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Seit Jahrhunderten bildet die Theorie vom „gerechten Krieg“, deren Ursprünge bis zu Augustinus zurückreichen, für die Kirche den Rahmen, um zu beurteilen, wann Krieg als zulässig gilt. Papst Leo XIV., selbst Mitglied des Augustinerordens, hat diesen Rahmen nun in Frage gestellt. In seiner Enzyklika Magnifica Humanitas schreibt Papst Leo (Abschnitt 192):
„Wenn das historische Gedächtnis verblaßt und die ethischen Kriterien, die Zivilisten und die Verletzlichsten schützen, schwächer werden, wird es einfacher, Gewalt als notwendig, unvermeidlich oder gar als ,sauber' darzustellen. Dieses Klima ist es, in dem die Menschheit in eine gewalttätige Machtkultur abgleitet, in der Friede nicht mehr als eine Aufgabe erscheint, der man sich stellen muß, sondern als eine prekäre Unterbrechung zwischen Konflikten.“
Und er betont: „Heute ist es – unbeschadet des Rechts auf legitime Verteidigung, die im engsten Sinne zu verstehen ist – wichtiger denn je, die Überwindung der Theorie des ,gerechten Krieges‘ zu bekräftigen, die allzu oft herangezogen wird, um alle möglichen Kriege zu rechtfertigen. Um Konflikte zu bewältigen, verfügt die Menschheit über Mittel, die weitaus wirksamer sind und geeigneter, das menschliche Leben zu fördern, wie zum Beispiel den Dialog, die Diplomatie und die Vergebung. Der Rückgriff auf Stärke, Gewalt und Waffen zeugt von einer Beziehungsarmut, die stets verheerende Folgen für die Zivilbevölkerung hat.“
In einem Artikel, der am 6. Oktober im Osservatore Romano und in vielen Sprachen bei Vatican News erschien, zitiert Luigi Franco Pizzolato, Professor an der Katholischen Universität Mailand, aus den Briefen des Augustinus: „Es ist ruhmreicher, den Krieg mit dem Wort zu besiegen als Menschen mit dem Schwert, und den Frieden durch Frieden zu erlangen, nicht durch Krieg.“ Augustinus wird außerdem mit den Worten zitiert: „Ein Staat wird es niemals schaffen, dauerhaft über diejenigen zu herrschen, die er durch seine Siege im Krieg unterworfen hat.“
Wenn Leos Sichtweise sich durchsetzt, bedeutet das eine tiefgreifende Veränderung für die Kirche, mit politischen Konsequenzen, die weit über sie hinausreichen.
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