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Aus der Neuen Solidarität Nr. 21/2007

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LaRouche in Moskau: Die Zukunft nicht nur vorhersagen, sondern ändern!

Lyndon LaRouche und Helga Zepp-LaRouche waren am 16. Mai Gäste bei den Feierlichkeiten für Prof. Menschikows 80. Geburtstag in der Russischen Akademie der Wissenschaften. Es entwickelte sich eine breite Debatte über globale Strategie und Wirtschaft der nächsten 20 Jahre.

Die zweitägigen Feierlichkeiten zum 80. Geburtstag des prominenten russischen Ökonomen Stanislaw Michailowitsch Menschikow endeten am 16. Mai in Moskau mit einem Empfang zu seinen Ehren. Die Ansprachen des Abends setzten die breite Diskussion zwischen Rußlands führenden Akademikern, anderen Ökonomen und Spezialisten für internationale Angelegenheiten fort, die während einer Sondersitzung des Präsidiums der russischen Akademie der Wissenschaften zu Ehren Menschikows am Tag zuvor begonnen hatte. Der Rückblick auf Prof. Menschikows lange und abwechslungsreiche wissenschaftliche Karriere wurde durch den Geehrten selbst, der die Hauptansprache bei der Tagung hielt, in eine zukunftsorientierte Perspektive verwandelt. Im Rückblick vom Jahr 2027 (seinem 100. Geburtstag) aus präsentierte Menschikow eine Prognose über Strategie und Wirtschaft der nächsten 20 Jahre.

Prof. Menschikow stellte dem Publikum der Akademie der Wissenschaften zuerst seine ausländischen Gäste vor: den amerikanischen Ökonomen Lyndon LaRouche und die Gründerin des Schiller Institutes, Helga Zepp-LaRouche. Anschließend entwickelte er verschiedene Szenarien für Rußlands Entwicklung bis 2027 und kam am Ende seiner Rede auf LaRouches und Zepp-LaRouches Vorschläge zum Bau der Eurasischen Landbrücke und eines neues Bretton Woods zurück, die er als entscheidend für einen Wechsel zum Besseren bezeichnete.

Mehr als 50% von Rußlands gegenwärtigem Wirtschaftswachstum beruhten auf Raubbau an den ausgebildeten Arbeitskräften und dem gebundenen Kapital, das in der Sowjetära geschaffen worden sei, sagte Menschikow. Dies seien „Einmalfaktoren“, d.h. Rußland komme nicht ohne neue produktive Investitionen aus, wenn es wachsen wolle. Präsident Putin habe dies in seinen jüngsten Reden angesprochen, so Menschikow, als er die Notwendigkeit einer Industriepolitik erwähnte. Bislang würden sich jedoch die russischen oligarchischen Kapitalisten trotz Putins Ermahnungen weigern, in die produktive Industrie zu investieren.

Menschikow verwies jedoch darauf, daß Investitionen in die Infrastruktur den Weg zu einer besseren Politik ebnen könnten. Angesichts der Perspektive, daß 2027 China, die USA, Indien, Japan und Rußland die größten Volkswirtschaften der Welt sein werden, sei die Zusammenarbeit zwischen diesen Ländern entscheidend, sagte Menschikow. Er erwähnte besonders, daß LaRouches Programm für den Ausbau der Eurasischen Landbrücke die Ökonomien ganz Eurasiens restrukturieren könnte. Dazu seien langfristige Projekte erforderlich, und deren Finanzierung werde damit zur entscheidenden Frage. Die Lösung hierfür, so Menschikow, sei LaRouches Idee eines Neuen Bretton Woods. Wenn sich Rußland auf das eurasische Dreieck China-Indien-Rußland stützen könne und gleichzeitig die Zusammenarbeit mit den anderen Industrienationen im Auge behalte, ließe sich eine „konfliktfreie Situation“ für Entwicklung schaffen - wohingegen sonst Stagnation und Niedergang auf uns warteten.

Wer soll die Zukunft ändern?

Unmittelbar nach Prof. Menschikow sprach LaRouche. Er begann mit der Frage: Was hinterlassen wir der Zukunft? In einer Situation, in der praktisch jedes Land Europas westlich von Belarus und Rußland vor der Unregierbarkeit stünde und als Staaten zu scheitern drohten, sei es nötig, die Agenda der Welt zu ändern, sagte LaRouche. Politiker mögen korrupt oder inkompetent sein, doch es gebe durchaus noch klare Denker, zum Beispiel die erfahrenen Fachleute in und um die amerikanischen Regierungsinstitutionen.

Was in den nächsten zwanzig Jahren geschehen werde, ließe sich ändern, sagte LaRouche, doch die Frage sei, wer es tun werde. „Wer wird die Zukunft nicht nur vorhersagen, sondern ändern?“ Präsident Putin habe während der Gedenkfeiern für den Zweiten Weltkrieg wiederholt auf das Erbe Franklin Delano Roosevelts verwiesen. Die USA müßten also an Rußland, Indien und China, wie auch an die kleineren Nationen, die sich später anschließen würden, mit einer Rooseveltschen Agenda für wirtschaftliche Zusammenarbeit herantreten. LaRouche schloß, daß Rußlands Wissenschaftskultur von großer Wichtigkeit sein werde, um den Dialog zwischen den führenden Repräsentanten dieser vier großen Nationen voranzubringen. Das werde einen klaren Begriff von den Möglichkeiten für einen groß angelegten wirtschaftlichen Wiederaufbau und Entwicklung etablieren.

Der bekannte mathematische Ökonom und Akademiker Valeri Makarow leitete die Feierlichkeiten in der Akademie der Wissenschaften. Weitere Sprecher waren die Akademiemitglieder Ruslan Grinberg und Alexander Granberg, die mit Stanislaw Menschikow in Nowosibirsk zusammenarbeiteten und im vergangenen Monat die Konferenz in Moskau über „Megaprojekte in Rußlands Osten: eine eurasisch-amerikanische multimodale Transportverbindung über die Beringstraße“ leiteten. Repräsentanten des USA-Kanada-Institutes der russischen Akademie der Wissenschaften und der Hochschule für Ökonomie sprachen ebenfalls.

Der bekannte Prawda-Journalist Georgi Mirskij beschrieb Menschikow als ein „fliegendes Wesen“, das auf der ganzen Welt arbeitete und sein Talent stets teilte. „Man konnte nie mit Menschikow mithalten", sagte er.

Prof. Menschikows Frau, die Ökonomin Larissa Klimenko-Menschikowa, seine Töchter und weitere Familienmitglieder waren während der gesamten Feierlichkeiten anwesend.

Prof. Karel van Wolferen von der Universität Amsterdam verlas Grüße von Prof. James Galbraith von der Universität Texas in Austin. Sein Vater, John Kenneth Galbraith, hatte in langer und einzigartiger Zusammenarbeit mit Menschikow gestanden. Nach eigenen Anmerkungen van Wolferens verlas Eitna van Wolferen eine Grußbotschaft eines weiteren alten Freundes und Mitarbeiters Menschikows, Prof. Angus Maddison, der an den Universitäten Groningen (Niederlande) und Brisbane (Australien) arbeitet.

Dr. Sergej Glasjew, Ökonom und korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften, kam direkt aus der russischen Duma, der er angehört, zu den Feierlichkeiten. Glasjew sprach von der Schwierigkeit, Menschen zum Denken zu bringen, so wie es Stanislaw Menschikow stets getan hat. Er gratulierte Menschikow zu den großen Errungenschaften seines bisherigen Lebens, die er, so Glasjew, „mit Liebe für sein Land und dem Vertrauen vollbracht hatte, mit dem er stets seinem eigenen Geist folgen konnte.“ Anders als einige junge Menschen, die heute in einer virtuellen Realität gefangen seien, hätte sich Menschikow stets an der Realität orientiert und habe mit seiner Bereitschaft, dieser Realität ins Auge zu sehen, in Rußland und darüber hinaus enormen Optimismus verbreitet.

Die Feierlichkeiten im Präsidium der Akademie der Wissenschaften schlossen mit der Vorstellung von drei gerade erschienenen Büchern Menschikows durch seinen Schüler Georgi Tsagolow. Eines der Bücher ist die englische Ausgabe von Menschikows „Die Anatomie des russischen Kapitalismus“ (The Anatomy of Russian Capitalism, www.larouchepub.com), die im März von EIR News Service veröffentlicht wurde. Die Übersetzerin, Rachel Douglas, berichtete, daß das Buch derzeit unter Mitgliedern des US-Repräsentantenhauses zirkuliere, die begreifen müßten, was Menschikow ihnen über die komplexen wirtschaftlichen Prozesse der vergangenen 15 Jahre in Rußland zu sagen habe. Sie machte außerdem darauf aufmerksam, daß auf das Jahr 2007 auch der 200. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen Rußland und den USA und der Veröffentlichung von Alexander Hamiltons Report on Manufactures in russischer Sprache falle.

Menschikows Memoiren, die gerade in russisch unter dem Titel Über unsere Zeit und über mich erschienen sind, wurden wegen ihrer einzigartigen Einsichten, die sie in die Geschichte der vergangenen 65 Jahre vermitteln, von zahlreichen Teilnehmern gewürdigt. Das dritte soeben erschienene Buch ist eine Studie Menschikows und Tsagolows über einige Beispiele russischer Unternehmen, die zur realen Entwicklung der russischen Wirtschaft beigetragen haben - im Gegensatz zu der Halsabschneiderei, wie sie in „Die Anatomie des russischen Kapitalismus“ beschrieben wird.

rbd

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Roosevelt, die USA und Rußland
- Neue Solidarität Nr. 17/2007
Prof. Menschikow zur Dollarkrise
- Neue Solidarität Nr. 7/2005
LaRouches "Neues Bretton Woods" aus russischem Blickwinkel
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LaRouche in Moskau: Der Menschheit eine Zukunft geben
- Neue Solidarität Nr. 18/2004
LaRouches Ideendialog mit russischen Wissenschaftlern
- Neue Solidarität Nr. 52/2001

 

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