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Neue Solidarität
Nr. 28, 13. Juli 2011

Die dunkelsten Stunden unserer Tage

Von Lyndon LaRouche

Lyndon LaRouche kommentierte den Erfolg der Rüsselsheimer Konferenz des Schiller-Instituts mit der folgenden Erklärung

5. Juli 2011, zwei Uhr nachts. Für die Menschen, die in Nordamerika oder Europa leben, sind die Stunden zwischen Mitternacht und Morgendämmerung, in denen ich hier, an meiner heimatlichen Atlantikküste, diese Zeilen schreibe, die dunkelsten Stunden jedes Tages. Es sind die dunkelsten Stunden meines Tages, da ich hier sitze, soeben aufgestanden, während so viele andere ihr Leben unwissend zu verschlafen scheinen, an einem Ort weit entfernt von der Realität der Welt. Viele meiner nordamerikanischen Mitarbeiter schlafen gerade unwissend, ohne etwas von den großartigen Momenten zu ahnen, die sich am letzten Samstag und Sonntag in Europa, genauer gesagt in Rüsselsheim in Deutschland, ereignet haben.

Es war dort, wo zu meiner Zeit, in diesem Rüsselsheim, von den Stunden des soeben vergangenen Wochenendes bis zum gerade heraufdämmernden neuen Tag, einer der großartigsten Momente der jüngsten Zeit kam und ging. Auch für die meisten meiner nordamerikanischen Mitarbeiter. Meine hiesigen schlafenden Freunde sind immer noch zum größten Teil allzusehr mit ihren verträumten Illusionen beschäftigt. In wenigen Stunden werden die Tage dieser Traumwelt vergangen sein.

So sitze ich hier, und weiß, daß sich diese Träume schon bald in Heulen und Schreien oder Schlimmeres verwandeln werden. Eine Stimme wird man hören, wie den Schrei des Hahnes in der Morgendämmerung, dann werden andere zu hören sein, und dann wird der reale Alptraum der ganzen Masse der geweckten Schläfer beginnen. Die Spielplatzphantasien meiner hiesigen schlafenden Freunde werden schon bald vergangen sein. Die soeben geborene Dämmerung wird schon bald vergehen - es war eine „falsche Dämmerung“, und dann wird jener schreckliche Alptraum, der unser „Garten der Lüste“ gewesen ist, beginnen.

Die Nacht selbst war bereits da, während sie noch träumten.

Was in Rüsselsheim geschah

Das letzte Mal, als meine europäischen Mitarbeiter eine größere politische Konferenz in Rüsselsheim veranstalteten, hatte der Absturz eines führenden deutsche Automobilkonzerns und die ganze Welle des Zusammenbruchs der deutschen Industrie gerade erst begonnen. Es lag noch eine Erinnerung an den früheren Optimismus in der Luft. Als meine Freunde am Samstag, den 2. Juli, morgens in diese Stadt fuhren, war es, als versuche ein gut gepflegter wirtschaftlicher Friedhof der verlorenen deutschen Hoffnungen nur noch um des Scheins willen den Schein aufrecht zu erhalten.

Nicht lange nach unserem Eintreffen an demselben Ort, an dem auch unsere frühere Versammlung stattgefunden hatte, lag etwas anderes in der Luft.

Man mußte zusätzliche Stühle in die Halle fahren. Dann noch mehr Stühle, und noch mehr. Und immer noch suchten Leute einen Sitzplatz. Die Veranstaltung begann mit der nachdrücklich geäußerten Hoffnung, was getan werden kann. Als sich die Vormittagsstunden dann in den Tag hinein verlängerten, fühlte man einen neuen Geist aufziehen. Elan und Ton der Veranstaltung steigerten sich immer deutlicher spürbar, vom Morgen bis zum Abend. Der Applaus wurde im Verlauf des Tages immer lauter und länger. Dann kam der Abend.

Es war die Zeit für ein Festival klassischer Musik, ohne das für unsereinen, ganz besonders in Deutschland, der Tag nicht vollständig ist. - „Wo bleibt der Nachtisch?“ - So sind die wahren deutsche Patrioten bei solchen Gelegenheiten, wenn sie in guter oder sogar bester Form sind.

Doch wie sich herausstellte, war es diesmal etwas ganz besonderes. Bach! Beethovens Frühlingssonate, fachkundig und wunderschön aufgeführt. Zwei Stücke aus Schumanns Frauenliebe und -leben, aufgeführt von einer führenden italienischen Künstlerin, gefolgt von ihrer beeindruckenden Aufführung eines mächtigen, tragischen Werkes von Verdi: Das Publikum erstarrte in Ehrfurcht! Dann eine meisterhafte Aufführung von Beethovens Chorphantasie - die überzeugendste, die ich je gehört habe. Sie bildete, zusammen mit Verdis großartiger Hymne der hebräischen Sklaven, den Höhepunkt und Abschluß des Abends.

Der erste Tag dieser zweitägigen Konferenz hatte nun bereits einen gewissen Grad hymnischer Überwältigung erreicht. Und damit gingen die Teilnehmer schlafen.

Am zweiten Tag wurde der Geist der Teilnehmer durch den Geist freudiger Stimmen erfrischt, der die schon begeisterte Stimmung des Vortages sogar noch übertraf.

Der Tag begann mit einem ziemlich volltönenden Vortrag des französischen Präsidentschaftsbewerbers Jacques Cheminade. Es war, als marschierten die Argumente in Reih und Glied in den Krieg.

Nach der Mittagspause folgte dann, noch aus Jacques Cheminades Abteilung verblieben, ein Vortrag über das Entwicklungsprojekt Transaqua. Dann kam mein eigener Vortrag über die spezielle Eigenschaft, die aus der menschlichen Gattung eine prinzipiell unsterbliche Gattung macht, ein wunderbares Potential, das der Menschheit in die Wiege gelegt ist, womit sie allen anderen uns bekannten Lebensformen im Universum überlegen ist, abgesehen nur vom Schöpfer selbst.

Trotz all der noch vorhandenen Unsicherheiten in unserem Verständnis des Universums oder auch nur der Galaxis, in der sich unser Sonnensystem befindet und deren funktioneller Teil es ist, weiß die Wissenschaft, daß der Mensch eine geeinte Gattung ist, in der zwar die einzelnen sterblichen Männer und Frauen letztendlich sterben, die aber durch die scheinbar magische Kraft der menschlichen Kreativität die einzige potentiell unsterbliche Form von Lebewesen bildet. Ihr schöpferisches Potential macht unsere Gattung zu einem einzigartigen Wesen von Unsterblichen.

Der Jubel des Publikums wuchs zu einer mächtigen Kraft an, in seinem Ton wie in seiner Bedeutung.

Die Lehre, die daraus zu ziehen ist

In 95% aller Fälle sind alle Gattungen von Lebewesen, von denen wir derzeit wissen, daß sie existieren oder in der Vergangenheit existierten - speziell diejenigen über die Ebene einzelliger Formen hinaus - aufgekommen und wieder untergegangen. Sie kamen und vergingen in einem wiederkehrenden Muster des Massenaussterbens, im Zusammenhang mit den großen galaktischen Zyklen, in die das Schicksal unseres Sonnensystems eingebettet ist.

Der Mensch, ein sterbliches biologisches Wesen, das erst seit ein paar Millionen Jahren auf unseren Planeten existiert, ist in Wirklichkeit die einzige unsterbliche Gattung innerhalb der Grenzen unserer „Milchstraße“, soweit wir sie derzeit kennen.

Wir verkörpern eine tatsächlich unsterbliche Gattung, wegen der besonderen Natur jenes Potentials, das uns zu einer Ausnahme von der Kategorie all jener Gattungen machen kann, die die Zeit hinter sich gelassen hat. Wir unterscheiden uns biologisch nur wenig von unseren unmittelbaren Vorfahren, und unsere bloße „Sinneswahrnehmung“ verleiht uns nur schwache Kräfte, aber die Qualität der bewußten, wahren Kreativität, steht nur den Mitgliedern unserer Gattung und sonst keiner anderen, uns derzeit bekannten lebenden Gattung als Potential zur Verfügung. Dieser erkennbare Unterschied ist die Besonderheit dessen, was man treffend „die Seele“ nennt, die den Menschen unter allen derzeit bekannten Lebewesen auszeichnet.

Wir alle beenden in der einen oder anderen Weise unsere eigene, lebende und sterbliche Existenz. Aber die Erfindungen der menschlichen Seele, durch die sich unsere Gattung ihre unsterblichen Kräfte sichert, wirken in der Existenz des Universums als Prinzip weiter fort. So werden wir, soweit wir es heute wissen, in dieser Weise alle sterben. Aber all diesen Menschen, die früher oder später sterben werden, eröffnet sich durch das Entdecken und Nutzen der universellen Prinzipien die Unsterblichkeit dessen, was wir die „menschliche Seele“ nennen. So wird der Mensch in seiner gegenwärtigen Form in jedem individuellen Fall zu einer potentiell unsterblichen menschlichen Seele, deren Wirken im Leben sie zu einem unsterblichen Wirkungsfaktor in jener höheren Existenzform des Universums macht, die zu erreichen unser aller höchstes Bestreben sein muß.

Es waren, wie manche sagen würden, zwei Tage in Rüsselsheim, aber nicht in Rüsselsheim allein. Möge dies ein unvergängliches Ereignis bleiben, das schönste, dank seines Charakters und seiner Substanz, weil es der unsterblichen Schönheit der menschlichen Seele gewidmet war.

Lesen Sie hierzu bitte auch:
Was Lyndon LaRouche wirklich sagt
- Internetseite der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo)
Ältere Schriften von Lyndon H. LaRouche aus den Jahren 1981-2006
- Internetseite des Schiller-Instituts
Internetseite des LaRouche-Aktionskomitees
- in englischer Sprache