung; wir haben unterschiedliche Lebensweisen. Wir können friedlich zusammenleben.“

Er beschränkte diese Botschaft nicht auf die Muslime. In Kamerun drückte er nach einem Treffen mit zwölf Vertretern verschie­dener muslimischer Gemeinschaften seine Dankbarkeit für den herzlichen Empfang aus, den er von allen in Kamerun erfahren hatte, „von Christen, Katholiken und Nichtkatholiken, Muslimen und Angehörigen traditioneller Religionen“, berichtete Vatican News. Er ermutigte alle Kameruner, „weiter vom allseitigen Wunsch nach Frieden zu sprechen“. Er meine damit „keinen Frieden der Gleichgültigkeit, keinen Frieden, der den Reichtum der Unterschiede leugnet, sondern einen Frieden, der entsteht, wenn wir uns alle als Brüder und Schwestern anerkennen, als Geschöpfe des Einen, und alle dazu aufgerufen, die Würde aller Menschen zu respektieren“.

Wenig überraschend haben Anhänger der britischen imperialen Doktrin vom „Kampf der Kulturen“, die alle Muslime als Feind darstellen, in den sozialen Medien ihre Wut gegen den Papst herausgelassen, weil er es gewagt hat zu erklären, daß die ganze Menschheit eine Familie unter Gott ist. Diese Wut spiegelt wider, wie sehr sie die Kraft dieser Botschaft fürchten.

Nationen gegen Neokolonialismus

Die erste Station der „brückenbauenden“ Reise des Papstes war ein Besuch des Märtyrerdenkmals „Maqam Echahid“ in Algier, das die Menschen ehrt, die im Kampf Algeriens für die Unabhängigkeit von Frankreich ihr Leben ließen.

„Der Besuch dieses Denkmals ist eine Würdigung dieser Geschichte und der Seele eines Volkes, das für seine Unabhängigkeit und die Würde und Souveränität dieser Nation gekämpft hat“, sagte er dort. „An diesem Ort denken wir daran, daß Gott für jede Nation Frieden wünscht: einen Frieden, der nicht nur in Konfliktfreiheit besteht, sondern Ausdruck von Gerechtigkeit und Würde ist.“

Bei seinem anschließenden Treffen mit verschiedenen Würdenträgern erklärte der Papst, mit seiner „besonderen Identität als Brücke zwischen Nord und Süd, zwischen Ost und West“ und seiner Geschichte der Überwindung von Schwierigkeiten habe Algerien einen „eigenen kritischen Blick auf globale Gleichgewichte“, der es ihm ermöglichen könne, „die Vorstellung von einer größeren Gerechtigkeit unter den Völkern zu entwickeln und zu verwirklichen... Durch die Achtung der Würde eines jeden und indem Sie sich vom Leid anderer berühren lassen, können Sie tatsächlich zu Akteuren eines neuen Verlaufs der Geschichte werden, der heute angesichts fortwährender Verstöße gegen das Völkerrecht und neokolonialer Versuchungen dringender ist denn je... Und doch stürzen viele Gesellschaften, die sich für fortschrittlich halten, immer tiefer in Ungleichheit und Ausgrenzung. Die Menschen und Organisationen, die über andere herrschen – das weiß Afrika nur zu gut –, zerstören die Welt, die der Allerhöchste erschaffen hat, damit wir alle zusammenleben.“

Leo stellte fest: „Das Mittelmeer auf der einen Seite und die Sahara auf der anderen Seite stellen nämlich geographische und geistige Knotenpunkte von enormer Tragweite dar“, in deren Geschichte wir „unermeßliche Schätze an Menschlichkeit entdecken, denn das Meer und die Wüste sind seit Jahrtausenden Orte gegenseitiger Bereicherung zwischen den Völkern und Kulturen. Wehe, wenn wir aus ihnen Friedhöfe machen, wo auch die Hoffnung stirbt!“

Dies war auch in seinen Begegnungen mit Vertretern von Regierung, Zivilgesellschaft und des diplomatischen Corps in allen anderen Länder ein Thema. In Kamerun warnte er, zu den internen Problemen des Landes „kommen dann noch von außen verursachte Übel hinzu, vonseiten derer, die den afrikanischen Kontinent um des Profits willen weiterhin ausbeuten und plündern.“

In Angola sprach er ausführlicher darüber, „daß man allzu oft auf Ihre Regionen geschaut hat und schaut, um etwas zu geben oder – häufiger noch – um etwas zu nehmen... Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen bringt diese ausbeuterische Logik mit sich! Wir sehen mittlerweile überall, wie sie ein Entwicklungsmodell nährt, das diskriminiert und ausgrenzt, aber dennoch vorgibt, sich als einzig mögliche Lösung durchzusetzen.“

Er erinnerte daran, daß der heilige Paul VI. vor 60 Jahren diesen „senilen, ja anachronistischen Zug“ anprangerte, „das Gesicht einer merkantilen, hedonistischen und materialistischen Gesellschaft, die immer noch versucht, sich als Träger der Zukunft auszugeben“. Die katholische Kirche in Angola „möchte Sauerteig im Teig sein und das Wachstum eines gerechten Modells des Zusammenlebens fördern, das frei ist von den Arten der Knechtschaft, die von Eliten mit viel Geld und falschen Freuden aufgezwungen werden.“

Ähnlich zitierte er in Äquatorialguinea die katholische Soziallehre, insbesondere die Enzyklika Rerum Novarum von Papst Leo XIII. aus dem Jahr 1891, und erinnerte sein Publikum: „Die Kluft zwischen einer ,kleinen Minderheit‘ – 1% der Bevölkerung – und der übergroßen Mehrheit hat sich dramatisch vergrößert“, deshalb sei es „unumgängliche Aufgabe der staatlichen Verantwor­tungs­träger und einer guten Politik, die Hindernisse für eine ganzheitliche menschliche Entwicklung zu beseitigen“.

Der Papst verurteilte die Spekulation mit Rohstoffen und erklärte: „Tatsächlich ist es heute noch offensichtlicher als vor einigen Jahren, daß die Ausbreitung bewaffneter Konflikte eine ihrer Hauptursachen in der Kolonisierung von Öl- und Mineralvorkommen hat, ohne Rücksicht auf das Völkerrecht und das Selbstbestimmungsrecht der Völker.“

Gerechtigkeit und die Ökonomie des Gemeinwohls

„In einer von Machtmißbrauch verwundeten Welt hungern und dürsten die Völker nach Gerechtigkeit“, erklärte Leo bei derselben Begegnung. „Es gilt, diejenigen wertzuschätzen, die an den Frieden glauben, und es zu wagen, unkonventionelle politische Maßnahmen zu ergreifen, bei denen das Gemeinwohl im Mittelpunkt steht.“

Der Papst bezog sich in seinen zahlreichen Begegnungen auf keine konkreten wirtschaftlichen oder politischen Lösungen, betonte jedoch immer wieder, das Ziel der Wirtschaftspolitik, des Regierens oder der Mitwirkung an einer Nation müsse darin bestehen, dem Gemeinwohl zu dienen. „Die wahre Stärke eines Landes besteht in der Zusammenarbeit aller zur Verwirklichung des Gemeinwohls. Die Verantwortlichen sind nicht dazu bestimmt, zu beherrschen, sondern dem Volk und seiner Entwicklung zu dienen“, argumentierte er bei seinen Treffen mit Staatsvertretern in Algerien. „Afrika und die Welt brauchen Menschen, die sich bemühen, nach dem Evangelium zu leben und ihre Kompetenzen in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. Verratet dieses hohe Ideal nicht“, mahnte er die Professoren und Studenten an der Katholischen Universität Zentralafrikas in Kamerun.

„Mein Besuch ist Ausdruck der Zuneigung des Nachfolgers Petri für alle Kameruner sowie des Wunsches, einen jeden zu ermutigen, mit Begeisterung und Ausdauer am Aufbau des Gemeinwohls weiterzuarbeiten“, erklärte er bei einem Treffen mit Vertretern des Staates, der Zivilgesellschaft und des diplomatischen Corps in Kamerun. „So gesehen bedeutet, seinem Land zu dienen, sich mit klarem Verstand und reinem Gewissen dem Gemeinwohl des ganzen Volkes zu widmen“, sagte er und fügte hinzu: „Regieren bedeutet, das eigene Land und auch die Nachbarländer zu lieben; auch in den internationalen Beziehungen gilt das Gebot: Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“

Krieg, Ungerechtigkeit, Armut können überwunden werden!

Bei seinen Begegnungen in Äquatorialguinea begrüßte der Papst die Entscheidung, die im Bau befindliche neue Hauptstadt „Ciudad de la Paz“ (Stadt des Friedens) zu nennen. Er erklärte:

© alioueche mokhtar/cc
Der heilige Augustinus war Bischof von Hippo Regius, das sich im heutigen Annaba in Algerien befand. Hier zu sehen ist die Basilika des heiligen Augustinus in Annaba.

Eine der eindringlichsten Botschaften von Papst Leo während seiner gesamten Reise war, daß diese schönen Konzepte der Menschheitsfamilie zur Grundlage menschlichen Handelns werden müssen – die Übel dieser Welt können überwunden werden. In seiner Ansprache an die Menschen, die sich mit ihm am angolanischen Heiligtum der Mama Muxima, der Jungfrau Maria, versammelt hatten, sagte Papst Leo insbesondere an die anwesenden jungen Menschen gerichtet:


Anmerkung

1. Die offiziellen deutschen Übersetzungen der Reden, Ansprachen und Predigten, die Papst Leo XIV. im Rahmen seiner Afrikareise gehalten hat, finden Sie auf der Internetseite des Heiligen Stuhls.

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