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Neue Solidarität
Nr. 31-32, 30. Juli 2026

„Man führt keinen Krieg gegen die größte Atommacht!“

General a.D. Harald Kujat warnt in einem Interview nachdrücklich vor der provokanten Aufrüstung gegenüber Rußland.

General a.D. Harald Kujat – pensionierter Vier-Sterne-General der Luftwaffe, ehemaliger Generalinspekteur der Bundeswehr und 2002-2005 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses – warnte am 18. Juli in einem Interview mit Roger Köppel von der schweizerischen Weltwoche nachdrücklich vor dem Rüstungswettlauf gegen Rußland. Kujat sagte:

Man kann Kujat nur zustimmen, daß unsere Politiker offenbar in ihrem eigenen Universum leben und nicht begreifen können, wie gefährlich ihre Provokationen gegen Rußland und ihre Unterstützung für Kiew sind.

Wie berechtigt Kujats Kritik an der Denkweise der „Koalition der Willigen“ ist, zeigt ein aktueller geopolitischer Artikel aus London, dem historischen Zentrum des Empire. Darin wird ebenfalls auf die Gefahr eines Atomkriegs hingewiesen, aber eher nicht, um diese Katastrophe zu verhindern. Vielmehr wird ein Nuklearkrieg als etwas Wahrscheinliches oder sogar Unvermeidliches dargestellt, als der „nächste globale Schock, der mit Pearl Harbor und dem 11. September vergleichbar ist“. Offenbar sollen wir uns an den Gedanken gewöhnen, daß ein solcher Krieg kommt, und uns damit abfinden.

Der Artikel wurde am 10. Juli vom Royal United Services Institute (RUSI), der militärischen Denkfabrik der britischen Monarchie, veröffentlicht und trägt die Überschrift „Der nächste globale Schock könnte unendlich schlimmer sein“. Der Autor, Tim Willasey-Wilsey, redet darin ganz unbekümmert über das Szenario, daß einer der „weniger verantwortungsbewußten Staats- und Regierungschefs“ Atomwaffen einsetzen könnte, und rät dem Leser, man sei gut beraten, tatsächlich damit zu rechnen.

Diese Sichtweise mag extrem erscheinen, aber sie ist bezeichnend für das Denken der Kriegsfraktion im kollektiven Westen (so zersplittert diese auch sein mag), weil sie ebenso inkompetent wie unmoralisch ist. Willasey-Wilsey wird diese Denkweise gut kennen, hatte doch Malcolm Chalmers, der stellvertretende Generaldirektor seines Instituts, im Mai 2022 in einem anderen RUSI-Papier systematisch erörtert, wie man Rußland an den Rand einer nuklearen Konfrontation treiben könnte – eine „Super-Kubakrise“ um die Krim –, um es zum Nachgeben zu zwingen. Das ist das Denken hinter der Politik der europäischen „Koalition der Willigen“ zur Aufrüstung und zur Vorbereitung eines Kriegs gegen Rußland.

In einem Beitrag in Zeitgeschehen in Focus zitiert Kujat Clausewitz: „So gibt jeder dem anderen das Gesetz; es entsteht eine Wechselwirkung, die dem Begriff nach zum Äußersten führen muß.“ Kujat fügt hinzu: „Damit es nicht zum Äußersten kommt, ist jetzt mehr denn je die Bereitschaft der Europäer gefordert, Fehleinschätzungen zu korrigieren und Realitätssinn, Verantwortungsbewußtsein und Vernunft walten zu lassen.“

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