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Neue Solidarität
Nr. 36, 2. September 2015

Das Roncole-Festival belebt Verdis Tradition und das a’= 432 Hz

Vom 11.-13. August wurde in Verdis Geburtsort Roncole in der Provinz Parma zu Ehren von Maestro Giuseppe Verdi das erste „Roncole Verdi Festival“ veranstaltet. An drei aufeinander folgenden Abenden gab es Konzerte und einen Besuch in Verdis Geburtshaus.

Die Veranstaltung an sich war schon interessant, nicht nur weil Verdi in seinem Geburtsort zu hören war, sondern auch, weil sie zeigte, daß klassische Musik sich finanziell selbst tragen kann - eine wichtige Erkenntnis für die heutige Zeit, in der die klassische Kultur mit Vernachlässigung und Mittelkürzungen zu kämpfen hat. Das Festival hatte jedoch auch eine historische und wissenschaftliche Bedeutung, da alle musikalischen Darbietungen in der wissenschaftlichen oder „Verdi-Stimmung“ von a’= 432 Hz stattfanden. Die heute normalerweise benutzte Stimmung liegt zwischen 444 Hz und 448 Hz oder sogar noch höher.

Wie andere Musiker seiner Zeit wußte Verdi, daß die Stimmung von a’= 432 Hz den wohltemperierten klanglichen Bereich in Übereinstimmung mit den Gesetzen des Universums und des menschlichen Hörens festlegt. Aus diesem Grund schrieb Verdi im Jahr 1884 einen Brief an den Musik-Ausschuß der italienischen Regierung und schlug vor, „aus mathematischen Gründen“ die Stimmung a’= 432 Hz einzuführen. Für seine Forderung nach einer wissenschaftlichen Stimmhöhe hatten sich schon die Physiker Joseph Sauveur (1653-1716) und Félix Savart (1791-1841) sowie Charles Meerens (1831-1909) ausgesprochen, aber auch die italienischen Wissenschaftler Archimede Montanelli (1848-1932) und Bartolomeo Grassi Landi, und dank ihrer Unterstützung wurde ein Erlaß verabschiedet, mit dem die „wissenschaftliche Stimmung“ angenommen wurde.

Das Höherschrauben der Stimmung begann mit russischen und österreichischen Militärkapellen und setzte sich dann unter Wagners Einfluß fort (mit einer Stimmhöhe zwischen 440 Hz und 450 Hz). Dahinter stand der Versuch, einen brillanteren Klang zu erzeugen. 1939 verordnete Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels - ohne jegliches wissenschaftliches Kriterium - einen Stimmton von a’= 440 Hz. Ein französisches Referendum von 25.000 Musikern, die sich dagegen aussprachen, konnte das nicht verhindern. Danach wurde diese Stimmhöhe in London als Standard festgelegt und bis heute beibehalten.

Deshalb ist dieses kleine, aber großherzige Festival in Roncole so wichtig, denn es eröffnet eine Diskussion darüber, ob die Brillanz des Klangs entscheidend ist, oder ob man sich wieder auf den natürlichen und wissenschaftlichen Stimmton Verdis besinnen sollte, der die Farbe der Stimme verbessert und die physischen Gesetze respektiert. Dafür setzt sich das Schiller-Institut seit 1988 ein, angefangen mit der ersten Konferenz über wissenschaftliche Stimmung in der Casa Verdi in Mailand. Eine auf dieser Konferenz verabschiedete Petition für a’= 432 Hz wurde danach von mehr als 2000 Musikern in der ganzen Welt unterzeichnet, unter ihnen so namhafte Opernstars wie Piero Cappucilli (der in der Casa Verdi den Unterschied zwischen hoher und tiefer Stimmung stimmlich demonstrierte), Carlo Bergonzi, Placido Domingo, Montserrat Caballé, Alfredo Kraus und Mirella Freni. Außerdem inspirierte sie eine 1988 in das italienische Parlament eingebrachte Gesetzesvorlage (http://www.movisol.org/verdi.htm).

Dirigent des Roncole Verdi Orchesters war Maestro Silvano Frontalini, ein genauer Kenner von Verdis Werken, Organisator des Festivals und entschlossener Befürworter der Verdi-Stimmung. Ihm stellten Movisol und Schiller-Institut nach den Konzerten einige Fragen.

Interview mit Maestro Frontalini

Frontalini: Zu Beginn war das Festival die Idee arbeitsloser Musiker, die pleite waren und sich fragten: „Was sollen wir tun? Den Beruf wechseln und Kellner werden? Oder Selbstmord begehen?“ Statt dessen beschlossen wir, uns selbst einen Job zu schaffen. Wir brachten unsere Sachen in Ordnung, wandten uns an die Gemeinden und sagten ihnen: „Wir sollten Konzerte organisieren. Wir werden von den Einnahmen aus den Eintrittskarten und von einigen privaten, lokalen Sponsoren leben. Die Stadt Busseto [zu der der Ort Roncole gehört] werden wir überhaupt nicht um Geld angehen.“ Und wir bekamen tatsächlich kein Geld. Nur der Veranstaltungsort wurde uns gratis zur Verfügung gestellt. Ich bat das Kultusministerium um eine Unterstützungserklärung - die hätte sie gar nichts gekostet -, doch sie antworteten noch nicht einmal. Also waren wir ganz allein auf uns gestellt, und dennoch schafften wir es, ein Festival zu organisieren, von dem selbst ein Opernhaus nur träumen kann.

Frontalini: Ja, aus der freiwilligen Arbeit von Musikern und einiger anderer Leute, die uns halfen, denn ganz allein hätten wir es nicht geschafft. Wir fanden tatsächlich eine Vereinigung, die an dieses Projekt glaubte.

Frontalini: Es war meine Idee. Ich wußte, es würde einige logistische Probleme geben, aber andererseits war es ein kleines Festival, niemand kannte uns, und es hätte keinen Sinn gemacht, die üblichen Verdi-Arien aufzuführen, die auch andernorts aufgeführt werden. Also entschloß ich mich, zu Ehren Verdis etwas zu tun, das sonst niemand hier getan hatte. Wir schafften es nicht, auf 432 Hz zu kommen - wir kamen auf a’= 435 -, aber a’= 432 bleibt das Ziel. Es gibt musiktherapeutische Studien, die zeigen, daß 432 Hz körperliche Vorteile bringt.

Frontalini: Es erfordert eine Menge Geld. Wir müßten zwei Oboen, zwei Fagotte und zwei Barockflöten für einen Gesamtbetrag von ungefähr 25.000 Euro kaufen oder sie uns leihen, und das kostet 1000 Euro pro Tag. Streichinstrumente und Blechbläser haben keine Probleme mit dem Herunterstimmen, aber die Flöten haben Probleme. Bei den Oboen und Fagotten lösten wir das Problem durch längere Rohrblätter, doch für die Flöten geht das nicht, denn sie sind für a’= 440 Hz gebaut und wenn man sie auf a’= 432 Hz herunterstimmt, dann stimmen die hohen Töne nicht mehr. Aber diese Idee von a’= 432 Hz hat etwas in Bewegung gesetzt: Ich wurde von einer Reihe von Gemeinden in dieser Gegend aufgefordert, eine Machbarkeitsstudie von a’= 432 Hz zu verfassen.

Frontalini: Ich bleibe bei Verdis Idee. Es mag ja stimmen, daß die Musik in der tieferen Stimmung weniger brillant klingt, sie hat dafür aber eine bessere Farbe, man kann eine bessere Mischung des Klangs erreichen. Musiker verstehen das, andere Leute nicht. Die Vorteile liegen in der Musikalität.

Frontalini: Gern, vielen Dank für Ihre Unterstützung und bis zum nächsten Jahr!

Nach den Konzerten interviewten wir auch einige Sängerinnen und Sänger - Soprane, Tenöre, Baritone - und fragten sie, wie das Singen in der tieferen Stimmung sei, und alle antworteten auf die gleiche Weise: das Singen sei viel einfacher, besonders bei den Registerwechseln. Das beweist, was Lyndon LaRouche die ganze Zeit gesagt hat, daß nämlich „Musik die menschliche Singstimme als Grundlage hat“ und daß die Instrumente sich ihr anpassen sollten - nicht andersherum.

Carlos Valdivieso