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Neue Solidarität
Nr. 27-28, 2. Juli 2026

G7-Gipfel: Präsident Lula wagt sich in die Höhle des Löwen

E.I.R. Strategic Alert, 25.6. 2026 – Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erteilte am 17. Juni im französischen Évian den G7-Führern eine dringend nötige Lektion in Sachen Wirtschaftspolitik. Sie sollten, statt über chinesische „Konkurrenz“ zu klagen, gemeinsam mit China den Globalen Süden entwickeln, lautete sein Fazit – das wäre gut für sie, für uns und für die Welt.

Die hochentwickelten Länder seien „auf Chinas Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit fixiert“, während der Rest der Welt „auf jeden wartet, der bereit ist, als Handels- und Investitionspartner voranzugehen“. Hunderte Millionen Menschen in Lateinamerika, Afrika und Indien streben nach einem „durchschnittlichen Konsumstandard…, ein gigantischer Markt, der da draußen auf Sie wartet“. Investitionen in ihre Entwicklung „werden der Wirtschaft der Vereinigten Staaten, Europas und so vieler anderer Länder zugutekommen. Man muß die Welt im Blick haben.“

Lula weiter: „Es hat keinen Sinn, hier am Tisch zu sitzen und sich über China zu beschweren. Deutschland betrachtet China ausschließlich aus seiner eigenen Perspektive. Die Vereinigten Staaten und Frankreich tun dasselbe. Wir müssen uns von dieser individuellen Perspektive lösen und globale Ungleichgewichte als Ganzes betrachten. Wann werden wir 900 Millionen Afrikaner zu Konsumenten machen? Dann, wenn sie die notwendigen Investitionen und das Interesse seitens der Industrie der Industrieländer erhalten.“

Nun fülle China die Lücke, „die durch Ihre Abwesenheit entstanden ist“. Wenn Brasilien z.B. internationale Ausschreibungen für den Straßenbau mache, nähmen französische, deutsche oder US-Unternehmen nicht teil. „Wer taucht auf? Die Chinesen.“

Lula betonte: „Wir müssen unser Verhalten ändern, über unsere Grenzen hinausschauen und verstehen, daß nur Entwicklung das Ergebnis bringen wird, das wir uns wünschen.“ Die weltweiten Militärausgaben, die im vergangenen Jahr auf 3 Bio. Dollar stiegen, könnten das nicht. Bundeskanzler Merz habe ihn überrascht, „als er sagte, sein Land habe 15 Milliarden Euro für den Krieg in der Ukraine ausgegeben. Dieses Geld könnte in die Entwicklung der Partner Deutschlands investiert werden... Laßt uns die Chancen des 21. Jahrhunderts nutzen und die Dinge anders angehen als im 20. Jahrhundert. Es ist etwas extrem Positives, daß China und Indien wachsen. Das sind 2,8 Milliarden Menschen, die konsumieren. Rechnet man Brasilien und Indonesien hinzu, wären das über 3 Milliarden Menschen. Ich möchte, daß alle konsumieren. Doch es sind die Industrieländer, die den Ball ins Rollen bringen müssen…“

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