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Neue Solidarität
Nr. 19-20, 7. Mai 2026

Robert Maxwell: „Samson vor den Toren Gazas“

Von Dave Christie und Daniel Platt

Seit Beginn der Veröffentlichung der Akten über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein richtet sich die öffentliche Aufmerksamkeit vor allem auf die skandalösen Aspekte der darin enthaltenen Enthüllungen und darauf, was sie über die moralische Verkommenheit der herrschenden Oligarchie im anglophonen Raum aussagen – die mittlerweile weithin „Epstein-Klasse“ genannt wird. Aber Epstein war mehr als ein Zuhälter für die herrschenden Eliten. Um seine wahre Rolle zu verstehen, muß man sich den Vater seiner Geschäftspartnerin und ehemaligen Konkubine Ghislaine Maxwell genauer anschauen. Dieser Mann war Robert Maxwell.

© CC/Unbekannter Fotograf (ANEFO)
Robert Maxwell. Ihm wurde in Israel ein hochkarätiges Begräbnis zuteil, an dem Ministerpräsident Jitzhak Schamir, Staats­präsident Chaim Herzog und mindestens sechs amtierende und ehemalige israe­lische Geheimdienstchefs teilnahmen.

Robert Maxwell (geboren als Ján Ludvík Hyman Binyamin Hoch am 10. Juni 1923 in Slatinské Doly in der Tschechoslowakei) war ein wohlhabender Verleger, Mitglied des britischen Parlaments, verurteilter Betrüger und Geheimdienstmitarbeiter mit Verbindungen zu zahlreichen Regierungen. Seine Geschäfte waren oft undurch­sichtig, und er stand im Verdacht, ein Doppel- oder Dreifachagent zu sein. Nach seinem mysteriösen Tod auf See vor den Kanarischen Inseln im November 1991 wurde ihm in Israel ein hochkarätiges Begräbnis zuteil, an dem Ministerpräsident Jitzhak Schamir, Staatspräsident Chaim Herzog und mindestens sechs amtierende und ehemalige israelische Geheimdienstchefs teilnahmen.

Maxwell und Israels Atomwaffen

Israels berüchtigte „Samson-Option“ diente im vergangenen halben Jahrhundert als eine Form der Erpressung im Nahen Osten, um britische geopolitische Ziele durchzusetzen. Sie bezeichnet eine offiziell nicht zugegebene Doktrin Israels: eine massive Vergeltung mit Atomwaffen als letztes Mittel, falls der Staat Israel einer existentiellen Bedrohung wie einer Invasion oder militärischen Zerstörung ausgesetzt ist. Der Name leitet sich von der biblischen Figur Samson ab, der als letzte Handlung die Säulen eines Tempels der Philister zum Einsturz bringt und so sich selbst und Tausende von Feinden tötet.

Vielleicht als Hinweis auf seine mutmaßliche Rolle im israelischen Atomwaffenprogramm hat Robert Maxwell für sein Anwesen in Oxford eine Glasmalerei mit dem Titel „Samson vor den Toren Gazas“ in Auftrag gegeben. Es wird allgemein angenommen, daß das Werk ihn selbst als Samson darstellt.

Maxwell soll im Auftrag des israelischen Geheimdienstes unter dem Deckmantel des Wissenschaftsverlags Pergamon Press, den er gemeinsam mit dem britischen Spion Paul Rosbaud gegründet hatte, die US-Atomforschung infiltriert haben. Rosbaud selbst hatte zuvor das Atomprogramm der Nazis ausspioniert.

Vielleicht hing die Karriere von „Captain Bob“ – Maxwells Spitzname in Anspielung an seine frühere Laufbahn beim britischen Militär – eher mit dem britischen Geheimdienst als mit dem Mossad zusammen, wenn man das Interesse der Briten bedenkt, das israelische Atomwaffenprogramm als „ultimative Handgranate“ einzusetzen, um Israel und seine Nachbarn in die Luft zu sprengen und auf diese Weise die britischen geopolitischen Interessen zu sichern.

Gleichzeitig pflegte Maxwell einen banal-nihilistischen Bekanntenkreis von Prominenten, die ihre Sünden vom Schlafzimmer in Sitzungszimmer und Regierungszimmer trugen. Seine Tochter Ghislaine – von deren gleichnamiger Superyacht Lady Ghislaine Robert Maxwell angeblich in den Tod stürzte – reichte diese Fackel ihres Vaters an Jeffrey Epstein weiter.

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Rolle von Maxwell und Epstein bei der Organisation wissenschaftlicher Kreise für das britische Konzept ihrer Nachkriegsherrschaft durch „die Reiche des Geistes“.1 Die Briten übten ihre geopolitische Kontrolle im Kalten Krieg durch psychologische Kriegsführung aus, und dabei war die Angst vor der Atombombe eines der Schlüsselelemente für die geopolitische wie auch für die gesellschaftliche Kontrolle.

An dieser Stelle konzentrieren wir uns speziell auf das Interesse Maxwells und Epsteins an der Kybernetik, die seit ihren Anfängen mit der Entwicklung und dem Einsatz von Atomwaffen verflochten war. Die Kybernetik war eine der Schlüsseloperationen, die Lord Bertrand Russell als Element der „Imperien des Geistes“ ins Leben rief. Durch sein Engagement für nukleare Abrüstung posierte Russell als Friedensaktivist – und das, obwohl er selbst zu einem präventiven Atomschlag gegen die Sowjetunion aufgerufen hatte. Russell und seine Gefolgsleute träumten von einem Netz kybernetischer Kontrolle, um durch die Steuerung von Informationsflüssen die Bevölkerung zu „managen“ und so die geopolitische Agenda der City durchzusetzen.

© Campaigner Publications
Rockefellers Faschismus mit demokratischem Gesicht

Wenn Sie das folgende lesen, ist es jedoch wichtig zu betonen, daß die nukleare Erpressung nur ein Element der umfassenderen psychologischen Kriegsführung im Kalten Krieg war und ist. Am besten hat Lyndon LaRouche diese Frage der untrennbaren Verbindung zwischen Atomwaffen und psychologischer Kriegsführung erkannt, der 1974 erklärte:

Man bedenke hierzu, daß das US-Cyberkommando CYBERCOM ursprünglich unter dem Dach des Strategischen Kommandos STRATCOM eingerichtet wurde. Heute ist CYBERCOM ein integraler Bestandteil des Kommunikationsnetzes des Pentagons und gehört zum Nuklearkommando (Nuclear Command, Control and Communications, kurz NC3) von STRATCOM. Einer der selbsternannten „vier Reiter“ unter den Offizieren, die das Kommando aufbauten, eine Frau namens Jen Easterly, ist jedoch eher für ihre Rolle beim aggressiven Betreiben von Zensur und „Narrativmanagement“ bei der Cybersicherheitsagentur CISA (Cybersecurity and Infrastructure Security Agency) bekannt (siehe „Tony Blairs digitale Dystopie ist eine Gefahr für uns alle“, Neue Solidarität Nr. 46-47/2025). Easterlys Karriere im Pentagon lag im Bereich der psychologischen Kriegsführung mittels kybernetischer Mittel – man könnte sagen: „Psyber“-Kriegsführung.

Maxwell und der „Greifvogel“

gemeinfrei
Paul Rosbaud 1942

The Guardian beschreibt Paul Rosbaud, genannt The Griffin – der Greifvogel – als „einen der dienstältesten und am besten platzierten Spione Großbritanniens, der wissenschaftliche Dokumente über Hitlers Atomwaffenprogramm aus Nazideutsch­land schmuggelte, die in den Archiven des Geheimdienstes versteckt sein sollen“.3

Durch seine Anstellung bei Deutschlands führendem wissenschaftlichen Verlag, dem Springer Verlag, hatte Paul Rosbaud Zugang zu einigen der prominentesten deutschen Wissenschaftler in der Kernforschung, darunter Otto Hahn und Lise Meitner – letzterer half er bei ihrer Flucht vor den Nazis. Der Guardian geht dann auf Rosbauds Nachkriegskarriere und seine Verbindung zu Maxwell ein:

Dazu sei angemerkt, daß Maxwell laut Ghislaines jüngster Aussage nicht nur Pressesprecher des britischen Außenministeriums war, sondern „während des Krieges tatsächlich Teil des Geheimdienstes wurde“. Ghislaine weiter: „Seine Aufgabe war es, deutsche Wissenschaftler und Kriegsgefangene auszuhorchen.“

Es ist unklar, ob Maxwells Tätigkeit für das britische Außenministerium in Deutschland mit dem Atomwaffenprogramm der Nazis in Zusammenhang stand und ob er während des Krieges mit Rosbaud in dem Bereich arbeitete. Aber obwohl seine Beziehung zu Rosbaud bei Pergamon Press nach dem Krieg angeblich nur von kurzer Dauer war, begann Maxwell mit seiner Arbeit in wissenschaftlichen Fachzeitschriften seinen mutmaßlichen Vorstoß in die Geheimdienstarbeit zum US-Atomprogramm – höchstwahrscheinlich unter dem Dach des britischen Geheimdienstes.

Pergamon wurde 1951 gegründet und umfaßte 1959 bereits 40 Zeitschriften, 1965 dann 150 und zum Zeitpunkt von Maxwells Tod 1991 über 400. Unter dem Banner von Pergamon begann Maxwell laut seiner vom FBI zusammengestellten Akte,4 Kontakte zu US-Atomwissenschaftlern auf höchster Ebene zu knüpfen. Offenbar wurde das FBI auf seine Aktivitäten in Amerika aufmerksam, als er 1953 begann, amerikanische Kernforscher zu kontaktieren und sie auf die Gründung eines anglo-amerikanischen Journal of Nuclear Energy ansprach. Einer der Wissenschaftler, mit denen er Kontakt aufnahm, war der Kybernetik-Pionier John von Neumann, einer der Konstrukteure des Zündsystems für die berüchtigte Plutonium-Atombombe Fat Man.

Diese Geheimdienstarbeit Maxwells in der US-Kernforschung dürfte später zu Israels Atomprogramm und dessen „Samson-Option“ beigetragen haben, die Seymour Hersh in seinem gleichnamigem Buch behandelt.5 Gleichzeitig wäre dies der Beginn seiner Verbindung zu den Schlüsselfiguren von Bertrand Russells Kybernetik-Projekt sowie der Ausgangspunkt seiner mutmaßlichen Spionagetätigkeit in den Nationalen US-Laboratorien von Sandia und Los Alamos – der Heimat von „Fat Man“.

PROMIS und Nuklearspionage in Santa Fe

Nach jahrelanger Infiltration der Umgebung der Los Alamos und Sandia National Laboratories trieb Robert Maxwell seine mutmaßliche Spionageoperation durch seine Förderung des Santa Fe Institute (SFI) voran, dem seine Stiftung Maxwell Foundation 1990 großzügig 300.000 Dollar spendete. Weiter unten werden wir andere Arbeiten am SFI betrachten, die kybernetische Konzepte für die psychologische Kriegsführung weiterentwickelten, welche dann nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion Teil des Instrumentariums für „Farbrevolutionen“ wurden.

Das Santa Fe Institute lag in der Nähe des mit Kernforschung befaßten Nationallabors, und Maxwell stand im Verdacht, eine Software namens PROMIS zum Ausspionieren oder sogar Diebstahl von nuklearen Staatsgeheimnissen zu nutzen.

PROMIS (Prosecutors Management Information System) war von der Firma Inslaw entwickelt worden und stand seit langem im Verdacht, als Spionagesoftware für die Geheimdienste zu dienen. Inslaws Präsident und Gründer Bill Hamilton, der zuvor beim US-Geheimdienst National Security Agency (NSA) tätig gewesen war, hat behauptet, die PROMIS-Software sei gestohlen worden – angeblich von dem israelischen Anti-Terror-Agenten Rafi Eitan – und dann an Maxwell weitergegeben worden. Maxwell vermarktete die Software international, zum einen aus Profitgründen, und zum anderen, um damit eine „Hintertür“ zum Ausspionieren der staatlichen und privaten Stellen zu bekommen, die sie kauften und nutzten.

In einer Erklärung im Rahmen eines Gerichtsverfahrens zum Diebstahl von PROMIS verweist Hamilton auf Maxwells Rolle beim mutmaßlichem Ausspionieren der Atomforschung in New Mexico:

In einem Brief aus dem Jahr 1994, in dem er um Informationen zur Freigabe von Dokumenten im Zusammenhang mit Maxwells mutmaßlichem Diebstahl von PROMIS bat, schrieb Hamilton:

© US-Aufklärungssatellit KH-4 CORONA (gemeinfrei)
Satellitenaufnahme des Shimon Peres Negev (Dimona) Kernforschungszentrums, aufgenommen von einem Corona-Satelliten Ende der 1960er Jahre.

Ein weiterer Hinweis auf Maxwells mut­maß­liche Rolle in der Atomspionage ist seine Rolle in der Mordechai-Vanunu-Affäre. Vanunu war ein Techniker, der im israelischen Negev-Kernforschungs­zentrum südlich von Dimona gearbeitet hatte. Vanunu wurde zum Whistleblower über Israels geheimes Atomwaffenpro­gramm, weil er Massenvernichtungs­waffen ablehnte. 1986 wandte sich Vanunu an die britische Presse und gab seine Fotos von Dimona an die Zeitung Sunday Mirror weiter, die Robert Maxwell gehörte. Vanunu wurde dann von London nach Italien gelockt – angeblich vom Mossad –, wo er unter Drogen gesetzt und nach Israel entführt wurde, wo man ihm hinter verschlossenen Türen den Prozeß machte. Ein selbsterklärter Mossad-Agent namens Ari Ben-Menashe deutete 1991 an, daß es Maxwell war, der 1986 der israelischen Botschaft in London den Tip zu Vanunu gab.

© Wikimedia Commons/Go2placitas/cc-by-sa 3.0
Das Santa Fe Institute
LANL (gemeinfrei)
John von Neumann

Santa Fe Institute: Farbrevolutionen und die Entstehung des „Psyberkriegs“

Während Robert Maxwell seit den 1950er Jahren der Spionage in Bezug auf Atomwaffen in Los Alamos und Sandia verdächtigt wurde, weist seine spätere Förderung des SFI in den Jahren vor seinem Tod auf ein Interesse an dessen Forschung zu anderen Formen der Kriegsführung hin: Farbrevolutionen. Das SFI entwickelte kybernetische Konzepte in einem Bereich weiter, den es als Komplexe Adaptive Systeme bezeichnete. Wir kommen gleich darauf zurück, aber vorher sollte man dies in den historischen Kontext der Kybernetik einordnen.

John von Neumann war Teil des Manhattan-Projekts in Los Alamos, ist jedoch besser bekannt als einer der Väter der Kybernetik – zusammen mit Bertrand Russells Schützling Norbert Wiener. Im Kalten Krieg arbeiteten von Neumann und Wiener in Russells Auftrag an den ersten kybernetischen Entwürfen für die Umwandlung der Londoner City von der physischen Präsenz in den ehemaligen Kolonien hin zum neuen Modell der „Reiche des Geistes“ – gefestigt durch die „Sonderbeziehung“ des Informationsaustauschs und der verdeckten Operationen zwischen den Geheimdiensten Großbritanniens und der USA.

Von Neumann und Wiener waren Teil von Russells Projekt „Einheit der Wissen­schaften“, das zahlreiche wissenschaftliche Disziplinen – Mathematik, Physik, Wirtschaftswissenschaft, Soziologie und Anthropologie – durch die Kybernetik zusammenführte, um daran zu arbeiten, wie man die Menschen davon überzeugen kann, daß ihr Geist nur aus digitalen oder binären Strukturen besteht, die nicht mehr können als Schmerz vermeiden und Vergnügen suchen. Die Josiah Macy Jr. Foundation förderte zwischen 1946 und 1953 eine Reihe von Konferenzen, auf denen frühe Pläne für ein kybernetisches Kontrollnetzwerk für die Gesellschaft vorgestellt wurden. Artikel von Wiener, von Neumann und vielen anderen aus Russells Kybernetik-Projekt erschienen in Zeitschriften bei Maxwells Pergamon Press. Andere von Russells Anhängern, wie Marvin Minsky und Noam Chomsky, bauten in ihrer Arbeit am MIT in Massachusetts auf der Kybernetik auf, um Sprachmodelle für künstliche Intelligenz (KI) zu entwickeln.

Die Entwicklung dieser kybernetischen Modelle wurde auch von der Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) des US-Verteidigungsministeriums finanziert und im Rahmen von Aufstandsbekämpfung in Vietnam, Malaysia und anderen ehemaligen europäischen Kolonien auf dem Schlachtfeld getestet. Diese Operationen der Cyberüberwachung, die man zur Aufstandsbekämpfung im Ausland einsetzte, wurden dann im Rahmen des Projekts CONUS INTEL (Continental United States Intelligence) unter Generalleutnant William P. Yarborough in die USA zurückgebracht, um sie dort gegen „Aufständische“ – sprich Aktivisten der Antikriegs- und Bürgerrechtsbewegung – einzusetzen, was ab 1975 vom Church-Ausschuß gegen Mißbräuche der Geheimdienste untersucht wurde.

Schon damals wurden KI-Modelle entwickelt, um Vorhersage-Programmiermodelle zu erstellen, die dazu dienen konnten, soziale Unruhen abzuwenden oder zu manipulieren oder Ziele zu neutralisieren. Dazu gehörten Programme, die von William Godel von der Advanced Research Projects Agency, aus der später DARPA hervorging, entwickelt wurden. Berichten zufolge wurde Wiener sogar selbst zum Aktivisten, als er desillusioniert feststellte, daß seine kybernetischen Ideen als Waffe gegen die Gesellschaft eingesetzt wurden, anstatt ihr zu helfen.

Kybernetik-Waffen gegen die eigene Bevölkerung

Wir haben gerade gesehen, wie vom Militär geförderte Technologien und Methoden für die psychologische Kriegsführung gegen einen Feind entwickelt wurden, letztendlich gegen das eigene Volk eingesetzt wurden. Dieses Muster sollte sich später wiederholen, als die Welt ins digitale Zeitalter eintrat.

Viele Jahre nachdem Pergamon Press die ersten Werke der Begründer der Kybernetik veröffentlicht hatte, finanzierte Robert Maxwell den Betrieb des SFI – nur eine kurze Autostrecke entfernt von den Nationallabors in Sandia und Los Alamos, wo er Kontakte zu Wissenschaftlern wie John von Neumann gepflegt hatte, der eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung der Atombombe Fat Man spielte, die am 9. August 1945 auf Nagasaki abgeworfen wurde. Das 1984 gegründete SFI griff Konzepte der Kybernetik und Informationstheorie wieder auf, um das Gebiet der Komplexen Adaptiven Systeme (CAS) zu schaffen, wie es vom SFI-Mitbegründer Murray Gell-Mann entwickelt wurde. Maxwells Spende von 300.000 Dollar im Jahr 1990 sicherte den Fortbestand des SFI, als die staatliche Finanzierung mit dem Zerfall der Sowjetunion und dem Ende der Relevanz des SFI im Kalten Krieg versiegte.8

In der Zeit nach dem Ende der Sowjetunion wurde die CAS-Abteilung des Santa Fe Institute offenbar für den Einsatz in hybrider Kriegsführung und Farbrevolutionen modifiziert. Laut einem Artikel des norwegischen Militärspezialisten Amund Osflaten:

Zu den Kunden des SFI zählten unter anderem das Pentagon und die CIA. Seine Komplexen Adaptiven Systeme – die, wie Murray Gell-Mann sagte, in der Kybernetik wurzeln – sollten für „Regimewechsel“-Operationen genutzt werden, die sich dann gegen Länder an der Peripherie der Atommächte Rußland, China und Indien sowie deren Verbündete auf anderen Kontinenten richteten, die heute mit den BRICS verbunden sind. Diese Arbeit am SFI liefert vielleicht den Kontext einer Aussage Ghislaine Maxwells über ihren Vater: „Er hatte ein Interesse daran – er glaubte, daß … Wissen das ist, was Krieg verhindern würde.“

Vielleicht bedeutete „Krieg zu verhindern“, widerspenstige Regierungen und ihre Verbündeten zu stürzen und jede kulturelle oder nationale Identität auszulöschen.

Robert Maxwells Aktivitäten in Santa Fe wurden auch von seiner Tochter Christine Maxwell unterstützt, die nach der Spende ihres Vaters dem Vorstand des SFI beitrat. Sie war seit 1975 Redakteurin bei Pergamon Press und leitete später die Büros des wissenschaftlichen Verlagsimperiums ihres Vaters an der US-Westküste. 1995 gründeten Christine und ihre Zwillingsschwester Isabel eine der ersten Internet-Suchmaschinen im Silicon Valley, Magellan. Das Interesse der Zwillinge an der digitalen Welt sollte sich jedoch nicht auf harmlose Websuchen beschränken.8

Nach der Übernahme von Magellan durch Excite war Christine 1996 eine der Mitbegründerinnen eines Unternehmens für „Information on Demand“, Chiliad, zusammen mit Paul McOwen, der in dem Jahr seinen Posten als Cyberspezialist an der University of Massachusetts Amherst aufgab.

Bloomberg führt auch Allan Wade als einen Mitgründer von Chiliad auf.10 Wade ging 2005 als Chief Information Officer in einer Doppelfunktion für die CIA und das Büro des Direktors der Nationalen Geheimdienste (ODNI) in den Ruhestand.11 Im Jahr vor Wades Ruhestand erhielt Chiliad den Auftrag für eine der wichtigsten Überwachungsstellen im Rahmen des Patriot Act, das Investigative Data Warehouse des FBI.12

Wahrscheinlich wurde die Arbeit des SFI zu internationalen „Farbrevolutionen“ zurück importiert und gegen die Amerikaner selbst gerichtet, seit die Neokonservativen die Terroranschläge vom 11. September 2001 als Vorwand für neue Maßnahmen zur Aufstandsbekämpfung und ihren langersehnten „Überwachungsstaat“ zu nutzen. Dies erinnert stark daran, wie die frühe Kybernetik-Arbeit unter General William Yarborough gegen die amerikanische Öffentlichkeit gerichtet wurde.

Epstein übernimmt Maxwells SFI und Kybernetik-Portfolio

Kurz nach seiner Spende an das SFI starb Robert Maxwell auf mysteriöse Weise in den Gewässern nahe den Kanarischen Inseln, als er mit der Lady Ghislaine unterwegs war. Zu dem Zeitpunkt hatte Ghislaine bereits ihre Beziehung mit Jeffrey Epstein begonnen, den die Geheimdienstkreise, die Maxwells Operationen leiteten, offenbar überprüft und als „moralisch unbedenklich“ eingestuft hatten.

Zwei Jahre später, 1993, kaufte Epstein seine Zorro Ranch in Stanley im US-Staat New Mexico, direkt vor den Toren von Sandia und Los Alamos, und setzte den von Robert Maxwell ins Leben gerufenen Finanzierungsmechanismus für das SFI fort. Das New York Magazine vermutet: „Er ließ sie [die Zorro Ranch] errichten, weil er etwa einen Monat dort verbrachte und mit seinem Freund Murray Gell-Mann, einem Nobelpreisträger für Physik und Co-Vorsitzenden des Wissenschaftsbeirats am Santa Fe Institute, über Elementarteilchenphysik sprach.“

gemeinfrei
John Brockmann

Was Maxwells Rolle als „Torwächter“ der wissenschaftlichen Literatur durch Pergamon betrifft, so scheint es, daß nach seinem Tod John Brockman diese Lücke füllte. Brockman war unter anderem der Literaturagent von Murray Gell-Mann, und er wurde durch seine Edge Foundation zu einem ähnlichen Torwächter der Wissenschaft. Einer von Brockmans Klienten, Evgeny Morozov, sagte, Brockman sei „mehr als nur ein Literaturagent“ und beschrieb ihn als:

Brockmans Stiftung, die Edge Foundation, wurde mit dem Geld Epsteins und seiner Geldgeber in der Londoner City finanziert. Verschiedene Berichte deuten darauf hin, daß sich diese Finanzierung auf fast eine Million Dollar oder sogar mehr belief, wobei es Jahre gab, in denen Epsteins Geld die einzige Finanzierungsquelle der Stiftung war. Wie Morozov andeutete, war Brockmans Organisation ein Knotenpunkt für die Silicon-Valley-Szene, und er arbeitete mit Stewart Brand an Initiativen wie WELL (Whole Earth ’Lectronic Link), das als Vorläufer der heutigen Social-Media-Plattformen gilt.13

Brockman wurde als Epsteins „intellektueller Wegbereiter“ beschrieben14 und arbeitete mit Epstein daran, die Kybernetik wiederzubeleben – wobei er ausdrücklich eine Neuauflage der Macy-Konferenzen forderte, die er als „Brockman-Konferenzen“ bezeichnete:

In einer E-Mail an Epstein erläutert Brockman seine Ansicht, die Kybernetik sei nie weg gewesen, sondern bilde die Grundlage für die heutige künstliche Intelligenz:

Nachwort: Das Schlachtfeld ist der Geist

Lyndon LaRouche hat oft berichtet, wie seine Arbeit an der Wissenschaft vom menschlichen Geist und ihren Anwendungen dadurch ausgelöst wurde, daß er sich verpflichtet fühlte, Wiener, von Neumann und die Kybernetik zu widerlegen.

Es ist eine Ironie, daß eine globale Oligarchie, die die menschliche Kreativität haßt, deren zentrale Bedeutung immer besser verstanden hat als die meisten anderen Menschen. Lange bevor degenerierte Leute wie Maxwell und Epstein auftauchten, fungierten Aristoteles und andere als Torwächter des Denkens. Sokrates wurde vor Jahrtausenden zu Unrecht verurteilt und getötet, lange bevor Lyndon LaRouche verfolgt und in einem ähnlich korrupten Verfahren unschuldig verurteilt wurde. Während diese Oligarchie Pergamon Press und viele Wissenschaftler förderte, deren Forschungsbereiche ihren Zielen dienten, versuchte dieselbe Oligarchie, die wissenschaftliche Arbeit der LaRouche-Bewegung zu zerschlagen.

Um das zu besiegen, was man heute die „Epstein-Klasse“ nennt, müssen wir simple pragmatische Sichtweisen aufgeben und uns statt dessen wieder der Beherrschung und Weiterentwicklung tiefgehender wissenschaftlicher und philosophischer Konzepte verschreiben.


Anmerkungen

1. Auch wenn dieser Satz wohl am besten aus Winston Churchills Rede von 1943 an der Harvard University bekannt ist, wurde er oft von britischen Fabianer-Kreisen umgesetzt, darunter Bertrand Russell, George Orwell, H.G. Wells sowie Aldous und Julian Huxley. Er bezieht sich auf die Idee, imperiale Vorrechte statt durch physische Macht fortan durch psychologische Manipulation durchzusetzen.

2. Lyndon LaRouche in dem Aufsatz „Rockefellers ‚Faschismus mit demokratischem Gesicht‘“ im Unterabschnitt „Psychologische Kriegsführung“ (1974, Hervorhebung hinzugefügt).

3. „Spy left out in the cold: how MI6 buried heroic exploits of agent 'Griffin'”, The Guardian, 22.09.2007.

4. Teilweise freigegebene FBI-Akte über Maxwells Aktivitäten in den USA.

5. Seymour M. Hersh: The Samson Option: Israel’s Nuclear Arsenal and American Foreign Policy,
    Random House, New York 1991

6. Zitiert nach: Gordon Thomas: Gideon’s Spies: The Secret History of the Mossad, St. Martin's Griffin, New York 2000.

7. FBI-Akte über Maxwells Bestrebungen Spionage-Software in US-Verteidigungseinrichtungen einzuschleußen.

8. The Bulletin of the Santa Fe Institute, Winter-Spring, 1991.

9. „Russian Forecasting and Pre-emption: The Prelude to the Invasion of Ukraine”,
    Amund Osflaten, in Scandinavian Journal of Military Studies, 21.02.2025.

10. Chiliad Firmenprofil, Bloomberg, web.archiv.org.

11. Kurzbiografie Alan Wade, Option3 Website.

12. „Chiliad helps the FBI ,Protect and Defend...'”, Chiliad, web.archiv.org.

13. „The Clock of the Long Now”, Website of longnow.org.

14. „Jeffrey Epstein's Intellectual Enabler”, Website newrepublic.com.

15. E-Mail von Brockman an Epstein, 11.06.2017, U.S. Department of Justice Epstein files.

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