Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken
Folgen Sie uns auf
acebook
Neue Solidarität
Nr. 19-20, 7. Mai 2026

US-Staatsanleihen in Not

Die Staatsverschuldung der USA steigt weiter rasant an, allein von November bis März um eine Billion Dollar. Die von der Öffentlichkeit gehaltenen US-Staatsschulden haben die Marke von 100% des BIP überschritten und damit den Allzeitrekord aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs eingeholt. Unbeeindruckt von den Lügen Donald Trumps oder Elon Musks zu diesem Thema wächst die Staatsverschuldung derzeit mit einer Rate von 4,24% pro Jahr, während das BIP nur mit 2,1% wächst. Gleichzeitig ziehen sich immer mehr Käufer von Staatsanleihen zurück, so daß dieser „Markt“ einbricht.

In einem Interview mit Bloomberg News meinte der ehemalige US-Finanzminister Henry Paulson, man brauche Notmaßnahmen, um zu verhindern, daß die Nachfrage nach kurzfristigen US-Schatzwechseln schrumpft und dann bald zusammenbricht. „Die Leute fragen: ‚Wann fahren wir gegen die Wand?‘ Ich weiß es natürlich nicht; es ist unmöglich, das zu wissen. Wenn wir daraufprallen, wird das böse enden.“1

Paulson warnte, eine Staatsschuldenkrise werde schlimmer sein als die Krise der privaten Schulden in der Weltfinanzkrise 2007-08. Eine Staatsschuldenkrise wäre jedoch grundlegend anders: „Wenn man gegen die Wand prallt und versucht, Staatsanleihen zu emittieren, aber die Fed ist der einzige Käufer und die Preise der Staatsanleihen fallen und die Zinsen steigen, dann ist das eine gefährliche Angelegenheit.“

Er gebe eine Art „Käuferstreik“: Zusätzlich zu vielen ausländischen Käufern hätten nun auch US-Investoren angefangen, den Markt der Staatsanleihen zu meiden, was den Staat zu höheren Zinszahlungen zwingt und andere Käufer veranlaßt, sich ebenfalls zurückzuziehen. Das könne dazu führen, daß es bald außer der Federal Reserve selbst keine Interessenten mehr gibt, die kurzfristige Schatzpapiere kaufen.

Die „Notlösung“, die Paulson anbietet, ist typisch für Monetaristen: Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen im Staatshaushalt, u.a. bei Renten und Gesundheitsversorgung. Eine solche „Lösung“ würde die Staatsschuldenkrise durch Einnahmeausfälle in der Wirtschaft aber nur noch verschärfen. Dennoch ist Paulsons ziemlich laute Warnung vor einer Finanzkrise, die erst harmlos erscheint, sich aber immer weiter verschlimmert, bis der größte Finanzmarkt der Welt in Not gerät, sehr beachtenswert.

Unterdessen wagen sich die Hedgefonds-Spekulanten weiter in den Markt für US-Staatsanleihen vor, und dadurch drohen Schockwellen. Der Experte Torsten Slok von Apollo Global Management weist darauf hin, daß Hedgefonds mittlerweile 8% dieses Marktes ausmachen und mit Staatsanleihen hochriskante, kreditfinanzierte Derivatgeschäfte machen, sog. „Basis-Trades“.2 Infolgedessen „könnte jeder Rückzug aus diesen stark fremdfinanzierten Positionen Schockwellen durch die globalen Rentenmärkte senden“, so Slok. Banken finanzieren diese riskanten Geschäfte auf dem US-Staatsanleihenmarkt mit mehr als 6 Billionen Dollar Krediten in Form von Repo- und Prime-Brokerage-Finanzierungen.

Anscheinend macht man sich darüber sogar im US-Finanzministerium Sorgen. In einer Mitteilung des Ministeriums vom 15. April heißt, daß dessen Kapitalmarktdaten „den Umfang der US-Staatsschulden, die von auf den Kaimaninseln registrierten und eingetragenen Hedgefonds gehalten werden, massiv unterbewerten und deren starke Abhängigkeit von einem umstrittenen, fremdfinanzierten Handel, der die Aufsichtsbehörden wiederholt alarmiert hat, nicht widerspiegeln“.

pbg


Anmerkungen

1. „Henry Paulson has blunt message on potential Treasury market shock”, The Street, 18.04.2026

2. „Hedge funds' record Treasury bets risk sending 'shockwaves' through the global bond market, Apollo says”,
    MarketWatch, 17.04.2026.

3. „The Cross-Border Trail of the Treasury Basis Trade”, Federal Reserve, 15.10.2025.

Ein großes Dankeschön an unsere Leser

Liebe Leserinnen und Leser, dank Ihrer freundlichen Resonanz auf unseren Aufruf zur finanziellen Unterstützung ist es uns gelungen, das Jahr finanziell zu über­stehen, auch wenn wir leider im vergange­nen Sommer dazu gezwungen waren, die Erscheinungsweise der Neuen Solidarität von bisher acht Seiten wöchentlich auf zwölf Seiten alle zwei Wochen umzu­stellen.

Ihre Hilfe zeigt uns, daß Sie unsere ein­zig­artige Fähigkeit schätzen, strategisch zu denken und sozusagen „im Voraus“ die entscheidenden Dynamiken des Welt­geschehens zu erkennen. Freuen wir uns über die Fortschritte, die unsere Ideen gemacht haben, und freuen wir uns auf weitere Fortschritte in den kommenden Monaten!

Nutzen Sie unsere Zeitung als ein Instrument, dies zu erreichen! Helfen Sie uns, neue Leser zu finden, und empfehlen Sie unsere Zeitung weiter. Für die aktuellen Meldungen empfehlen wir als Ergänzung unsere täglich erscheinen­den E.I.R. Nachrichten, die den Abonnenten per E-Mail zugestellt werden. Neukunden können sie 10 Tage lang kostenlos und unverbindlich testen, siehe https://www.eir.de/abo/dadabo/.

Man kann Abonnements auch verschenken. Manche unserer Leser haben Mehrfach-Abon­nements, damit Sie die Zeitung an Interes­sierte weitergeben können. Und natürlich können Sie uns auch weiterhin mit Förder­abonnements und Förderbeiträgen helfen.

Kontaktieren Sie uns direkt, um eine Rechnung anzufordern (Telefon: ++49 +61173650),
oder senden Sie Ihren Beitrag per Banküberweisung an:

E.I.R. GmbH, Verwendungszweck: Unterstützung für die Neue Solidarität
Postbank Frankfurt IBAN: DE93 5001 0060 0330 0216 07
Paypal: buchhaltung@eir.de