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Von Christine Bierre,
Chefredakteurin der französischen Monatszeitschrift Nouvelle Solidarité.
Die viertägige Reise von Papst Leo XIV. nach Frankreich vom 25.-28. September hat das Land schnell auf den Kopf gestellt. Trotz seines bekannten Säkularismus hat Frankreich nie seinen Anspruch aufgegeben, „die älteste Tochter der Kirche“ zu sein – basierend auf der Bekehrung König Chlodwigs zum Christentum im Jahr 496 n. Chr. So hatte Papst Johannes Paul II. bei seinem ersten Besuch in Frankreich 1980 die entscheidende Frage gestellt: „Frankreich, älteste Tochter der Kirche und Erzieherin der Völker, bist du den Versprechen deiner Taufe treu?“
Der Papst wurde am 25. September von Präsident Emmanuel Macron im Élysée-Palast empfangen und stattete anschließend der UNESCO einen ausgedehnten Besuch ab. Später fuhr er in seinem Papamobil durch einen Pariser Stadtteil, wo sich schätzungsweise 300.000 Katholiken versammelt hatten. Nach einer Vesperandacht in Notre-Dame beendete er seinen ersten Tag mit einem abendlichen Treffen mit 80.000 Jugendlichen im Stade de France. Weil ihr kein besseres Wort einfiel, schrieb die führende Tageszeitung Le Monde überrascht, die Jugendlichen hätten ihm einen Empfang wie einem „Rockstar“ bereitet. Am Abend des 26. September nahmen dann sage und schreibe 800.000 Menschen an der Freiluftmesse des Papstes auf der Pariser Place de la Concorde teil!
Tatsächlich fällt der Papstbesuch mit einem Anstieg der Eintritte in die katholische Kirche in Frankreich und weltweit zusammen, verbunden mit mehr Teilnahme an Messen und Taufen. In Medieninterviews erklären diese neuen, jungen Katholiken, ein Hauptgrund für ihren Beitritt zur Kirche seien die enormen Spannungen auf der heutigen Welt sowie ein Mangel an Sinn oder Bedeutung im Leben, wogen etwas zu tun, sie ein Bedürfnis verspüren.
Leider gibt es in Frankreich auch einige führende Oligarchenfamilien, darunter die reichsten Milliardäre wie Bernard Arnault und Vincent Bolloré, die ihre eigene Version des Christentums verbreiten, die rassistischen, einwanderungsfeindlichen politischen Strömungen nahesteht. Ihnen nahestehende katholische Meinungsführer versuchen, die Unruhe der Jugend für ihre Zwecke zu nutzen.
Rund 500 Würdenträger waren von Präsident Macron eingeladen worden, am Vormittag des 25. September die Ansprache des Papstes im Élysée-Palast zu hören; darunter das diplomatische Korps und hochrangige Staatsvertreter, Parteivorsitzende, Handwerker, die am Wiederaufbau von Notre-Dame mitgewirkt hatten, und andere. Der Papst warnte im Beisein dieser namhaften Persönlichkeiten vor den Gefahren der Künstlichen Intelligenz (KI), prangerte aber auch bioethische Themen an, wie Leihmutterschaft, Organhandel und programmierten Tod (Euthanasie). Letzteres war ein direkter Angriff auf Macron, der in diesem Jahr großen Druck auf das Parlament ausgeübt hat, ein solches Gesetz zu beschließen, das den Betroffenen kaum Schutz bietet.
Vor allem aber nutzte Papst Leo die Reise, um Frankreich und Europa eindringlich vor dem Krieg zu warnen. Er erinnerte daran, daß Papst Johannes XXIII. „eine parallele und gleichzeitige Reduzierung der bestehenden Rüstungsbestände in verschiedenen Ländern und ein Verbot von Atomwaffen gefordert hatte“.
In Metz verurteilte Leo „den Rüstungswahn, der viele Länder erfaßt hat“ und griff einen Ausdruck auf, den Papst Benedikt XV. zur Beschreibung des Ersten Weltkriegs verwendet hatte: „ein neues sinnloses Gemetzel“ spiele sich derzeit in Europa ab. Die Verantwortlichen müßten „Mut in Verhandlungen zeigen und bereit sein, einige Positionen zugunsten des höheren Ziels des Friedens aufzugeben“.
Viele Mitglieder und Unterstützer der französischen Sektion des Schiller-Instituts, der von Helga Zepp-LaRouche gegründeten internationalen Vereinigung, die sich für Frieden durch Entwicklung einsetzt, waren bei den öffentlichen Kundgebungen in Paris und in Metz in Lothringen anwesend und sehr aktiv. Sie knüpften Kontakte zu vielen Teilnehmern und sprachen mit ihnen darüber, daß wir die akute Gefahr eines neuen Weltkriegs abwenden müssen. Sie verteilten ein Flugblatt mit der folgenden Willkommensbotschaft für den Papst:
„Wir möchten unsere tiefe Rührung und Dankbarkeit darüber zum Ausdruck bringen, daß Sie sich entschlossen haben, unser Land zu besuchen. Die Lektüre von Magnifica Humanitas, die in der Tradition der Enzykliken Ihrer Vorgänger steht, beflügelt unseren Geist und stärkt unsere Hoffnung in einer Welt, die unter Kriegsgefahr und Bedrohungen für das Gemeinwohl leidet. Wir waren erfreut und tief bewegt, daß Sie anläßlich des Jubeljahres die Bedeutung des Gedankenguts von Kardinal Nikolaus von Kues im Rahmen der augustinischen Tradition der fortwährenden Schöpfung erwähnt haben.
Wir hoffen, daß unser Volk und unsere Vertreter die historische und unmittelbare Bedeutung dieser Botschaft verstehen. Tatsächlich inspiriert uns der ,Zusammenfall der Gegensätze‘, den Frieden anzunehmen – einen Frieden, der durch gegenseitige Entwicklung und universelle Nächstenliebe erreicht wird. Dies entspricht für uns dem, was General de Gaulle als eine Politik von ,Entspannung, Verständnis und Zusammenarbeit‘ zwischen den Nationen bezeichnete, die Teilhabe und Entwicklung für alle gewährleistet und parteipolitische Barrieren überwindet.
Für uns ist dies alles andere als ein abstraktes Thema, sondern eine Angelegenheit von dringender Relevanz. Deshalb richten wir diesen Appell an Sie, Ihre einzigartige moralische Autorität und Ihr Mitgefühl einzusetzen, um die Staatsführer der Welt zusammenzubringen und so den Frieden zu retten. Wir mobilisieren uns, damit Frankreich im Lichte Ihrer Botschaft eine Rolle als Vermittler und Inspirationsquelle spielen kann.“
Auf diese kurze einleitende Erklärung folgt der sehr erfolgreiche internationale Aufruf, der von Peter Kuznick,1 Professor an der American University, in Zusammenarbeit mit zahlreichen Organisationen weltweit – darunter die Internationale Friedenskoalition und das Schiller-Institut – ins Leben gerufen wurde und in dem der Papst aufgefordert wird, ein Gipfeltreffen der Präsidenten Rußlands, Chinas und der Vereinigten Staaten zu organisieren, um den derzeitigen Marsch in einen neuen Weltkrieg – sogar einen Atomkrieg – zu stoppen.
Anmerkung
1. „Aufruf an Papst Leo XIV., einen Weltgipfel zu organisieren,
um die Fragen des Friedens und der nuklearen Abrüstung anzugehen“,
Internetseite des Schiller-Instituts.
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