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Neue Solidarität
Nr. 33, 13. August 2014

Zum Gedenken an Carlo Bergonzi

Am 25. Juli starb Carlo Bergonzi, einer der größten Verdi-Tenöre unserer Zeit. Kurz zuvor noch war sein 90. Geburtstag am 12. Juli mit einem Konzert zu seinen Ehren in Giuseppe Verdis Geburtsstadt Busseto gefeiert worden, wo er regelmäßig Meisterkurse für „Verdi-Stimmen“ abhielt.

Ich hatte die Freude, ihn dort oft zu besuchen und seine Kurse zu verfolgen, denn Bergonzi war einer der nachdrücklichsten Unterstützer der Kampagne des Schiller-Instituts für die Rückkehr zur Verdi-Stimmung (a’=432 Hz) in der Musik. (Lesen Sie dazu bitte auch das nebenstehende Interview mit Bergonzi aus dem Jahr 1993.)

Der in Vidalenzo di Polesine Parmense in der Nähe von Parma geborene Bergonzi gilt als der bedeutendste Verdi-Tenor des Jahrhunderts, unter anderem, weil er als einziger alle 31 Tenorarien Verdis aufgenommen hat. Seine sehr lange Karriere als Verdi-Tenor führte ihn an die Metropolitan Opera, in die Carnegie Hall und alle großen Opernhäuser der Welt.

Wie er mir vor Jahren in Busseto in unserem ersten Interview für die Kulturzeitschrift Ibykus erzählte, begann er seine Studien am Konservatorium in Parma als Bariton, versuchte sich aber im Jahr 1950 während einer Aufführung von Madame Butterfly in Livorno in der Garderobe am hohen C, mit dem der erste Akt endet, und stellte fest, daß die Schwierigkeiten mit den hohen Tönen ausschließlich durch eine mangelhafte Gesangstechnik verursacht wurden. Seit damals sang er Tenor und war ein Meister der Tenor-Gesangstechnik und besonders ihrer Registerwechsel - nicht nur als Sänger, sondern auch als Gesangslehrer in seiner Accademia di Voci Verdiane, der „Akademie für Verdi-Stimmen“ in Busseto.

Er lud mich ein, dem Unterricht zuzuhören, wo ich seine meisterliche Beherrschung der Registerwechsel und der Interpretation erlebte. Beispielsweise forderte er einen Schüler auf, am Beginn der Arie Celeste Aida das hohe F am Ende des Wortes Aida auch im zweiten Register zu singen, statt schon in das höhere dritte Register zu wechseln, was die Interpretation der Arie verändert. Er ließ die Schüler häufig Textzeilen aus den Arien vorsprechen, damit sie es selbst erkannten, wenn ihre Interpretation langweilig war. So sagte er einmal einem Tenor bei der Arbeit an der Arie De miei bollenti spiriti aus La Traviata: „Diese Worte ,Ich vergesse die ganze Welt, ich lebe wie im Himmel’ (dell’universo immemore io vivo quasi in ciel) würden Sie doch niemals so [gelangweilt] sprechen?“

Ich besuchte ihn oft in Busseto im Hotel Due Foscari, das sein Sohn Marco leitet, berichtete ihm das Neueste über die Kampagne des Schiller-Instituts für die Verdi-Stimmung und bat ihn um Unterstützung. Dann sagte er häufig: „Sie lassen nicht locker, wie ihr alle im Schiller-Institut, aber nur so kann man etwas erreichen, deshalb bewundere ich das.“

1997 nahm er mit Lyndon LaRouche an einer Konferenz über die Verdi-Stimmung im berühmten Barezzi-Haus in Busseto teil, zusammen mit einem weiteren großen Verdi-Sänger, dem Bariton Piero Cappuccilli. Von 1988, als das Schiller-Institut in der Casa Verdi in Mailand die erste Konferenz über die wissenschaftliche Verdi-Stimmung veranstaltete, bis 1998 erläuterte er in etlichen Interviews für unsere Kulturzeitschriften, warum die Verdi-Stimmung so wichtig ist, um die von Verdi beabsichtigten Stimmfarben und Register richtig wiederzugeben. Die gegenwärtig verbreitete, zu hohe Stimmung (bis zu a’=448 Hz in Berlin, Salzburg oder Florenz) sei der Grund, warum es heute so wenige gute Verdi-Stimmen gibt. Einmal unterbrach er sogar eine Probe für Donizettis Elisir d’Amore („Der Liebestrank“) in Florenz, holte den ersten Oboisten, der dem Orchester den Stimmton angibt, zu sich in die Garderobe und forderte ihn auf, einen niedrigeren Ton anzugeben, weil sie einen ganzen Ton höher als die Komposition spielten.

1994 gab er in Zusammenarbeit mit dem Schiller-Institut ein Gesprächskonzert in der New Yorker Carnegie Hall, das die bedeutendsten Gesangslehrer der Stadt besuchten, und rief die Lehrer auf, die Schüler nicht „aus praktischen Gründen“ in der überhöhten Stimmung zu unterrichten, sondern eine neue Sängergeneration auszubilden, die wieder echte „Verdi-Stimmen“ entwickelt.

Wir sprechen seiner Witwe Adele unser Beileid aus; ich sprach zuletzt im vergangenen Jahr mit ihr, als sie dem Konzert des Schiller-Instituts in der Verdi-Stimmung in Deutschland im April anläßlich Verdis 200. Geburtstages eine Grußbotschaft ihres Mannes übermittelte.

Die Welt verliert einen großen Tenor und eine Schillersche „schöne Seele“, aber in seinen Aufnahmen und in der Erinnerung der Zuhörer wird Carlo Bergonzi ewig leben.

Liliana Gorini, Vorsitzende von Movisol, Italien