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Neue Solidarität
Nr. 5, 2. Februar 2011

Aus Wirtschaft und Technik

Ghana und Vietnam auf dem Weg ins Atomzeitalter

Ende Januar veranstaltete Ghanas Atomenergiebehörde (GAEC) in Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergieagentur der UN (IAEA) ein viertägiges Seminar über den Ausbau der Kernenergie auf dem Kontinent, an dem 20 weitere afrikanische Nationen teilnehmen. In der Eröffnungsrede betonte Ghanas Ministerin für Umwelt, Wissenschaft und Technologie, Sherry Ayittey, nur wenn Afrika konsequent Wissenschaft und Technik für seine Entwicklung anwende, könne man die Lebensumstände der Bevölkerung grundlegend verbessern.

Fast gleichzeitig kamen am 18.-19. Januar 200 Teilnehmer zur 2. jährlichen Kernenergie-Konferenz in Hanoi zusammen. Hier diskutierten Beauftragte staatlicher Kernenergieagenturen aus ganz Asien über Chancen der Kernenergie und gemeinsame Programme zum Aufbau von Hochtechnologiebetrieben in der gesamten Region.

Am Rande der Konferenz warnte ein Repräsentant der Internationalen Energieagentur (IEA) vor den „hohen Investitionskosten“, dies sei die größte Herausforderung. Aber der Direktor des Viet Nam Energy Instituts, Vuong Huu Tan, wies dieses irreführende Argument zurück und hob den langfristigen Nutzen solcher Investitionen hervor. Die Kernenergie könne sehr wohl mit Kohle, Öl und Gas - die Vietnam allesamt importieren muß - konkurrieren. Auf lange Sicht zeichneten sich Kernreaktoren durch die viel niedrigeren Betriebskosten aus.

Im letzten Jahr hat die vietnamesische Regierung den Bau des ersten Kernkraftwerks genehmigt, dessen zwei Blöcke von Rußland gebaut und 2020 bzw. 2021 fertiggestellt sein sollen. Am 21. Januar unterzeichneten Japan und Vietnam eine Übereinkunft über die Entwicklung und Nutzung der Kernenergie und den Bau eines zweiten Reaktors.

Frankreich plant Bau von Unterwasserreaktoren

Auf einer Pressekonferenz am 19. Januar kündigte das französische Schiffsbauunternehmen DCNS den Bau eines Mini-Kernkraftwerks an, das den Namen FlexBlue tragen soll. Beteiligt sein werden die Konzerne AREVA und EDF sowie die französische Atomenergiebehörde CEA. Die Pressekonferenz hielt Patrick Boissier ab, der Chef des Staatsunternehmens, das Kardinal Richelieu vor 350 Jahren ins Leben gerufen hatte.

DCNS arbeitet seit zweieinhalb Jahren an dem neuen Konzept, Kernreaktoren am Meeresboden vor der Küste zu bauen, um nahegelegene Festlandregionen, Inseln oder Ölplattformen in abgelegenen Gegenden mit Strom zu versorgen.

FlexBlue hat ein zylindrisches Aussehen, ist einige hundert Meter lang und 15m breit. In dem Zylinder befindet sich ein Reaktor mit einer Leistung von 50 bis 250 MW, die Energie soll über ein Unterwasserkabel an eine Stadt von 100.000 bis 1 Mio. Einwohner geliefert werden. Laut Boissier entspräche das „der Größe von Tanger oder einer Insel wie Malta“.

Bis jetzt hat sich Frankreich auf den Export von Druckwasserreaktoren (EPR), große Einheiten mit einer Leistung von 1650 MW, beschränkt. Damit erlitt es 2009 eine Schlappe, als eine Ausschreibung in Abu Dhabi mit einem Volumen von 20 Mrd.$ an den Konkurrenten Südkorea vergeben wurde. Der EPR kostet viel Geld und ist für Entwicklungsländer mit einem relativ unterentwickelten Leitungsnetz eigentlich ungeeignet. Um die neuartige Nachfrage zu decken, arbeiten die Vereinigten Staaten, Rußland und Japan fieberhaft an Konzepten für kleinere Reaktoren.

In Rußland entwickelt das staatliche Unternehmen Rosatom einen schwimmfähigen Reaktor von 150 MW Leistung, dessen erstes Exemplar im nächsten Jahr einsatzbereit sein soll. DCNS wirbt damit, daß sein Unterwasserreaktor andere Vorteile bietet.

Verglichen mit feststehend gebauten Reaktoren hat FlexBlue überreichlich Kühlwasser zur Verfügung und ist geschützt vor Naturkatastrophen wie Stürmen, Tsunamis, Trockenheit oder sogar Erdbeben.

Wirtschaftlich gesehen ist das Konzept sehr attraktiv, weil die mit hohen Kosten verbundenen Bauarbeiten (Erdbewegungsarbeiten, Starkbeton etc.) entfallen. Da der Reaktor sehr nah am Ort des Stromkonsums aufgebaut werden kann, braucht man auch keine langen Übertragungsleitungen.

Was die Sicherheit betrifft, bietet die Unterwasserlösung Schutz vor bestimmten möglichen Terroraktionen, wie Luft- oder Raketenangriffe. Bei einer Lage in mindestens 60m Tiefe wäre ein Zugang sehr erschwert, außer durch hochspezialisierte, mit „schwerem“ Material ausgestattete Taucher.

FlexBlue hat bereits den Durchführbarkeitstest absolviert, und die französische Behörde für Reaktorsicherheit hat dem Projekt grünes Licht gegeben. Jetzt harrt es noch seiner wirtschaftlichen und industriellen Bestätigung. Der erste Prototyp dürfte zwischen 2013 und 2017 in Cherbourg gebaut werden. Bei entsprechender Auftragslage könnte dann mit der Fließbandproduktion begonnen werden. Das französische Projekt zielt mehr auf Entwicklungsländer und Länder, die zum ersten Mal Atomenergie einsetzen. Das Marktpotential wird in den kommenden 20 Jahren auf ca. 200 Unterwasserreaktoren mit bis zu 300 MW Leistung geschätzt.