* * * Internetforum mit Helga Zepp-LaRouche * * *
Aktuelle Ausgabe Gehe zu ... Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum

Artikel als
=eMail=
weiterleiten

Neue Solidarität online

Jetzt
Archiv-CD
bestellen!

  Produktive Kreditschöpfung 
  Neues Bretton Woods
  Glass-Steagall
  Physische Wirtschaft
  Kernenergie
  Eurasische Landbrücke
  Transrapid
  Inflation
  Terror - Cui bono?
  Südwestasienkrise
  11. September und danach
  Letzte Woche
  Aktuelle Ausgabe
  Ausgabe Nr. ...
  Heureka!
  Das Beste von Eulenspiegel
  Erziehungs-Reihe
  PC-Spiele & Gewalt 
  Diskussionsforum
  Wirtschaftsgrafiken
  Animierte Grafiken

Defizite als Kapitalgewinne:
Wie man Investitionskapital für einen Aufschwung schafft

1. Die Grundlage eines staatlichen Kapitalhaushalts

Von Lyndon LaRouche

Es folgt das 1. Kapitel der Schrift von Lyndon LaRouche, Defizite als Kapitalgewinne: Wie man Investitionskapital für einen Aufschwung schafft. (Siehe dazu auch die reich bebilderten amerikanischen Broschüre.

Einleitung
1. Die Grundlage eines staatlichen Kapitalhaushalts
2. Der Preis hat nichts zu sagen!
3. Das jetzt benötigte Sofortprogramm
4. Die Biosphäre über einen langen Zeitraum


Langfristige Kapitalinvestitionen
Schluß mit dem "Flohmarkt"!


Wie ich in früheren Veröffentlichungen wie Wernadskij und das Dirichlet-Prinzip und Das Prinzip der "Kraft" dargelegt habe, gründet eine kompetente Wirtschaftswissenschaft den Begriff wirtschaftlichen Wertes, mit dem sie arbeitet, nicht auf das Geld an sich, sondern auf die naturwissenschaftlichen Prinzipien von Gottfried Wilhelm Leibniz' physischer Wirtschaftswissenschaft. Wenn ich mich in dieser Weise auf die Prinzipien der physischen Wirtschaft statt auf monetaristischen "Freihandel" verlasse, zeigt das den grundlegenden Unterschied zwischen dem überlegenen Amerikanischen System der politischen Ökonomie und den unterlegenen europäischen Währungssystemen; diese beruhen heute noch auf der anglo-holländischen liberalen Tradition des 18. Jahrhunderts, daß private Zentralbanken - wie die Bank von England, oder, noch schlimmer, die Europäische Zentralbank - die Wirtschaftspolitik der Regierungen regeln. Die Tollheiten der amerikanischen Federal Reserve, insbesondere seit den verheerenden Veränderungen von 1971-81, spiegeln nur den fremden Einfluß des britischen Systems wider.

Die Währungssysteme, die heute mit den europäischen Zentralbanken verbunden sind, sind Auswüchse des mittelalterlichen europäischen Imperialismus - d.h. des ultramontanen Systems des Finanzimperialismus, wo venezianischer Wucher zusammen mit der Brachialgewalt der normannischen Ritter herrschte. Die neuzeitliche Variante dieses feudalen Systems - die sog. "neuvenezianische" Tradition der Fraktion von Paolo Sarpi - bildete die Grundlage des anglo-holländischen liberalen Finanzimperialismus, der im 17. Jahrhundert emporkam und mit dem Pariser Vertrag von 1763 zur vorherrschenden Macht auf der Erde wurde; der Vertrag machte Lord Shelburnes Britische Ostindiengesellschaft zu dieser Weltmacht. Die Amerikanische Revolution wurde ausgelöst, als die Bevölkerung in den englischen Kolonien Nordamerikas unter Benjamin Franklins Führung ihre wirtschaftlichen Rechte gegen Londons Bestreben, die Wirtschaft und die früheren Freiheiten der Kolonisten zu zerstören, verteidigte. Dieser entscheidende grundsätzliche Unterschied ist bis heute geblieben.

Weil Lord Shelburne und seine Genossen von der Britischen Ostindiengesellschaft von 1782-1814 die Französische Revolution in Szene setzten, war unsere neugegründete amerikanische Republik ab dem Sommer 1789 von ihren wichtigsten europäischen Verbündeten abgeschnitten. Eine der Folgen dieser relativen Isolierung war, daß die wirtschaftliche Rolle der Vereinigten Staaten in Welthandel und Weltfinanzen bis 1931 mehr oder weniger stark dem beherrschenden Einfluß der imperialen Bank von England und ihres Goldstandards unterlag. In dem Zeitraum von 1763-1931 konzentrierte sich diese mit der Londoner City verbundene Weltmacht immer weniger im Vereinigten Königreich an sich als in einem multinationalen Syndikat privater Bankiers, die als Partner wie auch als Konkurrenten mit der Bank von England zusammenhingen. Der wichtigste Konkurrent und Partner der Bank von England auf dem Kontinent saß vor allem in Paris - eine schleimpilzähnliche Ansammlung privater Bankiers venezianischer Prägung, die wir heute mit der Bezeichnung Synarchistische Internationale verbinden; sie war der wichtigste Koordinator der faschistischen europäischen Regierungen von 1922-1945.

Später, mit der Konterrevolution gegen unser Amerikanisches System, die synarchistische Finanzkreise während der Amtszeiten der Präsidenten Nixon und Carter ausführten, gewann in der amerikanischen Wirtschaft wieder ein anti-amerikanisches, europäisch-monetaristisches ausgerichtetes Weltfinanzsystem das Sagen. Diese im Grunde landesverräterische Unterordnung unter Währungseinrichtungen und andere pro-faschistische (sprich: synarchistische) Institutionen europäischer Prägung hat den heutigen Ruin der amerikanischen Volkswirtschaft zwar nicht direkt verursacht, hat ihn aber möglich gemacht.

So war zum Beispiel das System des "fairen Handels", das in den 50er und frühen 60er Jahren in den USA noch als Maßstab intelligenten Managements galt, ein brauchbarer, wenn auch höchst unvollkommener Ausdruck des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie. Die bewußte protektionistische Politik unserer Regierung in den internationalen Handels- und Wirtschaftsbeziehungen war ein unverzichtbarer Bestandteil der Politik des "fairen Handels" zum Schutz von Landwirten und anderen Unternehmern sowie der Bundesstaaten und Kommunen, zu denen diese Unternehmer und ihre Mitarbeiter gehörten.

Unter allen Präsidenten seit Nixon prägt das traditionell wucherische und unausgesprochen anti-amerikanische, anglo-holländisch-liberale "Freihandelssystem" in einer zunehmend radikaleren, pro-synarchistischen Form die Ausrichtung unserer nationalen und internationalen Politik. Die Auswirkungen der bewußten Zerstörung des Bretton-Woods-Systems durch die Regierung Nixon haben die Weltwirtschaft ruiniert. Anschließend setzte die "Brzezinski-Regierung" 1977-81 unmittelbar die Zerstörung der Binnenwirtschaft in Gang. Man schützte die unverzichtbaren Realkapital-Investitionen von Farmern und Mittelstand nicht mehr vor den Auswirkungen eines erzwungenen Wettbewerbs mit Sklavenarbeit, insbesondere erzwungener sklavenähnlicher Arbeit der Bevölkerungsmehrheit in den Ländern, mit denen wir Handel trieben.

Wie Henry C. Carey, einer der seinerzeit weltweit führenden Wirtschaftswissenschaftler, nachwies, hat die Freihandelspolitik, die die Briten in der Zeit nach 1815 vor allem über Londons Verbindungen in die New Yorker Banken durchsetzten, es erst ermöglicht, daß das britische Empire den Sklavenhandel und dann den Bürgerkrieg in den USA schüren konnte. Unsere Wirtschaft erlebte unter Präsident Lincoln ein explosives Wachstum, weil wir das System der Sklaverei, das in den vorangegangenen Jahrzehnten die Leistung unserer Wirtschaft zugrunde gerichtet hatte, in den USA abschafften. Die Abschaffung der Sklaverei und Einführung protektionistischer Maßnahmen, wie sie eigentlich unserer Verfassungsordnung entsprechen, ermöglichte ein Wachstum, das zur Folge hatte, daß man in Japan und in wichtigen Nationen Kontinentaleuropas wesentliche Bestandteile unseres überlegenen Amerikanischen Systems übernahm.

Aber wie unsere Verfassung vorschreibt, liegt unter dem Amerikanischen System der politischen Ökonomie, das wir in Opposition zu den damals existierenden europäischen Systemen einführten, die einzig rechtmäßige Befugnis zur Ausgabe von Geld bei der amerikanischen Bundesregierung. Diese Besonderheit der Geldpolitik in unserem Regierungssystem geht als praktische Tradition auf die Massachusetts-Bay-Kolonie und auf die Vorschriften von Staatsmännern wie Cotton Mather und seinem Anhänger Benjamin Franklin zur Schaffung einer Papierwährung zurück.

Unter unserer Verfassungsordnung - wenn man ihr denn folgt - ist Geld eine Form des Kredits, die man nicht als Wertmaßstab an sich annimmt, sondern als Mittel des Umlaufs, etwa im Handel, einsetzt. Regelsysteme der Regierung wie Zölle und andere Regulierungen des Handels, der Einsatz von Staatskredit und die Besteuerung selbst sorgen unter unserer Verfassung für eine solide Regierung. Mit den verfügbaren Mitteln zur Regulierung wird der angesetzte Wert der im Umlauf befindlichen Güter innerhalb einer Bandbreite preislicher Schwankungen gehalten, die mit verhältnismäßig stabilen Werten für Handel und langfristige Investitionen im Einklang steht.

In unserer Geschichte erzielten wir die besten Wachstumsraten - besonders zur Erholung aus Phasen wirtschaftlicher Rezession - , wenn die Bundesregierung ihre Befugnis zur Schaffung langfristigen Kredits einsetzte, so wie dies beispielsweise Präsident Franklin Roosevelt tat. Damit wurde eine langfristige produktive Kapitalbildung im staatlichen wie im privaten Sektor in Gang gesetzt. Das beruhte maßgeblich darauf, daß die Bundesregierung als Monopol das Recht hatte, gezielt langfristige Staatsschulden in Sicherheiten zu verwandeln, wie sie entsprechende langfristige produktive Vermögenswerte von Bundesstaaten und Privatunternehmern liefern. Das hat uns gestattet, die notwendige Welle an Kapitalbildung zu erzeugen, mit der wirtschaftliche Depressionsbedingungen, wie sie heute in den USA vorherrschen, überwunden werden können.

Der entscheidende Unterschied besteht darin, daß im Amerikanischen System physische Werte primär sind, während der daraus abgeleitete Wert, wie man ihn mit der Verwendung von Geld als Umlaufmittel im Handelsverkehr verbindet, durch regulatorische Maßnahmen geregelt wird. Das Amerikanische System der politischen Ökonomie ist trotz allem der einzig vernünftige existierende Standard, wie man eine Realwirtschaft erfolgreich langfristig aufbaut und leitet - von damals angefangen bis heute. Der Wirtschaftsaufschwung der Nachkriegszeit in Europa, besonders der beispielhafte Erfolg der Erholung der deutschen Nachkriegswirtschaft unter dem Bretton-Woods-System in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Krieg, ist typisch für dieses Prinzip des Amerikanischen Systems. Ohne die Wiederbelebung dieser bewährten Prinzipien des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie gibt es keine Möglichkeit, dem allgemeinen Wirtschaftszusammenbruch, von dem die Erde jetzt bedroht ist, zu entkommen.

Unter diesem Amerikanischen System wird der Wert des Geldes so reguliert, daß es in der Praxis seines Umlaufs nicht irgendeinem nominellen Geldwert, sondern der Wirklichkeit relativer physischer Werte entspricht. Ein so bestimmter Wert mißt sich als realer Wert pro Kopf und pro Quadratkilometer, bezogen auf die Gesamtfläche einer Nation bzw. der ganzen Erde. Um dazu beizutragen, ist ein stabiles Währungssystem vonnöten, bzw. ein Verbund souveräner nationaler Währungssysteme, in denen der Wert, der dem Geld zuzuordnen ist, so stabilisiert wird, daß er mit den Erfordernissen des langfristigen Trends für entsprechende physische Werte annähernd übereinstimmt.

Ich benutze den Begriff "physischer Wert" nicht in dem derzeit gängigen groben Sinne der Reduktionisten. Ich meine damit, daß der einzig sachgemäße Maßstab für Wert der ist, den man als physische Wirkung mißt, die entsteht, wenn durch die Anwendung vom Menschen entdeckter, relativ höherer Prinzipien physischer Kraft die menschlichen Lebensbedingungen und Arbeitsmethoden verbessert werden. Diese Wirkung mißt man durch die Berechnung des Anstiegs der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der Volkswirtschaft. Dieses Potential muß man, wie Leibniz es tat, als dynamisches Ganzes messen, nicht in der wissenschaftlich untauglichen Art der Cartesianer.

Man betrachte die Herausforderung, vor der die praktisch finanziell bankrotten Volkswirtschaften der USA und Europas heute stehen, in diesem Licht. Dann stelle man sich die Frage: Wie erstellt und erhält man auf kompetente Weise einen staatlichen Kapitalhaushalt - im Gegensatz zu einem albernen Gemansche, das kurz- und langfristige Bilanzen unterschiedslos in einem einzigen Haushalt bunt zusammenwürfelt? Ein Haushalt, wie man ihn in Amerika von Bush senior und junior her kennt, dessen Resultat nahelegt, daß er aus unausgeglichenen Köpfen stammt, darf es nicht sein!

Langfristige Kapitalinvestitionen

Etwa die Hälfte des Jahresprodukts einer gesunden Volkswirtschaft sollte in Kapitalinvestitionen und verwandten Ausgaben für Schaffung und Erhalt langfristiger physischer Verbesserungen in dem - im weiteren Sinne - öffentlichen Sektor der Gesamtwirtschaft aufgehen. Im Amerikanischen System der politischen Ökonomie finden diese Investitionen in den öffentlichen Sektor in Arbeitsteilung zwischen Bundes-, Landes-, Bezirksregierungen und Kommunen statt. Obwohl einige dieser öffentlichen Ausgaben durch private Beteiligungen laufen oder in sie übergehen - z.B. in Form von Anleihen eines regulierten öffentlichen Versorgungsbetriebs - , liegt die Verantwortung für die öffentliche Infrastruktur als Ganzes bei unserem System konstitutioneller Regierung, so wie unser erster Finanzminister Alexander Hamilton diese Absicht für die Entwicklung der Gesamtwirtschaft insbesondere in seinem Bericht an den Kongreß Über die Manufakturen von 1791 dargelegt hat.

Ein einfacher Jahreshaushalt der Regierung kann diesem Bereich der Gesamtwirtschaft nicht gerecht werden. Typisch für die wesentlichste Art von Investitionen in einer Wirtschaft heute ist die Vorstellung der Zeitspanne eines Vierteljahrhunderts von der Empfängnis eines neuen Menschen bis zu seiner Erwachsenenreife als Universitätsabsolvent mit Fachausbildung. Für die meisten großen öffentlichen Investitionen dieser unverzichtbaren langfristigen Art ist ein Zeitraum von einem viertel bis halben Jahrhundert physischer "Lebensdauer", also über zwei Generationen, typisch.

Investitionshaushalte kompetenter Regierungen müssen also genau wie die gut geführter privater Unternehmen von der entscheidenden Kategorie der langfristigen Ausgaben für Anschaffung und Erhalt solcher wesentlichen physischen Investitionen geprägt sein.

Daher beruht unser Amerikanisches System der politischen Ökonomie, anders als die in Europa noch vorherrschenden Systeme, laut unserer Verfassung nicht auf einem System einer sog. "unabhängigen Zentralbank", das ein bloßes Geldsystem darstellt; unsere Verfassung fordert vielmehr ein Monopol der Bundesregierung auf staatliche Kreditschöpfung und die Steuerung eines Systems von Nationalkredit. Wenn unser verfassungsmäßiges System des Nationalkredits wirksam geschützt wird, setzt die Bundesregierung Geld in Form von Kredit in Umlauf, um das Niveau nützlicher Beschäftigung zu halten, u.a. indem sie lebenswichtiges Investivkapital in Form von Kredit für die grundlegende wirtschaftliche Infrastruktur bereitstellt. Kenner unseres Amerikanischen Systems werden heute darauf bestehen, einen großen Teil des jährlichen Anlage staatlichen Kredits in die nützliche Entwicklung langfristiger Verbesserungen grundlegender wirtschaftlicher Infrastruktur und ähnliche Investitionen geeigneter Privatunternehmen zu lenken.

Das wichtigste wirtschaftliche Element des Amerikanischen Systems ist also die Rolle des Staatskredits, der Investitionen in Entwicklung und Erhalt wesentlicher öffentlicher Bereiche der grundlegenden nationalen wirtschaftlichen Infrastruktur fördert und gleichzeitig langfristige Investitionen in private unternehmerische Aktivitäten, die im allgemeinen Interesse liegen, unterstützt. Diese Handlungsweise beruht auf dem grundlegenden Verfassungsprinzip unseres Regierungssystems, demzufolge die Schaffung und Ausgabe gültiger Währung ein Monopol der Bundesregierung ist. Das trifft auch dann zu, wenn wie während Roosevelts Präsidentschaft Instrumente wie die Reconstruction Finance Corporation (RFC) dafür eingesetzt wurden. Franklin Roosevelts Regierung und die verwandten Wissenschaftsmotor-Programme der "Nach-Sputnik-Ära" unter Eisenhower und Kennedys Projekt der bemannten Mondlandung sind beispielhaft.

Der größte Teil dieser verschiedenen staatlichen und privaten Kapitalinvestitionen hat eine lange Laufzeit von bis zu einem Vierteljahrhundert und länger. Die Schöpfung von in Währung ausgegebenem Staatskredit stellt also eine Verschuldung dar, von der wie gesagt ein großer Teil langfristig ist. Solange diese finanziellen Verpflichtungen nicht auf einen Zeitpunkt nach der nutzbringenden physischen Lebensdauer der Kapitalinvestition aufgeschoben werden, wird diese Schuld wahrscheinlich ihren Wert und Nutzen behalten. Deshalb wäre und ist es praktisch idiotisch, so zu tun, als sei eine solche staatliche Kreditschöpfung die Ursache eines unausgeglichenen laufenden Staatshaushaltes. Das gegenwärtige europäische Währungssystem führt uns im Extrem vor Augen, wie närrisch es ist, langfristige Kapitalinvestitionen genauso zu behandeln wie laufende Kosten. Wenn der gesamtwirtschaftliche Ausstoß unter dem Niveau liegt, das die Nation braucht, ist es tatsächlich verantwortungslos und grenzt an Wahnsinn, langfristige Kapitalinvestitionen wie kurzfristige Verpflichtungen zu behandeln, wie wir es unter dem fehlgeleiteten Präsidenten George W. Bush jun. meistens getan haben. Entsprechend sahen die bisherigen Resultate seiner Regierung aus, mit schmerzhaftesten Folgen für die ganze Nation. Die USA haben unter Bush in extremer Weise unbezahlte Zahlungsbilanzverpflichtungen gegenüber dem Ausland zur Finanzierung einer langfristigen Verschuldung des laufenden Staatshaushalts benutzt, während gleichzeitig praktisch alle langfristigen produktiven Kapitalinvestitionen in den USA selbst abgewürgt wurden.

Gegenwärtig arbeiten alle Volkswirtschaften in Nordamerika und Europa realwirtschaftlich weit unterhalb der Gewinnschwelle. Unsere privaten Bankensysteme sind im allgemeinen völlig bankrott. Nur die Schaffung von angemessen eingesetztem, langfristigen Staatskredit kann uns noch vor einer großen, weltweiten finanziellen und wirtschaftlichen Katastrophe bewahren. Ansonsten haben die Bedingungen, die seit dem US-Börsenkrach im Oktober 1987 durch immer wahnwitzigere Methoden der "John Law"-Tradition reiner Spielschulden in Form der sog. Finanzderivate geschaffen wurden, zusammen mit der zunehmenden Globalisierung mittlerweile dazu geführt, daß die Lage für einen weltweiten kettenreaktionsartigen Zusammenbruch reif ist, dessen Auswirkungen dem Finsteren Zeitalter im Europa des 14. Jahrhunderts vergleichbar wären.

Daher müssen wir gängige Vorstellungen wie den "ausgeglichenen Staatshaushalt" entweder als Ausgeburt unausgeglichener Gehirne behandeln oder als wohlbedachtes Vorgehen von Feinden, die uns bewegen wollen, unseren eigenen Untergang herbeizuführen.

Es ist höchste Zeit, mit monetaristischen Dogmen wie dem Aberglauben an "Freihandel" und "Globalisierung" aufzuhören.

Schluß mit dem "Flohmarkt"!

Joan Robinson hat sich einmal über den albernen Professor Milton Friedman lustig gemacht mit der treffenden Bemerkung, er sei der Ökonom des Aberglaubens post hoc, ergo propter hoc. Der armselige Geist Friedman bekannte sich des öfteren als Anhänger des groben Plagiators von Bernard Mandeville, Adam Smith, jenes Smith, der auch ohne den geringsten Rest von Ehrgefühl genauso frech bei den Physiokraten Dr. François Quesnay und A.R.J. Turgot abschrieb. Die Tatsache, daß Quesnay und Turgot selbst Schurken waren, verbessert das Urteil über den verlogenen Piraten Smith, diesen sog. Professor der Moralphilosophie, auch nicht gerade. Friedman bekannte sich auch als Anhänger der Sekte des berüchtigten Bernard Mandeville, des Familiengötzen der heutigen Anhänger der Mont-Pèlerin-Gesellschaft. So hat Friedman behauptet, das Gemeinwohl erfordere es, privaten Lastern wie Prostitution, illegalem Drogenhandel und Glücksspiel völlige Freiheit einzuräumen - genauso wie es Mandeville forderte.

Es mag Friedmans begrenzt entwickelte geistige Fähigkeiten übersteigen, zu erkennen, daß das eigentliche System, dem er folgt, von einem anderen, wahrhaft diabolischen Schurken mit ganz eigenen kriminellen Fähigkeiten herrührt: dem einstigen Leiter des "Geheimkomitees" im britischen Außenministerium, Jeremy Bentham, der viele Übel in die Welt setzte - so die Rechtfertigung des Wuchers und das utilitaristische Dogma, das bei den heute üblichen, verdorbenen und inkompetenten wirtschaftswissenschaftlichen Lehren, die man Leichtgläubigen an den Universitäten beibringt, vorherrscht.

Wer über diese Fragen wissenschaftlich nachdenken kann, der findet in der Wirtschaftsgeschichte immer wieder den Beweis, daß es im freien Geldumlauf kein Prinzip gibt, das für irgendetwas einen angemessenen relativen Preis angeben kann. Wie die führenden Köpfe der Haileybury-Schule Karl Marx beibrachten, rühren Zyklen von "Auf- und Abschwung" - allerdings nicht in Zehnjahres-Intervallen - daher, daß Preis und realwirtschaftlicher Wert langfristig nicht übereinstimmen. Es hat sich immer erwiesen, daß Regierungen sich auf allerlei Regulierungen im Außen- und Binnenhandel verlassen müssen, um zu verhindern, daß ziemlich anarchistische Bewegungen von Preis und Kredit zu einem neuen zyklischen Ausbruch von Wirtschaftskatastrophen führten. Zu den Aufgaben der Regulierung gehört es, nützliche langfristige Kapitalbildung und Investitionen in die Entdeckung gültiger Naturprinzipien vor den Verwüstungen einer spekulativen "Freihandels-"Marktwirtschaft zu schützen. Früher nannte man diese Politik des Protektionismus "fairen Handel", im Gegensatz zu einem immer ruinösen System von "Freihandel". Statt vom "freien Markt" sollte man besser vom "Flohmarkt" reden, auf dem heute sogar Schrott vertrieben wird, den manche frech "moderne Kunst" nennen.

Mit dem unter Präsident Franklin Roosevelt begonnenen Regulierungssystem, das bis 1971-72 beibehalten wurde, ließen sich krisenhafte Bewegungen unter Kontrolle bringen, so daß eine Depression der Volkswirtschaft verhindert werden konnte. In dem Augenblick, als unsere törichten Regierungen ab 1969-72 diese Regulierungsmechanismen aufhoben, begann eine Folge unheilvoller Krisen wie die vom Oktober 1987, eine Art Wiederholung der Hoover-Depression von 1929. Nach dem Oktober 1987 fügte man dem Repertoire neue Methoden hinzu, aber diese bewirkten nur, daß wir die Gefahr eines Hoover-artigen Einbruchs, wie sie 1987 bestand, inzwischen gegen die Gefahr einer allgemeinen Zusammenbruchskrise in der Größenordnung eines Finsteren Zeitalters wie in Europa in der Mitte des 14. Jahrhunderts eingetauscht haben. Gäbe es nicht immer noch die Option, das System von Freihandel und Globalisierung abzuschaffen, wäre damit in kurzer Zeit das Schicksal der weltweiten Zivilisation besiegelt. Doch angemessene regulierende Maßnahmen in der Art des Amerikanischen Systems können selbst zu diesem fortgeschrittenen Zeitpunkt der Welt noch einen Ausweg aus der lauernden Katastrophe liefern.

Wenn man über Prinzipien des Regierens spricht, sollte man in einem Atemzug über zwei Dinge gleichzeitig reden. Einerseits geht es um Prinzipien mit der Assoziation universeller wissenschaftlicher Prinzipien; gleichzeitig meinen wir damit auch prinzipielle Entscheidungen von Regierungen - eine Politik als Annäherung an wissenschaftsartige Prinzipien, die unter den gegebenen Bedingungen politisch erreichbar sind. Präsident Franklin Roosevelts Reformen, die uns vor den ruinösen Auswirkungen der Regierungen Coolidge und Hoover retteten, waren solche Annäherungen, wie sein Vorgehen mit der Reconstruction Finance Corporation (RFC) zeigt. Wenn man sich für eine Annäherung entscheiden muß, besteht die Gefahr darin, daß Regierungen die eigentlichen Prinzipien, deren Wirkungen sie sich annähern wollen, oft aus den Augen verlieren. So führte etwa der sophistische Niedergang Athen in den selbstverschuldeten Ruin des Peloponnesischen Kriegs. Und auch wir haben die vergleichbaren Folgen einer prinzipienlosen Diktatur des Sophismus in Form der Existentialisten des "Kongresses für Kulturelle Freiheit" mit ihrem Haß auf die Wahrheit erfahren: etwa den langen Krieg der USA in Indochina und die Zerstörung der amerikanischen Wirtschaft unter dem Diktat der radikalen Sophistereien der Regierung Nixon und dem Regime von Zbigniew Brzezinskis Trilateraler Kommission 1977-81.

Um noch einmal einen bereits erwähnten Punkt zu betonen: Einer der schlimmsten Flüche, den die Vereinigten Staaten ihrer Volkswirtschaft in den letzten Jahrzehnten auferlegt haben, war der Versuch, die Regierungsbefugnis zur Kreditschöpfung in das Prokrustesbett eines jährlichen "ausgeglichenen Regierungshaushalts" zu zwängen. Dieser Sophismus des "ausgeglichenen Haushalts" hatte in Verbindung mit den Auswirkungen eines Systems freier Wechselkurse eine vergleichbare Wirkung auf die amerikanische Volkswirtschaft wie Attila und Dschingis Khan, als sie bedeutende Teile Europas überrannten.

Die Welt befindet sich gegenwärtig in einem Zustand, in dem das heutige Weltfinanzsystem mehr als bankrott ist und die Regierung Bush junior so tut, als errichte sie ein Weltreich, während sie in Wirklichkeit nichts anders tut als sich selbst eine tiefe Grube zu graben. Wie den imperialen Belsazar muß man die Dummheit der Bush-Regierung an ihrer "Schmittlerian"2 Überheblichkeit bemessen.

Diese Regierung Bush hat die Vereinigten Staaten in einem Grade ruiniert, daß unserer Volkswirtschaft bald nicht nur in eine tiefe Depression, sondern ein Systemzusammenbruch bevorsteht, wenn wir nicht mehr oder weniger augenblicklich den Kurs in der Wirtschafts- und Finanzpolitik wechseln. Die Gefahr eines plötzlichen Platzens der hypothekengestützten Wertpapierblasen in den USA, Großbritannien und anderswo ist nur ein typisches Beispiel dafür, daß die Sprengkraft im gesamten von Finanzderivaten verseuchten Währungs- und Finanzsystem inzwischen schon "Wasserstoffbomben" entspricht.

Die in sich hyperinflationäre Welle, die sich in dem gegenwärtig weltweit beherrschenden Einfluß der spekulativen Finanzderivate ausdrückt, bedeutet, daß das augenblickliche Welfinanzsystem am Rande der Selbstauslöschung hockt, wenn wir jetzt nicht entschieden handeln, das Wirtschaftssystem in den USA einer radikalen Reorganisation unterziehen und zu der Tradition zurückkehren, öffentlichen Kredit für erfolgreiche Programme zur Schaffung wirtschaftlichen Wohlstandes in den Mittelpunkt zu stellen, so wie 1933, 1958 und 1961-63 unter den Regierungen Roosevelt, Eisenhower und Kennedy.

Leider sind gegenwärtig unter den maßgeblichen Nationen der Welt nur die Vereinigten Saaten in der Lage, die dringend benötigte Reform ihres eigenen und des internationalen Währungssystems zu beginnen. Unser besonderer Vorteil ist dabei ein Erbe, das historisch von unserer 1787-89 geschaffenen, einzigartigen Verfassungsordnung bestimmt ist - ganz besonders, daß die Verfassung das, was heute leider immer noch der vorherrschende europäische Stil von Zentralbanken und verwandter Politik ist, ausdrücklich zurückweist. Deshalb müssen wir die Gelegenheit, die sich mit dem Bankrott unseres heutigen Federal-Reserve-System bietet, nicht nur dazu nutzen, uns selbst vor dem Chaos zu retten - wir müssen auch den Bedarf an damit einhergehenden Reformen unter den führenden Nationen der amerikanischen Hemisphäre und Eurasiens decken. Unsere Verfassung liefert uns ausdrücklich die Möglichkeit, eine solche, dringend notwendige weltweite Wirtschaftsreform herbeizuführen - aber daß wir diese Vorgaben unserer Verfassung auch in die Wirklichkeit umsetzen können, beruht darauf, daß dieses Verfassungsprinzip, wenn auch zugegebenermaßen gegenwärtig unbewußt, wie ein schlummernder Vulkan mitten in der lebendig wirkenden Geschichte der Nation sitzt. Meine Aufgabe besteht hier u.a. darin, den Bürgern Amerikas diese Kräfte, die unserem nationalen Erbe innewohnen, wieder ins Bewußtsein zu rufen.


Anmerkung

2. Carl Schmitt, der "Kronjurist" der Nazis, war der Autor der Politik, unter der Hitler diktatorische Vollmachten erhielt, nachdem Hermann Göring den Reichstag angezündet hatte. Dieses "Führerprinzip" ist derzeit auch die erklärte Politik der Federalist Society, von Präsident Bush und Vizepräsident Cheney.

 

Aktuelle Ausgabe Kernthemen Suchen Abonnieren Leserforum