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Von Abolfazl Pasandideh
Abolfazl Pasandideh ist Botschafter der Islamischen Republik Iran in Mexiko. Im EIR-Krisenforum am 15. Mai 2026 sagte er folgendes. (Übersetzung aus dem Englischen.)
Meine Damen und Herren, verehrte Wissenschaftler, Denker und geehrte Gäste. Lassen Sie mich mit einer unbestreitbaren Tatsache beginnen: In der heutigen vernetzten Welt bleibt kein großer Krieg auf geographische Grenzen beschränkt. Krieg zerstört nicht nur Städte und Infrastruktur; er schadet auch der Weltwirtschaft, der Ernährungssicherheit, der Umwelt, dem kulturellen Erbe und sogar der psychischen Stabilität der internationalen Gemeinschaft.
Heute sprechen wir nicht mehr von einem „möglichen Krieg“. Wir sprechen von einem Krieg, der am 28. Februar 2026 begann und fast 40 Tage lang die Region und die Welt in schwere Spannungen versetzte. Es war ein Krieg, der bewies, daß die Kosten militärischer Konflikte im 21. Jahrhundert weit über das Schlachtfeld hinausreichen.
Der militärische Angriff der Vereinigten Staaten und Israels auf den Iran war nicht nur eine regionale Krise; er versetzte auch der Weltwirtschaft einen schweren Schock. Der Konflikt wirkte sich rasch auf die Energiemärkte, den Transportsektor, den internationalen Handel und die Finanzmärkte aus. Die Auswirkungen waren überall zu spüren – von den globalen Börsen bis hin zum Alltag der Menschen auf der ganzen Welt.
Aufgrund seiner geopolitischen Lage und der strategischen Bedeutung der Straße von Hormus spielt der Iran eine Schlüsselrolle für die globale Energiesicherheit. Ein großer Teil der weltweiten Öl- und Gasexporte wird durch dieses Gebiet transportiert. Als der Krieg begann und die Unsicherheit in der Region zunahm, geriet der globale Energiemarkt in eine schwere Krise, und die Ölpreise stiegen innerhalb kürzester Zeit stark an.
Das Problem war jedoch nicht nur der Anstieg der Öl- und Benzinpreise. Höhere Energiepreise verteuerten auch den weltweiten Transport – von der Schiffahrt und dem Handel bis hin zur Luftfahrt und den Lieferketten. Infolgedessen stiegen in vielen Ländern die Preise für Lebensmittel, Medikamente, Grundgüter und Dienstleistungen. Entwicklungsländer und gefährdete Bevölkerungsgruppen litten am meisten, während das Risiko von Ernährungsunsicherheit und Engpässen bei lebenswichtigen Gütern in verschiedenen Teilen der Welt zunahm.
Dieser Krieg hat gezeigt, wie fragil die Weltwirtschaft tatsächlich ist und wie sehr die internationale Stabilität vom Frieden im Nahen Osten abhängt. Auch die Schäden an der Realwirtschaft waren schwerwiegend. Wichtige Infrastruktur, Industriezentren, Energieanlagen, Verkehrsnetze und zivile Einrichtungen wurden beschädigt. Globale Lieferketten wurden unterbrochen, und die Finanzmärkte sahen sich mit Unsicherheit, Kapitalflucht und sinkendem Anlegervertrauen konfrontiert.
Wirtschaftlichen Schätzungen zufolge beliefen sich die direkten und indirekten Kosten dieses Krieges für die Vereinigten Staaten auf mehrere zehn Milliarden Dollar. Der Druck auf den Militärhaushalt, höhere Energiekosten, Marktinstabilität und steigende Inflation bildeten eine schwere Belastung für die amerikanische Wirtschaft. Dieser Krieg zeigte einmal mehr, daß selbst Großmächte nicht vor den wirtschaftlichen Folgen großangelegter Konflikte geschützt sind.
Auch Israel erlitt schwere Verluste. Militärausgaben, wirtschaftliche Störungen, geringere Investitionen, ein Rückgang des Tourismus und wachsender Sicherheitsdruck hatten erhebliche Auswirkungen auf seine Wirtschaft und Gesellschaft.
Auch der Iran mußte schwere menschliche und wirtschaftliche Verluste hinnehmen. Infrastruktur, wirtschaftliche Einrichtungen und das tägliche Leben von Millionen Menschen waren betroffen.
Doch dieser Krieg offenbarte eine wichtige Wahrheit: Keine komplexe regionale Krise läßt sich durch Krieg und Zerstörung wirklich lösen.
Meine Damen und Herren, neben den wirtschaftlichen Schäden erlebte die Welt auch Verluste, die möglicherweise nie vollständig behoben werden können. Die regionale Umwelt litt stark. Die Verschmutzung im Persischen Golf, Brände, giftige Stoffe und Schäden an Ökosystemen sind keine Probleme, die auf die Gegenwart beschränkt sind; sie werden auch künftige Generationen betreffen.
Darüber hinaus ist der Iran eines der ältesten Zentren der menschlichen Zivilisation. Seine historischen und kulturellen Stätten sind Teil des gemeinsamen Erbes der Menschheit. Bedrohungen für das iranische Kulturerbe – von Persepolis und Pasargadae bis zum Naqsh-e-Jahan-Platz und anderen UNESCO-Stätten – waren nicht nur Bedrohungen für ein Land, sondern für das historische und kulturelle Gedächtnis der Menschheit.
Die vielleicht wichtigste Lehre aus diesem Krieg ist, daß die Fortsetzung des Weges der Konfrontation und des Militarismus die Welt in eine gefährliche Phase globaler Rezession und wirtschaftlicher Depression treiben kann – eine Krise, die äußerst schwer unter Kontrolle zu bringen wäre. Sollten Kriege, Sanktionen und Instabilität zum vorherrschenden Trend in den internationalen Beziehungen werden, wird die Weltwirtschaft mit langfristiger Inflation, sinkenden Investitionen, Handelsstörungen, steigender Staatsverschuldung sowie wachsender Armut und Ungleichheit konfrontiert sein.
Eine solche Situation würde nicht nur die wirtschaftliche Sicherheit, sondern auch die soziale und politische Stabilität weltweit bedrohen.
Erlauben Sie mir, einen wichtigen Punkt hervorzuheben. Stellen Sie sich vor, wo die Welt heute stehen könnte, wenn man statt Krieg und Konfrontation den Weg des Dialogs und des Friedens gewählt hätte. Wenn Präsident Trump, anstatt eine militärische Eskalation zu betreiben, dauerhafte Verhandlungen und diplomatische Lösungen gefördert hätte, dann hätte man Milliarden von Dollar, die für Waffen und Zerstörung ausgegeben wurden, in wirtschaftliche Entwicklung, Armutsbekämpfung, Bildung, Gesundheitsversorgung, wissenschaftliche Innovation und den Klimaschutz investieren können. In diesem Fall hätten die globalen Märkte größere Stabilität erfahren, die Energiepreise wären unter Kontrolle geblieben, der internationale Handel hätte weniger Schaden genommen, und die Weltwirtschaft wäre nicht mit einem solchen Maß an Unsicherheit und Angst konfrontiert.
Frieden ist nicht nur ein moralischer Wert; Frieden ist eine strategische und wirtschaftliche Notwendigkeit für das Überleben der Menschheit. Heute steht die internationale Gemeinschaft vor einer historischen Entscheidung: entweder den Kreislauf von Kriegen und Krisen fortzusetzen oder den Weg des Dialogs, der multilateralen Zusammenarbeit, des gegenseitigen Respekts und der kollektiven Sicherheit einzuschlagen.
Wir sind überzeugt, daß die Zukunft der Menschheit nicht durch Raketen und Kriege entschieden wird, sondern durch Weisheit, Zusammenarbeit und Dialog zwischen den Nationen.
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