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Während viel über Engpässe auf den weltweiten Schiffahrtswegen gesprochen wird, leidet Deutschland unter einem solchen direkt vor der eigenen Haustür. Wenn die schon vor Jahren vom Schiller-Institut und der Bürgerrechtsbewegung Solidarität geforderte Infrastrukturpolitik umgesetzt worden wäre, wäre die Krise heute sehr viel leichter handhabbar.
Karte Westerwald-Taunus-Tunnel
Der Engpaß liegt am Mittelrhein zwischen Bingen und Koblenz. Die derzeitige Trockenperiode droht den Schiffsverkehr auf dem Rhein lahmzulegen. Der Wasserstand auf diesem hundert Kilometer langen Rheinabschnitt ist gefährlich gesunken, was die Schiffe zwingt, ihre Ladungen um bis zu 80 Prozent zu reduzieren. Die Wasserstände drohen so weit zu sinken, daß der Schiffsverkehr komplett eingestellt werden könnte. Inzwischen versucht man, den potentiell enormen wirtschaftlichen Schaden zu verringern, indem man Fracht auf die Schiene verlagert, aber wegen des maroden Zustands des Bahnnetzes ist das nur sehr begrenzt möglich – nicht zuletzt deshalb, weil auch die Bahnstrecke am rechten Rheinufer derzeit wegen dringender Sanierungsarbeiten bis Dezember vollständig gesperrt ist.
Diese gesamte Krise hätte man vermeiden können, wenn die Bundesregierung den Bau des Westerwald-Taunus-Bahntunnels umgesetzt hätte, der diesen Rheinabschnitt vollständig umgehen soll. Dieser Tunnel, der für Hochgeschwindigkeits-Güterzüge geeignet wäre, soll über 118 Kilometer von Sankt Augustin bei Bonn am östlichen Rheinufer bis nach Hochheim bei Wiesbaden an der Mündung des Mains in den Rhein führen. Das ist etwa 50 km kürzer als die bestehende 170 km lange Strecke durch das Rheintal. Die geplante Bauzeit betrug zwölf Jahre. Der Vorschlag wurde geprüft, aber unter Verweis auf die Kosten abgelehnt. Nun drohen durch die aktuelle Krise Verluste in einer Größenordnung, die höher ist die geschätzten Baukosten des Tunnels von etwa 10 Milliarden Euro.
Der Rhein ist Teil des Rhein-Alpen-Korridors der Europäischen Union, der in Rotterdam beginnt, das Rheintal hinauf bis in die Schweiz führt und in Genua endet. Er durchquert einige der wichtigsten Industriestandorte Europas. Die Rheinschiffahrt ist von entscheidender Bedeutung für den Transport von Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle, Sand sowie Chemie- und Erdölprodukten zu diesen Industriestandorten, insbesondere zur chemischen und pharmazeutischen Industrie, die flußaufwärts vom derzeitigen Engpaß liegen.
Dean Andromidas
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