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Liebe Leser, diese Woche möchten wir wieder einmal einen Dichter ehren; diesmal ist es der wohl berühmteste Kirchenlieddichter aller Zeiten: Paul Gerhardt (1607 - 27. Mai 1676), der vor genau 350 Jahren gestorben ist.
Auch wer sich mit Kirchenliedern nicht auskennt oder nichts damit anfangen kann, hat wahrscheinlich schon welche von ihm gehört oder selbst mitgesungen. Zum Beispiel das Sommerlied Geh aus, mein Herz, und suche Freud, das Weihnachtslied Ich steh an deiner Krippen hier, das Passionslied O Haupt voll Blut und Wunden, das Abendlied Nun ruhen alle Wälder, oder Befiehl du deine Wege, Die güldne Sonne voll Freud und Wonne und viele mehr.
Paul Gerhardt war kein Humorist, aber er hat etwas mit einem Eulenspiegel gemeinsam: Auch wenn die Welt verrückt oder traurig erscheint, er läßt sich nicht unterkriegen! Seine Lieder haben sich so lange und gut gehalten, weil sie das Leben ehrlich aufgreifen, im Guten wie im Bösen, aber nie die Hoffnung aufgeben. Dabei lebte er in schwierigen Zeiten, Deutschland war durch den Dreißigjährigen Krieg verwüstet und die Menschen waren froh, wenn sie zu essen hatten. Und von seinen fünf Kindern starben vier ganz jung, da half der Glaube daran, daß sie es nun in einer anderen Welt besser hatten.
Im übrigen haben seine Lieder/Gedichte noch einen anderen Vorteil: Wie damals üblich, hatten sie viele, viele Strophen, fünfzehn und mehr, aber man braucht gar nicht alle Strophen, um sie zu verstehen und Freude daran zu haben. Man kann getrost einige veraltete Verse, die für heutige Ohren komisch klingen, weglassen.
So haben wir es auch bei dem folgenden Gedicht gemacht. Es ist für Paul Gerhardt eher untypisch, der liebe Herrgott kommt zwar auch darin vor, aber vor allem ist es ein Loblied auf die Frauen. Viel Vergnügen!
Ein Weib, das Gott den Herren liebt
und sich stets in der Tugend übt,
ist viel mehr Lobs und Liebens wert
als alle Perlen auf der Erd.
Ihr Mann darf mit dem Herzen frei
verlassen sich auf ihre Treu,
sein Haus ist voller Freud und Licht,
an Nahrung wird’s ihm mangeln nicht.
Sie tut ihm Liebes und kein Leid,
durchsüßet seine Lebenszeit,
sie nimmt sich seines Kummers an
mit Trost und Rat, so gut sie kann.
Sie ist ein Schifflein auf dem Meer,
wann dieses kommt, so kommt‘s nicht leer:
So schafft auch sie aus allem Ort
und setzet ihre Nahrung fort.
Wenn andre löschen Feu‘r und Licht,
verlöscht doch ihre Leuchte nicht,
ihr Herze wachet Tag und Nacht
zu dem, der Tag und Nacht gemacht.
Sie hört gar leicht der Armen Bitt,
ist gütig, teilet gerne mit,
ihr Haus und alles Hausgesind
ist wohl verwahrt vor Schnee und Wind.
Sie schauet, wie‘s im Hause steht
und wie es hier und dort ergeht,
sie ißt ihr Brot und sagt dabei,
wie so groß Unrecht Faulsein sei.
Was hilft der äußerliche Schein?
Was ist‘s doch, schön und lieblich sein?
Ein Weib, das Gott liebt, ehrt und scheut,
das soll man loben weit und breit.
Die Werke, die sie hie verricht‘,
sind wie ein schönes helles Licht,
sie dringen bis zur Himmelspfort
und werden leuchten hier und dort.
Nach 350 Jahren noch so beliebt, der Herr Gerhardt, das muß ihm
erst mal einer nachmachen!
Es grüßt herzlich
Ihr Eulenspiegel
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