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Neue Solidarität
Nr. 29-30, 16. Juli 2026

Die Zukunft Afghanistans – und vieler anderer Entwicklungsländer –
läßt sich nur gemeinsam gestalten

Von Daud Azimi

Daud Azimi ist Mitglied der Ibn-Sina-Forschungs- und Entwicklungsorganisation (ISRAND). In der Berliner Konferenz des Schiller-Instituts hielt er am 31. Mai den folgenden Vortrag.

Meine Damen und Herren, ich freue mich, heute hier zu sein. Zunächst möchte ich dem Schiller-Institut und insbesondere Frau Helga Zepp-LaRouche meinen aufrichtigen Dank dafür aussprechen, daß sie uns die Gelegenheit geben, heute hier zu sprechen und unsere Arbeit vorzustellen.

Wir schätzen diese wichtige Konferenz und ihren Fokus auf die dringende Notwendigkeit einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur sehr. Wir sind überzeugt, daß diese Diskussion zum richtigen Zeitpunkt stattfindet und von großer Bedeutung für die Zukunft vieler Entwicklungs- und Krisenländer ist, darunter auch Afghanistan.

Mein Name ist Daud Azimi, und ich spreche heute im Namen der Ibn-Sina-Forschungs- und Entwicklungsorganisation (ISRAND), einer unabhängigen, unpolitischen und gemeinnützigen afghanischen Organisation, die sich dem Wissen, der Entwicklung und der Zukunftsplanung widmet.

Es ist uns eine große Ehre, heute hier zu sein. Ich möchte diese Gelegenheit auch nutzen, um dem Schiller-Institut für sein besonderes Engagement für Afghanistan zu danken. Nach den politischen Veränderungen im Jahr 2021 hatten viele Afghanen das Gefühl, daß ihr Land von der internationalen Gemeinschaft zunehmend vergessen wurde. Mit der Initiative „Operation Ibn Sina“ setzte das Schiller-Institut ein wichtiges Zeichen in Bezug auf den Wiederaufbau, die Infrastrukturentwicklung und die Schaffung langfristiger Perspektiven für Afghanistan. Gemeinsam mit Partnern in Kabul konnten wir diese Ideen auf einer Konferenz vorstellen und diskutieren. Die Resonanz war sehr positiv. Rund 600 Männer und 200 Frauen nahmen an der Konferenz teil. Dafür möchten wir dem Schiller-Institut unseren aufrichtigen Dank aussprechen.

Meine Damen und Herren, die Welt steht heute gleichzeitig vor zahlreichen Herausforderungen: Kriege, Instabilität, wirtschaftliche Unsicherheit, Energieprobleme, Klimarisiken, Migration und wachsende Armut. In vielen Entwicklungsländern leiden die Menschen nicht nur unter mangelnder Sicherheit, sondern auch unter Perspektivlosigkeit, schwachen Institutionen und eingeschränktem Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Deshalb sind wir überzeugt, daß Sicherheit und Entwicklung nicht voneinander getrennt werden können. Dauerhafte Stabilität entsteht nicht allein durch politische oder militärische Maßnahmen. Sie erfordert wirtschaftliche Chancen, funktionierende Institutionen, Infrastruktur, Bildung und die Möglichkeit für die Menschen, ihre eigene Zukunft mitzugestalten.

Afghanistan veranschaulicht diese Realität besonders deutlich. Seit Jahrzehnten leidet unser Land unter Krieg, Armut, zerstörter Infrastruktur und dem Verlust vieler qualifizierter Fachkräfte. Trotz dieser Schwierigkeiten verfügt Afghanistan weiterhin über ein enormes Potential: eine junge Bevölkerung, bedeutende natürliche Ressourcen, eine strategisch günstige geographische Lage und viele Menschen, die lernen, arbeiten und zum Aufbau ihres Landes beitragen wollen.

Was Afghanistan heute braucht, ist mehr als humanitäre Hilfe. Es braucht langfristige Entwicklung, starke Institutionen, strategische Planung und verläßliche Partnerschaften.

ISRAND wurde aus dieser Überzeugung heraus gegründet. Viele von uns haben erkannt, daß Afghanistan mehr Raum für langfristiges Denken, Wissensaustausch und Zukunftsplanung benötigt. Gerade in von Konflikten betroffenen Ländern gibt es oft kaum Kapazitäten, sich mit langfristigen Strategien und nachhaltigen Entwicklungsprozessen auseinanderzusetzen. Doch genau diese Faktoren sind entscheidend, wenn ein Land dauerhafte Stabilität und Wohlstand erreichen soll.

Wir glauben, daß der Wiederaufbau Afghanistans mehr umfaßt als nur Straßen, Brücken oder Gebäude. Er umfaßt auch die Entwicklung von Wissen, Fachkompetenz, Vertrauen und effektiven Institutionen. Deshalb bringen wir afghanische Fachkräfte aus verschiedenen Regionen, ethnischen Gruppen und Berufsfeldern zusammen. Wir sind überzeugt, daß die Vielfalt Afghanistans eine Stärke sein kann und daß die Zukunft des Landes nur durch Zusammenarbeit gestaltet werden kann.

Unsere Organisation ist neutral und unpolitisch. Unser Fokus liegt auf Entwicklung, Zusammenarbeit und dem Dienst am Menschen. Unabhängig von politischen Veränderungen sollten Projekte, die Bildung, Gesundheit, Infrastruktur und wirtschaftliche Entwicklung fördern, fortgesetzt werden.

Wir arbeiten derzeit an mehreren Initiativen, darunter ein Energie-Masterplan für Afghanistan. Energie ist eine der wichtigsten Grundlagen für wirtschaftliche Entwicklung, Industrie, Landwirtschaft, Bildung, Gesundheitswesen und soziale Stabilität. Darüber hinaus befassen wir uns mit Themen wie Gesundheit, Landwirtschaft, Wasserwirtschaft, berufliche Bildung, digitale Wissenssysteme und langfristige Entwicklungsstrategien. Zudem bereiten wir eine Wirtschafts- und Investitionskonferenz für Afghanistan vor. Sie soll als Plattform für Dialog, Investitionen, Zusammenarbeit und Wiederaufbau dienen und verschiedene Interessengruppen zusammenbringen. Wir sind überzeugt, daß der Wiederaufbau Afghanistans die Zusammenarbeit vieler Partner erfordert: staatlicher Institutionen, internationaler Organisationen, Forschungseinrichtungen, Investoren, Unternehmen und lokaler Gemeinschaften.

Liebe Freunde, Afghanistan kann diesen Weg nicht alleine gehen. Es braucht Zusammenarbeit, Wissensaustausch, technische Unterstützung und langfristige Partnerschaften. Vor allem braucht es Menschen und Institutionen, die weiterhin daran glauben, daß positiver Wandel möglich ist.

Afghanistan wird oft ausschließlich durch die Brille von Krieg und Krisen wahrgenommen. Doch hinter diesen Schlagzeilen stehen Millionen von Menschen, die sich nach Frieden, Würde, Bildung, Arbeit und einer besseren Zukunft für ihre Familien sehnen. Es gibt zahlreiche afghanische Fachkräfte sowohl innerhalb als auch außerhalb des Landes, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und zum Wiederaufbau beizutragen, wenn die notwendigen Möglichkeiten geschaffen werden.

Nachhaltiger Frieden kann nicht allein von außen herbeigeführt werden. Er entsteht durch Bildung, Vertrauen, wirtschaftliche Entwicklung, funktionierende Institutionen und die aktive Beteiligung der Menschen selbst.

Meine Damen und Herren, wir sind noch eine junge Organisation. Wir erheben nicht den Anspruch, alle Antworten zu kennen. Doch wir verfolgen unsere Mission mit Aufrichtigkeit, Professionalität und dem festen Willen, einen konstruktiven Beitrag zur Zukunft Afghanistans zu leisten.

Heute stellen wir nicht nur unsere Arbeit vor. Wir wollen Brücken bauen – zwischen Afghanistan und der internationalen Gemeinschaft, zwischen Wissen und praktischer Umsetzung sowie zwischen Herausforderungen und gemeinsamen Lösungen.

Wir hoffen, daß der heutige Tag den Beginn neuer Kooperationen, eines intensiveren Dialogs und langfristiger Partnerschaften markieren kann. Denn die Zukunft Afghanistans – und vieler anderer Entwicklungsländer – kann nur gemeinsam gestaltet werden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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