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Neue Solidarität
Nr. 25, 23. Juni 2010

Wall Street verlangte schon 1984 Aufhebung von Glass-Steagall

LaRouches Aktionskomitee LPAC arbeitet derzeit an einem Dossier über die Machenschaften, die zur Aufweichung des Trennbankensystems in den USA seit den achtziger Jahren und schließlich zur völligen Aufhebung des Glass-Steagall-Gesetzes 1999 führten.

Diese Operation wurde über das eng mit der britischen Finanzwelt verwobene Finanzhaus J.P. Morgan abgestimmt. Die Bank veröffentlichte 1984 ein Pamphlet mit dem Titel „Glass-Steagall überdenken“, worin die Aufhebung von Glass-Steagall und die Rückkehr zum System der Megabanken - mit den Aktivitäten von Geschäftsbanken, Investmentbanken und Versicherungen unter einem Dach - aus der Zeit vor Präsident Roosevelts Bankenreform gefordert wurde. (Weil dieses System den Bankenkrach von 1929 und die Große Depression herbeigeführt hatte, hatte Roosevelt es abgeschafft und durch ein Trennbankensystem ersetzt.)

Einer der Direktoren von J.P. Morgan war 1984 Alan Greenspan, der 1987 zum Vorsitzenden des Federal-Reserve-Systems ernannt wurde und in dieser Funktion (bis 2006) die formelle Aufhebung von Glass-Steagall und die allgemeine Zerstörung der Wirtschaft steuerte.

Zu den Autoren von „Glass-Steagall überdenken“ gehörte 1984 auch ein gewisser William C. Dudley, der im Januar 2009 von der Regierung Obama zum Nachfolger des heutigen Finanzministers Tim Geithner als Präsident und Vorstandschef der New Yorker Federal Reserve Bank ernannt wurde. Seit 2007 hatte Dudley als dessen Verbindungsmann zu den ausländischen Zentralbanken eng mit Geithner zusammengearbeitet.

Die Ernennung Dudleys zum Chef der New Yorker Fed war ein klares Signal der Regierung Obama, daß sie sogar noch weiter gehen würde, auch die letzten Reste des Roosevelt-Erbes zu beseitigen, als vor ihr die Regierung Bush. Schon vor seiner Zeit bei der New Yorker Fed gehörte Dudley in seiner gesamten Karriere zu den Mitstreitern Alan Greenspans im Kampf gegen Glass-Steagall. Wie schon gesagt, gehörte Dudley zu den Autoren des Anti-Glass-Steagall-Pamphlets. Nach Angaben seiner offiziellen Biographie der Fordham University Law School arbeitete Dudley dann nach seiner Zeit bei J.P. Morgan 20 Jahre lang für die Investmentbank Goldman Sachs - erst als Chefökonom, dann als Partner, schließlich als geschäftsführender Direktor.

Der Greenspan-Dudley-Plan zur Abschaffung von Glass-Steagall wurde schließlich realisiert, nachdem Greenspan 1998 unter klarem Verstoß gegen die damals geltenden Gesetze die Fusion der Citibank - einer Geschäftsbank - mit der Versicherungsgruppe Traveller unter dem Vorbehalt genehmigte, die Gruppe müsse innerhalb von zwei Jahren „gesetzeskonform“ werden. Aber die gegen das Glass-Steagall-Gesetz verstoßende Verbindung der Aktivitäten von Geschäftsbanken, Investmentbanken und Versicherungen wurde nicht durch ein Abtrennen der betreffenden Geschäftsfelder beendet, sondern das Glass-Steagall-Gesetz wurde „fristgerecht“ abgeschafft. Diese Fusion, ohne die Citibank damals vermutlich kollabiert wäre, diente nämlich als Hebel, das Gramm-Leach-Bliley-Gesetz durchzudrücken, mit dem das Glass-Steagall-Gesetz ganz außer Kraft gesetzt wurde.

Auch im Zuge der Finanzkrise seit 2007 dient der drohende Bankrott der Banken als Druckmittel, um die Politik zu erpressen, damit sie im Interesse der Finanzwelt handelt. LPAC fordert daher eine Untersuchung von Dudleys Rolle bei den Bankrettungsmaßnahmen insbesondere für AIG, Goldman Sachs und Morgan Stanley.

LPAC geht davon aus, daß die Aufdeckung dieser Machenschaften der politischen Karriere des jetzigen Vorsitzenden des Finanzdienstleistungsausschusses im Repräsentantenhaus, Barney Frank, ein Ende bereiten können, denn „Bailout-Barney“, der schon 1999 im Kongreß für die Aufhebung von Glass-Steagall wirkte, macht auch jetzt immer wieder deutlich, daß er alles tun wird, um die Wiederinkraftsetzung von Glass-Steagall zu vereiteln.

eir