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Neue Solidarität
Nr. 45-46, 5. November 2026

Ewiger Krieg oder ewiger Frieden?

Von Megan Dobrodt,
Präsidentin des amerikanischen Schiller-Instituts

Wird die Menschheit jemals endgültig vom Krieg befreit sein? Die zynische Annahme, daß Konflikte und Kriege immer Teil der menschlichen Zivilisation sein werden, ist genau das: eine unbewiesene Annahme. Sie beherrscht nur diejenigen, die sich keine Epoche vorstellen können, die auf einer anderen Vorstellung von Eigeninteresse beruht als dem „Recht des Stärkeren“ der kolonialen Geopolitik – einer Geopolitik, die derzeit auf spektakuläre Weise zusammenbricht.

Die Entwicklungen der vergangenen Tage liefern dafür reichlich Beweise. Sie zeigen, daß sich die Herausbildung eines neuartigen Paradigmas beschleunigt. Dieses beruht auf der Achtung der Souveränität, dem Recht aller Menschen auf Entwicklung und der Ablehnung des Krieges als Mittel zur Konfliktlösung.

Am 27. Oktober richtete Papst Leo XIV. eine Videobotschaft an die hochrangigen Religionsvertreter aus allen Kontinenten, die sich in Assisi zu einem dreitägigen Dialog über „Unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ versammelt hatten. Mit Blick auf das Scheitern der Globalisierung nach dem Kalten Krieg, die keinen Frieden gebracht habe, erklärte Leo: „Gerade in diesen Zeiten, die von einer ‚Kultur der Macht‘ geprägt sind, ist es notwendig, den Geist von Assisi weiter wachsen zu lassen… Dieser lehnt die religiöse Legitimierung des Krieges ab, er ist ein Geist der Vermittlung und des Dialogs, der kontemplativen Erfahrung und des kreativen Handelns für eine Zukunft in Frieden.“ Die Versammlung verabschiedete einen gemeinsamen Friedensappell, in dem es unter anderem heißt: „Wir dürfen nicht zulassen, daß sich die Welt in den internationalen Beziehungen endgültig der Logik von Krieg und Konflikt unterwirft.“

Derselbe Geist prägte das Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs des Forums Gas exportierender Länder (GECF) in Moskau. Auf dessen Plenarsitzung sprach der russische Präsident Putin. „Um die Herausforderungen zu bewältigen, vor denen die globale Gasindustrie steht“, betonte Putin, „sollten wir keine Barrieren errichten, sondern im Gegenteil die Zusammenarbeit stärken. Wir müssen uns auf unsere eigenen Fähigkeiten und souveränen Technologien stützen und eine offene, vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln, die auf gegenseitigem Nutzen und der Achtung der Interessen des jeweils anderen beruht.“

Auf das GECF-Treffen in Moskau folgt am Mittwoch der dritte Rußland-Afrika-Gipfel, an dem 48 afrikanische Staaten teilnehmen werden, davon 22 durch ihre Staatsoberhäupter. Laut einer Erklärung des Kremls geht es dabei um „die weitere Entwicklung der vielfältigen Beziehungen Rußlands zu den afrikanischen Staaten in den Bereichen Politik, Handel und Wirtschaft, Investitionen, Wissenschaft und Technologie sowie humanitäre und kulturelle Angelegenheiten“.

Auffallend abwesend bei dieser Dynamik sind die Regierungen des kollektiven Westens, die verzweifelt an ihrem Streben nach globaler Hegemonie – und nach Krieg – festhalten, koste es, was es wolle. Während sich die Länder der globalen Mehrheit trafen, um Fragen einer für beide Seiten vorteilhaften Entwicklung und der Abrüstung zu erörtern, veröffentlichte der britische Verteidigungsminister Wes Streeting am 24. Oktober einen Gastbeitrag mit der Überschrift „Großbritannien muß in 1.000 Tagen kriegsbereit sein“. Darin forderte er die Briten auf, Lebensmittel und andere Vorräte anzulegen, und erklärte: „Meine oberste Priorität als Verteidigungsminister besteht darin, sicherzustellen, daß dieses Land bereit ist, einen Krieg zu führen und zu gewinnen.“

Immer weniger Menschen im Westen lassen sich davon überzeugen. Die europäischen Regierungen sehen sich im eigenen Land mit einer sich auflösenden wirtschaftlichen und sozialen Ordnung konfrontiert. Hunderttausende gehen auf die Straße, um dagegen zu protestieren, daß die Bevölkerung wirtschaftliche Opfer bringen soll, um die Politik der Eliten zu finanzieren.

Und doch wächst trotz des desolaten Zustands des transatlantischen Systems die Gefahr eines neuen Angriffs der USA und Israels auf den Iran oder möglicherweise eines unter falscher Flagge inszenierten Zwischenfalls in Europa, für den Rußland verantwortlich gemacht werden soll. Was treibt diese Entwicklung an?

„Was wir sehen, ist eine riesige Finanzblase“, warnte Sergej Glasjew, einer der führenden russischen Ökonomen, in einem Interview am 26. Oktober:

Angesichts der beiden Möglichkeiten, vor denen wir stehen – die Fortsetzung eines globalen Imperialsystems einerseits und ein neues Paradigma andererseits, das die Menschheit für immer vom Krieg befreit –, welche ist realistischer?

„Seid vorsichtig, wie tief ihr eine Grube gräbt“, warnte Putin in seiner Ansprache am Dienstag und bezog sich dabei auf die selbstzerstörerische Politik des Westens. „Ihr könntet selbst hineinfallen.“

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