Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken
Folgen Sie uns auf
acebook
Neue Solidarität
Nr. 23-24, 4. Juni 2026

Papst Leo XIV. veröffentlicht Enzyklika zur Künstlichen Intelligenz

E.I.R. Nachrichten, 25.5. 2026 – Papst Leo XIV. veröffentlichte am 25. Mai seine erste Enzyklika, Magnifica Humanitas („Großartige Menschheit“), eine 42.300 Wörter umfassende Schrift, die sich „an alle Menschen guten Willens“ richtet und sich mit dem Schutz der menschlichen Person im Zeitalter der künstlichen Intelligenz befaßt. Der Papst unterzeichnete das Dokument am 15. Mai, dem 135. Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika Rerum Novarum von Papst Leo XIII., mit der die moderne katholische Soziallehre begründet wurde. Die Parallele ist beabsichtigt: So wie Leo XIII. sich mit den Umwälzungen der industriellen Revolution auseinandersetzte, will Leo XIV., sich mit denen der KI-Revolution auseinanderzusetzen.

Das zentrale wirtschaftliche Argument der Enzyklika lautet: „Das Streben nach höheren Gewinnen kann keine Entscheidungen rechtfertigen, die systematisch Arbeitsplätze opfern, weil der Mensch Ziel und nicht Mittel ist, und die Wirtschaftsordnung seiner Würde und dem Gemeinwohl untergeordnet bleiben muß“, und „Eine Gesellschaft, die nur einem kleinen Teil der Bevölkerung Arbeit garantieren würde, würde viele Menschen dazu zwingen, untätig zu bleiben, ohne Verantwortung, ohne Aufgaben und ohne tägliche Herausforderungen, was zu einer menschlichen und kulturellen Verarmung führen würde, die im Kontrast zum hohen technischen Entwicklungsstand stünde... Wir stünden vor einem Paradoxon aus materiellem Fortschritt und anthropologischem Rückschritt, wobei die Voraussetzungen für einen gerechten und stabilen sozialen Frieden verloren gingen.“

Zum Thema Waffen schreibt Leo, daß „die zunehmende Leichtigkeit, mit der operationell autonome Waffensysteme eingesetzt werden können, Krieg ,durchführbarer‘ macht und ihn weniger der menschlichen Kontrolle unterwirft“, was „strengste ethische Auflagen“ erfordere. Menschen, nicht Maschinen, müßten die Verantwortung für die Anwendung von Gewalt behalten.

Andere Abschnitte befassen sich mit dem Schutz von Kindern vor KI-generierten Inhalten, der Regulierung der privaten Unternehmen, die die KI-Entwicklung vorantreiben, sowie einer persönlichen Entschuldigung des Papstes für das historische Versäumnis des Vatikans, die Sklaverei zu verurteilen. Den vollständigen Text der Enzyklika in deutscher Übersetzung finden Sie auf der Internetseite des Heiligen Stuhls.1

In einer bemerkenswerten Geste stellte Leo die Enzyklika zusammen mit Christopher Olah, dem Mitbegründer des KI-Entwicklers Anthropic, vor und lobte Olah dafür, daß er mit dem Vatikan zusammenarbeite, „um einen Weg für die Menschheit in dieser Zeit der künstlichen Intelligenz zu finden“. Olah erklärte seinerseits, daß KI-Unternehmen unter „einer Reihe von Anreizen und Zwängen operieren, die manchmal im Widerspruch dazu stehen können, das Richtige zu tun“, und daß „wir moralische Stimmen brauchen, die sich von diesen Anreizen nicht beugen lassen“.

Anthropic hat mehr als die meisten US-amerikanischen KI-Firmen gezeigt, daß es die ethische Dimension der Technologie ernst nimmt. Wie wir im Februar berichteten, weigerte sich das Unternehmen, unter dem Druck des Pentagon und von Verteidigungsminister Pete Hegseth die Beschränkungen für die Nutzung seiner Modelle durch Militär und Geheimdienste aufzuheben, während OpenAI sich beeilte, die Bedingungen zu akzeptieren. Das Unternehmen hat zudem eine öffentliche „Verfassung“ erlassen, in der die Grundsätze für die Arbeit an seinem KI-Tool Claude dargelegt sind.

Der Tag, an dem Leo Magnifica Humanitas unterzeichnete, war auch der Tag des EIR-Krisenforums, bei dem der Vorschlag für den „Erweiterten Oasenplan“ mit Helga Zepp-LaRouche, Prof. Ahmet Davutoglu und anderen erarbeitet wurde. Der Zufall paßt gut: Im Februar 1991 verfaßte Lyndon LaRouche aus dem Gefängnis heraus das Vorwort zu seinem Werk Christentum und Wirtschaft, anläßlich des hundertjährigen Jubiläums von Rerum Novarum. Er wies auf den Grundsatz in der Enzyklika hin, der sich auf Thomas von Aquin stützt: „Das menschliche Gesetz ist nur insofern Gesetz, als es mit der rechten Vernunft übereinstimmt“, und daß ein Gesetz, das von der rechten Vernunft abweicht, „überhaupt kein Gesetz ist, sondern vielmehr eine Form der Gewalt“. Eine Gesellschaft, die sich den Erfordernissen des realwirtschaftlichen Fortschritts widersetzt, schrieb LaRouche, „verliert nicht nur die moralische Eignung zum Überleben, sondern wird nach Gottes Zeitplan in ihrer gegenwärtigen Form nicht lange überleben“.

Die Enzyklika von Leo XIV. ist in diesem Sinne eine Verteidigung der moralischen Eignung der Zivilisation angesichts einer Technologie, deren unkontrollierter Einsatz große Bedenken hervorruft.


Anmerkung

1. https://www.vatican.va/content/leo-xiv/de/encyclicals/documents/20260515-magnifica-humanitas.html

Ein großes Dankeschön an unsere Leser

Liebe Leserinnen und Leser, dank Ihrer freundlichen Resonanz auf unseren Aufruf zur finanziellen Unterstützung ist es uns gelungen, das Jahr finanziell zu über­stehen, auch wenn wir leider im vergange­nen Sommer dazu gezwungen waren, die Erscheinungsweise der Neuen Solidarität von bisher acht Seiten wöchentlich auf zwölf Seiten alle zwei Wochen umzu­stellen.

Ihre Hilfe zeigt uns, daß Sie unsere ein­zig­artige Fähigkeit schätzen, strategisch zu denken und sozusagen „im Voraus“ die entscheidenden Dynamiken des Welt­geschehens zu erkennen. Freuen wir uns über die Fortschritte, die unsere Ideen gemacht haben, und freuen wir uns auf weitere Fortschritte in den kommenden Monaten!

Nutzen Sie unsere Zeitung als ein Instrument, dies zu erreichen! Helfen Sie uns, neue Leser zu finden, und empfehlen Sie unsere Zeitung weiter. Für die aktuellen Meldungen empfehlen wir als Ergänzung unsere täglich erscheinen­den E.I.R. Nachrichten, die den Abonnenten per E-Mail zugestellt werden. Neukunden können sie 10 Tage lang kostenlos und unverbindlich testen, siehe https://www.eir.de/abo/dadabo/.

Man kann Abonnements auch verschenken. Manche unserer Leser haben Mehrfach-Abon­nements, damit Sie die Zeitung an Interes­sierte weitergeben können. Und natürlich können Sie uns auch weiterhin mit Förder­abonnements und Förderbeiträgen helfen.

Kontaktieren Sie uns direkt, um eine Rechnung anzufordern (Telefon: ++49 +61173650),
oder senden Sie Ihren Beitrag per Banküberweisung an:

E.I.R. GmbH, Verwendungszweck: Unterstützung für die Neue Solidarität
Postbank Frankfurt IBAN: DE93 5001 0060 0330 0216 07
Paypal: buchhaltung@eir.de