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Neue Solidarität
Nr. 29-30, 16. Juli 2026

Eine neue, friedliche Weltordnung erfordert Dialog und Zusammenarbeit

Von Botschafter Majid Nili

Majid Nili ist Botschafter der Islamischen Republik Iran in Berlin. Im Rahmen des dritten Abschnitts der Berliner Konferenz des Schiller-Instituts hielt er am 31. Mai den folgenden Vortrag. (Übersetzung aus dem Englischen, die Zwischenüberschriften wurden hinzugefügt.)

Guten Tag. Meine Damen und Herren, es ist mir eine große Ehre und Freude, an dieser wichtigen Konferenz hier in Berlin teilzunehmen. Ich möchte den Veranstaltern des Schiller-Instituts herzlich dafür danken, daß sie Wissenschaftler, Diplomaten und Denkfabriken aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengebracht haben, um eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit zu erörtern: die Zukunft der internationalen Ordnung und den Dialog zwischen den Zivilisationen.

Der Kern meiner Ausführungen dauert anderthalb Minuten. Der Rest dient der näheren Erläuterung. Zu Beginn meiner Ausführungen möchte ich fünf kurze Fragen und Antworten ansprechen.

Lassen Sie mich das näher erläutern.

Heute steht die Menschheit an einem historischen Scheideweg. Wir erleben tiefgreifende geopolitische, wirtschaftliche und kulturelle Veränderungen, die die Grundlagen der internationalen Beziehungen in den letzten Jahrzehnten neu geprägt haben. In einer solchen Zeit der Unsicherheit sind Dialog, gegenseitiger Respekt und internationale Zusammenarbeit notwendiger denn je.

Eine Welt im Wandel

Lassen Sie mich mit dem Thema einer Welt im Wandel beginnen: vom unipolaren zum multipolaren System. Das heutige internationale System ist grundlegend anders als das, das nach dem Kalten Krieg entstanden ist.

Über mehrere Jahrzehnte hinweg waren die globalen Angelegenheiten weitgehend von einer unipolaren Struktur geprägt, in der sich die Entscheidungsgewalt in politischen, wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Fragen auf eine begrenzte Anzahl von Akteuren oder Ländern konzentrierte. Doch die jüngsten Entwicklungen deuten eindeutig darauf hin, daß diese Phase allmählich einer komplexeren multipolaren Realität weicht. Aufstrebende Volkswirtschaften, regionale Mächte und Länder des Globalen Südens streben zunehmend nach einer größeren Rolle bei der Gestaltung internationaler Entscheidungen, die ihre Entwicklung und Sicherheit betreffen. Dieser Wandel ist nicht nur Ausdruck von Veränderungen in der Machtverteilung, sondern auch einer breiteren Forderung nach einer gerechteren und repräsentativeren globalen Governance.

Obwohl der Kolonialismus vor mehreren Jahrzehnten offiziell endete, ist das internationale System leider noch bis heute von vielen strukturellen Ungleichheiten geprägt. Länder sind immer noch konfrontiert mit wirtschaftlicher Abhängigkeit, ungleichen globalen Strukturen, begrenztem Einfluß auf internationale Entscheidungsprozesse und zudem mit Kriegstreiberei.

An dieser Stelle lautet die zentrale Frage, vor der wir stehen, nicht nur, wie Krisen bewältigt werden können, sondern, wie eine ausgewogenere, inklusivere und nachhaltigere internationale Ordnung geschaffen werden kann. Zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden besteht eine enorme Kluft hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung und der politischen Stabilität.

Liebe Freunde, die Weltordnung hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandel durchlaufen. In diesem Zusammenhang möchte ich fünf zentrale Entwicklungen hervorheben, die meiner Meinung nach die Hauptelemente der kommenden Ordnung darstellen.

Die Rolle des Iran in der heutigen polarisierten Welt

Welche Rolle hat dabei der Iran? Der Iran verkörpert eine der ältesten Zivilisationen der Welt, und er diente historisch gesehen als Brücke zwischen Kulturen, Religionen, Regionen und intellektuellen Traditionen. Die iranische Sicht auf die internationalen Beziehungen betont seit langem Dialog, friedliches Zusammenleben, gegenseitigen Respekt und kulturelles Verständnis.

In dieser Hinsicht ist das Konzept des Dialogs zwischen den Zivilisationen in der heutigen polarisierten Welt nach wie vor von großer Relevanz, und der Iran ist der festen Überzeugung, daß dauerhafter Frieden nicht durch Konfrontation oder Ausgrenzung erreicht werden kann, sondern nur durch Respekt, Würde, Diplomatie und konstruktives Engagement zwischen Nationen und Zivilisationen. Der Iran setzt sich stets für Frieden ein und steht für Frieden und Gerechtigkeit, während er sich gleichzeitig sehr gut gegen jede Art von Aggression verteidigt.

Bei der Erörterung der sich wandelnden internationalen Ordnung ist es zudem notwendig, die anhaltenden Herausforderungen im Zusammenhang mit der Anwendung des Völkerrechts und dem Grundsatz der staatlichen Souveränität anzusprechen. Der Iran ist seit vielen Jahren anhaltendem Druck von außen ausgesetzt, darunter – wie Sie bereits sagten – Wirtschaftssanktionen, politische Zwangsmaßnahmen und Sicherheitsbedrohungen, die er als unvereinbar mit den Grundsätzen der Charta der Vereinten Nationen und den Normen des Völkerrechts ansieht.

Darüber hinaus ist der Iran unmittelbar von gezielten Sicherheitsvorfällen und militärischen Spannungen betroffen, die zu Instabilität und erhöhter Unsicherheit in Teilen Westasiens beigetragen haben. Aus iranischer Sicht verdeutlichen solche Entwicklungen die Risiken, die mit selektiven Herangehensweisen an das Völkerrecht und mit Gewalt oder Druck außerhalb des Rahmens multilateraler Legitimität verbunden sind.

Die weiterreichenden Auswirkungen dieser Politik sind nicht auf den Iran beschränkt, sie führen auch zu einer Schwächung des Vertrauens in internationale Normen und Institutionen. Gleichzeitig hat der Iran stets betont, daß nachhaltige Sicherheit nicht durch Eskalation oder Eindämmungsstrategien erreicht werden kann, sondern nur durch Dialog, Achtung der Souveränität und die Einhaltung des Völkerrechts ohne Doppelmoral.

Folgen des US-Angriffs auf die Shajareh-Tayyebeh-Grundschule

Als Beispiel: Wie Sie wissen, wurde vor nicht allzu langer Zeit eine iranische Grundschule von zwei amerikanischen Raketen getroffen. Mehr als 168 Kinder – zehnjährige Kinder, Mädchen und Jungen – wurden ins Visier genommen. Von einigen Ländern kam keinerlei Verurteilung. Das ist Doppelmoral. Das Leben unschuldiger Menschen, von Kindern – welchen Sinn hat das im Rahmen militärischer Aktionen? Sind das Soldaten? Nein, zehnjährige Jungen und Mädchen sind keine Soldaten. Sie möchten eine Zukunft haben. Warum wurden sie ins Visier genommen? Und warum herrscht anstatt einer Verurteilung Schweigen?

Die Stärkung der multilateralen Diplomatie und die Wiederherstellung des Vertrauens in internationale Rechtsrahmen bleiben daher für die regionale und globale Stabilität von entscheidender Bedeutung.

Der letzte Punkt zu diesem Thema: Der Iran hat die Macht der USA herausgefordert. Der jüngste Krieg ist ein gutes Beispiel dafür.

Abschließend möchte ich betonen, daß die Zukunft der Menschheit nicht von Herrschaft oder Konfrontation abhängt, sondern von Zusammenarbeit, Dialog, gegenseitigem Verständnis, Widerstandsfähigkeit und gemeinsamer Verantwortung. Wir sitzen alle im selben Boot, ganz gleich, wo wir leben – in Amerika, Afrika, Europa oder Westasien. In der vernetzten Welt von heute müssen Mißtrauen und Spaltung Diplomatie und konstruktivem Engagement weichen. Gerechtigkeit, Gleichheit und gegenseitiger Respekt müssen die Grundprinzipien der internationalen Beziehungen bleiben. Nur durch einen inklusiven Dialog und internationale Zusammenarbeit können wir eine friedliche, stabile und nachhaltige Weltordnung für künftige Generationen schaffen.

Vielen Dank.

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