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Neue Solidarität
Nr. 9-10, 26. Februar 2026

Beispiele erfolgreicher Kooperation in Afrika

I. Der Grand Ethiopian Renaissance Dam

© Büro des äthiopischen Ministerpräsidenten
Beispiel erfolgreicher Kooperation zwischen europäischen und chinesischen Unternehmen bei Aufbauprojekten in Afrika: der Grand Ethiopian Renaissance Dam (GERD).

Der Große Äthiopische Renaissance-Damm (Grand Ethiopian Renaissance Dam, GERD) ist das beste Beispiel für eine erfolgreiche dreiseitige Zusammen­arbeit zwischen europäischen Unter­nehmen, chinesischen Unternehmen und afrikanischen Ländern. Dieses große Infrastruktur-Bauwerk bringt das Land auf eine höhere Ebene und erfüllt zwei dringende Bedürfnisse Afrikas: Wasser und Strom.

Das Projekt ist etwa 700 km nordwestlich der Hauptstadt Addis Abeba in der Region Benishangul-Gumaz am Blauen Nil gelegen. Es ist der größte Staudamm Afrikas: 1800 m lang, 175 m hoch und mit einem Gesamtvolumen von 10 Millionen m³. Der Stausee hat eine Fläche von 1875 km² und ein Volumen von 74 Milliarden m³.

Das Projekt umfaßt einen Hauptdamm aus Walzbeton mit zwei Kraftwerken am Fuße des Damms. Die Kraftwerke am rechten und linken Ufer des Flusses bestehen aus 13 Francis-Turbinen mit einer Gesamtleistung von 5150 MW, der größten in Afrika, und einer erwarteten Stromerzeugung von 15.700 GWh/Jahr.

Das italienische Unternehmen Webuild hat den Damm gebaut, das französische Unternehmen Alstom hat die Turbinen geliefert und installiert, und die chinesischen Unternehmen Sinohydro, Gezhouba Group, Voith Hydro Shanghai und die staatliche China International Water and Electricity Corporation bauten die Stromleitungen.

Addis Abeba finanziert einen Großteil des Projekts aus eigenen Mitteln, aber Peking stellt erhebliche Mittel für die damit verbundene Infrastruktur bereit, insgesamt 3 Milliarden Dollar.

GERD bietet Äthiopien eine Reihe bedeutender wirtschaftlicher, sozialer und strategischer Vorteile. Was die Energieversorgung betrifft, verdoppelt das Werk Äthiopiens Stromerzeugung, versorgt Millionen Menschen mit Strom und ermöglicht zusätzlich den Export von Strom in Nachbarländer. GERD unterstützt die Elektrifizierung ländlicher Gebiete, versorgt Fabriken und Industrie mit Strom und fördert so das Wirtschaftswachstum und die Stabilität. Der Bau des Staudamms hat Arbeitsplätze geschaffen und Investitionen in Straßen, Übertragungsleitungen und Telekommunikation in der Region angekurbelt.

GERD kann auch dazu beitragen, saisonale Überschwemmungen flußabwärts zu regulieren und bei kooperativer Bewirtschaftung ganzjährig einen besseren Wasserfluß für Bewässerung und Landwirtschaft zu gewährleisten.

II. Alstom

© Alstom
Ein erfolgreiches Projekt des französischen Bahntechnikproduzenten Alstom ist der Bau einer Hochgeschwindigkeitsbahn in Marokko, wie hier in Tanger.

Der französische Bahntechnikproduzent Alstom baut Nahverkehrssysteme in Dakar im Senegal und in Abidjan in der Elfenbeinküste. In Marokko sind die vier Nahverkehrslinien in Casablanca (die Linien 3 und 4 kamen Ende 2020 hinzu) und die beiden Linien in Rabat, wo Alstom zu einer Erweiterung bereit ist, mit Citadis-Straßenbahnen von Alstom ausgestattet. Ebenfalls im Königreich Marokko ist die TGV-Hochgeschwin­digkeits-Bahnstrecke (Geschwindigkeit 320 km/h) Tanger-Casablanca, genannt „Al Boraq“, mit ihren zwölf EuroDuplex-Zügen ein buchstäblich „bahnbrechender“ Maßstab für Hochgeschwindigkeitsbahnen auf dem Kontinent.

In Ägypten erhielt der Konzern kürzlich den Zuschlag für die 876 Millionen Euro teure Modernisierung der Linie 1 der Kairoer U-Bahn, wieder mit französischer Finanzierung, und ist auch für die geplante Linie 6 gut positioniert. Das Megaprojekt einer Hochgeschwindigkeitsbahn ging zwar im Mai 2025 an den deutschen Siemens-Konzern, aber Alstom leitet ein Großprojekt, das es von Bombardier übernommen hat: die Nahverkehrs-Einschienenbahn (Monorail) in Kairo, die derzeit getestet wird. Dieses 4,5 Milliarden Dollar teure Projekt, dessen Bauarbeiten von Orascom und Arab Contractors durchgeführt werden, umfaßt auch den Betrieb durch Alstom für 30 Jahre.

Hinzu kommen zahlreiche Straßenbahnen in Algerien (Algier, Oran, Constantine, Ouargla, Sétif, Sidi Bel Abbès und Mostaganem) sowie zwei Großaufträge in Südafrika. Diese sind älter und befinden sich noch in der Umsetzungsphase, seien es Stadtbahnen für das staatliche Bahnunternehmen PRASA (Passenger Rail Agency of South Africa) oder Traxx-Güterlokomotiven für die öffentliche Behörde Transnet.

Diese Aufträge haben zu einer beispiellosen industriellen Entwicklung in Afrika geführt: Alstom installiert nicht nur Bahntechnik in Afrika, es produziert sie auch in Afrika.

„Das besondere an Alstom im Gegensatz zu Wettbewerbern wie dem chinesischen Unternehmen CRRC oder Siemens ist, daß das französische Unternehmen nicht nur verkauft, sondern auch zum führenden Hersteller des Kontinents geworden ist“, schreibt das Magazin France-Afrique.

Diese industrielle Präsenz erstreckt sich über drei Länder:

III. Siemens

© Siemens Press
Siemens hat in Ägypten in Rekordzeit drei der größten Gaskraftwerke der Welt gebaut.

Im Mittelpunkt des Afrika-Engagements des deutschen Großkonzerns Siemens steht der Kraftwerksbau. In den letzten zehn Jahren hat Siemens Verträge über den Bau von Kraftwerken in mehreren Ländern des Kontinents unterzeichnet.

2015 schloß Siemens Verträge mit Ägypten über den Bau von drei der weltweit größten Gasturbinen-Kombi­kraftwerke mit einer Gesamtleistung von mehr als 14,4 Gigawatt. Jede der Anlagen mit einer Nennleistung von 4,8 Gigawatt könnte problemlos jedes afrikanische Land, das unter Energiedefizit leidet, mit Strom versorgen. Darüber hinaus wurden sie in Rekordzeit gebaut.

Die Projekte wurden als Joint Ventures mit dem ägyptischen Bauunternehmen Orascom Construction und dem ägyp­tischen Elektrotechnikkonzern Elsewedy Electric durchgeführt. Die drei Kraftwerke mit einer Leistung von jeweils 4,8 Gigawatt stehen in Beni Suef in Oberägypten, in Burullus an der Nordküste und in der Neuen Hauptstadt außerhalb von Kairo, die selbst ein Mega-Neubauprojekt ist.1 Die Kraftwerke erweitern die Stromerzeugungskapazität des ägyptischen Stromnetzes um insgesamt 14,4 Gigawatt – genug Strom, um bis zu 40 Millionen Menschen zuverlässig zu versorgen. Die Projekte wurden 2015 in Auftrag gegeben und 2018 nach nur 27,5 Monaten fertiggestellt. Das ist ein Rekord, da der Bau eines einzelnen Kombikraftwerksblocks mit einer Leistung von 1,2 Gigawatt sonst gewöhnlich etwa 30 Monate dauert. Jedes der drei Kraftwerke kann allein mehr Strom erzeugen als drei Viertel der Länder in Subsahara-Afrika. Einige Länder haben eine installierte Leistung von weniger als einem Gigawatt.

Da es sich bei diesen Projekten naturgemäß um Joint Ventures zwischen Siemens, das die Turbinen liefert, und Bau- und Elektrotechnikunternehmen handelt, gibt es offensichtlich Raum für Joint Ventures mit China. Darüber hinaus muß das Gas über Pipelines, die erst noch gebaut werden müssen, zu den Kraftwerken transportiert werden.

Nicht nur die Dimension des Projekts, das rund 10 Milliarden Euro gekostet hat, sondern auch die Rekordzeit, in der die erste Phase des Projekts realisiert wurde, ist beeindruckend. Die hochmoderne gasbetriebene Stromerzeugungstechnik umfaßt drei schlüsselfertige 4,8-Gigawatt-Kombikraftwerke, die jeweils in nur 18 Monaten gebaut wurden. Siemens-Chef Joe Kaeser erklärte bei der Einweihung der drei Kraftwerke – Beni Suef, Burullus und Neue Hauptstadt – am 2. März 2017 stolz: „Die rekordverdächtige Fertigstellung unseres Megaprojekts in Ägypten wird nicht nur die Energielandschaft in Ägypten verändern, sondern auch als Blaupause für den Aufbau der Energieinfrastruktur im Nahen Osten und auf der ganzen Welt dienen.“

In Libyen wurden Verträge über den Bau von 650-MW- und 690-MW-Off-Cycle-Kraftwerken in Misrata bzw. Tripolis West geschlossen. Das Vertragsvolumen einschließlich langfristiger Serviceleistungen beläuft sich auf rund 700 Millionen Euro. Siemens hat außerdem Verträge mit dem staatlichen Energieversorger General Electricity Company of Libya (GECOL) unterzeichnet, um die Stromerzeugungskapazität Libyens um etwa 1,3 Gigawatt (GW) zu erweitern.

Solche Megaprojekte ließen sich in ganz Afrika realisieren, insbesondere mit Pipelines, die Gas und Erdöl aus Westafrika zu solchen Kraftwerkskomplexen transportieren, die von Siemens in Zentralafrika gebaut wurden. Siemens verfügt auch über herausragende Kompetenzen beim Bau von Kompressorstationen für Fernleitungen. Das deutsche Unternehmen Mannesmann, das die Rohre für alle Gaspipelines zwischen Rußland und Europa hergestellt hat, ist bestens qualifiziert für eine Beteiligung an solchen Projekten. Alle diese Vorhaben können in Zusammenarbeit mit China durchgeführt werden, das bei anderen Projekten in Afrika gezeigt hat, daß es zuverlässig dafür sorgt, Arbeiten in Rekordzeit abzuschließen.

Ein Vorbild für mehr Beiträge, die Siemens zum Aufbau eines effizienten Eisenbahnnetzes in Afrika leisten kann, ist seine Arbeit in Ägypten. Dort unterstützte das deutsche Unternehmen die Investition in ein 2000 km langes Hochgeschwindigkeits- und Güterbahnnetz. Dies umfaßt drei Hauptelemente:

Der erste Teil des großen Netzes wird eine 660 km lange Strecke sein, die die Hafenstädte Ain Suchna am Roten Meer mit Alexandria und Marsa Matruh am Mittelmeer verbindet. Dieser Abschnitt wird ein attraktives, elektrifiziertes Nahverkehrssystem für den Großraum Kairo bieten.

Die zweite Strecke soll etwa 1100 km lang sein und vom Großraum Kairo nach Abu Simbel nahe der Grenze zum Sudan verlaufen, wodurch die Stadtentwicklung im Süden unterstützt wird.

Die dritte Strecke wird 225 km lang sein und die archäologischen Stätten des Weltkulturerbes in Luxor mit der Küstenstadt Hurghada und dem Hafen von Safaga am Roten Meer verbinden, was den Gütertransport ins Landesinnere erleichtert.

Das neue Netz wird Ägypten insbesondere eine schnellere Lieferung von Gütern ermöglichen, indem es eine Bahnverbindung vom Roten Meer zum Mittelmeer schafft, einen „Suezkanal auf Schienen“, der sich quer durch das ganze Land erstreckt. Siemens wird mit seinen hochmodernen Desiro-Regionalzügen einen Beitrag leisten.


Anmerkung

1. Ein kurzes Video über den Bau des Kraftwerks Beni Suef finden Sie hier.

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