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Elke Fimmen berichtet von einer Konferenz des Belgrader Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft (IIPE) über „neue globale Dynamiken“.
Das Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (IIPE) in Serbien organisierte am 20. und 21. Mai in Belgrad eine wissenschaftliche Konferenz mit dem Titel „Die Quadratur des Kreises: Neue globale Dynamiken“. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Fakultät für Sicherheitsstudien der Universität Belgrad, der Universität La Sapienza in Rom (Italien) und der Austin Peay State University in Clarksville, Tennessee (USA) statt. Das IIPE mit Sitz in Belgrad wurde 1947 von der jugoslawischen Regierung als Forschungszentrum für internationale Angelegenheiten gegründet und ist die älteste Einrichtung dieser Art in Südosteuropa. An der Konferenz nahmen Experten und Forscher aus zehn Ländern teil, darunter Dr. Feodor Voitolovsky, Direktor des russischen IMEMO-Instituts. Elke Fimmen stellte die Sicht des Schiller-Instituts vor.1
Für Serbien ist die „Quadratur des Kreises“ angesichts seiner geostrategischen Lage keineswegs nur eine Metapher, wie Dr. Nevena Stanković vom IIPE in Belgrad in ihrer Grundsatzrede zur Eröffnung der Konferenz erläuterte. Serbiens Multi-Vektor-Ansatz, der auf dem „Vier-Säulen“-Rahmen der Zusammenarbeit mit der EU, den Vereinigten Staaten, Rußland und China basiert, sowie die Politik der militärischen Neutralität habe bislang als pragmatische Absicherungsstrategie funktioniert. Der Spielraum werde jedoch durch den Krieg in der Ukraine, Energieabhängigkeiten, die Stagnation der europäischen Integration, das schwindende Vertrauen unter den westlichen Partnern sowie durch die Kosovo-Frage eingeschränkt. Serbien müsse jetzt eine kohärente außenpolitische Doktrin entwickeln, die durch einen höheren Grad an innenpolitischem Konsens gestützt wird.
In der Tat ist das transatlantisch-eurasische Spannungsgefüge für Serbien kompliziert: Der wirtschaftliche Niedergang der EU und das als politisches Diktat empfundene Vorgehen Brüssels läßt die Zustimmung zu einem seit 2009 angestrebten EU-Beitritt immer weiter sinken; aktuell liegt sie bei 35%.
Die Trump-Regierung hat für 2027 einen „Strategischen Dialog“ mit Serbien und Nordmazedonien angekündigt. Versprochen werden Investitionen und Sicherheitskooperation, vor allem soll jedoch die russische und chinesische Präsenz in der Region eingedämmt werden. Daran läßt das jüngste Dokument des US-Außenministeriums, „Bericht an den Kongreß über die Politik der Vereinigten Staaten zur Förderung regionaler Stabilität und Wohlstand im Westbalkan“, keinen Zweifel.2
Die serbisch-chinesischen Beziehungen haben sich in den letzten zehn Jahren stetig entwickelt, was zu echtem wirtschaftlichen Fortschritt beigetragen hat. Nach dem Staatsbesuch von Präsident Aleksandar Vučić in China (24.-28. Mai) wurden chinesische Investitionen von 1,1 Milliarden Dollar in Serbiens Energie-, KI-, Automobil- und Infrastruktursektoren angekündigt. China hat angeboten, einen modularen Kernreaktor in Serbien zu bauen.
In den drei parallelen Vortrags- und Diskussionsrunden der Konferenz ging es um die Veränderungen der globalen System- und Machtdynamik, die Turbulenzen im transatlantischen Raum, die Lage im Nahen Osten, den NATO-Beitritt Finnlands und Schwedens, die Ausweitung der US-amerikanischen Verteidigungskooperationsabkommen sowie deren Auswirkungen auf das Baltikum und die Arktis im Kontext des Ukrainekrieges.
Der erste Teil der Sitzung zum Thema „Neustrukturierung der globalen Wirtschafts- und institutionellen Ordnung“ wurde von Dr. Katarina Zakić, Direktorin des Zentrums für Chinastudien am IIPE, moderiert. Dr. Nourhan El Sheikh, ägyptische Senatorin und Professorin an der Universität Kairo, sprach von einem globalen „wirtschaftlichen Tsunami“, ausgelöst durch die Wirtschafts- und Handelspolitik der USA. Sie bezeichnete die BRICS-Staaten als robuste Alternative zum traditionellen IWF-Weltbank-SWIFT-System. Die Verwendung nationaler Währungen im Handel – wie sie beispielsweise im fast gesamten Handel zwischen Russland und China praktiziert wird – verringere die Abhängigkeit von traditionellen westlichen Systemen. Prof. Dr. Predrag Bjelić von der Universität Belgrad erläuterte im einzelnen, wie plötzliche Zollerhöhungen und andere Maßnahmen jegliche Planungssicherheit zerstören. Prof. Dr. Radovan Kastratović von der Universität Belgrad zeigte anhand von empirischen Vergleichen, daß China Direktinvestitionen pragmatisch und nicht wie die USA eher ideologisch tätigt.
Elke Fimmen vom Schiller-Institut plädierte anhand von Darstellungen der Weltlandbrücke und der regionalen Elemente eines erweiterten Oasenplans für eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur für „Frieden durch Entwicklung“. Sie verwies auf Nikolaus von Kues’ Konzept des „Zusammenfalls der Gegensätze“ und auf Wladimir Wernadskijs (1863–1945) „Noosphäre“. Inmitten des verheerenden Zweiten Weltkrieges stellte Wernadskij die Kreativität der Menschheit, deren Übereinstimmung mit den Naturgesetzen und den Bestrebungen für eine demokratische Zukunft in den Mittelpunkt seiner Forschung. Einundachtzig Jahre später stehen wir erneut vor der Herausforderung, entlang dieser Prinzipien zu handeln, so Fimmen.
Die konstruktive Entwicklungsdynamik des heutigen Globalen Südens für eine internationale Architektur souveräner Nationen bietet einen Ausweg aus dem geopolitischen Strudel eines zusammenbrechenden Systems – nicht nur für Serbien, sondern für alle westlichen Nationen. Serbien kann dafür als besonderen Aktivposten seine historisch guten Beziehungen zu den Nationen Asiens und Afrikas nutzen. Der jugoslawische Präsident Josip Broz Tito (1953–1980), der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (1954–1970) und der indische Premierminister Jawaharlal Nehru (1947–1964) spielten gemeinsam eine entscheidende Rolle bei der Entstehung der Blockfreien Bewegung. Der erste offizielle Gipfel fand 1961 in Belgrad statt. Dazu veröffentlichte das IIPE 2021 eine umfassende Darstellung The 60th Anniversary of the Non-Aligned Movement.3
Elke Fimmen
Anmerkungen
1. Eine Zusammenfassung der Reden finden Sie hier.
2. „Report to Congress on United States Policy to Promote Regional Stability and Prosperity
in the Western Balkans”,
Bericht des US-Außenministeriums an den US-Kongress.
3. „The 60th Anniversary of the Non-Aligned Movement”, Institute of International Politics and Economics, Belgrad, 2021.
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