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Neue Solidarität
Nr. 18, 29. April 2009

LaRouche-Vertreter im Sudan: Britisches Empire ist der Feind!

Eine vierköpfige Delegation der LaRouche-Bewegung war Anfang April im Sudan, wo sie an einer Konferenz gegen die Politisierung der Justiz durch den „Internationalen Strafgerichtshof“ teilnahm.

Die Allgemeine Studenten-Union des Sudan hatte den als Wirtschaftswissenschaftler bekannten Lyndon LaRouche, der sich seit Jahrzehnten für die wirtschaftliche Entwicklung des Sudan einsetzt, eingeladen, vor ihrer „Weltkonferenz für Internationale Gerechtigkeit: Vereint gegen die Politisierung der Justiz“ zu sprechen, die vom 5-7. April in Khartum stattfand. Da LaRouche nicht persönlich teilnehmen konnte, vertraten ihn vier Mitglieder seiner Bewegung vor Ort: Lawrence Freeman, Chef des Afrika-Ressorts beim Executive Intelligence Review, der EIR-Afrika-Experte Douglas de Groot, Summer Shields von der LaRouche-Jugendbewegung und Hussein Askary vom Schiller-Institut in Schweden. Im Verlauf mehrerer Tage hatte die Delegation zahlreiche Möglichkeiten, den mehreren Hundert Teilnehmern der Konferenz und über die sudanesischen Medien auch der Bevölkerung des Landes ihre Ideen vorzustellen.

Ihre Botschaft an den Sudan lautete: Die eigentliche Quelle der Angriffe auf den Sudan ist das Britische Empire. Die Vereinigten Staaten und der Sudan haben in ihm einen gemeinsamen Feind. Die Haltung der LaRouche-Bewegung in den letzten Jahrzehnten gegenüber dem Sudan, den LaRouche und Vertreter der LaRouche-Bewegung wiederholt besucht und seit Anfang der neunziger Jahre immer wieder energisch gegen internationale Angriffe verteidigt haben, hat Lyndon und  Helga Zepp-LaRouche und ihren Mitarbeitern enorme Glaubwürdigkeit im Sudan verschafft, sodaß man davon ausgehen kann, daß ihre Beiträge zu der jüngsten Konferenz großen Einfluß auf das Denken in diesem Land haben werden.

Nach unserem Besuch von 4.-10. April, der u. a. Exkursionen nach Nord-Darfur und zum neugebauten Merowe-Damm umfaßte, kann ich über zwei Aspekte der sich schnell ändernden Dynamik im Sudan berichten, die mir gegenüber früheren Besuchen ins Auge stachen.

Erstens steht der Sudan heute geschlossener hinter Präsident Omar Al-Baschir, als das vor dem Ausstellen des Haftbefehls durch den Internationalen Strafgerichtshof (ICC) am 4. März der Fall war. Entgegen der Wunschträume der liberalen Ideologen in den Vereinigten Staaten und anderswo, die gehofft hatten, das Vorgehen des ICC werde die Regierung des Sudan schwächen und zum Sturz des Präsidenten führen, ist genau das Gegenteil eingetreten. Das Nationalgefühl und der Patriotismus der Bevölkerung wurden mobilisiert, weil die Menschen verstehen, daß ihre Nation angegriffen wird und nicht nur ein einzelner Mann. Moslems und Christen im Sudan, die durchaus Einwände gegen das „Baschir-Regime“ haben, haben ihre Differenzen beiseite geschoben, um sich hinter ihre Nation und ihren Präsidenten zu stellen.

Diese Änderung reflektiert sich in der Tatsache, daß viele Sudanesen, die in den Vereinigten Staaten lebten, in ihr Land zurückgekehrt sind, um die neuen wirtschaftlichen Möglichkeiten und das offenere politische Klima zu nutzen. Ein Mitglied der oppositionellen Partei der Demokratischen Union (DUP), der nach dem Putsch von 1989 das Land bei Nacht und Nebel verlassen hatte, ist nun nach 18 Jahren zurückgekehrt, um für ein politisches Amt zu kandidieren. (Lesen Sie dazu auch unser Interview in dieser Ausgabe).

Zweitens gibt es trotz jahrelanger Sanktionen von Regierungen und Institutionen des Westens, die versuchten, den Sudan an der Entwicklung seiner Volkswirtschaft zu hindern, substantielle Fortschritte beim Bau wesentlicher Bestandteile der wirtschaftlichen Infrastruktur. Auch wenn diese Entwicklungen beeindruckend sind, müssen die Investitionen in die Infrastruktur noch vermehrt werden, um die Bevölkerung aus ihrer Armut zu holen.

Wenn man diese Dynamik des Sudan richtig versteht, insbesondere im Vergleich mit den anhaltend schrecklichen Zuständen in anderen Regionen Schwarzafrikas, dann sind die Leistungen des Sudan auffallend - nicht, weil sie alle Probleme gelöst hätten, sondern weil sie in eine andere, aufwärts zeigende Richtung führen, auch wenn in den kommenden Monaten und Jahren noch schwierige Zeiten bevorstehen.

Der Sudan hat sich, weil er in den letzten beiden Jahrzehnten dafür kämpfte, große Hindernisse zu überwinden, den Haß des britischen Empire zugezogen, und das ist einer der Gründe dafür, daß der von den Briten geschaffene ICC das Land angegriffen hat. Aufgrund seiner strategischen Lage als größtes Land im Flußbecken des Nil und seines reichen landwirtschaftlichen Potentials hätte eine umfassende wirtschaftliche Entwicklung des Sudan nicht nur eine große Wirkung für die Region am Horn von Afrika, sondern auch für Nord- und Zentralafrika. Diese geopolitischen Gründe hatten schon Lord Kitchener 1898 bewogen, den Sudan zu erobern und zu versuchen, dem Britischen Empire die Kontrolle über das gesamte Becken des Nil zu sichern. Aus den gleichen Gründen weigert sich das Britische Empire auch heute, die Souveränität des Sudan zu respektieren. Die Vorwürfe des ICC und die Kampagne zur „Rettung von Darfur“, in der fälschlicherweise von einem „Völkermord“ gesprochen wird, haben lediglich eine Absicht: die von Präsident Baschir geführte Regierung zu stürzen, so daß erneut Bürgerkriege ausbrechen würden und die Nation dadurch wieder in verschiedene, gegeneinander kämpfende Regionen zerfallen würde. Auf diese Weise würde man die Souveränität dieses Landes, das man mit Recht als eine der Säulen Afrikas bezeichnen kann, zerstören.

Aber der britisch orchestrierte Angriff des ICC auf Präsident Baschir richtete sich nicht nur gegen den Sudan, sondern hatte auch den strategischen Zweck, die USA dadurch zu isolieren, daß man Präsident Barack Obama dazu verleitete, sich gleich in den ersten beiden Monaten im Amt hinter das illegale Vorgehen des ICC zu stellen. Wäre das geschehen, hätten die Vereinigten Staaten und ihr neuer Präsident sich die Feindschaft der afrikanischen und arabischen Nationen zugezogen, die ansonsten geneigt wären, den neuen Präsidenten zu unterstützen. Zum Glück ist es den „Realisten“ innerhalb der Institution der Präsidentschaft bisher gelungen, sich gegen die „Ideologen“ durchzusetzen und zu verhindern, daß Obama in diese britische Falle tappte. General Scott Gration, der neue Sonderbotschafter der USA für den Sudan, der dort im April eine Woche verbrachte, soll in seinen Gesprächen mit Vertretern der Regierung eine offene Haltung eingenommen haben.

LaRouches Ideen verbreiten sich

Die Konferenz begann am 5. April in der Freundschafts-Halle am Blauen Nil mit rund 700 Teilnehmern, die Mehrheit davon Studenten aus allen Teilen des Sudan. Hinzu kamen mehrere Dutzend ausländischer Gäste, die Studentenbewegungen aus den afrikanischen und arabischen Nationen vertraten, und ein Dutzend Gäste aus den Vereinigten Staaten: neben den Mitgliedern der LaRouche-Bewegung drei Professoren der Howard-Universität, der nigerianische Journalist Akbar Mohamad, der sich seit langem für den Sudan einsetzt, und andere Freunde des Sudan. Zu den Teilnehmern gehörte auch der bekannte österreichische Prof. Hans Köchler, Präsident der International Progress Organization.

Vor der Eröffnungsansprache des Präsidentenberaters Dr. Mostafa Osman Ismail wurden mehrere arabische Studentenführer gebeten, der Konferenz ihre Grüße zu übermitteln. Lawrence Freeman vom Executive Intelligence Review, der ebenfalls gebeten wurde, einige Grußworte zu sprechen, betonte sogleich, Schuld an der Einrichtung des ICC seien George Soros und Lord Malloch-Brown, die er beide als Agenten des britischen Außenamtes charakterisierte. Seine Darstellung, daß hinter der Schöpfung dieses Scheingerichtes (das von den Vereinigten Staaten gar nicht anerkannt ist) nicht die Vereinigten Staaten, sondern das britische Finanzempire stehe, setzte eine Diskussion über die Briten in Gang, die bis zum Ende der Konferenz andauerte.

Nach der Eröffnungssitzung gab es ein Treffen der Studentenorganisationen, bei der als letzter Redner Summer Shields von der LaRouche-Jugendbewegung sprach. Er zeichnete ein Bild der Vereinigten Staaten, das sich drastisch von dem beschränkten Amerika-Verständnis vieler arabischer Studentenorganisationen unterschied. Shields entwickelte die Politik von Präsident Franklin Roosevelt und Lyndon LaRouche, die das eigentliche Amerika repräsentieren.

Bei der ersten Plenarsitzung der Konferenz am 6. April präsentierte Hussein Askary sein Papier „Die strategischen und wirtschaftlichen Gründe für die Angriffe auf den Sudan“, in dem er sich auf die Bedeutung des Merowe-Damms und des ungenutzten Landwirtschaftspotentials des Sudan konzentrierte. Er schloß mit einem kurzen Video, in dem gezeigt wurde, wie Afrika entwickelt werden könnte, wenn LaRouches Vorschläge für ein kontinentales Netz von Hochgeschwindigkeitsbahnen, die Afrika mit Eurasien verbinden sollen, realisiert würden.

Freeman, der nach Askary sprach, diskutierte LaRouches Prognose für den gegenwärtigen globalen Zusammenbruch des Weltwirtschafts- und -finanzsystems und die Maßnahmen, die ergriffen werden müssen, um einen weiteren Absturz in ein neues Finsteres Zeitalter zu verhindern. Dann beschrieb er die diametral entgegengesetzte Politik des britischen  Freihandels-Systems der Globalisierung und des Konzepts der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas nach dem Amerikanischen System, wie es in den vierziger Jahren von Präsident Roosevelt und heute von Lyndon LaRouche vertreten wird. Die Texte der Reden von Askary und Freeman waren in der offiziellen Konferenzdokumentation in englischer und arabischer abgedruckt.

Askary sprach auch vor 100 Studenten aus afrikanischen und asiatischen Ländern als Hauptredner eines Seminars der Universität von Afrika in Khartum.

Die Konferenz endete mit einer Präsentation des Vizepräsidenten Ali Osman Mohammed Taha, der im Sudan hochangesehen ist, weil er im Januar 2005 mit dem inzwischen verstorbenen Rebellenführer der Volksbefreiungsbewegung/-armee des Sudan (SPLM/A), John Garang, das Umfassende Friedensabkommen ausgehandelt hatte, das dem jahrzehntelangen Bürgerkrieg zwischen dem Norden und dem Süden, in dem Millionen Menschen umgekommen waren, ein Ende setzte. Vor den ausländischen Gästen und Studenten aus dem Sudan warnte Taha: „Der Krieg im Sudan ist noch nicht zu Ende.“ Der ICC habe sich durch seine Maßnahme selbst zerstört, aber die neue Front im Krieg gegen den Sudan werde unter dem Slogan der „humanitären Notwendigkeit“ eröffnet werden.

Auf die Frage unmittelbar vor dem Ende der letzten Sitzung der Konferenz, ob er einen Rat für Taha habe, erklärte Freeman, das Britische Empire sei der gemeinsame Feind des Sudan und der Vereinigten Staaten, und man müsse ihn „in die Flanke treffen“. Wenn man Soros und Lord Malloch-Brown öffentlich als Gründer des ICC bloßstelle, werde man die Londoner Wutschreie bis nach Khartum hören können.

Am Rande der Konferenz wurden Freeman und Askary eingeladen, vor der Anwaltsvereinigung des Sudan zu sprechen, wo sie ihre Ideen vor einem mit hochrangigen Anwälten und Jurastudenten überfüllten Saal präsentieren konnten. Wiederum erklärte Freeman, der ICC sei keine amerikanische Schöpfung, vielmehr wollten die Briten mit dessen Haftbefehl auch die Präsidentschaft Barack Obamas unterminieren. Mehrere der anwesenden Juristen äußerten ihre Zustimmung zu dieser Analyse, während andere eher irritiert waren.

Während ihres Aufenthaltes in Khartum konnte die Delegation auch direkt zur Bevölkerung des Sudan sprechen, denn Askary und DeGroot wurden eingeladen, im Fernsehen aufzutreten, Askary sogar in den Abendnachrichten des nationalen Fernsehsenders.

Ein Besuch in Darfur

Am 7. April besuchten etwa 30 Gäste und Medienvertreter El Faschir, die Hauptstadt von Nord-Darfur. Nord-Darfur hat eine Fläche von 292.000 km2, das sind 12% der Fläche des Sudan und 57% der Fläche von Darfur, das auch noch die beiden Bundesstaaten Süd- und West-Darfur umfaßt. Darfur hat nach jüngsten Erhebungen 2,4 Mio. Einwohner, also etwa 6% der insgesamt 40 Mio. Menschen, die im Sudan leben. Der Wali (Gouverneur) von Nord-Darfur, Osman Yusuf Kibr, informierte die Gäste umfassend über die Lage in seinem Bundesstaat.

Etwa 165.000 Menschen leben in fünf Lagern, die in diesem Bundesland für Binnenflüchtlinge eingerichtet wurden, weitere 287.000 Binnenflüchtlinge leben außerhalb solcher Lager. Die ausländischen Gäste besuchten dann das Lager Al-Salam (Frieden). Dort werden die Bewohner mit Trinkwasser, Unterkunft, Nahrungsmitteln und Medizin versorgt.

Natürlich lebt man in diesen Lagern nicht gut, und eigentlich sollten Menschen nicht unter solchen Bedingungen leben müssen. Aber in dieser Region Afrikas lebt niemand gut. Darfur ist eine unwirtliche und trostlose Landschaft, die neben Teilen des Sudan auch den Osten des Tschad, den Süden Libyens und den Norden der Zentralafrikanischen Republik umfaßt. Die Menschen sind nicht nur in diese Lager gekommen, weil in ihrer Heimat Krieg herrscht, sondern auch, weil sie sonst nicht leben könnten.

So traurig diese Lage ist: die Bedingungen in den Lagern sind nicht schlimmer als in anderen Regionen extremer Armut im Sudan oder in ganz Afrika. Diejenigen, die gedankenlos ständig das Geschwätz über den „Völkermord“ in Darfur nachplappern, machen sich selbst auf diese Weise blind für die Realität vor Ort: Die Hauptursache für den Tod und die Leiden in Darfur ist der Mangel an Wasser, Infrastruktur und wirtschaftlicher Entwicklung. Warum fordert die „Rettet Darfur“-Koalition nicht wirtschaftliche Entwicklung? Können sie nicht mehr denken, oder werden sie von einer fremden Macht kontrolliert, die sie am Denken hindert?

Der Mensch transformiert die Wüste

Nach Abschluß der Konferenz machte sich eine kleine Gruppe der Gäste auf eine Tagesreise zum gerade in Betrieb genommenen Merowe-Damm, 350 km nördlich von Khartum. Dies ist heute das ehrgeizigste Infrastrukturprojekt in Afrika, und es ist ein Beispiel für das, was die Regierung des Sudan mit dem Land vorhat. So gibt es Pläne für eine Eisenbahnlinie von Port Sudan am Roten Meer südwärts nach Khartum, von der dann ein Zweig nach Osten bis El Faschir und ein anderer nach El Obeid im Süden des Landes führen sollen.

Der Merowe-Damm ist ein exzellentes Beispiel dafür, wie der Mensch seine Umgebung transformieren kann, um sie für die Existenz von Menschen günstiger zu gestalten. Das einzige, was man während der vierstündigen Busreise durch die Wüste nach Merowe ab und zu sieht (außer Sand), ist ein mageres Kamel oder eine Ziege, die an einem kleinen, blattlosen Busch oder Baum nagt. Außerhalb der Kontrollposten und Rastplätze sieht man weder Menschen noch Grün, nur Hunderte von Kilometern Sand.

Dann kommt man zur Stadt Merowe, und man glaubt, auf einem anderen Stern zu sein: Moderne Gebäude, Reihen üppig gedeihender Bäume, moderne Landwirtschaft und Wasser, das vom Merowe-Damm herabströmt. Wenn man den Komplex des Staudamms verläßt, läßt man ein leuchtendes Beispiel der wissenschaftlichen und technologischen Errungenschaften der Menschheit hinter sich: die Begrünung der Wüsten. Der Wüstenboden des Sudan hat hier sehr schön seine Fähigkeit bewiesen, auf Wasser zu reagieren, wenn der Mensch dafür sorgt, daß diese beiden Faktoren zusammenkommen. Man kann sich vorstellen, welch enormes Potential zur Produktion von Nahrungsmitteln hier im Norden des Sudan schlummert - bis Wasser in die Region gebracht wird.

Der schwierige Weg in die Zukunft

Im Sudan leben immer noch sehr viele Menschen in äußerster Armut, ein Zustand, der hoffentlich durch das Streben der Regierung nach Investitionen in große Infrastrukturprojekte, um Trinkwasser, Elektrizität und Eisenbahnverkehr bereitzustellen, überwunden wird. Der Westen hat sich bisher geweigert, dem Sudan - oder irgendeiner anderen schwarzafrikanischen Nation - hierbei irgendwelche Unterstützung  zukommen zu lassen. Die idiotischen Sanktionen, die gegen den Sudan verhängt wurden, erschweren es - neben dem Preisabsturz von Öl (das der Sudan exportiert) - nur, das volle Wirtschaftspotential dieser großen Nation zu entwickeln.

Obwohl der Erfolg des Umfassenden Friedensabkommens für die Regierung immer noch die oberste Priorität hat, wurde seit dem Erlassen des Haftbefehls gegen Präsident Baschir durch den ICC ein Teil der Aufmerksamkeit und der Energie von den Verhandlungen über das Friedensabkommen abgelenkt. Ehrliche amerikanische Geheimdienstspezialisten, Gelehrte und Diplomaten verstehen, daß das Beilegen der Dispute zwischen dem Norden und dem Süden des Landes absolut notwendig ist, um das Überleben des Sudan als Nation zu sichern.

Es gibt immer mehr Hinweise auf innere Schwierigkeiten im Süden des Landes. Die nationalen Wahlen, die nach dem Umfassenden Friedensabkommen spätestens im Juli 2009 stattfinden sollten, wurden inzwischen bis Februar 2010 aufgeschoben, was dann nur noch wenig Zeit läßt zur Vorbereitung des Referendums über eine Abspaltung des Südens vom Norden, das 2011 stattfinden soll. Es wäre unverantwortlich, die Möglichkeit eines neuen Bürgerkriegs auszuschließen, wenn das Friedensabkommen nicht in den kommenden Wochen und Monaten gestärkt wird. Das illegale Vorgehen des ICC und das Mantra-artige Geschwätz über einen „Völkermord“ in Darfur verschlimmert nur die Lage der Bevölkerung im Sudan, und es verzögert die Aussicht auf einen wirklichen Frieden und Prosperität.

Die Gespräche General Grations im Sudan waren dem Vernehmen nach freundlich, und sie könnten ein erster Schritt sein zu guten Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und dem Sudan, die unter der bisherigen US-Regierung nicht möglich waren. Die Regierung Obama hat bisher noch keine kohärente Politik gegenüber dem Sudan und dem übrigen Afrika formuliert, auch wenn viele Afrikaner darauf ihre Hoffnung setzen.

Im gegenwärtigen Stand der Beziehungen zwischen den USA und dem Sudan sagen Taten mehr als Worte. Eine amerikanische Politik, die „Begrünung der Wüsten“ im Sudan nachdrücklich zu unterstützen, würde im Sudan und auf dem ganzen afrikanischen Kontinent als wirkliches Zeichen der Freundschaft aufgefaßt werden. Vor allem würde sie der amerikanischen Außenpolitik eine neue Richtung geben - eine, auf die Präsident Franklin Roosevelt stolz wäre.

Lawrence Freeman

Lesen Sie hierzu bitte auch:
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